Mord im Orient-Express

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  • Einleitung

    Mord im Orient-Express von Regisseur und Hauptdarsteller Kenneth Branagh ist die bereits vierte Verfilmung des beliebten gleichnamigen Romans von Agatha Christie. Ab dem 9. November 2017 läuft das Krimi-Drama mit Starbesetzung in den deutschen Kinos an. Zum hochkarätigen Ensemble gehören neben Branagh noch Daisy Ridley, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Willem Dafoe, Leslie Odom Jr., Tom Bateman, Judy Dench, Penelope Cruz, Josh Gad und Lucy Boynton an.

    Nach einem Fall in Jerusalem will der berühmte Detektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) in seine Heimat reisen. Durch den befreundeten Monsieur Bouc bekommt er einen Platz im berühmten Orient-Express. Voller Vorfreude auf seinen Urlaub und eine gemütliche Zugreise, muss Poirot viel früher als erwartet einen Mordfall lösen. Einer der Passagiere wird ermordet und so wird sofort klar, dass sich der Mörder noch im Zug befinden muss. Ab sofort ist jeder ein Verdächtiger.So liegt es an Poirot gegen die Zeit anzukämpfen, das Rätsel zu lösen, bevor der Mörder noch einmal zuschlagen kann.



    Kritik

    Agatha Christies berühmtes Werk „Mord im Orient Express“ ist ein klassischer „who done it“ Krimi, in dem es um die Auflösung eines Mordes geht. Auf engstem Raum befinden sich 12 Personen im Orient-Express und jeder einzelne könnte der Täter sein. Der beste Detektiv seiner Zunft Hercule Poirot nimmt sich dem Fall an und ermittelt. Der Film besitzt von Anfang an ein hohes Pacing und steigt mit der Geschichte schnell ein. Im Gegensatz zur Vorlage besitzt der Film eine zusätzliche Einführung die Poirots Genialität einfach und effektiv darstellt und die Figur recht früh charakterisiert. Leider schaffen es Regisseur Branagh und sein Drehbuchautor Michael Green die im Prinzip interessante Geschichte nicht spannend genug zu erzählen. Die fehlende Spannung macht es dem Zuschauer schwer mitzufiebern und sich dem Fall hinzugeben. Nach der sehr gelungenen Einführung verfliegen die Leichtigkeit und der Charme des Films mit fortlaufender Spielzeit und entwickelt sich immer mehr zu einer zusammenhangslosen Ermittlung. In nur wenigen Szenen schafft es der Film eine dichte Atmosphäre aufzubauen und interessant zu wirken. Zum Ende trägt der Film für meinen Geschmack viel zu dick auf. Das wäre auch subtiler gegangen.

    Das Herz der Produktion ist zweifelsohne das große Schauspiel-Ensemble, das die Produktion auffährt. Im Mittelpunkt steht der sowohl als Regisseur und Hauptdarsteller auftretende Kenneth Branagh in der Rolle des Detektiv Hercule Poirot. Branagh interpretiert die Figur als einen furchtlosen, hartnäckigen, charmanten aber auch unbarmherzigen Ermittler. Sein Schauspiel ist gelungen und trägt den Film ohne Probleme, auch wenn er hin und wieder in overacting abrutscht. Das restliche Ensemble ist leider zu großen Teilen verschenkt. Die 12 Passagiere, die zur selben Zeit auch die Verdächtigen sind, verkommen zu eindimensionalen und uninteressanten Figuren, die im Schatten von Branaghs Poirot stehen. Großartige Schauspieler wie Judy Dench oder Willem Dafoe haben fast nichts zu tun. Zudem bekommen sie von dem Drehbuch viel zu wenige Szenen. Daisy Ridley, die eine tolle Leinwandpräsenz besitzt zwar einige gute Szenen, kann aber auch nicht viel zeigen. Einzig Michelle Pfeiffer bekommt vom Drehbuch eine ansprechende Screentime und kann neben Branagh am meisten zeigen. Es ist zu Schade, dass es der Film nicht schafft solch tolle Schauspieler zu würdigen.

    Mord im Orient-Express besticht durch eine tolle Ausstattung und Setdesign im inneren des Zuges. Die Innenaufnahmen vermitteln eine schöne klassische Atmosphäre, zu der Einrichtungsgegenstände der 30er Jahre und die Kostüme der Darsteller viel beitragen. Auch die Lichtsetzung und Farbgestaltung weiß zu gefallen. Leider wird diese Qualität bei den Außenaufnahmen nicht gehalten. Hier arbeiten die Macher unglücklicherweise mit zu viel CGI, die oftmals nicht sehr gelungen wirkt. Fast in jeder Außen- bzw. Landschaftsaufnahme ist das CGI klar zu erkennen. Es schadet der Atmosphäre ungemein, wenn man klar erkennt, dass ein CGI Zug durch computeranimierte Landschaften fährt. Nur ganz wenige Außenaufnahmen können überzeugen.

    Erwähnenswert ist noch Patrick Doyles Filmmusik, die ich sehr gelungen fand. Der Score kann den Film mit schönen klassischen Klängen untermalen und überzeugt besonders in den dramatischen Szenen.



    Fazit

    Mord im Orient-Express hat zwar seine Momente und ist beileibe kein wirklich schlechter Film, bleibt jedoch leider über den Großteil seiner Laufzeit ein eher spannungsarmes Krimi-Drama mit einem beeindruckenden Cast. Im Großen und Ganzen schafft es der Film zu unterhalten und ist daher im leicht überdurchschnittlichen Bereich anzusiedeln. Jedoch wird er deshalb nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben. Für einen verregneten Sonntagnachmittag reicht es dennoch. Krimifreunde und Fans der Vorlage können also einen vorsichtigen Blick riskieren.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Murder on the Orient Express
    Land:
    USA
    Jahr:
    2017
    Studio/Verleih:
    20th Century Fox
    Regie:
    Kenneth Branagh
    Produzent(en):
    Ridley Scott, Mark Gordon, Simon Kinberg, Kenneth Branagh, Judy Hofflund, Michael Schaefer
    Drehbuch:
    Michael Green
    Kamera:
    Haris Zambarloukos
    Musik:
    Patrick Doyle
    Genre:
    Krimi, Drama
    Darsteller:
    Kenneth Branagh, Penelope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr., Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley, Marwan Kenzari, Olivia Colman, Lucy Boynton, Manuel Garcia Rulfo, Sergei Polunin, Tom Bateman
    Inhalt:
    Was als luxuriöse Zugfahrt durch Europa beginnt, entwickelt sich schnell zu einer der stilvollsten, spannendsten und aufregendsten Mysterien, die je erzählt wurden. Basierend auf dem Buch der Bestsellerautorin Agatha Christie, erzählt MORD IM ORIENT EXPRESS die Geschichte von dreizehn Fremden in einem Zug, von denen jeder ein Verdächtigter ist. Ein Mann muss gegen die Zeit ankämpfen, das Rätsel zu lösen, bevor der Mörder noch einmal zuschlägt. Kenneth Branagh inszeniert und führt das hochkarätige Star-Ensemble an, u.a. mit Penelope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley und Josh Gad.
    Start (DE):
    9. November 2017
    Start (USA):
    10. November 2017
    Laufzeit:
    114 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.cluesareeverywhere.com

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