John Carter - Mehr vom Mars: Konzeptbilder & Hintergrund-Feature bei uns

Datum: 03.08.2011, 16:11 Uhr | Kategorie: Blockbuster | von: Christian P. (Baldur)
Blockbuster
Der Name John Carter ist euch noch kein Begriff? Ihr kennt weder die Science-Fiction Bücher des "Barsoom" Zyklus noch den Schriftsteller Edgar Rice Burroughs? Das wird sich mit Sicherheit spätestens am 15. März 2012 ändern, denn dann startet John Carter - die Verfilmung von "Die Prinzessin vom Mars", dem ersten Teil des Barsoom"-Zyklus, in den deutschen Kinos. Wer sich bereits jetzt etwas mehr mit diesem Science-Fiction Universum beschäftigen möchte, für denjenigen haben wir gute Neuigkeiten: 'Walt Disney Pictures' hat uns nämlich mit neuem Material zum Film versorgt. Neben zwei Konzeptbildern findet ihr weiter unten im Artikel auch ein interessantes Hintegrund-Feature, das weitere Einblicke in Regisseur Andrew Stanton's Version für die Verfilmung von "Die Prinzessin vom Mars", dem ersten Teil des "Barsoom"-Zyklus, bietet.

John Carter (Taylor Kitsch) glaubt, alles schon erlebt, alles schon gesehen zu haben. Auf unerklärliche Weise findet er sich plötzlich auf einem geheimnisvollen Planeten wieder und der ehemalige Offizier, der eigentlich nicht mehr kämpfen will, gerät in einen Konflikt, der alle Vorstellungskraft sprengt.
Die Abenteuer, die Schriftsteller Edgar Rice Burroughs – Erfinder von "Tarzan" - mit seinem Protagonisten John Carter erzählte, haben bereits viele berühmte Filmemacher inspiriert, nicht zuletzt George Lucas zu "Krieg der Sterne" und James Cameron zu "Avatar". Dank des zweifachen Oscar®-Preisträgers und Regisseurs Andrew Stanton (WALL-E, Findet Nemo) kann man Burroughs’ fantastische Welt, das Vorbild für alle späteren Weltraumhelden, jetzt endlich in einem ersten Trailer für das neue Kino-Abenteuer bestaunen (Anmerkung der Redaktion: Über den Trailer hatten wir bereits am 28.07. berichtet).

John Carter Trailer01 deutsch


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Hintegrund-Feature:

2012 wird es genau 100 Jahre her sein, seit Edgar Rice Burroughs’ epischer und abenteuerlicher Fantasyroman "Die Prinzession vom Mars" („A Princess of Mars“), der später den neuen Titel „Under the Moons of Mars“ erhielt, veröffentlicht wurde. Aufgrund des enormen Erfolges ließ Burroughs diesem Roman zehn weitere Bücher folgen, die als Barsoom-Zyklus bekannt wurden, denn diesen neuen Namen, Barsoom, hatte Burroughs dem Planeten gegeben. In jedem dieser Bücher taucht John Carter als Haupt- oder Nebenfigur auf, heute gilt er als erster literarischer Weltraumheld. Als Musterbeispiel für einen Helden hat Carter alle Strömungen der Popkultur beeinflusst, von Romanen bis zu Comics, von Illustrationen bis zu Animationsfilmen, von TV-Projekten bis zum großen Kinofilm, der jetzt erstmals realisiert wurde. Tatsächlich hat John Carter einige der größten Kreativköpfe des letzten Jahrhunderts inspiriert.

Ganz sicher war der heldenhafte Carter Inspiration für den Oscar®-gekrönten Drehbuchautor und Regisseur Andrew Stanton, der die Bücher als zwölfjähriger Junge las und ein treuer Fan des Zyklus wurde. Stantons Traum, Burroughs’ Charaktere einmal auf der großen Leinwand sehen zu können, erfüllt sich nun endlich 2012, wenn Walt Disney Pictures anlässlich des 100. Jahrestages der Buchveröffentlichung "John Carter" in die Kinos bringt.

