The First Avenger: Civil War

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    Kritik

    Früher einmal, da war das Superheldendasein ein einsames. Superman wachte ohne Begleitung über die Bürger von Metropolis, allein jagte Batman die Schurken durch die Gassen Gotham Citys, und auch Captain America verkloppte Nazis und Russen ganz ohne Hilfe anderer Superhelden. Diese Zeiten sind vorbei.

    Zwar steht Captain America allein im Titel des neuesten Streiches aus den Marvel Studios, doch scheint dies wohl allein dem Umstand geschuldet, dass die Studioverantwortlichen die Marke „The Avengers“ nicht durch jährliche Fortsetzungen vorschnell verschleißen lassen wollen. Im Kern jedoch ist „Captain America: Civil War“ ein Avengers-Film. Gut, Thor und der Hulk nehmen diesmal eine Auszeit, doch ansonsten sind alle an Bord, die im Marvel Cinematic Universe (MCU) Rang und Namen haben. Schon die Anwesenheit von Iron Man dürfte wohl auch Leute ins Kino ziehen, die einem reinen Captain America-Film eher ferngeblieben wären. Neben bereits bekannten Figuren, von Ant-Man über Black Widow bis Hawkeye, feiern auch einige neue Helden ihren ersten Auftritt im MCU. Der von Rachlust beseelte Black Panther mag noch etwas oberflächlich gezeichnet sein, doch seine Figur verrät schon einiges Potenzial, das in kommenden Filmen hoffentlich ausgiebig genutzt wird. Kaum vorstellen wird man einen zweiten Helden müssen, der nach Jahren des Rechtsstreits mit Sony endlich sein Debüt in einer Marvel Studios-Produktion gibt. Die Rede ist natürlich von Peter Parker, besser bekannt als Spiderman, der hier in jugendlicher Frische seinen älteren Heldenkollegen zeigt, wo das Netz hängt. Überraschenderweise gewinnt „Civil War“ dieser Figur so viel Eigenständigkeit im Vergleich zu den zwei anderen Verkörperungen der Spinne in der letzten Dekade ab, dass man dem neuerlichen Reboot kaum böse sein möchte.



    Bei einem runden Dutzend Superhelden auf der Leinwand liegt der Verdacht nicht fern, dass Quantität hier vielleicht über einen Mangel an Qualität hinwegtäuschen soll, und ganz falsch liegt man mit diesem Verdacht nicht. Zwar haben auch Charaktere wie War Machine oder Falcon ihre Funktion, doch geht diese kaum über eine Rolle als Stichwortgeber und Parteigänger im titelgebenden Bürgerkrieg hinaus. Wirklich ausgearbeitet sind nur die Figuren des Cap und Iron Mans. Da diese beiden auch die Schlüsselfiguren im Konflikt sind, verwundert und stört das nicht weiter.

    Doch was ist eigentlich die Ursache für die Streitigkeiten? Nun, die Welt möchte sich nicht länger damit abfinden, dass die an keinerlei Gesetz oder Vereinbarung gebundenen Avengers eigenständig und ohne jede Rücksprache in Konflikte eingreifen. Als Gründe werden die katastrophalen Konsequenzen früherer Abenteuer der Heldenallianz angeführt, die Schlacht von New York aus dem ersten Avengers ebenso wie der Fall Sokovias im zweiten. Erstaunlicherweise lässt sich ausgerechnet Tony Stark überzeugen, dass es notwendig und sinnvoll wäre, die Avengers nur noch mit einem offiziellen Mandat der Weltgemeinschaft in den Kampf ziehen zu lassen. Captain America hingegen befürchtet, dass durch solch eine Übereinkunft die Unparteilichkeit der Avengers gefährdet und die Gruppe zum Spielball politischer Interessen verkommen würde. Bei einer Konferenz in Wien soll der Vertrag trotz seiner Einwände offiziell gemacht werden, doch ein Bombenanschlag auf das Konferenzgebäude lässt die Lage eskalieren. Als Täter wird Captain Americas alter Kumpel Bucky Barnes identifiziert, und die Frage, wie mit dem Verdächtigen umgegangen werden soll, entzweit auch die Avengers.



