Vorweg ist Mark Webbs Interpretation von Stan Lees Schöpfung wesentlich ernster und düsterer als Sam Raimis Vorgänger, der in seinen Versionen etwas zu viel Humor und Sonnenschein hineingebracht hat. Einer der Gründe dafür ist z.B. die tatsache, dass die Handlung überwiegend nachts spielt. Zwar wird Peters Urprungsgeschichte erneut aufgerollt, bietet jedoch neue Aspekte und Antworten was seine rätselhafte Vergangeheit betrifft, die in der ersten Trilogie gänzlich fehlten. Doch bei seiner Suche nach den Hintergründen des Ablebens seiner Eltern findet Parker bei jeder Antwort immer wieder neue Fragen, die selbst am Ende des Films trotz seiner Bemühungen als Möchtegern-Detektiv immer noch unbeantwortet bleiben. Was man sich bestimmt noch aufsparen will, wenn man die rätselhafte Szene während des Abspanns noch dazu zählt.
Nichtsdestotrotz hält man sich hier enger an die Comicvorlage: die Spinnweben kommen aus mechanischen Netzschießern und nicht aus Peters Handgelenk, Gwen wird hier als seine erste große Liebe eingeführt anstatt Mary Jane (abgesehen davon, dass der berühmte Spruch des Spidey-Franchises "Aus großer Kraft wächst große Verantwortung"; zwar angedeutet, jedoch gänzlich weggelassen zu sein scheint). Man merkt, dass sich das Drehbuch mehr auf Peter konzentriert als auf sein Alter Ego.
Die Action, wie z.B. Spider-Mans schwingen durch NYC wirkt viel realistischer und nicht so unnatürlich geschmeidig und "luftballettänzelnd" wie in Raimis Filmen, so das selbst ein Fünfjähriger wissen würde, dass es CGI ist. Dasselbe gilt auch für die Kampfszenen, denen man hier besser folgen kann.
Was Hauptdarsteller Andrew Garfield betrifft, erweist er sich gute Wahl für die Rolle des Peter Parker als auch für die des Wandkrabblers. Doch sein Debüt und seine erster offizieller Auftritt im Kostüm - was erst nach der ganzen ersten Hälfte des Films erfolgt(wie gesagt: der Film fokussiert mehr auf Peter) - wurde ein wenig zu unspäktakulär gehalten, als wäre es nur so ein Nebenjob. Leider scheint dies auch beim Rest des Films anzuhalten. Man bekommt hier nicht unbedingt den Eindruck, dass Spider-Man seine Maske überzieht um den Menschen zu helfen, sondern nur um in der ersten Filmhälfte seinen Rachedurst und in der zweiten sein Gewissen zu stillen.
Emma Stone ist wie immer nett anzusehen. Ihre charmanter Auftritt und ihre unübersehbare Niedlichkeit geben dem Film einen besseren Touch. Was vielen an der Figur des Gwen Stacy vielleicht gefallen würde ist, dass sie nicht Mary Jane Spidey wie verliebtes Schulmädchen anhimmelt, sondern in Peter schon von Anfang an und VOR seiner "Karriere" bereits verliebt ist.
Rhys Ifans in der Rolle eines braven Doktors zu sehen war auch mal was neues. Doch genau wie bei Spidey wurde dem Lizard bei seinem ersten Auftakt kaum Geschicklichkeit geschenkt. Man wollte die Figur vielleicht anfangs etwas geheimnissvoller rüberbringen. Dies versagt jedoch bei bereits zu nahen und direkten Aufnahmen seines Gesichts. Und es wird nicht einmal aufgeklärt, ob Gwen weiss, dass die Riesenechse ihr Professor und Mentor ist.
FAZIT:
The Amazing Spider-Man ist vielleicht eines dieser Filme, die man beim ersten mal mit einem "meh" abtut, aber beim zweiten mal einem mehr zu gefallen scheint. Denn wenn man sich unmittelbar vor dem Film die Trailer erst mal ansieht und anschließend die Adaption, bekommt man etwas was man eher nicht erwartet hat. Offensichtlich wollte man sich von Christopher Nolan eine Scheibe abschneiden und einem bereits umgesetztem Franchise eine noch düstere und realistische Note geben. Wodurch man sich tatsächlich eine Fortsetzung wünschen würde.