Von farbenprächtigen Skizzen und Illustrationen wie auch von kunstvollen und aufwendigen Modellen umgeben, erklärt Stanton in den Barsoom-Studios, wo er am Schnitt des Films arbeitet, einer kleinen Besuchergruppe seine Leidenschaft für das Großprojekt. „Jeder scheint den Roman Tarzan zu kennen, den Burroughs ebenfalls schrieb. Dieses Buch machte Burroughs reich und berühmt. Als Kind aber fand ich die Mars-Bücher viel unterhaltsamer. Für mich war es einfach viel faszinierender, in diese fiktive Welt mit diesen Figuren und diesen Geschichten entführt zu werden. Die Prinzessin vom Mars wird als der Rosetta-Stein, als eine Art Urschrift der Science-Fiction-Literatur angesehen. Dieser Roman und die nachfolgenden Bücher dieser Reihe waren damals sozusagen meine ‚Harry Potter’-Bücher.“

Bevor er als Regisseur die Arbeit an "John Carter" aufnahm, hatte sich Andrew Stanton im Animationsfilm eine der angesehensten und erfolgreichsten Karrieren aufgebaut. Zweimal wurde er in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ mit dem Oscar® ausgezeichnet, zunächst für „Findet Nemo“ (Finding Nemo, 2003), schließlich auch für „WALL-E – Der Letzte räumt die Erde auf“ ( WALL-E, 2008 ). Bei beiden Projekten schrieb er das Drehbuch und führte auch Regie. Darüber hinaus arbeitete er auch an den Skripts zu „Toy Story“ (Toy Story, 1995), „Toy Story 2“ (Toy Story 2, 1999), „Toy Story 3“ (Toy Story 3, 2010) und „Das große Krabbeln“ ( A Bug’s Life, 1998 ) mit und gehörte außerdem zu den Produzenten von „Die Monster AG“ (Monsters, INC, 2001), „Oben“ (UP, 2009) und des Kurzfilms „Teilweise wolkig“ (Partly Cloudy, 2001).

„2006, mitten im Produktionsprozess von ‚WALL-E – Der Letzte räumt die Erde auf‘, dachte ich über mein nächstes Projekt nach“, erzählt Stanton. „Dabei fand ich die Vorstellung, Burroughs’ Mars-Geschichten auf der Leinwand zu sehen oder die Mittel und Möglichkeiten haben zu können, sie auf die Leinwand zu bringen, viel spannender als alles andere. Deshalb setzte ich mich mit Disney in Verbindung und fragte die Verantwortlichen: ‚Wie wäre es, wenn Ihr mich das machen lassen würdet? Ich sehe dieses Projekt als eine in den Anteilen gleichwertige Kombination aus Realfilm und Computeranimation. Vielleicht bekomme ich ja die Chance, die real gedrehten Szenen zu inszenieren, beim Rest, der computeranimierten Hälfte, bin ich mir sicher, dass ich das stemmen kann.’ Ich hatte Glück und bekam die Chance.“

Andrew Stanton begann die Arbeit am Drehbuch zu "John Carter" zusammen mit Mark Andrews, der die Storyentwicklung bei „Ratatouille“ (Ratatouille, 2007) und „Die Unglaublichen – The Incredibles“ (The Incredibles, 2004) geleitet hatte und derzeit das neue Disney/Pixar-Projekt „Brave“ inszeniert, das am 26. Juli 2012 in die Kinos kommt. Die beiden Männer entdeckten bei ihrer Zusammenarbeit, dass sie beide in ihrer Kindheit Fans der Barsoom-Bücher gewesen waren und tauschten beim Schreiben „echte Expertengeschichten“ untereinander aus. „Als das Drehbuch dann komplexer und anspruchsvoller wurde“, erklärt Stanton, „wussten wir, dass wir einen weiteren Autor brauchten, der die Sache in Gang halten würde, während wir mit den Vorbereitungen des Films begannen. Auf einer Weihnachtsfeier erzählte mir jemand, dass Michael Chabon, der den Pulitzerpreis für seinen Roman ‚The Amazing Adventures of Kavalier & Clay’ („Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay“) gewonnen hatte, ein großer Fan der Bücher wäre. Weil er ein Bekannter von mir ist, rief ich ihn einfach an. Ich dachte eigentlich, er wäre zu beschäftigt, aber glücklicherweise sagte er zu. Als wir drei uns gemeinsam an die Arbeit machten, entdeckten wir unter anderem, dass wir als Kinder Zeichnungen von den Figuren des Buchs gemacht hatten. Weil wir sie aufgehoben hatten, konnten wir sie uns jetzt gegenseitig zeigen.“

