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Fritz Lang

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      Friedrich Christian Anton Lang

      * 5. Dezember 1890 in Wien † 2. August 1976 in Beverly Hills, Kalifornien


      Fritz Lang wuchs in Wien als Sohn des Architekten Anton Lang und dessen Frau Paula auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums begann er 1907 auf Wunsch des Vaters ein Bauingenieurstudium an der Technischen Hochschule in Wien. 1908 wechselte er an die Wiener Akademie der bildenden Künste, um dort Malerei zu studieren, außerdem trat er nebenbei als Kabarettist auf.
      1911 ging er nach München, um an der Kunstgewerbeschule zu studieren, blieb dort aber nur kurz und ging auf Reisen. 1913/14 setzte er seine Ausbildung in Paris beim Maler Maurice Denis fort und entdeckte dort den Film.

      Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs kehrte Lang 1914 nach Wien zurück. Er meldete sich als Kriegsfreiwilliger und zeichnete sich bei seinem ersten Einsatz an der Front durch große Tapferkeit aus.

      1916 erlitt Lang eine Kriegsverletzung, sein Genesungsurlaub führte ihn zurück nach Wien, wo er Kontakte zu Filmleuten knüpfte und ab 1917 als Drehbuchautor für Joe May zu arbeiten begann. 1917 musste er wieder in den Krieg zurückkehren, wurde jedoch 1918 nach einer zweiten Verwundung für kriegsuntauglich erklärt. Im Rahmen der Truppenbetreuung war Lang bei einer Theatergruppe zum ersten Mal als Regisseur tätig. Nach dem Krieg zog er nach Berlin, wo er 1919 Lisa Rosenthal heiratete.

      Am 25. September 1920 fand Langs erste Ehefrau den Tod durch einen Schuss aus dessen Browning-Revolver. Es wird davon ausgegangen, dass sie sich spontan das Leben nahm, nachdem sie Zeugin der Affäre ihres Mannes mit Thea von Harbou geworden war. Die genauen Umstände bleiben jedoch im Dunkeln, als Todesursache wurde „Unglücksfall” statt „Selbstmord” angegeben. Lang hielt seine erste Ehe Zeit seines Lebens geheim und heiratete im August 1922 von Harbou. Der Vorfall hat mutmaßlich seine zukünftigen Filmthemen von Schuld, Verstrickung, Tod und Selbstmord stark beeinflusst. In dem 2001 anlässlich der Lang-Retrospektive bei den Berliner Filmfestspielen herausgegebenen Kinemathek-Buch FL. Fritz Lang wurde dieses mysteriöse Kapitel aus Langs Leben durch Dokumente belegt, ohne den Tod von Lisa Rosenthal restlos aufzuklären.

      Die Abschaffung der Zensur in der Weimarer Republik befreite nach dem Ersten Weltkrieg die Produktionsbedingungen für den Film von äußeren Zwängen. Außerdem machten die generell guten Exportchancen für Stummfilme und die Schwäche der Reichsmark im Deutschland der frühen 1920er Jahre den Dreh auch von monumentalen Filmwerken rentabel, weil allein mit den Deviseneinnahmen aus dem Auslandsgeschäft der größte Teil der Produktionskosten gedeckt werden konnte. In dieser Situation startete Fritz Lang seine Karriere als Filmregisseur, als der er bis Mitte der 1920er Jahre über die Decla-Film bzw. Decla-Bioscop AG und die UFA für den Produzenten Erich Pommer arbeitete.

      Langs Erstlingswerk als Regisseur war 1919 der Fantasy-Film Halbblut, der, wie auch der Nachfolger Der Herr der Liebe, heute als verloren gilt. Der bekannteste und wahrscheinlich auch qualitativ herausragende Film aus dem Frühwerk des Regisseurs ist der ursprünglich als Vierteiler konzipierte Abenteuerfilm Die Spinnen. Der Erfolg des ersten Teils dieses Films zwang Lang dazu, schnellstmöglich den zweiten nachzuliefern, wodurch ihm nach eigener Aussage die Regie für den zur selben Zeit entstandenen Klassiker Das Cabinet des Dr. Caligari entging. Der müde Tod und vor allem der Zweiteiler Dr. Mabuse, der Spieler bescherten dem Regisseur 1921/22 schließlich den künstlerischen und kommerziellen Durchbruch, auch auf internationaler Ebene. 1924 konnte er mit dem Helden-Epos Die Nibelungen einen weiteren großen Publikumserfolg feiern. Während einer mehrmonatigen Kreativpause bereiste er anschließend gemeinsam mit Thea von Harbou die USA, besuchte New York und die großen Filmstudios in Hollywood.



