Heute habe ich mir Alpha Dog im Kino angeschaut und ich fand ihn ganz gut, trotz geringer Erwartungen. Ich dachte bei Alpha Dog an einen ziemlich platten Streifen, dumme Handlung, dumme Charaktere... Im Endeffekt war es dann auch so, aber die Geschichte an sich wurde interessant erzählt, die Schauspieler waren allesamt okay, insgesamt war der Film interessant, was nicht zuletzt daran liegt, dass es einige klasse Dialoge gibt, die dem Film eine gehörige Portion Humor geben.
Jake Mazursky (Ben Foster) schuldet Johnny Truelove (Emile Hirsch) ziemlich viel Geld. Aus diesem Grund entführt Truelove mit Freunden Jakes Halbbruder Zack (Anton Yelchin), welcher aber schnell gefallen an seinem neuen Leben findet. Er freundet sich an, lernt Mädchen und Drogen kennen und fühlt sich richtig wohl. Er hat eine enge Beziehung mit Frankie (Justin Timberlake), der ihn einst mit Truelove entführt hat. Nach kurzer Zeit denkt Truelove an die Konsequenzen seiner Tat und möchte Zack so schnell wie möglich aus dem Weg räumen.
Die Grundstory hört sich recht simpel an, im Ganzen betrachtet ist sie das aber nicht. Alpha Dog zeigt die Geschichte eines entführten Jugendlichen, dem dies egal ist, eine Geschichte über Freundschaft, Bruderliebe, die Flucht in eine andere Welt, aber auch Drogen und Gewalt.
Es dauert etwas, bis man in die Geschichte eingeführt wird. Zu Beginn des Films plätschern die Minuten einfach so dahin, ohne dass wirklich etwas passiert. Zunächst werden einfach nur viele Ausdrücke benutzt, die Charaktere kommen allesamt total unsympathisch rüber. Erst nach einer knappen halben Stunde ändert sich das, nach der Entführung. Vorher gibt es nur Drogen, Ausdrücke sowie eine Prügelei und Waffen. Zwar werden die Charaktere eingeführt, aber man merkt im Laufe des Films, dass man unter anderem den Charakter von Justin Timberlake zunächst vollkommen falsch einschätzt, da man ihn falsch kennen gelernt hat. Sowieso ist vieles im Laufe des Films anders, als man es erwarten würde, und damit hat Alpha Dog einen kleinen Pluspunkt gesammelt, denn der Film hat ein paar unerwartete Wendungen.
Alpha Dog ist voll mit Schauspielern. Viele von ihnen kennt man gar nicht oder kaum, allerdings gibt es auch zwei Schauspielgrößen im Film zu sehen. Bruce Willis und Sharon Stone, aber leider tragen die beiden sehr wenig zur Geschichte bei. Willis wirkte auf mich leider gar nicht, Stone war viel zu wenig zu sehen. Die jungen Schauspieler, um die es letztendlich auch im Film geht, konnten zum größten Teil alle überzeugen. Emile Hirsch spielt den Alpha Dog so gut er kann, oftmals überzeugend, aber manchmal habe ich ihm die Rolle nicht abgenommen, keine Ahnung woran das lag. Er kam oft etwas Bubihaft rüber, allerdings war der wirkliche Alpha Dog genau so. Ben Foster spielt klasse, schade nur, dass er nicht länger zu sehen war. Wenn er ausgerastet ist, hat das für ein paar gute Lacher gesorgt, war aber immer klasse gespielt. Der "Jungschauspieler" Anton Yelchin hat die Rolle des Entführten ebenfalls gut gemeistert.
Hervorheben möchte ich allerdings Justin Timberlake. Er wird zwar von Kritikern gelobt, aber ich konnte mich das nicht richtig vorstellen. In den ersten Minuten habe ich mich in meinem Gefühl bestätigt gefühlt, doch nach kurzer Zeit hat sich das geändert. Justin Timberlakes Charakter ist einer der wenigen, der mir nach kurzer Zeit sympathisch wurde. Das lag nicht zuletzt daran, dass er im Film eine ziemliche Veränderung durchlebt. Das hat er klasse gespielt, besonders zum Ende hin wurde klar, dass er echt gut schauspielern kann.
Was mich im Film wirklich gestört hat war der Score. Klar, Hip-Hop passt zu diesem Milieu, aber wieso musste das so penetrant sein? Vielleicht habe ich es auch nur als übertrieben empfunden, weil ich kein Fan dieser Musikrichtung bin. Es gab vielleicht eins, zwei Szenen, in denen der Score etwas anderes bot, diese Szenen fand ich gleich besser und gelungener. Das ist aber wahrscheinlich Geschmackssache.
Alpha Dog wird oft als sehr ernster Film beschrieben, von der Thematik her vielleicht, von der Umsetzung aber eher nicht. Oft musste ich Lachen, weil einige Dialoge echt dumm und witzig waren. Das hat die Stimmung sehr aufgelockert zu der sonst so düsteren Stimmung.
Der Film hat eine echt sehr gute Atmosphäre. Zunächst ist sie lässig, dann düsterer, schließlich ziemlich brutal, nicht im Sinne von Brutalität, sondern im Sinne, wie die Handlung fortgeführt wird. Zum Ende hin wird der Film in meinen Augen sogar richtig spannend.
Was ich noch anmerken möchte ist der Pseudodokumentarische Touch. Die Interviews im Film passen meiner Meinung nach nicht wirklich hinein, sie machen den Film jetzt zwar nicht wirklich schlechter, aber meiner Meinung nach hätte das nicht sein müssen.
Wenn man den Film schauen möchte, sollte man sich zuvor nicht über die Originalgeschichte informieren. Vielleicht ist das meine Meinung, aber es würde einem einiges vorweggenommen werden. Soviel dazu.
Fazit:
Alpha Dog ist ein Film, der mich überrascht hat. Er zeigt eine interessante Geschichte, die auf dem zweiten Blick viel mehr ist, als vermutet. Schauspielerisch ist Alpha Dog gut, mehr nicht, hat eine klasse Atmosphäre und eine gute Portion Spannung aber auch Humor.
Kein Meisterwerk, aber ein solider Film!