    Niemanden dürfte überraschen, dass die Meinungsverschiedenheiten schnell den verbalen Bereich verlassen und in den physischen übergehen. Den Zuschauer freut's, denn wie schon im zweiten Captain America-Film, „The Winter Soldier“ sind die zahlreichen Actionszenen hervorragend inszeniert. Gerade der Vergleich mit dem vorangegangenen zweiten Avengers-Film macht die Vorzüge des „First Avengers“ offensichtlich: Verlor sich das Spektakel des ersteren häufig in der eigenen übergeschnappten Maßlosigkeit, bewahrt die Action des letzteren trotz allen Bombasts stets ein Maß an Bodenhaftung, das für eine derartige Comic-Verfilmung wahrlich nicht selbstverständlich ist. Schüsse und Explosionen wirken bedrohlich, bei den diversen Verfolgungsjagden vermeint man glatt mit im Vehikel zu sitzen, und die Kämpfe müssen sich nicht vor echten Martial-Arts-Filmen verstecken, ganz im Gegenteil. Ausgerechnet auf dem Flughafen Leipzig-Halle (ja, die Handlung des Marvel-Bürgerkriegs spielt zu einem erstaunlichen Gutteil in Deutschland) wirft dann der Film allerdings die Fesseln der scheinbaren Seriosität ab und wartet mit einem gleichermaßen dramatischen, gewitzt angerichteten und visuell überbordenden Vorshowdown auf, der seine Comicwurzeln stolz offenbart. Alle versammelten Superhelden dürfen hier mitmischen und tun dies mit Einfallsreichtum und unter Einsatz all ihrer umfangreichen Möglichkeiten.

    Man muss es ganz klar sagen, mehr noch als im „Winter Soldier“ ist das mitreißend inszenierte Spektakel das Lebenselixier von „Civil War“. Der primäre Konflikt des Filmes klingt auf dem Papier gut und sieht auch im Trailer verheißungsvoll aus, doch wirken viele der von den Charakteren getroffenen Entscheidungen, die zu diesem Konflikt führen, einfach zu willkürlich, als dass das Dilemma den Zuschauer mit emotionaler Wucht erreichen könnte. Das Drama bleibt großteils Behauptung, die Gefühle köcheln, wenn überhaupt, an der Oberfläche, die politischen und moralischen Implikationen sind – anders als noch im „Winter Soldier“ - bedeutungslos. Es wird viel und auch bedeutungsschwanger geredet zwischen unseren Helden, glänzen tun diese aber eher in pfiffigen Spitzen und knackigen Onelinern denn in profunden Weisheiten.



    Fazit

    Gehaltvollere Kost als in „Batman v Superman“, um nur ein Beispiel zu nennen, erwartet den geneigten Superheldenfreund in „Civil War“ also nicht, dafür aber freudvolleres und farbenfroheres Comicvergnügen. Es erstaunt, wie leichtfüßig und fast durchgängig humorvoll dieser Film seine Geschichte um den epischen Zwist zwischen Freunden und Kameraden erzählt. Möglicherweise wäre eine andere Erzählweise angemessener gewesen. Vielleicht hätte der eine oder andere Kalauer geopfert werden sollen, um stattdessen die Motivation der Figuren anschaulicher und fassbarer zu machen. Zwischen Punches und Punchlines ist eventuell ein besserer Film verlorengegangen. Doch ein verdammt unterhaltsamer Actionfilm ist „Captain America: Civil War“ allemal geworden.

    7/10
    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    Captain America: Civil War
    Land:
    USA
    Jahr:
    2016
    Studio/Verleih:
    Marvel Studios / Disney
    Regie:
    Anthony Russo, Joe Russo
    Produzent(en):
    Kevin Feige
    Drehbuch:
    Christopher Markus, Stephen McFeely
    Kamera:
    Trent Opaloch
    Musik:
    Henry Jackman
    Genre:
    Action, Comicverfilmung
    Darsteller:
    Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Don Cheadle, Jeremy Renner, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Paul Rudd, Emily VanCamp, Tom Holland, Frank Grillo, William Hurt, Daniel Brühl

    Inhalt:
    Unter Führung von Captain Steve Rogers ist das neue Team der Avengers weiterhin für den Erhalt des Friedens im Einsatz, als sie in einen internationalen Vorfall verwickelt werden, der erhebliche Kollateralschäden verursacht. Schnell werden Forderungen nach einem neuen Führungsgremium laut, das entscheidet, wann die Dienste der Avengers wirklich benötigt werden. Der neue politische Druck und das daraus entstehende Kräfteringen treiben das Team langsam auseinander und spalten es in zwei Lager. Das eine wird angeführt von Steve Rogers und seinem Wunsch, die Freiheit der Avengers aufrechtzuerhalten und sie in ihrer Arbeit zum Schutz der Menschheit vor jeglicher Einmischung der Regierung zu schützen. Das andere Lager folgt Tony Stark und seiner überraschenden Entscheidung, die Avengers unter staatliche Kontrolle und Verantwortung zu stellen. Unüberwindbare Gräben tun sich auf – gerade als ein neuer, ruchloser Feind auf der Bildfläche erscheint.
    Start (DE):
    28. April 2016
    Start (USA):
    06. Mai 2016
    Laufzeit:
    147 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Links
    Webseite:
    http://marvel.com/captainamerica

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