Westworld - Staffel 1

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  • Einleitung


    1973 erschien "Westworld", die erste filmische Adaption eines Romans von Michael Crichton ("Jurassic Park"). Crichton war nicht nur für das Drehbuch zuständig, sondern übernahm auch noch die Regie. Mit Yul Brynner und James Brolin war der Science Fiction-Film prominent besetzt.

    Inhaltlich ging es in "Westworld" um einen Freizeitpark, der den Menschen ermöglichen sollte, sich komplett auszuleben – damit sie dies tun konnten, waren die Protagonisten des Parks Androiden, die nach Lust und Laune verletzt und getötet werden konnten. Durch eine spezielle Vorrichtung war es aber nicht möglich, dass den Menschen etwas passiert. Der Rest des Films beschäftigte sich mit der Problematik, dass die Androiden zunehmend Systemstörungen aufweisen.

    1977 (deutsches Release) folgte dann "Futureworld", die Fortsetzung zu "Westworld". Diesmal übernahmen Peter Fonda und Blythe Danner die Hauptrollen, die Geschichte wurde inhaltlich fortgeführt, indem jetzt keine Fehlfunktionen der Androiden mehr im Mittelpunkt standen, sondern der Plan, hochrangige Persönlichkeiten durch Androiden auszutauschen.

    1980 erschien eine fünfteilige Serie namens "Beyond Westworld", die "Futureworld" ignorierte, aber dessen Thematik in ähnlicher Form aufgriff.

    Vergangenes Jahr startete dann eine weitere Serie, die sich die Geschichte von Crichton zum Vorbild nahm. Kreiert wurde die Serie von Jonathan Nolan - Christopher Nolans Bruder und Co-Autor der Drehbücher von "The Dark Knight", "The Dark Knight Rises" und "Interstellar" - und Lisa Joy. Die beiden sind auch als Executive Producers tätig und werden dabei von J.J. Abrams unterstützt.

    Als Darsteller konnte man Anthony Hopkins, Ed Harris, Evan Rachel Wood, James Marsden, Thandie Newton, Jeffrey Wright, Tessa Thompson, Sidse Babett Knudsen, Jimmi Simpson, Rodrigo Santoro, Shannon Woodward, Ingrid Bolsø Berdal, Ben Barnes, Simon Quarterman, Angela Sarafyan, Luke Hemsworth und Clifton Collins, Jr. verpflichten.

    Am 02. Oktober 2016 feierte die Pilotfolge ihre Premiere auf dem US-Sender 'HBO', Anfang Februar startete die deutsche Synchronfassung auf 'Sky Atlantic HD', seit einigen Wochen ist die erste Staffel zudem auf 'Amazon' abrufbar. Doch was taugt die Serie? Dies verraten wir euch in unserer nachfolgenden Kritik.


    Kritik


    Wie man es von 'HBO' gewohnt ist, ist die Optik bei Westworld sehr ansprechend. Schon das Intro weiß in gewohnter Manier zu begeistern. Die Effekte innerhalb der Serie brauchen sich nicht hinter großen Kinofilmen verstecken, die Produktion und Inszenierung fanden auf sehr hohem Niveau statt. Das Western-Setting wirkt glaubhaft und ist sehr schön anzuschauen, gerade auch, wenn Landschaftsaufnahmen präsentiert werden. Die Kostüme sowie Make-Up untermauern das Western-Feeling, auch wenn man weiß, dass der Western mehr Schein als Sein ist. Auch die Szenen außerhalb der Western-Welt sind außerordentlich stylish und bieten mit ihrer Sterilität und Kälte einen schönen Kontrast zwischen vermeintlich Vergangenem und der eigentlich, technisch hochentwickelten Zeit, in der die Serie spielt.




    Abgegrundet werden die schönen Bilder durch einen tollen Score von Ramin Djawadi, der auch für die musikalische Untermalung von "Game of Thrones" verantwortlich ist – was man teilweise sogar raushört. Ein schönes Gimmick ist übrigens, dass das selbstspielende Klavier, welches im Saloon öfter zum Einsatz kommt, stets populäre Songs in Pianoversion spielt. So sind u.a. „Black Hole Sun“ von Soundgarden oder „A Forest“ von The Cure zu hören.

    Außen weiß die Serie schon mal zu überzeugen, doch wenn die Optik hui ist, ist dann der Inhalt pfui? Soviel vorab: Nein.

