Mad Men - Unser Serientipp des Monats

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    Vor zehn Jahren – am 19. Juli 2007 – schickte der damals noch kleine und recht unbekannte US-Kabelsender AMC seine erste eigenproduzierte Serie auf Sendung. Dies war Mad Men, die sich über den Lauf der Zeit zu eine der besten und vielschichtigsten Serie auf dem Markt entwickelt sollte. Danach legte AMC mit "Breaking Bad" ein weiteres Schwergewicht für Serienfans bereit und mit "The Walking Dead" kam dann schließlich der absolute Durchbruch für den Sender.

    In diesem Special soll der Fokus aber auf Mad Men, dem Kronjuwel aus dem Hause AMC, liegen. Mad Men stammt aus der Feder von Matthew Weiner, der zuvor bei der gefeierten HBO-Serie "The Sopranos" als Autor tätig war. Zunächst lag es natürlich nahe, dass Weiner versuchte seine Serie bei HBO unterzubringen, doch der Sender lehnte das Drehbuch 2002 ab und somit wandte sich Weiner an AMC, der auf der Suche nach Originalideen war, um auch ins Geschäft der eigenproduzierten Serien einzusteigen – einem Boom, der zu dieser Zeit gerade erst begonnen hatte.

    So kam es, dass Matthew Weiner Mad Men schließlich bei AMC unterbrachte und damit den Grundstein für den Sender schuf. Nach einer langen Entwicklungszeit und einer anschließenden großen Werbekampagne, feierte Mad Men schließlich im Juli 2007 Premiere. Der Erfolg war bescheiden, aber da AMC nicht mit einem sofortigen Erfolg gerechnet hatte, wurde Mad Men dennoch für eine zweite Staffel verlängert. Und das Durchhaltevermögen sollte sich zumindest von Seiten der Preisverleihungen auszeichnen. Direkt im ersten Jahr gewann Mad Men den Golden Globe für die beste Dramaserie. Ab dem zweiten Jahr hagelte es dann regelmäßig Emmys und Golden Globes, sowohl für die beste Dramaserie, als auch für Jon Hamm als besten Hauptdarsteller.

    He may act like he wants a secretary but most of the time they’re looking for something between a mother and a waitress. And the rest of the time, well…




    Doch worum geht es bei Mad Men überhaupt? Grob gesagt: um Werbung. Doch kann eine Serie über Werbung überhaupt spannend sein? Durchaus. Hat man sich als Zuschauer auf die Serie eingelassen, wird einem schnell klar, dass es bei Mad Men um wesentlich mehr geht, als um schlichte Werbung. Mad Men ist eine tiefgehende Charakterstudie in einer Welt des Werbegeschäfts in den sechziger Jahren in New York. Direkt in der Pilotepisode, die passender Weise 'Schall und Rauch' (im Original: 'Smoke Gets in Your Eyes') betitelt ist, wird klar, dass in dieser Welt alles mehr Schein als Sein ist. Die Figuren sind teilweise zutiefst gebrochen, haben dunkle Geheimnisse oder auch einfach ganz alltägliche Probleme. Doch nach außen hin wird der Glamour aufrechterhalten. Jeder gibt sich, als wäre sein Leben perfekt und er hätte den besten Job der Welt. Doch hinter verschlossenen Türen können die Charaktere ihre Masken ablegen und sich so geben, wie sie wirklich sind.

    Bleiben wir doch direkt bei der Pilotepisode und gehen etwas auf die Hauptfigur Don Draper ein, dargestellt von Jon Hamm. Er ist quasi das Vorzeigebild dieses Lebensstils. Nach außen ist Don der Gentleman wie man ihn sich in den 1960ern vorstellt. Immer im Anzug, perfekt sitzende Haare, charmant bis in den Himmel und überaus gutaussehend. Bei Präsentationen für seine Ideen für Werbekampagnen ist er überzeugend und gilt als Aushängeschild der Werbeagentur Sterling Cooper, bei der er angestellt ist. In der Pilotepisode begleitet man Don durch einen für ihn ganz normalen Arbeitstag. Eine Präsentation für eine neue Werbeidee, das Ausarbeiten von weiteren Ideen und natürlich der normale Alltag im Büro, samt Telefonaten, rumkommandieren seiner Sekretärin Peggy Olson (Elisabeth Moss) und einem Geschäftsessen am Abend mit potentiellen neuen Klienten. Hier wird dann auch ganz schnell klar, dass Don bereit ist alles zu tun. Er steigt mit der möglichen Klientin ins Bett und unterzeichnet anschließend den Vertrag, dass Sterling Cooper für die Werbemaßnahmen zuständig ist. Und ganz am Ende der Episode, geht Don mit sich selbst zufrieden zurück nach Hause. Wo Frau und Kinder auf ihn warten.