Konzept-Bild zum Film John Carter


Für Stanton, Andrews und Chabon war es eine Herausforderung, aus Burroughs’ ersten Büchern der Reihe, die im zweiten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts verfasst worden waren, einen Film für unsere moderne Zeit zu machen. „Die Charaktere fand ich eindimensional, das hat auch etwas mit der Zeit zu tun, in der sie erschaffen wurden. Sie brauchten also mehr Tiefe“, erklärt Andrew Stanton. „John Carter und Dejah Thoris, die beiden Hauptfiguren, sind Archetypen, ganz einfach gestrickte Charaktere. Carter war ein Weltverbesserer. Wäre er eine Eiscreme-Geschmacksrichtung, wäre er Vanille. Dejah hingegen war bei Burroughs eine typische junge Frau in Not, die Hilfe braucht.“

„Vieles, was romantische Storys kennzeichnet, findet man bereits in ihrer Geschichte und ihrer Beziehung“, setzt Stanton seine Ausführungen fort. Ich mochte Geist und Wesensart von John und Dejah, wollte aber die Möglichkeit haben, diese Figuren in ihrer Typisierung aufzubrechen und sie mehrdimensionaler zu machen. Carter musste seinen Gerechtigkeitssinn, Dejah diese marsianische Stärke, die ihr eigen ist, bewahren. Aber um diese fundamentalen Aspekte herum musste ich diese Figuren weiterentwickeln. Sobald wir einen Ansatz für die Entwicklung dieser Charaktere gefunden hatten, wurde uns klar, dass eine Menge auch von der Besetzung dieser Rollen abhängen würde.“

Produzent Jim Morris, der wie Andrew Stanton sowie Eric Zumbrunnen (Cutter) und Eamonn Butler (Animation Supervisor) in die Postproduktion in den Barsoom-Studios involviert war, bestätigt die Intensität des Besetzungsprozesses: „Es gab ein halbes Dutzend möglicher Kandidaten und Kandidatinnen für die weibliche und männliche Hauptrolle. Wir wollten ganz traditionell vorgehen und ließen sie Probeaufnahmen machen. Einen halben Tag stellten wir mögliche Paarkonstellation vor die Kamera, wechselten durch und drehten unterschiedliche Szenen. Das war weit mehr als ein normales Besetzungsgespräch: die Bewerber mussten einen Text vortragen und die Beurteiler am Tisch ihnen zuhören. Jeder trat im Kostüm auf, während zwei Kameras liefen. Das Gute daran war, dass wir auf diese Weise die sichtbare Chemie zwischen unseren Hauptdarstellern entdecken konnten. Somit konnten wir sehen, was funktioniert.“

„Letzten Endes habe ich mich für Taylor Kitsch und Lynn Collins entschieden. Und besser hätte ich es nicht treffen können“, erklärt Andrew Stanton. „Auch bei uns gab es diesen Moment, der bei jeder Probeaufnahme kommt, wenn man auf der Leinwand plötzlich diese Chemie sieht und man den Blick von den Darstellern nicht mehr abwenden kann. Beide zeigten genau das, was ich mir von ihnen erhofft hatte, und das ging weit über das hinaus, was wir als Drehbuchschreiber hätten vorgeben können.“

„Taylor versteht sich wirklich gut darauf, gebrochene Charaktere mit seelischen Verwundungen darzustellen“, fährt Andrew Stanton fort. „Lynn Collins hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung. Ich kannte ihre Arbeit nicht, bis sie sich vorstellte und eine Kraft und Intelligenz zum Ausdruck brachte, die mich absolut faszinierte. Danach ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich war dankbar dafür, dass Disney nie Druck auf mich ausübte, große Stars zu besetzen. Die Disney-Verantwortlichen waren einfach unserer Meinung, dass wir den Schauspielern die von ihnen dargestellten Figuren auch abnehmen mussten. Für die beiden Schauspieler war das ein großer Triumph, sie sind aufstrebende Stars.“

Druck spürte Stanton auch, als es an die Besetzung seiner beiden anderen Hauptfiguren, Tars Tarkas und Sola, ging. Beide gehören zu den Tharks, zu den außerirdischen Wesen, die den Mars seit Tausenden von Jahren bewohnen. Zwar werden die Tharks durch Computeranimation in der Postproduktion zum Leben erweckt, aber während der Dreharbeiten wurden sie von Schauspielern dargestellt, damit sie im Film auch glaubwürdig wirkten.