    Westworld greift außerordentlich viele Themen auf. Dies geschieht auf einer ziemlich philosophischen Ebene. Grundlegend ist die Frage: Was macht den Menschen aus? Doch darüber hinaus darf es hier und da auch mal ins Detail gehen: Wie ähnlich sind künstliche Intelligenzen dem Menschen wirklich, wer handelt moralischer, was ist gut und was ist böse? Gibt es den freien Willen, wie definiert sich Selbstbestimmung? Zudem werden auch Themen wie Selbsterkenntnis, die bildlich bzw. zum Teil auch symbolisch dargestellt werden und an Jacques Lacan erinnern, behandelt.





    Diese Themen werden dem Zuschauer jedoch nicht um die Ohren gehauen, sondern ergeben sie sich automatisch aus der Geschichte heraus. Der Zuschauer wird so quasi unbewusst gezwungen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, denn diese sind es, die die Handlung vorantreiben und definieren. Wer kein Interesse an philosophischen Fragestellungen hat, ist bei Westworld vermutlich nicht so gut aufgehoben.

    Die treibende Kraft für den Zuschauer ist allerdings das große Mysterium, das die Serie begleitet. Hier merkt man durchaus, dass J.J. Abrams ("Lost", "Fringe") seine Finger im Spiel hatte: Immer wieder werden bestimmte Bilder gezeigt, bei denen der Zuschauer nicht weiß, was es damit auf sich hat. Wann wie wo was zu sehen ist, hat alles seinen Grund, von vorne bis hinten durchdacht. Und auch wenn die Serie relativ ruhig startet und sich Zeit für die Geschichte nimmt, so kann sie sehr viel Spannung erzeugen, indem der Zuschauer wissen möchte, wie es weitergeht. Antworten werden hier und da auch präsentiert, allerdings noch nicht alle. Hierfür muss man vermutlich die geplanten fünf Staffeln abwarten. Dennoch wird die Sehnsucht nach Antworten zum Teil befriedigt, wenn auch teilweise sehr kryptisch, so dass man die nächste Episode durchaus herbeisehnt. Die Spannung in Westworld kann man eher als subtil bezeichnen: Zurückhaltend, aber gleichzeitig sehr präsent auf eine vielmehr indirekte Art und Weise.





    Auch Jonathan Nolans Handschrift lässt sich in Westworld wiederfinden, arbeitet die Serie mit einigen Twists und Verschachtelungen, wie man es durch Nolans Arbeiten für "Memento", "The Dark Knight" oder "Interstellar" her kennt. Hinzu kommt eine umfassende Meta-Ebene: Werden in Westworld Geschichten für die Besucher konstruiert, so haben diese – notgedrungen – auch Einfluss auf die Hauptgeschichte über den Vergnügungspark. Schnell wird deutlich, dass die Darsteller der im Park konstruierten Geschichten, also die Androiden, nicht einfach nur vergessen können, und die eigentliche Realität verschwimmt immer mehr zu den Geschichten und umgekehrt. Diese Erzählweise erlaubt viele zeitliche Sprünge und der Zuschauer muss sich öfter die Frage stellen, auf welcher Ebene er sich nun eigentlich befindet. Zeitliche Sprünge und Wechsel zwischen einzelnen Handlungsorten sind in Westworld elementar, um die Geschichte zu erzählen und auch um das Mysterium zu wahren. Genau wie die träumenden Androiden (wer denkt hier übrigens nicht an Philip K. Dick?), die sogenannten Hosts, weiß der Zuschauer teilweise auch nicht mehr, was real ist und was nicht. Wie der Mensch, der den Park besucht, eine Hyperrealität betritt, verschwinden auch für den Zuschauer teilweise die Grenzen. Eine schöne Möglichkeit, die sich Westworld zunutze macht, indem die Serie mit den unterschiedlichen Ebenen spielt und sie als Handlungselement nutzt.
    Dies kann den Zuschauer durchaus herausfordern, wer aber gerne seinen Kopf benutzt und aufmerksam ist, wird seinen Spaß an dieser Erzählform finden.




    Einige Fans waren so aufmerksam, dass sie aufgrund der gebotenen Symboliken und Hinweise manchen Twist vorausschauen konnten. Es ist also möglich, wenn man die Zeichen erkennt und deutet, aber dies gelingt nicht jedem, so dass man doch noch so manche Überraschung durchaus noch genießen kann. Oder man entscheidet sich für eine Zweitsichtung und wundert sich, weshalb man die Zeichen schon beim ersten Mal nicht richtig gedeutet hat.

