User-Score:       8/10 (83%)
Kritik von O.C.:
Der Film scheint, mit 70 Millionen Dollar Einspiel, ein überaus erfolgreiches Startwochenende hingelegt zu haben. Etwas dazu beitragen durfte auch ich, der sich den Film im sonnigen Arizona zu Gemüte führen durfte.
Die Bilder und die Trailer die im Vorfeld veröffentlicht wurden, beindruckten auch mich und führten zu hohen Erwartungen meinerseits. Leider wurden sie nur bedingt erfüllt.
Die Story beginnt mit einem kurzen Prolog, der über die harte Kindheit spartanischer Jungs (und die von König Leonidas) aufklärt. Dann kommt schon ein Bote nach Sparta und verkündet Xerxes´s baldige Ankunft.
Um die Freiheit Spartas und seiner Bürger zu wahren entschließt Leonidas Widerstand zu leisten. Doch das Orakel verkündet "Sparta will fall" und Leonidas erhält keine Unterstützung von (korrupten) Politikern.
Da ihm nun die spartanische Armee nicht zur Verfügung steht, entschließt er sich zu einer kleinen "Wanderung", unter Begleitung von 300 Bodyguards. Er zieht nach Norden, zu den Hot Gates. Und während Leonidas mit seinen Mannen dort eine Angriffswelle der persischen Armee nach der anderen abwehrt, versucht seine Gemahlin verzweifelt, die Politker zu überzeugen die spartanische Armee doch zur Unterstützung zu entsenden.
Primär lockte mich der Look des Films ins Kino, weniger die Story oder die Schlachten. Ich wurde nicht enttäuscht. Es war ein Genuss für das Auge, wie ein mit Goldstaub besprühtes Gemälde, dem Leben eingehaucht wurde. Diesen Film muss man auf einer grossen Leinwand sehen um die Optik wirklich würdigen zu können.
Eine Szene die mir gut in Erinnerung ist: die Spartaner haben soeben einer Angriffswelle erfolgreich standgehalten, als sie plötzlich gen Himmel blicken. Eine schwarze Wand aus Pfeilen erhebt sich in der Ferne um dann, einem tödlichen Regen gleich, auf die Spartaner niederzuprasseln.
Natürlich, es ist eine Comic-Verfilmung, dennoch erhoffte ich mir etwas mehr Tiefe von dem Film. In einigen Szenen und Dialogen werden tiefere Charakterschichten angedeutet, doch sind sie zu rar gesät.
Auch den Schrecken des Krieges fehlt es an Tiefe und Wirkung, was allerdings an der stilisierten Optik liegt. Man ist nicht schockiert wenn ein Arm, ein Bein oder gar ein Kopf abgetrennt wird, im Gegenteil, man möchte innerlich jubeln. Krieg ist die Hölle, doch nicht hier. In "300" wird er zu einem visuellen Spektakel. Aber nun gut, es ist eine Comic-Verfilmung und nicht "Der Soldat James Ryan".
Den Schlachten, so beeindruckend sie auch visuell eingefangen werden, fehlt das epische. Es sind 300 Spartaner, doch sehen wir immer nur ein paar wenige von ihnen in Action. Aber auch das läßt sich erklären, durch das begrenzte Schlachtfeld. Es ist einfach nicht genug Platz für eine große Schlacht.
Die Perser kommen in mehreren Angriffswellen. Die Kämpfe sind zwar intensiv, aber eher kurz gehalten. Das Nashorn und die riesigen Elefanten sind nur für Sekunden zu sehen und es gibt nur einen Kampf mit einem Riesen-Mutanten. Die Magier sind auch recht schnell Geschichte.
Noch kurz zur Musik:
als ich aus dem Kino kam, konnte ich mich an kein Musikstück mehr erinnern. Das heißt, der Soundtrack war zwar in Ordnung, allerdings nicht gut genug um sich in mein Gedächtnis zu brennen. In manchen dramatischen Szenen verzichtete Zack Snyder gar auf jegliche Musik (z.B. die Ansprache von Leonidas vor dem letzten Kampf).
Fazit:
Die Schlachten waren zu wenig episch, zu kurz und emotional zu kalt, dafür intensiv und brutal.
Visuell allerdings punktet der Film auf der ganzen Linie. "300" ist eine visuelle Glorifizierung des Krieges. Manche werden sich genau daran stören, während andere genau das lieben werden.