„Ich wollte die besten Darsteller für diese Rollen haben, die ich nur kriegen konnte, auch wenn sie am Ende nicht auf der Leinwand zu sehen sein würden“, erklärt Andrew Stanton. „In meiner Arbeit für Pixar habe ich vor langer Zeit einige wichtige Lektionen gelernt: Es dreht sich alles um die Qualität der Stimme, um die Augen und um die darstellerischen Fähigkeiten. Es sind diese drei Dinge, die man am Ende auf der Leinwand wahrnehmen wird, selbst wenn man alles andere entfernt. Willem Dafoe strahlt eine so aristokratische Aura aus, und Samantha Morton kann so verletzlich wirken. Deshalb waren beide perfekt für Tars Tarkas und Sola.“

Mit Schauspielern in den Rollen der Tharks zu drehen, brachte für jeden im Team körperliche und technische Herausforderungen mit sich. Die Gründe waren für einen Besucher der Barsoom-Studios leicht nachzuvollziehen, sobald er ein Modell der Tharks in voller Lebensgröße gesehen hatte. Denn diese Geschöpfe sind drei Meter groß, haben eine grüne Haut, Stoßzähne und vier Arme.

„Mir ging dabei einiges durch den Kopf“, so Stanton. „Ich hatte zwei Hauptfiguren, die digital am Computer entstehen würden, aber fast so oft auf der Leinwand zu sehen sein würden wie die real gedrehten Schauspieler. Ich musste also sicherstellen, dass sie gut aussehen würden, dass man sie für real halten würde. Als Zuschauer hängt unser ganzes Verständnis von körperlichen Signalen und auch deren Glaubwürdigkeit von großen bis hin zu sehr kleinen Bewegungen ab. Zum Beispiel können wir die Reaktion einer Person wahrnehmen, noch bevor diese Person irgendetwas sagt. Ich konnte mir nicht vorstellen, den von mir angestrebten Grad an Glaubwürdigkeit erreichen zu können, wenn nicht ein großartiger Schauspieler mit einem anderen in der gleichen Szene spielte. Das habe ich meinen Darstellern erklärt, und sie verstanden es. Ich fragte sie ‚Wie würde es Euch gefallen, in der Wüste bei 38 Grad Hitze Pyjamas zu tragen, während Ihr auf Stelzen steht?’ Die Antwort kam wie aus einem Munde: ‚Wo soll ich unterzeichnen?’ Es stellte sich heraus, dass die beste Methode, ihnen die Sache schmackhaft zu machen, war, ihnen einfach die nackte Wahrheit zu sagen.“

Die Schauspieler, die die Tharks darstellten, trugen Gesichtskameras, die den gesamten mimischen Ausdruck, jede Gesichtsbewegung des Darstellers erfassten. „Glücklicherweise haben die Tharks Stoßzähne,“, so Andrew Stanton, „damit konnten wir die Kameras dort anbringen, wo sie gebraucht wurden, und so tun, als wären sie Bestandteil ihres Gesichts. Die Schauspieler konnten folglich die Kameras für ihre Darstellung nutzen, sie waren nicht sperrig und behinderten sie auch nicht.“

Wenn Stanton je besorgt über seinen Wechsel von Animationsfilmen zu Realfilmen gewesen sein sollte, dann hätte sich diese Verunsicherung bereits am ersten Drehtag in Wohlgefallen aufgelöst. „Am ersten Tag tauchte Lynn, hergerichtet wie Dejah, am Set auf, dann auch Taylor als Carter und Samantha Morton in ihrem abgefahrenen Aufzug. Ich saß hinter der Kamera, als sie an mir vorbei ins Blickfeld der Kamera gingen und ich dachte nur ‚Oh mein Gott!’. Ich konnte es einfach nicht glauben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich an diesen Moment und in solchen Kategorien nie zu denken gewagt, ich wollte schließlich nicht alles vermasseln. Ich befürchtete, überwältigt oder eingeschüchtert zu werden. Dieses Gefühl allerdings ließ ich nur einen kurzen Moment zu.“

„Ehrlich gesagt, war für mich die größte Überraschung, wie gering der Unterschied zwischen Animationsfilm und Realfilm war“, gibt Stanton zu. „Man fragte mich auf dem Set ‚Wie ist das denn nun, mit Menschen zu arbeiten?’ Meine Standardantwort darauf war immer ‚Ich arbeite bei Pixar jeden Tag mit 200 Leuten zusammen. Mit Computern rede ich nicht, sage ihnen auch nicht, was zu tun ist.’ Ich muss mich an einen Künstler wenden, um mit ihm zu besprechen, wie ein Kostüm entworfen wird, wo die Kamera platziert wird und was die Motivation einer Figur sein soll. Andere Gespräche führte ich auch bei den Dreharbeiten zu John Carter nicht. Was sich verändert hatte, war das Umfeld und auch die Dringlichkeit der Gespräche über die kreativen Entscheidungen, die ich zu treffen hatte.“