    Funktionieren kann die beste Serie aber nur mit guten Schauspielern. Diese hat Westworld gefunden, hervorzuheben sind insbesondere Anthony Hopkins, der mit seiner Mimik Bände sprechen kann, und Evan Rachel Wood, die eine starke Charakterentwicklung glaubhaft darzustellen weiß. Doch auch Thandie Newton, Ed Harris, Jeffrey Wright und die anderen liefern alle einen guten Job ab.





    Fazit


    Westworld ist eine durchaus anspruchsvolle Serie, die den Zuschauer herausfordert. Wer so etwas mag und sich drauf einlassen kann, wird aber angesichts des hohen Niveaus ziemlich auf seine Kosten kommen. Denn wie gewohnt liefert 'HBO' hier sehr hohe Qualität ab. Westworld schlägt oberflächlich betrachtet ein bisschen in die gleiche Kerbe von "Game of Thrones", funktioniert aber dann doch ganz anders.

    Das Storytelling und die Tiefgründigkeit der Themen runden die Erstklassigkeit ab. Staffel 2 darf also (gerne auch schon vor 2018) kommen!




    9/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    Westworld
    Land:
    USA
    Jahr:
    2016
    Studio/Verleih:
    Warner Bros Television
    Regie:
    Jonathan Nolan, Fred Toye, Jonny Campbell, Richard J. Lewis, Michelle MacLaren, Neil Marshall, Vincenzo Natali, Stephen Williams
    Produzent(en):
    Athena Wickham, Bryan Burk, Jerry Weintraub, J.J. Abrams, Jonathan Nolan, Lisa Joy
    Drehbuch:
    Ed Brubaker, Dan Dietz, Jonathan Nolan, Lisa Joy, Kath Lingenfelter, Dominic Mitchell, Daniel T. Thomsen, Halley Wegryn Gross, Charles Yu
    Kamera:
    Brendan Galvin, Robert McLachlan, Paul Cameron, David Franco, Jeffrey Jur
    Musik:
    Ramin Djawadi
    Genre:
    Science Fiction, Drama
    Darsteller:
    Evan Rachel Wood, Thandie Newton, Jeffrey Wright, James Marsden, Ben Barnes, Ingrid Bolsø Berdal, Clifton Collins Jr., Luke Hemsworth, Sidse Babett Knudsen, Simon Quarterman, Rodrigo Santoro, Angela Sarafyan, Jimmi Simpson, Tessa Thompson, Shannon Woodward, Ed Harris, Anthony Hopkins

    Inhalt:
    In einem Ferienpark in der Zukunft wird es reichen Besuchern ermöglicht, wahres Wild West-Feeling zu erleben. Da die Protagonisten der von den Betreibern geschriebenen Geschichten Androiden sind, dürfen die Besucher nach Herzenslust morden, vergewaltigen und andere Schandtaten vollbringen.

    Die Androiden hingegen entwickeln immer mehr ein Bewusstsein, was zu manchen Problemen führt.
    Start (DE):
    02. Februar 2017 (Sky Atlantic)
    Start (USA):
    02. Oktober 2016
    Laufzeit:
    57-91 Minuten
    FSK:
    noch nicht geprüft
    Links
    Webseite:
    http://www.hbo.com/westworld
    deutsche Webseite:
    http://www.sky.de/serien/westworld-111835

    1.879 mal gelesen

Kommentare 4

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    Kaibear -

    Ja, ja und nochmals ja! Eine großartige Serie, die aber nicht unbedingt nur für Tiefgründige ist. Derjenige, der auch nur auf Splatter und nachvollziehbare Handlung steht, kommt wohl auch auf die Kosten. Aber die Twists... Ey das ist schon fett. Man könnte hier ellenlang diskutieren, ob die Roboter nun ein Bewusstsein haben oder "dieses" auch nur einprogrammiert ist... Da geben die letzten Episoden genug Stoff um einen Abend lang darüber zu diskutieren.

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      Emily -

      Und es bleibt abzuwarten, ob das noch komplexer wird. Meist entwickeln sich Serien ja mit der Zeit, und ich kann mir vorstellen, dass es noch tiefer und noch twistiger wird.

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      Kaibear -

      Da müssen die Macher aber auch auf Balance achten, dass diese Twists nachvollziehbar und auch schlüssig sind. Ich habe gelesen, dass alles auf 5 Staffeln ausgelegt sei. Das lässt zumindest erahnen, dass ein roter Faden existiert.

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      Emily -

      Japp, es sind 5 Staffeln geplant. Sicher, es darf nicht zu konstruiert wirken. Ich denke aber, dass noch die ein oder andere Überraschung kommen wird.