      Das Erlebnis New York inspirierte vermutlich die Wolkenkratzer-Ästhetik von Fritz Langs bekanntestem Film, dem 1927 uraufgeführten Science-Fiction-Klassiker Metropolis. Dieser erzählt die Geschichte einer zum Moloch mutierten Riesenstadt und brachte durch seine ausufernden Kosten und seinen Misserfolg an den Kinokassen die Universum Film AG an den Rand des finanziellen Ruins. Seine nächsten beiden Filme musste Lang selbst produzieren: 1928 folgte aus diesem Grund mit Spione ein relativ schmal budgetierter, aber kommerziell erfolgreicher Agentenfilm. Auch das nachfolgende Projekt, der Science-Fiction-Streifen Frau im Mond, war 1929 ein kommerzieller Erfolg, obwohl seine filmhistorische Bedeutung bereits von der Einführung des Tonfilms überschattet wurde – das Werk ging als einer der letzten deutschen Stummfilme in die Filmgeschichte ein.

      Langs erster Tonfilm war M – Eine Stadt sucht einen Mörder. Er handelte von einem triebhaften Kindermörder, der von krimineller Unterwelt und Polizei gleichermaßen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, gejagt wird. Auch hier setzte Lang mittels einer neuen Technik (der Tonwiedergabe) Akzente: Die stets vom Mörder apathisch gepfiffene Melodie (In der Halle des Bergkönigs aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg) wird von einem blinden Luftballonverkäufer wiedererkannt, worauf der Mörder schließlich überführt werden kann. Mit dem Element Ton ging Lang in M auch darüber hinaus sehr geschickt um, indem er die bereits aus seinen früheren Filmen bekannten Überlappungen verschiedener Szenen zu Montagen auf einen Höhepunkt trieb: In einer Schnittmontage zwischen einer Konferenz der Polizei und einer Konferenz der Unterweltgrößen wurde so geschickt zwischen beiden Seiten hin- und hergeschnitten, dass die jeweils letzten Worte vor dem Schnitt sich mit den ersten Worten der anderen Seite nach dem Schnitt nahtlos zu Sätzen vervollständigen.

      Die Figur des Dr. Mabuse, über den Lang eine ganze Reihe von Filmen in verschiedenen Epochen drehte, ist der Prototyp des kriminellen Genies, das danach trachtet, die Welt in eine „Herrschaft des Verbrechens“, eine Art Terrorregime der Anarchie zu stürzen. In Das Testament des Dr. Mabuse schreibt die Titelfigur, während sie in einer Zelle in der Psychiatrie einsitzt, ein Handbuch für Verbrecher. Siegfried Kracauer sah darin eine deutliche Anspielung auf Hitlers in Festungshaft entstandenes Buch Mein Kampf, wenngleich derartige Mutmaßungen heute allzu spekulativ anmuten. Fritz Lang selbst bestritt in späteren Jahren, Das Testament des Dr. Mabuse als Anspielung auf Hitler konzipiert zu haben, räumte jedoch ein, der Mabuse-Gestalt teils wörtliche Zitate der Nationalsozialisten in den Mund gelegt zu haben. Das noch vor der Uraufführung verhängte Verbot des Films Das Testament des Dr. Mabuse durch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels trug in der Folge zur Legendenbildung bei. Im Umgang mit dem Tonfilm zeigte sich Lang auch hier sehr einfallsreich und weitete die bereits aus M bekannte Szenenüberleitung durch Vorwegnahme des Tons der folgenden Szene noch aus.
      M und Das Testament des Dr. Mabuse gelten als Glanzlichter nicht nur des frühen Tonfilms und werden oft als handwerkliche Höhepunkte in Langs filmischem Schaffen bezeichnet.



      Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 schien Langs Karriere zunächst nicht zu berühren, doch wollte er sich künstlerisch den Nationalsozialisten nicht unterordnen. Anfang April 1933 meldete die Zeitschrift Kinematograph, dass Lang zusammen mit Carl Boese, Victor Janson und Luis Trenker die Abteilung Regie in der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation gegründet habe. Diese Aussage lässt sich aber nicht belegen, Lang selber erklärte 1962 in einem Interview, dass er keine leitende Funktion in einer der NSDAP nahestehenden Organisation bekleidet hatte.

      Nach späteren Angaben Fritz Langs versuchte Goebbels ihn zu überreden, sein Können in den Dienst der Nazis zu stellen. Goebbels soll ihm 1933 in einem persönlichen Gespräch die Leitung des Deutschen Films angeboten haben, nachdem er sich zuvor als großen Bewunderer des Regisseurs zu erkennen gegeben hatte. Lang erbat sich einen Tag Bedenkzeit, entschloss sich nach eigener Aussage noch am selben Tag zur Emigration und bestieg einen Nachtzug nach Paris. Ohne Geld will der inzwischen Zweiundvierzigjährige die Flucht angetreten haben, da die Bankschalter bereits geschlossen waren und er sein Konto nicht mehr auflösen konnte. Diese Aussage Langs wird aber weder durch Zeugen, durch schriftliche Belege noch durch Einträge des sonst emsigen Tagebuchschreibers Goebbels gestützt – tatsächlich pendelte Lang etwa drei Monate lang zwischen Berlin, London und Paris und tauschte in dieser Zeit auch Devisen bei seiner Bank.

      In Frankreich traf Lang auf Erich Pommer und realisierte mit ihm 1934 den Film Liliom. Die Adaption des gleichnamigen Theaterstücks wurde sowohl in einer französischsprachigen als auch in einer deutschsprachigen Version gedreht. Noch im selben Jahr siedelte Lang in die USA über, wobei ihn seine neue Lebensgefährtin Lily Latté an Bord der Île de France begleitete. Seine ohnehin seit langem zerrüttete Ehe mit Thea von Harbou – Lang hatte 1928 eine Affäre mit der Spione-Hauptdarstellerin Gerda Maurus begonnen – war bereits im April 1933 geschieden worden. Harbou, die sich allmählich dem Nationalsozialismus annäherte, wurde 1940 Mitglied der NSDAP.

      In Hollywood setzte Fritz Lang seine Karriere fort, schaffte es aber insgesamt nicht mehr, an seine großen Erfolge des Deutschen Kinos anzuknüpfen. Nach einigen abgelehnten Projekten drehte er mehrere Filme, in denen er seine europäisch geprägten Ansätze erfolgreich mit US-amerikanischen Themen zu verbinden wusste. In seinem ersten US-Film Blinde Wut (Fury) zeichnete er ähnlich wie in M die psychische Situation eines vom Mob Gejagten nach. Es folgten Gehetzt (You Only Live Once, 1937) und zwei Western.

      In den 1940er Jahren realisierte Lang mehrere Filme, die dem Genre des Anti-Nazi-Films zuzurechnen sind, wie 1941 den Spionage-Film Menschenjagd (Man Hunt) und 1943 Auch Henker sterben (Hangmen also die). Letzterer entstand zusammen mit anderen Emigranten, u.a. Bertolt Brecht, mit dem es allerdings Auseinandersetzungen gab. 1944 folgte mit Ministerium der Angst (Ministry of Fear) nach der Vorlage von Graham Greene ein weiterer Anti-Nazi-Film.

      Von Anfang an hatte Lang in den USA mit Einschränkungen zu kämpfen. So durfte er in Blinde Wut keine schwarzen Opfer und keine Kritik am Rassismus darstellen. Wegen seiner antinazistischen Filme und seiner Bekanntschaft mit Brecht und Hanns Eisler geriet er ins Blickfeld des Kommunistenjägers McCarthy.

