Die Tatsache, dass Arnie im vierten Teil nicht mitwirken würde, hatte mich im Vorfeld nicht wirklich gestört. Es ist eben einfach nun mal so, dass sein Charakter in die Zeitlinie des Filmes nicht passt und dort so in der Form auch noch gar nicht vorkommen kann. Das ist für mich als langjähriger Fan kein Wunschdenken, sondern einfach nur eine Tatsache. Kinogänger, die den vorherigen Filmen allerdings nur beiläufig Beachtung geschenkt haben und daher wohl auch Arnie für den wichtigsten Angelpunkt der bisherigen Reihe halten (ich Teile diese Meinung übrigens nicht), werden sich wohl schwerer tun, die neue Reihe unter dem Titel „Terminator“ zu akzeptieren. Gerade für diese Zielgruppe könnte der Film allerdings interessant sein, da "Terminator - Die Erlösung" an sich alles bietet was man von einem Sommerblockbuster erwartet - jede Menge Action, mit ein wenig bis gar kein Grips, coole Sprüche usw. Qualitativ kann der Film allerdings inhaltlich und leider auch optisch nicht mit seinen Vorgängern mithalten (weitere Anmerkungen hierzu folgen im Text), schon gar nicht mit dem grandiosen Terminator 2, der nicht umsonnst auch unter nicht SF-Fans and harten Kritikern zu den Besten Filmen aller Zeiten zählt! Kinogänger die hier auf einen ähnlich starken Streifen hoffen, sollten die Erwartungen weit zurückschrauben um am Ende nicht enttäuscht zu werden.
Monate zuvor sorgte ja bereits die Bekanntgabe der Darsteller für jede Menge Wirbel. Kein Geringerer als der talentierte Schauspieler Christian Bale bekam die Zusage für die Hauptrolle des Widerstandskämpfers John Connor und tritt somit in die Fußstapfen von Nick Stahl, der in Terminator 3 einen eher blassen, bubenhaften Eindruck hinterlassen hat. Bale bewies in seiner Kariere bisher immer ein gutes Händchen bzw. Gespür für begeisternde, lebendige Filme. Und so stellte sich eigentlich nur die Frage, ob ihm das Glück auch mit T4 zur Seite stand oder nicht. Mit Joseph McGinty Nichol (McG) engagierte man dagegen nicht unbedingt „den“ Regisseur schlecht hin für diesen Posten. Mit Filmen wie 3 Engel für Charlie lieferte der gebürtige Amerikaner nicht unbedingt die Filme mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Atmosphäre ab. McG bezeichnet sich zwar selbst als großer Terminator Fan, dies allein ist aber noch lange kein Garantiezertifikat für einen guten Film. Hier wäre als Beispiel nur mal am Rande die Fortsetzung Aliens vs. Predator 2 erwähnt, bei der die beiden Brüder Colin und Greg Straus, bekennende Alien und Predator-Fans, auf dem Regiestuhl platz nahmen und einen wahren Murks ablieferten.Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum, Terminator Salvation macht es nicht besser. Der Streifen enttäuscht zwar nicht auf ganzer Linie, allerdings fehlen dem Film wichtige Grundelemente, allem voran die großartige Atmosphäre der beiden ersten Teile, die das Franchise so stark und interessant gemacht haben. Die Kinofassung von T4 präsentiert sich lieblos und spannungsarm, lediglich einige Actionszenen sowie der Anfang wissen zu überzeugen. Ansätze waren vorhanden, woran liegt es also, dass der Funke so guter letzt nicht überspringt?
Christian Bale Fans dürfen an dieser Stelle aufatmen, denn an der Motivation des Hauptdarstellers hat es definitiv nicht gehapert. Der gebürtige Brite liefert eine solide Leistung ab und wirkt in keiner Szene unglaubwürdig oder übertrieben aufgezogen. Sicherlich hat man von ihm bereits besseres gesehen, aber man kann ihn ohne Probleme als „neuen“ John Connor identifizieren und das ist ja schließlich das worauf es ankommt! Neben Bale überzeugen weitgehend auch die beiden anderen männlichen Hauptakteure Sam Worthington als Marcus Wright so wie Anton Yelchin, der den jungen Kyle Reese mimt. Mehr gibt das Drehbuch leider nicht her, es fehlt die Zeit für die eigentlich nötige Charakterentwicklung, die man sich erhofft hat und so ist es auch kein Wunder, dass viele andere Darsteller im Film viel zu kurz geraten sind. Schauspieler Common beispielsweise bleibt in seiner Rolle als Soldat Barnes erschreckend blass, man könnte fast meinen er spielt selbst einen Terminator.Bei den Damen überzeugt allem voran Helena Bonham Carter als Dr. Serena Kogan, auch wenn sie nur in einer Nebenrolle verteten ist. Den beiden anderen Schauspielerinnen Moon Bloodgood (als Blair Williams) und Bryce Dallas Howard (als Kate Connor) ereilt das gleiche Schicksal wie die männlichen Kollegen, ihnen fehlt aus dank der kurzen Laufzeit einfach der Raum sich zu entfalten. Dagegen kann die junge Schauspielerin Jadagrace als Flüchtlingskind Star überzeugen. Befürchtungen die Kleine könnte im Film nervtötend werden, bleiben glücklicherweise unbegründet. Weitere positive Lichtblicke gibt es sonnst selten, vereinzelt kommt es oberflächlich zu emotionalen Szenen, anspruchsvolle Szenen wirken dagegen lächerlich und konstruiert, vielleicht auch weil man sich zu sehr fixiert Terminator 2 zu kopieren, bei dem die Macher dann leider auch kläglich scheitern.