König Leonidas´s letzter Wunsch war "Remember us", und dem werde ich nachkommen. Sobald die DVD veröffentlicht wird, werde ich sie mir zulegen. Bewertung:       7/10 (70%)
Kritik von Insomnia:
Blitze zucken über den Himmel - eine Stimme aus dem Off ertönt und erklärt, wie Babys nach der Geburt selektiert werden - das Überleben der Stärksten. Die Kamera schwenkt von einer Klippe, an deren Spitze die oben erwähnte Selektion vollzogen wird, auf den Boden - einen Boden voller Kinderschädel. Dies ist der Auftakt für ein wunderbares Schlachten-Gemälde, der einem klar macht dass Spartaner nicht gerade zimperlich sind und Zeit für die ersten Kritiker, mal kurz mit dem Diktiergerät festzuhalten welche nationalsozialistischen und faschistischen Tendenzen dieser Film enthält. Seltsamerweise bin ich heute nicht über den türkischen Bäcker in der Nachbarschaft hergefallen - ist wohl glatt an mir vorbei gegangen. Dabei gefielen mir die Schlachten-Reden über Ruhm, Ehre und den Heldentod so gut.
Das war nur mal kurz meine ironisierte Wertung der bekanntesten (Berlinale) Kritiken, die wieder Dinge hinein interpretieren, die der Film gar nicht anspricht bzw. in irgendeiner Form wertet. Trotzdem schreien sie alle auf, da sie den Irak-Krieg, böse Bush-Propaganda etc. sehen konnten. Dass Spartaner laut Überlieferungen nun mal sehr stolz auf ihr Land waren, Heldentum (und somit auch Heldentod) damals weit verbreitet war, Darwinismus gerne fabriziert wurde und überzogene Heeresführer-Ansprachen schon ewig gehalten wurden, wird natürlich nicht beachtet. So...nun ist aber wirklich Schluss mit meinem Aufschrei darüber...hat wahrscheinlich eh kaum einer außerhalb Berlins mitbekommen.
Jedenfalls konnte man oben herauslesen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat. Am Anfang wurde man direkt von der riesigen Leinwand eingefangen und mit dem ohrenbetäubenden Sound in die Sitze gedrückt. Die Voraussetzungen für einen guten Film waren also perfekt. Danach fallen einem sofort diese Farben auf und wie sepia-artig manches wirkt...dazu diese künstliche Grobkörnigkeit an manchen Stellen. Es sieht wirklich alles wie ein Gemälde aus und erhält dadurch einen entsprechenden Fantasy-Touch, der jedem klar machen sollte dass die reale Schlacht um die Thermopylen nur der Ausgangspunkt ist für weitaus abgehobenere Kämpfe und Kreaturen. Lange dauert es bis dahin nicht. Vom vorherigen Konfliktpotenzial erfährt man nichts, es wird einen "nur" der Auslöser zum Aufmarsch der 300 präsentiert. Erstaunlicherweise störte so etwas hier nicht, eine genaue Story hätte ihn besser machen können, aber genau so gut das Gegenteil bewirken können. Denn ehrlich gesagt habe ich gespannt auf die erste Schlacht gewartet und nicht auf anderweitige Details (welche einem später aber ansatzweise präsentiert werden, meistens durch Bildsprache). Wer sich ein wenig für Geschichte interessiert, sollte außerdem wissen, wie die verschiedenen Völker früher meistens drauf waren.
Nach geschätzten 20-30 Minuten befindet man sich dann schon an der schicksalsträchtigen Schlucht, wo nicht lange gefackelt wird. Die Männer werden für den Kampf mit einer flammenden Rede aufgeheizt und formieren sich zu einer Phalanx, während der einzige andere sichtbare Weg durch die Schlucht mit einer Mauer, bestehend aus Persern, deren Kleidung, Steinen und Schlamm versperrt wird. Danach geht das Schlachten los und einem wird vorgeführt, wie überlegen die Spartaner sind. Sie nutzen Taktik und ihre immense körperliche Kraft. Für mich war es eine Wohltat dabei zu zusehen, wie Leonidas in Zeitlupe mehrere Feinde niederstreckt, mit dem Schild weg schlägt oder auf den Boden schmettert. Ich bin nämlich kein Fan dieser hektischen Wackel-Kamera-Massenschlacht-Sequenzen in anderen Filmen. An anderen Stellen wird dann wieder mit Zeitraffer gearbeitet - unpassend wirken diese Stilmittel aber keineswegs, es sieht schlichtweg cool aus. Ich habe dadurch jede Minute der verschiedenen Schlachten genossen, als die Perser nach und nach immer stärkere Geschütze wie "Riesen", (sehr) große Nashörner, Magier, so genannte Unsterbliche (deren Unsterblichkeit mal gewaltig auf die Probe gestellt wird ) etc. auffuhren. Im Verlauf der Schlacht fliegen dann auch allerlei Köpfe und Beine durch die Luft, alles sehr sauber und im Grunde so überzogen inszeniert, dass es einfach nur Spaß macht wenn ein Perser von einem Speer getroffen wird und meterweit zurück fliegt, während das Pixel-Blut in alle Himmelsrichtungen spritzt. Hier wechselt der Look zwischendurch ebenfalls zwischen dem Sepia-Ton und dem bläulichen Hintergrund (der mir persönlich am besten gefallen hat, alleine die Szene mit dem Wolf oder dem Orakel, ein wahrer Genuss). Kommentiert werden diese Schlachten von Dilios, dem Spartaner der von Leonidas kurz vor der entscheidenden Schlacht zurück geschickt wird, um in Sparta die glorreichen Taten der 300 zu schildern.
