Eric Packer (Robert Pattinson) ist ein reicher, gewissenloser und zynischer Spekulant der New Economy. Er träumt von hartem Sex und geilt sich an riskanten Termingeschäften auf. Unterwegs in einer Limousine zu einem Friseurtermin, führt ihn sein Weg durch die 47. Straße quer durch Manhattan. Das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag im April 2000 kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses Chaos schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen - und am Ende seiner 24-stündigen Odyssee durch Manhattan verliert er viel mehr.
Fast der gesamte Film spielt sich in der Limousine ab. Ständig steigen Leute ein und aus, reden und philosophieren mit Eric über das Geld, die Wirtschaft und die Zukunft. Manche unterhalten sich mit ihm über Sex und einige wenige davon teilen sogar die intime Zweisamkeit mit ihm. Dabei mimt Robert Pattinson den Multi-Milliardär Eric überwältigend. Eric ist gefühlskalt, kennt das Leben in- und auswendig. Er erwartet keine Überraschungen mehr und ihm ist das Leben viel zu berechenbar. Zudem besitzt er bereits alles und falls doch noch etwas fehlen sollte, dann kann er es sich problemlos leisten. All diese Sachen führen schließlich zu einem Ergebnis: Langeweile. Manche Kinobesucher dürften diese Langeweile teilen, da die Dialoge sehr philosophisch sind. Wer nichts damit anfangen kann, wird den Film entweder scharf kritisieren oder aber den Kinosaal noch vor Beginn des Abspanns verlassen. Daran werden die gelungenen, seltenen Schauplatzwechsel auch nichts ändern. Denn wenn es mal vorkommt und Eric die Limousine verlässt, dann gewinnt Cosmopolis viel mehr an Spannung, da man nicht weiß, was ihn dort draußen erwartet. Sein Sicherheitschef macht sich zwar ständig Sorgen und warnt ihn vor den Gefahren, doch Eric sucht genau das: Nervenkitzel und Abwechslung.Mit zunehmender Spieldauer wird der Film packender und interessanter und auf dem Weg dahin kommt es zu unerwarteten Ereignissen. Eric rennt geradewegs ins Verderben und scheint auch noch Gefallen daran zu finden. Die lange Fahrt in der Limousine mündet letztendlich in einem meisterlichen Aufeinandertreffen zwischen zwei Charakteren, die sich gegenseitig an die Wand spielen. Man denkt, man weiß, was passieren wird, doch sicher ist man sich aufgrund des vorangegangenen nicht. Diese Unvorhersehbarkeit ist neben den nachdenklichen und teilweise abstrusen Dialogen ein großer Pluspunkt. Und eben nicht nur das Ende ist klasse, sondern vielmehr der Weg dorthin. Die Dialoge geben viele Wahrheiten wieder und bieten viel Stoff, über den man nachdenken oder auch diskutieren kann. Und als wäre das nicht genug, mündet der Film in den letzten zwanzig Minuten in einen Dialog, den man nur selten im Kino bewundern darf.
Das Casting zeichnet sich hier mehrfach aus. Nicht nur Pattinson ist ein gut gewählter Part, sondern auch alle seine Dialogpartner überzeugen auf der ganzen Linie. Und niemand außer David Cronenberg versteht es so gut, einer erotischen Szene so viel Sex und Begierde mitzugeben, dass die ganzen körperlichen Spannungen auf den Kinosessel überschwappen. Das ist zwar leider nicht ganz so intensiv wie noch in „A History of Violence“, aber man merkt sofort, wer hinter der Kamera steht. Schade nur, dass einem immer wieder die Achselbehaarung von Robert Pattinson ins Auge schießt. Aber auch das dürfte wieder die Gemüter spalten.Fazit:
Wem Dialoge allein nicht genug sind, der sollte sein Geld besser für einen anderen Film ausgeben. Wer aber nicht viel Action braucht und sich in Worte und Gedanken verlieren kann, der wird Cosmopolis von Anfang bis Ende genießen können – und sogar darüber hinaus. Der verfilmte Roman von Don DeLillo besticht durch den Unterton und die Tiefsinnigkeit der Dialoge. Cronenberg kitzelt das nötigste aus den Schauspielern heraus und sorgt so für ein klasse Erlebnis. Cosmopolis ist ein Film, den man entweder hasst oder liebt. Und die, die ihn lieben, werden ihn sich garantiert nicht nur ein Mal sehen! Ob der Film aber nun ein Meisterwerk ist oder noch zum Kultfilm wird, bleibt abzuwarten. Verdammt gut ist er allemal.



