Mistress America

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    Kritik


    Nach "Frances Ha" konnten Regisseur Noah Baumbach und Schauspielerin Greta Gerwig, die übrigens liiert sind, es sich nicht nehmen lassen, erneut einen Film zu schreiben, in dem Gerwig die Hauptrolle übernommen hat. Sie spielt die quirlige, aufgedrehte, selbstbewusste und gezielt egoistische Brooke sehr glaubwürdig. Man könnte fast meinen, sie spielt sich selbst, denn alles, was sie macht, wirkt durchgehend authentisch. Aber auch Lola Kirke kann ihrer Seit überzeugen. Ihre Figur Tracy wird von Brooke regelrecht in den Bann gezogen und das triste Studentenleben scheint ein Ende zu haben. Hier spielt Mistress America auch gleich seinen ersten Pluspunkt aus. Viele Dinge, die gesagt und/oder gezeigt werden, werden sehr realistisch dargestellt. Am besten zeigt sich dies am langweiligen Campus-Leben. Wo viele Filme auf Party und dicke Hose machen, bleibt man hier sehr bodenständig und realistisch. Da fühlt man sich als Zuschauer glatt in die Rolle der Tracy hineinversetzt, denn wer glaubt nach all den Filmen nicht auch, dass Studenten nichts arbeiten und nur feiern? Richtig, es sind einige - zumindest bis auf die Studenten selbst, denn die wissen es nun mal besser. Doch das bedeutet nicht, dass Mistress America nicht hin und wieder in die Klischeekiste greift und sich seinen gewünschten Handlungsverlauf so zusammenschustert, wie es den beiden Autoren gerade gepasst hat. Brooke knutscht beispielsweise auf einer Hausparty fremd, was fotografiert und - natürlich - ihrem Freund, den man übrigens nicht zu sehen bekommt, weil für die Story irrelevant, zugespielt wird. Zum einen ist das zwar eine nette Kritik an unserer Social Media geprägten Gesellschaft, die sich scheinbar dazu verpflichtet fühlt, alles dokumentieren zu müssen. Allerdings kommt dadurch auch die Frage auf, warum das im Film überhaupt behandelt wird.


    Aber all das fällt nicht allzu sehr ins Gewicht, denn man fühlt sich bestens unterhalten. Das liegt einerseits an den humorvollen, spitzzüngigen und meist sogar recht intellektuellen Dialogen, die durch die schnellen Schnitte, mit denen sie gefilmt wurden, für ordentlch Schwung sorgen. Andererseits muss an dieser Stelle die kurze Laufzeit von gerade einmal 84 Minuten hervorgehoben werden. Das klingt zwar nach wenig Film für viel Geld, aber mehr wäre hier nicht angebracht gewesen. Noah Baumbach fährt außerordentlich gut damit, den Film nicht unnötig aufzublähen, was wahrscheinlich einiges an unterhaltsamem Tempo gekostet hätte. Super Entscheidung! Zudem können wir noch den Soundtrack lobend erwähnen, der mit seinen Retro-Klängen für einen echten Feelgood-Film sorgt. Dass der Film so herzerwärmend und glücklich wurde, ist allerdings dem Ende zuzuschreiben - und das ist beileibe kein Lob! Die Probleme, die sich gegen Ende aufgebaut und aufgestaut haben, werden mit einem Fingerschnippser gelöst. Hier hat man sehr viel Konfliktpotenzial liegen lassen, was zwar zu einer längeren Laufzeit geführt, den Zuschauer aber mehr befriedigt hätte.

    Fazit


    Mistress America fühlt sich nicht nur aufgrund der starken weiblichen Darstellerinnen nach dem perfekten Film für einen Mädelsabend mit Prosecco an. Aber auch die männlichen Besucher dürften durchaus ihren Spaß haben. Positiv sind die Dialoge sowie die knackige Laufzeit, jedoch ist der Film an so mancher Stelle sehr klischeebeladen und das Ende ist viel zu einfach gelöst worden.

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    Bewertung: 7/10
    Infos
    Originaltitel:
    Mistress America
    Land:
    USA
    Jahr:
    2015
    Studio/Verleih:
    20th Century Fox
    Regie:
    Noah Baumbach
    Produzent(en):
    Noah Baumbach, Rodrigo Teixeira, Lila Yacoub
    Drehbuch:
    Noah Baumbach, Greta Gerwig
    Kamera:
    Sam Levy
    Musik:
    Britta Phillips, Dean Wareham
    Genre:
    Komödie
    Darsteller:
    Greta Gerwig, Lola Kirke, Heather Lind, Cindy Cheung, Michael Chernus, Matthew Shear, Charlie Gillette, Jasmine Cephas Jones
    Inhalt:
    Tracy (Lola Kirke), eine einsame College-Anfängerin in New York, muss sich enttäuscht eingestehen, dass sich ihre Erwartungen auf ein aufregendes Uni-Leben samt eines schicken urbanen Lifestyles bisher nicht erfüllt haben. Doch als sie ihrer zukünftigen Stiefschwester Brooke (Greta Gerwig), einer unternehmungslustigen Großstädterin und Times Square-Bewohnerin begegnet, ist Tracys Frust bald wie weggeblasen – und sie lässt sich zunehmend fasziniert in den Bann der umtriebigen Brooke und ihrer herrlich verrückten Pläne ziehen.
    Start (DE):
    10. Dezember 2015
    Start (USA):
    14. August 2015
    Laufzeit:
    84 Minuten
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Links
    Webseite:
    http://www.mistressamericathemovie.com/
    deutsche Webseite:
    http://www.fox.de/mistress-america

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