Dies bringt uns zum zweiten Handlungsstrang, der die Pausen zwischen den Auseinandersetzungen füllt. Nämlich die Versuche von Königin Gorgo (Leonidas Frau), den Rat Spartas zur Entsendung der spartanischen Armee zu überzeugen. Gehindert wird sie hier vor allem vom zwielichtigen Theron. Insgesamt gestaltet sich diese Angelegenheit dann auch recht schwierig, da Leonidas ohne die Einstimmung des Orakels losgezogen ist und der Rat ihm daher nicht gerade wohl gesonnen ist. Am Ende ist natürlich alles zu spät - "befriedigt" wird man an dieser Stelle trotzdem, diese Szenen sind außerdem angenehm kurz gehalten und als kleine Verschnaufpause recht angebracht. Dass die spartanische Armee am Ende so wild los rennt wie die persische Armee zu Beginn und nicht mehr so geordnet, kann man sogar weitläufig interpretieren. Angenehm fällt bei all der Optik dann noch die Musik-Untermalung auf, typische Chor-Gesänge vermischen sich mit orientalischen Klängen und 2x wird kurz die E-Gitarre gezupft, wirklich rockig ist aber nichts.
Ansonsten kann ich nur jedem empfehlen, sich den Film im O-Ton anzusehen, wenn Er oder Sie die Möglichkeit dazu bekommt, denn so gut wie die Synchronisation vielleicht noch wird, besser kann sie nicht werden. Die Stimmen wirken im Original wahnsinnig ausdrucksstark, alleine für die Stimme des persischen Botschafters lohnt sich das Original (oder dieser Clip - keine Angst, der ist geschnitten und den Großteil kennt man schon aus dem Trailer). Gerard Butler stiehlt dem Rest des Casts wie erwartet die Show, da er mehr tut als nur zu schreien, wie manche nach dem Trailer angenommen haben. In einigen Szenen sieht man wahrlich den Wahnsinn in seinen Augen. Außerdem bekommt er noch ein paar zynische Bemerkungen in den Mund gelegt, die ihn sogar sympathisch machen und für allerlei Lacher sorgten. Überzeugen konnte mich des Weiteren Dominic West als Theron, Lena Headay als Königin Gorgo war halt ein netter Hingucker.
Am Ende lässt sich Zack Snyder dann noch genug Zeit für das Ende der 300 und Leonidas, der Xerxes zum Abschied noch mal beweist, dass er weniger Gott ist als er denkt. Zum Schluss noch die einzigen negativen Dinge. Der Film war so atemberaubend von seiner Optik her und unterhaltsam durch die klasse inszenierten Schlachten, dass es keinen wirklichen Höhepunkt gibt. Ich kam aus dem Kino und war sehr zufrieden...nur fiel mir keine Szene ein, die besonders hervor gestochen hat......ein definitiver "Oberkracher" wäre schön gewesen. Außerdem störte mich eine Szene die arg konstruiert wirkte, als aus dem Nichts ein einzelner persischer Reiter auftaucht um einen Spartaner niederzustrecken.
So...nun habe ich wohl viel zu viel geschrieben und mich manchmal wiederholt. Als Fazit kann ich nur sagen dass alle, die sich jetzt schon freuen, wohl wirklich Spaß haben werden an diesem Film. Die, die jetzt schon skeptisch sind, sollten dann auch besser draußen bleiben, denn der Film wird nicht anders als der Trailer (nur weniger rockig). Wer Reden über Ruhm, Ehre und Stolz nicht ertragen kann oder immer ganz entspannt bleibt, sollte ebenfalls einen anderen Film aufsuchen. Ich wurde bestens unterhalten und vergebe 9,5 von 10 möglichen Punkten. Bewertung:          10/10 (95%)
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