Twin Peaks - Das Finale: Reaktionen, Erklärungen und ein Blick in die Zukunft

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    Twin Peaks-Fans hatten es nicht leicht: Erst wurde die Serie nach der zweiten Staffel abgesetzt, das Ende war natürlich ein richtig fieser Cliffhanger. Dann wurde vor einigen Jahren bekannt, dass es weitergehen soll und die Peakies freuten sich darauf, zu sehen, wie es weitergeht. Seit Mai lief die Serie von David Lynch und Mark Frost auf dem US-Sender 'Showtime', im Ausland kamen 'Sky'-Abonnementen in den Genuss von Twin Peaks: The Return.

    Und nun ist wieder mal alles vorbei. Haben die Fans monatelang gerätselt und entschlüsselt, und zwar in einem Maß, wovon selbst "Game of Thrones"-Fans nur träumen können, lief am Sonntag Abend in den USA und zeitgleich im Rest der Welt das große Finale in Form einer Doppelfolge.

    Die meisten Fans sind nicht davon ausgegangen, dass es ein Happy End geben wird oder nur ansatzweise ein konventionelles Ende. Schließlich hatte Lynch bei 'Showtime' vollkommen freie Hand, so dass schon in den vorherigen 16 Episoden klar wurde, dass sich der Meister des Surrealismus und Nichtverstehens austoben wird. Nein, Twin Peaks, und vor allem diese dritte Staffel, wurde nicht für die breite Masse gemacht. Was Lynch uns mit The Return gezeigt hat, war unkonventionelles Fernsehen, das mit allen Konventionen brach. Arthouse in der Flimmerkiste. So erwartete man schon gar keine lustige Runde in der letzten Szene der Staffel, in der alle beisammen sitzen und fröhlich verdammt guten Kaffee trinken, Kirschkuchen essen und über das Erlebte plaudern und lachen.

    Nichtsdestotrotz hatte mit diesem Finale offenbar niemand gerechnet, auch nicht nach der gefeierten Episode 8. So gar nicht. Auf 'Twitter' ging etwa 48 Stunden lang die Post ab, nachfolgend haben wir eine Sammlung der besten Tweets für euch, bevor wir uns der Frage annehmen, was das, was uns da gezeigt wurde, eigentlich alles sollte:





















    Falls es euch so ähnlich erging, so haben wir gute Nachrichten: Es gibt Wege, das Finale zu entschlüsseln. Es kursieren mittlerweile einige Theorien im Netz rum, die plausibelste zum Ende der Staffel möchten wir euch nachfolgend vorstellen, auch wenn diese nicht alle Fragen beantwortet (beispielsweise lässt sie offen, was genau mit Diane los war).

    Dass Dale Cooper die Vergangenheit ändern möchte, um Laura zu retten, wurde bereits im Vorfeld spekuliert. Insbesondere auch die Worte "Laura is the one" ("Laura ist die eine") von der Log Lady gaben dieser Theorie Nachdruck. Coop geht also mit Laura durch den Wald und möchte sie nach Hause bringen, so dass sie nicht - wie wir im Film "Fire Walk with Me" gesehen haben - auf der Drogenparty von Leo Johnson, Jacques Renault und Ronette landet. Wie wir wissen, wird diese Party durch Leland Palmer, der von Bob besessen ist, gestört, was letztlich zum Tode Lauras führt. Laura soll nun also nach Hause gehen und stirbt folglich nicht. Deshalb verschwindet Laura auch zu Beginn der Staffel aus dem Red Room, weil ihr Tod damit verhindert wurde.

    Dass dieser Plan nun aufgeht, indem Cooper Laura einfach nach Hause bringt, wäre aber zu einfach, so dass Laura an der Hand von Cooper verschwindet. Verantwortlich hierfür ist offenbar Judy, oder Mother, wie wir sie in der achten Episode der dritten Staffel kennengelernt haben. Es wird deutlich, dass die Szene im Red Room in der ersten Folge der dritten Staffel nachfolgend geschieht. Der Fireman (Riese) gibt Dale einige Hinweise, unter anderem nennt er die Namen "Richard" und "Linda", unter dessen Namen Cooper und Diane später existieren (Diane nennt Coop in ihrem Brief Richard und unterschreibt mit "Linda").






    Cooper verlässt also wieder den Red Room und trifft auf Diane, woraufhin diese 430 Kilometer fahren (die 430 war ein weiterer Hinweis vom Fireman) und in eine neue Zeitlinie reisen. Am Motel angekommen sieht Diane eine andere Diane. Dies könnte eine Diane aus einer anderen Zeitlinie sein, die erneut versucht, die Zeit zu ändern. Diane bemerkt letztlich, dass sie eigentlich Linda ist und verschwindet, während Cooper aber immer noch Cooper ist, da er durch Elektrizität seine Identität nicht mehr verlieren kann, schließlich hatte er diese Erfahrung mit Dougie Jones bereits gemacht.

    Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich Cooper verändert hat. Er ist nicht mehr der doch eher aufgeweckte FBI-Agent, den wir kennen, sondern wirkt er distanzierter und in sich gekehrter, fast wie Mr C, sein Alter Ego, der von Bob besessen war. Vielleicht sind Zeitreisen durch Elektrizität doch nicht so gut? Vielleicht ist er mit Mr C sogar verschmolzen?

    Nachdem sich Diane aus dem Staub gemacht hat, findet Cooper Laura über ein Café namens "Judy's", allerdings hat sie hier eine vollkommen andere Identität: Sie heißt Carrie Page und kennt die Palmers nicht einmal. Beachtlich ist allerdings, dass sie ein weißes Pferd als Dekoration rumstehen hat, und aufmerksame Twin Peaks-Zuschauer wissen, dass dieses weiße Pferd nie etwas Gutes bedeutete. Hier gibt es also durchaus Verknüpfungen zur ursprünglichen Zeitlinie.