Als könnte es nicht schlimmer kommen, wirken hierdurch auch einige Entscheidungen, die von den einzelnen Personen im Film getroffen werden, oftmals nicht ganz nachvollziehbar. Und so fragt man sich am Ende zurecht, wieso man so einen Film lediglich eine Laufzeit von 115 Minuten eingeräumt hat. Aufmerksamen Fans dürfte zudem die Tatsache Kopfschmerzen bereiten, dass viele Szenen aus den Trailern der Schere zum Opfer gefallen sind. In einem Interview mit McG war die Rede von über 30 Minuten zusätzlichen Filmmaterials. Da kann man nur hoffen, dass diese Szenen ihren Weg in eine Extended Edition für den DVD und Blu-Ray Markt finden werden. Bei dem Overkill an Action und Hauptakteuren können diese zusätzlichen Minuten dem Film sicherlich nur gut tun. Vielleicht hätte man sich im Vorfeld besser überlegen sollen, den Film entweder mit einer Laufzeit von 145 Minuten in die Kinos zu bringen, oder aber einfach auf mehrere Charaktere zu verzichten. Eventuell hatte man erstgenannten Punkt ursprünglich auch geplant? Das würde jedenfalls die schlechten Schnitte im Film erklären. Nicht nur werden durch Charaktersprünge stellenweise spannende Szenen entzaubert, nein es tun sich auch Logiklöcher auf, die sicherlich nur durch fehlende Szenen zu erklären sind.
Allein durch Schnittfehler ist der Film aber so auch nicht frei von Logiklöchern. Beispiele möchte ich auch hier nicht nennen, um eben eventuelle Spoiler zu vermeiden. Neben den Cuttern des Films sollte man daher auch den beiden Drehbuchautoren John D. Brancato und Michael Ferris eine kräftige Ohrfeige erteilen. Die beiden mussten ja bereits herbe Kritik für das Drehbuch zum Film Catwoman einstecken. Brancato und Ferris werkelten übrigens auch am Drehbuch zu Terminator 3, den bis dato schlechtesten Teil der Reihe. Umso unverständlicher ist es daher sicherlich, warum man die beiden wieder das Schreiben des Drehbuches anvertraute.
Es ist aber glücklicherweise nicht alles schlecht an Terminator 4. Wie bereits angesprochen sind die Rollen selbst gut besetzt worden, lediglich an der Charaktervertiefung hapert es und das merkt man dem Film leider deutlich an. Fortsetzungen werden nun einmal an den Vorgängern gemessen. James Cameron hat mit Terminator 1 und 2 zwei Meilensteine des Genres geschaffen, an die man so schnell nicht wieder anknüpfen wird, das sollte man sich als Fan immer im Hinterkopf behalten. Terminator 4 beginnt auch sehr vielversprechend, mit einem tollen Intro, dass sich wieder an die ersten beiden Filme orientiert und zur Freude aller Fans mit dem klassischen Terminator Theme untermalt ist. Gänsehaut pur - versprochen!!! Danach folgen 20 bis 30 spannende und interessante Minuten, mit einer kurzen Einführung, Zeitsprüngen und wuchtiger Action. Das Ganze flacht dann aber viel zu schnell ab und entwickelt sich zu Standardkost, wie man sie haufenweise schon gesehen hat. Es kommt leider auch selten Atmosphäre auf, Szenen wie etwa die gewaltige Schlachtsequenz zu Beginn von Terminator 2 sucht man vergebens. Noch dazu wirken die Schauplätze oftmals extrem künstlich und Nachtszenen, die für zusätzliche Dichte sorgen könnten, werden zu selten genutzt. Dafür punkten die Macher mit den Ideen und Designs der verschiedenen neuen Terminatoren, die wirklich klasse aussehen und selten unecht wirken. Die Action an sich stimmt, wobei man das Fehlen einer gigantischen Massenschlacht bei Nacht schon schmerzlich vermisst. Solche Szenen werden sich die Macher sicherlich für Teil 5 und 6 aufheben! Positiv fällt zudem die Kameraführung auf, denn Regisseur McG verzichtete weitgehend