    Doch als wäre das noch nicht genug, dass Don ein fremdgehender Egomane ist, präsentiert uns die Serie nach nur wenigen Folgen eine weitere Eigenschaft Dons. Er ist eigentlich gar nicht der, der er vorgibt zu sein. Sein eigentlicher Name ist Dick Whitman und er hat eine neue Identität angenommen, nachdem er im Koreakrieg im Einsatz war. Diese dunkle Vergangenheit Dons wird im Laufe der Serie immer wieder aufgegriffen, vertieft und von allen möglichen Seiten beleuchtet und bietet einen der interessantesten Blickwinkel auf die Figur, die ihn in verschiedenen Lichtern erscheinen lassen.

    Advertising is based on one thing, happiness. And you know what happiness is? Happiness is the smell of a new car. It’s freedom from fear. It’s a billboard on the side of the road that screams reassurance that whatever you are doing is okay. You are okay.


    Doch Mad Men konzentriert sich bei seiner ausgiebigen Ausarbeitung der verschiedenen Figuren nicht nur auf Don Draper. Auch alle anderen Charaktere bekommen eine bis ins Detail ausgearbeitete Hintergrundgeschichte, sowie Alleinstellungsmerkmale und Persönlichkeiten. Niemand gleicht dem anderen, und vor allem wirken die Figuren niemals unecht. Bei der Ausarbeitung wurde auf jedes Detail geachtet, und durch die immer perfekt gewählten Schauspieler bekommt man das Gefühl, als würde man tatsächlich einen Blick in die Vergangenheit werfen und echten Menschen in ihrem echten Leben beobachten.

    Über den Lauf der sieben Staffeln und insgesamt 92 Episoden sind einige Charaktere gegangen und einige Neue hinzugekommen. Die Serie schaffte es stets interessant zu bleiben und auch des Öfteren mal neuen Schwung in die Geschichte zu bringen indem ein Umbruch vonstattengeht, der die Serie in eine neue Richtung bringt.



    Doch Mad Men wäre nicht das, was es ist, wäre da nicht die wundervolle Ausstattung und das Settdesign. Die 60er Jahre, egal zu welcher Zeit, wurden von der Serie nahezu perfekt getroffen. Sei es die Kleidung der Figuren, die Einrichtung der Gebäude, die Autos, die Musik, oder auch die Ausdrucksweise und das Verhalten der Menschen. Dies fällt vor allem in dem regen Konsum von Zigaretten und Alkohol auf. Es gibt kaum eine Szene in der nicht geraucht, getrunken oder beides gleichzeitig getan wird. Das Selbstverständnis dem nachzugehen wird vor allem dann besonders deutlich, wenn an heutzutage unvorstellbaren Orten geraucht wird. Im Flugzeug, im Kino, zusammen mit dem Arzt bei einer Untersuchung, oder ganz allgemein beim Essen oder dem Fernsehabend mit den Kindern.

    Die 60er fühlen sich echt an, und natürlich müssen in einer solchen Welt auch reale Ereignisse behandelt werden. So werden die Mondlandung, das Kennedy-Attentat oder auch die Aufstände in Detroit behandelt. Aber immer nur am Rande und nie zu aufdringlich. Hier wird sich stets darauf konzentriert, wie die Charaktere die Geschehnisse aufnehmen, verarbeiten und dann ihr Leben weiterleben.

    They say as soon you have to cut down on your drinking, you have a drinking problem.


    Doch zu dieser Zeit gehört auch die Rolle der Frau, in der sie die männlichen Figuren am liebsten sehen. Unterwürfig, als Objekt der Begierde und ganz besonders als Hausfrau, die das Essen auf den Tisch stellt sobald der Mann nachhause kommt. Doch auch die Frauen im Büro – in der Regel nur einfache Sekretärinnen – werden nicht gerade besser behandelt. Die Werbemachenden nutzen ihre Macht gerne aus um das zu bekommen, was sie von ihnen haben wollen, und in einer späten Episode geht das Ganze sogar so weit, dass ein potentieller neuer hochwertiger Klient nur zu Sterling Cooper kommt, wenn er mit einer bestimmten Frau der Belegschaft eine Nacht verbringen kann. Hier wird dann auch wieder mal mehr als deutlich, in was für einer abartigen Welt sich Geschichte bewegt, als der Großteil der Partner kein Problem damit hat und sogar versuchen, das ganze per Abstimmung zu entscheiden. Hier passt dann auch wieder der Titel der Pilotepisode perfekt, denn nach außen hin wirkt alles so glamourös und glanzvoll, während im Inneren eine zutiefst zerfressene Gesellschaft lebt und arbeitet.

    Mad Men ist allerdings bei all den Szenen, die die Absurdität sowie Eigenheiten dieses Jahrzehnts, egal ob positiv oder negativ, niemals wertend und überlässt dies komplett und einzig allein dem Zuschauer.



    Mad Men ist gewiss keine Serie für die leichte Unterhaltung am Sonntagabend. Doch wenn man sich als geneigter Zuschauer auf die Serie und ihre komplexen Figuren und Geschichte einlässt, wird man am Ende der langen Reise mit einer der besten Serien überhaupt belohnt, die es wert ist, sich die viele Zeit zu nehmen und angeschaut zu werden.


    The day you sign a client is the day you start losing him.

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