      1956 kehrte Lang nach Europa zurück und drehte für den Produzenten Artur Brauner seine letzten Filme Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal (beide 1959), für die er schon zu Beginn seiner Karriere Drehbücher geschrieben hatte, und Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960). In letzterem zeichnete Lang ein Sittenbild der frühen Bundesrepublik Deutschland: Große, scheinbar tote, vergessene Verbrecher, die im Hintergrund weiter wirken; ein Hotel als Beobachtungsapparat und Metapher für Totalitarismus; willige Handlanger und Vollstrecker; scheinbarer Frieden, der nur mühsam die schwelenden Konflikte verdeckt; eine Atmosphäre der Künstlichkeit und großspurig gespielten Lockerheit. Die drei gemeinsamen Filme mit Brauner erwiesen sich zwar als kommerzielle, nicht aber als künstlerische Erfolge. Lang kehrte zurück in die USA.

      Seine letzte Regiearbeit vollzog sich innerhalb des Films eines anderen Regisseurs: In Die Verachtung (Le mépris) von Jean-Luc Godard verkörperte Lang 1964 mit wienerisch gefärbtem Französisch sich selbst als Filmregisseur, der einen Film nach Homers Odyssee zu realisieren hat. Die entsprechenden Szenen inszenierte er selbst.

      In seinen letzten Lebensjahren war Fritz Lang nahezu blind. 1971 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Lily Latté. Am 2. August 1976 starb er in Beverly Hills. Er wurde auf dem Forest-Lawn-Friedhof in Hollywood beigesetzt.



      Filmografie:

      1919: Halbblut (gilt als verloren)
      1919: Der Herr der Liebe (gilt als verloren)
      1919: Die Spinnen – Der goldene See
      1919: Harakiri
      1919: Die Spinnen – Das Brillantenschiff
      1920: Das wandernde Bild
      1921: Kämpfende Herzen (auch: Die Vier um die Frau)
      1921: Der müde Tod
      1922: Dr. Mabuse, der Spieler 1. Teil: Der große Spieler – Ein Bild unserer Zeit
      1922: Dr. Mabuse, der Spieler 2. Teil: Inferno – Ein Spiel von Menschen unserer Zeit
      1924: Die Nibelungen Teil 1: Siegfried
      1924: Die Nibelungen Teil 2: Kriemhilds Rache
      1927: Metropolis
      1928: Spione
      1929: Frau im Mond
      1931: M – Eine Stadt sucht einen Mörder
      1933: Das Testament des Dr. Mabuse
      1934: Liliom
      1936: Blinde Wut (Fury)
      1937: Gehetzt (You Only Live Once)
      1938: Du und ich (You and Me)
      1940: Rache für Jesse James (The Return of Frank James)
      1941: Überfall der Ogalalla (Western Union)
      1941: Menschenjagd (Man Hunt)
      1943: Auch Henker sterben (Hangmen Also Die!)
      1944: Ministerium der Angst (Ministry of Fear)
      1944: Gefährliche Begegnung (The Woman in the Window)
      1945: Straße der Versuchung (Scarlet Street)
      1946: Im Geheimdienst (Cloak and Dagger)
      1948: Das Geheimnis hinter der Tür (Secret Beyond the Door)
      1949: Das Todeshaus am Fluß (House by the River)
      1950: Der Held von Mindanao (American Guerrilla in the Philippines)
      1952: Die Gejagten (Rancho Notorious)
      1952: Vor dem neuen Tag (Clash by Night)
      1953: Gardenia – Eine Frau will vergessen (The Blue Gardenia)
      1953: Heißes Eisen (The Big Heat)
      1954: Lebensgier (Human Desire)
      1955: Das Schloß im Schatten (Moonfleet)
      1955: Die Bestie (While the City Sleeps)
      1956: Jenseits allen Zweifels (Beyond a Reasonable Doubt)
      1959: Der Tiger von Eschnapur
      1959: Das indische Grabmal
      1960: Die tausend Augen des Dr. Mabuse
      1964: Die Verachtung (Le mépris, tw. Regie)

      Quelle: Wikipedia/ IMdB



      Sicher einer der größten Regisseure des deutschen Film's. M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist einer meiner liebsten deutschen Filme. Nach der, vor nicht allzu langer Zeit, gefundenen vollständigen Fassung von Metropolis leck ich mir schon die Finger. Ich hoffe das es da bald mal eine Veröffentlichung geben wird. Lang ist definitiv visionäres Kino vom Feinsten und Filmhistorisch führt an Lang kein Weg vorbei.
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