auf wackelige Actionsequenzen. Was leider noch etwas stört ist die Tatsache, dass man bei den Maschinen zu sehr auf CGI (Computereffekte) wert gelegt hat, anstatt auf Handarbeit zu setzen. So wirkt auch die ein oder andere Szene mit einem gewissen Terminator gegen Ende zu künstlich und vor allem die gezeigten Gesichtsanimationen altbacken. Wenn man solche Szenen sieht, fragt man sich kopfschüttelnd, für was man das Budget eigentlich so verputzt hat. Von einem 200 Mio US $ Film sollte man eigentlich mehr erwarten können!Soundtechnisch spielt Terminator 4 in der oberen Liga. Die Geräusche der Maschinen klingen klasse, der im Trailer bereits gesehene Riesenroboter gibt sogar richtig „kranke“ Töne von sich, die ähnlich klingen wie die Tripods aus Krieg der Welten. Danny Elfman liefert einen brachialen Soundtrack ab und nutzt zur Freude aller Fans, auch Elemente aus dem Score von Brad Fiedel (Komponist Terminator 1 & 2). Gerade diese Passagen können überzeugen, wie sich bereits beim Vorspann unschwer erkennen lässt. Insgesamt werden diese Klänge aber recht selten eingesetzt, ein bisschen mehr hätte da sicherlich nicht geschadet.
Auf das Thema Atmosphäre bin ich ja bereits zu Beginn ein klein wenig eingegangen. Allerdings möchte ich diesen Punkt nocheinmal anschneiden, da mir diese Sache als Fan doch sehr zu herzen liegt. Optisch sieht man im Film viel Wüste, zu viel meiner Meinung nach. Ok L.A. und San Francisco liegen an der Westküste der USA und dort herscht eben nuneinmal so ein Klima, allerdings erhofft man sich doch mehr Szenen, in denen zerstörte Städte zu sehen sind! Gerade in den so beliebten Nachtszenen hätte man wieder gut zahlreiche Gefechte gegen HKs, Riesenpanzer usw. (siehe T1 & T2) zeigen können, die eine hoffnungslose, verwarloste Zukunft zeigen, wie man sie aus Kyle Reese Alpträumen aus Terminator 1 kennt! Auch wären Szenen mit unterirdischen Bunkern und Anlagen, in denen sich die Menschen verstecken, sehr fördernd gewesen um atmosphäre aufzubauen. Solche Momente hätten sicherlich nicht plump und deplatziert gewirkt, sondern den Zuschauer gefordert und sicherlich bei dem ein oder anderen für entsetzte Gesichter gesorgt. In kurzen Szenen sieht man im Film glücklicherweise kleine Gruppen von Widerstandskämpfern, allerdings wirken diese "Lichtblicke" in Terminator 4 irgendwie leider zu aufgesetzt und fügen sich nicht nahtlos in den Film ein.Zu guter letzt sollte noch positiv erwähnt sein, dass der Film zahlreiche Anspielungen auf die Vorgänger enthält. Beispielsweise hört sich John Connor im Film oft die alten Tonbandaufzeichnungen (aus Terminator 1) seiner Mutter Sarah an. Gesprochen werden diese sogar von der Original Darstellerin Linda Hamilton. In einer anderen Szene hört man den Guns N Roses Song „You Could Be Mine“, den John auch auf seinem Motorrad in Terminator 2 laufen lässt. Gerade solche Szenen sorgen dann doch immer mal wieder für schmunzelnde Gesichter in dem sonnst zu steril wirkenden Actionfeuerwerk. Für Fans bleibt daher nur zu hoffen, dass eine verlängerte Fassung auf DVD und Blu-Ray vielleicht noch etwas reisen kann. Die Kinofassung jedenfalls bleibt weiter hinter den Möglichkeiten zurück. Wirklich schade!
Fazit:
Terminator Salvation verballert sein Potential in einem viel zu kurz geratenen bombastischen Actionfeuerwerk, dem es an Atmosphäre und vor allem Tiefgang mangelt. Da können auch ein begeisterter Christian Bale in der Hauptrolle nicht mehr viel wettmachen. Von James Camerons ursprünglicher Vision ist man meilenweit entfernt. Terminator 1 und 2 bleiben weiterhin unerreicht!



