Er ist wieder da

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Wenn ein gutes bzw. erfolgreiches Buch auf den Markt kommt, dann bietet es sich meist schon an, es zu verfilmen. So erging es dann auch Er ist wieder da. Doch wurde das Buch in der Audiobook-Version noch von Christoph Maria Herbst gesprochen, mimt er wider Erwarten nicht Adolf Hitler - die Rolle ging stattdessen an Oliver Masucci. Regisseur David Wnendt (Nein, das ist kein Tippfehler!) dachte sich, dass Herbst auf der Straße erkannt würde und verzichtetet somit auf den smarten Schauspieler in der Hauptrolle - und statte ihn dafür mit einer Nebenrolle aus. Somit wollte Wnendt sicherstellen, dass die Leute auf offener Straße möglichst authentisch reagieren. Doch ist dem auch so?


    Kritik


    Ein gutes Buch ist nicht unbedingt gleich ein guter Film. Regisseur David Wnendt versucht, eine Mischung zu finden: Teilweise wurde der Film gescriptet und gestellt, sprich von Darstellern nachgespielt. Der andere Teil bestand daraus, echte Menschen auf offener Straße oder in irgendwelchen anderen Locations zu veralbern. Der gescriptete Teil funktioniert leider nur bedingt. Viele Witze sind nicht gut und bewirken nicht mal ein Schmunzeln beim Zuschauer und die Schauspieler sind jetzt auch nicht so der Knaller. Wenn dann allerdings mal Leute aufs Korn genommen werden, dann spielt Er ist wieder da doch einige seiner Stärken aus. Es ist an einigen Stellen sogar "recht" schockierend, wie so mancher Mitbürger reagiert und was er so von sich gibt. Des Weiteren gelingt es dem Film, mit zunehmendem Verlauf äußerst gesellschafts- und vor allem medienkritisch zu werden. Dass auch heute noch, wo man doch aus den Vorkommnissen des Zweiten Weltkrieges gelernt haben sollte, sich genug Menschen dazu bereiterklären würden, Hitler zu folgen, ist mehr als beunruhigend. Die Medien bekommen übrigens ebenfalls ihr Fett weg - allen voran das TV, das in einem wunderbaren Zapping in seine Einzelteile zerlegt wird. Unfassbar, was heutzutage so über den Bildschirm flimmert. Das muss man sich wirklich mal vor Auge führen... Doch so gut das nun auch klingen mag, leider überwiegt der schwache, gescriptete Teil, der sich sehr in die Länge zieht und dem Zuschauer einiges abverlangt. Da stellt sich aber generell die Frage nach dem Humor des Einzelnen. Wer über schlechte Witze lachen kann, wird Er ist wieder da einiges abgewinnen können. Die restlichen Zuschauer können sich zumindest an der Kritik vergnügen, müssen dafür aber einiges an Sitzfleisch mitbringen.


    Die bereits angesprochenen Schauspieler rangieren von mega schlecht bis hin zu super. Am unteren Ende bewegt sich Fabian Busch, der als Journalist schauspielerisch gnadenlos versagt. Oben an der Spitze befindet sich selbstverständlich der Führer himself, gespielt von Oliver Masucci. Hier hat man die richtige Entscheidung getroffen, auf Christoph Maria Herbst als Adolf Hitler zu verzichten, um so ein wenig authentischere Ergebnisse zu erzielen. Doch auch hier muss man etwas vorsichtig sein: Gezeigt werden fast ausschließlich die Grenzdebilen, die mit ihren Antworten sicherlich die meiste Unterhaltung garantieren. Allerdings suggeriert der Film somit dem Zuschauer, dass die meisten deutschen Bürger so denken - und verkommt damit ebenfalls zu einem Teil der Propagandamaschine, die er eigentlich kritisieren möchte.


    Fazit


    Mit dem entsprechenden Humor findet sich hier durchaus Unterhaltung, doch viele Zuschauer dürften den Film mehr als gelangweilt verfolgen. Die Medien- und Gesellschaftskritik ist zwar sehr gut gelungen, jedoch überwiegt der gescriptete Teil den echten, was für einiges an Kopfschütteln sorgen dürfte. Wir können Er ist wieder da also nur bedingt empfehlen und bleiben mit der Erkenntnis zurück, dass hier einige Möglichkeiten verspielt wurden. Mehr Reality und weniger Gestelltes wäre nicht nur im TV schöner, sondern auch bei diesem Kinofilm.

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2:
    Bewertung: 4/10
    Infos
    Originaltitel:
    Er ist wieder da
    Land:
    Deutschland
    Jahr:
    2015
    Studio/Verleih:
    Constantin Film
    Regie:
    David Wnendt
    Produzent(en):
    Lars Dittrich, Christoph Müller
    Drehbuch:
    David Wnendt
    Kamera:
    Hanno Lentz
    Musik:
    Enis Rotthoff
    Genre:
    Komödie
    Darsteller:
    Oliver Masucci, Fabian Busch, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Franziska Wulf, Lars Rudolph, Michael Kessler
    Inhalt:
    Er ist wieder da, der Führer. Knapp 70 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang erwacht Adolf Hitler im Berlin der Gegenwart. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Angela Merkel und vielen tausend Ausländern startet er, was man am wenigsten von ihm erwartet hätte: eine Karriere im Fernsehen. Denn das Volk, dem er bei einer Reise durch das neue Deutschland begegnet, hält ihn für einen politisch nicht ganz korrekten Comedian und macht ihn zum gefeierten TV-Star. Und das, obwohl sich Adolf Hitler seit 1945 äußerlich und innerlich keinen Deut verändert hat.
    Start (DE):
    8. Oktober 2015
    Start (USA):
    -
    Laufzeit:
    110 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Links
    deutsche Webseite:
    http://www.constantin-film.de/kino/er-ist-wieder-da/

    1.466 mal gelesen