César (Luis Tosar) arbeitet als Portier in einem Mietshaus in Barcelona. Und obwohl ihn die Mieter des Hauses kaum wahrnehmen, weiß César alles über sie! Denn er beobachtet sie genau, kennt all ihre intimsten Geheimnisse. Insbesondere die von Clara (Marta Etura), einer lebensbejahenden jungen Frau. Doch Claras unbeschwerte Haltung verursacht bei César die reinste Übelkeit. Erst wenn er ihre Ausgelassenheit ein für alle Mal zerstört hat, kann er Ruhe finden. Das Elend anderer Menschen ist Césars Lebenselixier. Er liebt nichts mehr, als Leid zu säen und blüht erst auf, wenn dieses wächst. Mit Clara hat er nun sein perfektes Opfer gefunden und ist bereit, ihr das Leben zur Hölle zu machen.
Die Stärken des Films liegen ganz klar in der ersten Hälfte des Films. Sleep Tight besticht durch eine bedrückend dichte Atmosphäre und vermittelt dadurch ein starkes Gefühl des Unwohlseins. Erzählt wird die Geschichte des Portiers César, der nach außen hin völlig unscheinbar, zuvorkommend und geradezu freundlich erscheint. Doch er ist eben nicht der nette Mann von nebenan. Langsam entfaltet sich das Böse in César und es wird von Tag zu Tag deutlicher, welches Monster in ihm schlummert. Dieser Mann scheint erst dann zufrieden zu sein, wenn er Leid anrichten kann. Jede Nacht liegt er unter Claras Bett, ohne dass sie auch nur annähernd ahnt, was vor sich geht. Allein dieser Gedanke, dass ein Bekannter, der dennoch fremd ist, in die tiefste Privatsphäre eines Menschen eindringt, lässt einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Was wäre, wenn einem das gleiche Schicksal ergeht, ohne dass man davon etwas mitbekommt? Ein schrecklicher Gedanke. Und eben genau das funktioniert bis zur Mitte des Films hervorragend.Die Spannung baut sich von Minute zu Minute immer weiter auf und alles deutet auf einen großen Knall hin. Nur leider geht dem Film ab der Mitte etwas die Puste aus und zu allem Übel bleibt der erwartete und erhoffte Knall leider aus. Man wartet sehnsüchtig und vergeblich darauf, dass sich der Film weiter steigert und die Spannung aufrecht erhalten wird, doch das passiert einfach nicht. Sleep Tight bleibt dabei zwar interessant, aber die Spannung lässt insgesamt nach. Das ist wirklich schade, da auch im weiteren Verlauf immer mal wieder das Potenzial des Films aufblitzt. Diese Momente sind nur leider zu selten. Immerhin gibt es eine Szene, in der man wortwörtlich zusammenzuckt. Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass César nicht bedrohlich genug wirkt. Eine Wendung mit anschließendem Aha-Effekt hätte „Sleep Tight“ vielleicht noch ganz gut getan, aber da der Film in der Hinsicht etwas vorhersehbar ist, bleibt auch die aus.
Handwerklich gibt es hingegen kaum etwas zu bemängeln. Die Kamerafahrten und -einstellungen sind sehr gut gelungen, eine Wackelkamera bleibt einem fast komplett erspart. Die Musik fügt sich wunderbar in die Szenen ein und trägt viel zur Atmosphäre bei. Schauspielerisch gibt es bis auf den etwas zu sympathisch wirkenden César ebenfalls nichts zu meckern.Fazit:
Schade, dass die Spannung ab der Halbzeit einen Rückschritt macht. Glücklicherweise wird Sleep Tight dadurch nicht gänzlich langweilig. Vielmehr trauert man der vergebenen Chance hinterher. Ein mulmiges Gefühl hinterlässt der neueste Thriller aus dem Land der Paella aber dennoch.