    Carrie Page folgt Cooper also zum vermeintlichen Haus der Palmers, wo allerdings eine Alice Tremond (kleine Anekdote am Rande: Die Schauspielerin von Alice Tremond heißt Mary Reber und wohnt tatsächlich in dem Haus) die Tür öffnet, die auch keine Ahnung hat, wer die Palmers sind. Das Haus habe sie von Mrs. Chalfont gekauft. Es ist also offenbar alles etwas anders in dieser Zeitlinie, jedoch nicht wirklich: Eingefleischte Fans hören an dieser Stelle etwas klingeln, denn Ms. Chalfont war in dem Trailer Park, als Teresa Banks starb, später erscheint sie Laura in "Fire Walk with Me". Sie ist eindeutig mit der Black Lodge verknüpft, so dass hier klar wird, dass es im Prinzip kein Entrinnen vor dem Kampf zwischen Gut und Böse gibt.

    Untermauert wird diese Tatsache, die gleichzeitig auch die Aussage der Staffel darstellt, durch Phillip Jeffries Symbolik in Episode 17: Das Eulenhöhlensymbol verwandelt sich zu einer Acht, aber es ist gar keine Acht, sondern das Unendlichkeitssymbol. Dies kann als eine Warnung verstanden werden, denn der Kampf wird nie aufhören, egal, wie oft Cooper versucht, ihn zu ändern. Judy (aka Mother) hat in Episode 8 Bob erschaffen, als Reaktion darauf hat der Fireman Laura erschaffen.



    Aber zurück zum Haus: Ms. Chalfonts Erwähnung kann gleichzeitig auch zeigen, dass das Haus der Palmers ein Problem darstellt: Dort sind seltsame Dinge geschehen, nicht nur die Vergewaltigungen an Laura sowie die Morde an Laura und Maddie, sondern haben wir in der dritten Staffel auch gesehen, dass Sarah Palmer ein bisschen, nun, durchdreht. Es gab eine Szene, in der Hawk an der Tür bei Sarah stand und Geräusche aus der Küche hörte. Dieses Haus hat ein spirituelles Problem, könnte man sagen.

    Sinn ergibt diese Theorie vor allem dahingehend, weil sie einiges erklärt: So gab es beispielsweise in Mark Frosts Buch "The Secret History of Twin Peaks" einige inhaltliche Unterschiede zu den ersten beiden Staffeln von Twin Peaks. Auch Annie Blackburn wurde weder dort noch in The Return in irgendeiner Form erwähnt, was seltsam ist, schließlich hatte Cooper sie geliebt und diese Liebe führte dazu, dass Cooper die Lodge betritt. Mittlerweile wird auch schon spekuliert, ob Annie nicht auch eine Tulpa ist (mehr zur Tulpa hier: Twin Peaks - Tammy Prestons Erwähnung der Tulpa könnte vieles erklären), die dafür sorgen musste, dass Cooper auch tatsächlich in die Black Lodge geht, damit all das passiert, was passieren sollte.

    Dass mit der Zeit etwas nicht stimmte, war jedoch absehbar: So hat Sarah Palmer zum Beispiel die immer gleichen 30 Sekunden eines Boxkampfs gesehen und der Zustand der Leiche von Major Briggs ist nun auch plausibler. Vielleicht ist durch die Zeimanipulation auch erklärt, weshalb Philip Jeffries Worte aus "Fire Walk with Me" in Episode 15 minimal anders klangen: Es wurden nicht die Originalworte von David Bowie verwendet, sondern hat jemand anders den Text minimal anders eingesprochen, statt "who do you think this is" wurde in Episode 15 "who do you think that is" verwendet. Dies kann Schlampigkeit sein, aber durchaus auch Kalkulation.

    Der Kampf zwischen Gut und Böse geht also weiter und Cooper ist nach wie vor gefangen, in der Schleife der Zeit, bei dem Versuch, Laura zu retten. Vieles bleibt noch unbeantwortet und man kann nur hoffen, dass Mark Frosts "The Final Dossier" mehr Licht ins Dunkel bringt, welches noch in diesem Herbst erscheint. Interessant wären unter anderem auch die Fragen, was mit Audrey passiert und passiert ist, weshalb Philip Jeffries ein Teekessel ist und wer die Glasbox in New York zu verantworten hat.

    Sicherlich ist das Ende von Twin Peaks ein passendes Serienende, voller Pessimismus mit offenen Fragen. Es würde aber auch Stoff für einen weiteren Film oder eine weitere Staffel bieten. 'Showtime'-Chef David Nevins hatte im August noch erwähnt, dass seine Tür für Lynch und Frost jederzeit offen stünde (mehr dazu: Twin Peaks - Weitere Staffel unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen), nun aber hat sich auch Hauptdarsteller Kyle MacLachlan zu Wort gemeldet. Dieser sagte, dass er sich sehr sicher sei, dass es keine Gespräche für mehr Twin Peaks gäbe.

    Er selbst verarbeitet noch das Finale: "Ich bin sehr gerührt. Es war am Ende ganz offensichtlich ein traumatisches Ereignis. Man kann das auf so viele unterschiedliche Arten interpretieren. Ich weiß nicht einmal, wie ich darüber denke. Wir haben das sehr früh gedreht und nun dort zurück zu sein ist so stark - vor allem mit Sheryl Lee und diesem furchteinflößenden Schrei mitten in der Nacht in einer kleinen Nachbarschaft in Seattle."

    Vielleicht folgt noch irgendetwas, aber kauft also erst einmal oben genanntes Buch.

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