Andrew Stanton arbeitete auch eng mit Produktionsdesigner Nathan Crowley zusammen, um eine marsianische Welt zu erschaffen, die so noch nie zu sehen war. Eisern hielt er an seinem Ziel fest, dem Zuschauer einen völlig anderen Mars zu zeigen, schließlich gibt es in der Science-Fiction-Welt bereits so viele stereotype Vorstellungen darüber, wie der Planet und seine Bewohner aussehen. Nimmt man die Zeichnungen und Illustrationen als Maßstab, die Besucher der Barsoom-Studios zu sehen bekamen, ist Stanton das ganz sicher gelungen.

„Ich will, dass der Zuschauer bei diesem Film das Gefühl hat, dass alles, was er sieht, auch wirklich geschieht – mit dem ganzen realistischen Chaos und Schmutz“, erklärt Andrew Stanton. „Ich sehe diesen Film als eine Art Reisebericht, als würde jemand in der Vergangenheit den Mars als ein reales, fremdes Land dokumentieren. Die Handlung des Buchs spielt im Jahr 1912 und geht dabei auch zurück in die Zeit vor der Jahrhundertwende. Deshalb zeigen wir von der Erde alles, was wir aus dieser Periode kennen. All das half mir dabei, die fantastischen Fanboy-Elemente der Geschichte zu entfernen, alles ‚echter’ wirken zu lassen – ein besseres Wort dafür fällt mir im Moment nicht ein. Aus diesem Ansatz resultierte auch die Vorgabe, dass alles verwittert und von der Zeit gealtert aussehen musste. Wir mussten dem Mars eine festverwurzelte Kultur geben und das Gefühl vermitteln, dass diese Welt bereits vor der Zeit, in der wir sie betreten können, vieles erlebt hatte. All das fand ich als Ansatz unglaublich neu und unverbraucht.“

Konzept-Bild zum Film John Carter


„Der Mars ist ein sterbender Wüstenplanet“, setzt Stanton seine Ausführungen fort. „Letzten Endes benutzten wir für diese Planetenlandschaft archäologisch bedeutende Originalschauplätze wie die alte Felsenstadt Petra und andere Drehorte in Jordanien. Diese Aufnahmen haben wir dann mit Hilfe fotografischer Tricks leicht modifiziert. Wenn man diese Orte sieht, bekommt man dieses wunderbare Gefühl, dass hier antike Geschichte in Felsgestein aus einer anderen Zeit gemeißelt wurde. Man hat das Gefühl, dass hier eine geschichtliche Epoche auf eine andere aufgebaut wurde, dass menschliches Leben in Schichten stattfand – so, wie man es vom Sedimentgestein kennt. Jeden Tag, wenn ich den Fernseher anschalte, lerne ich auf dem Discovery Channel etwas über eine Kultur oder eine bestimmte historische Zeit. Genau in solchen Kategorien sollen die Zuschauer denken, wenn sie den von uns erschaffenen Mars sehen, das wollte ich unbedingt erreichen. Ich will, dass sie sich fragen, ob sie hier etwas total Fiktives oder etwas Reales sehen. Sie sollen sich die Frage stellen: ‚Wo zum Teufel haben sie das gedreht?’“

Obwohl die Dreharbeiten zu "John Carter bereits 2010 beendet worden waren, haben Stanton und sein Team immer noch acht Monate harter Arbeit vor sich, bevor der Film in die Kinos kommt. „Wir arbeiten immer noch daran, alles mit Digitalanimationen zu ersetzen und die gezeigten Welten auszuweiten“, nennt Stanton einen der Gründe für die lange Postproduktion. „Aber es hat sich gelohnt, alles sieht einfach fantastisch aus. Alle Feinheiten, um die es mir ging, sind sichtbar, das habe ich erreicht. Würde mir jemand sagen, dass ich morgen mit einem anderen Film beginnen müsste, würde ich diesen genau auf die gleiche Weise wie bei John Carter in Angriff nehmen.“

Zu viele Einzelheiten der Handlung von "John Carter" möchte Stanton zwar nicht preisgeben, aber zu den Themen des Films verrät er einige Details: „Ich wollte unbedingt, dass diese Geschichte ins Kino kommt. Ich bin ein großer Fan der Bücher und habe mein Leben lang darauf gewartet, dass jemand sie auf die Leinwand bringt. Mein Ansatz für diese Geschichte ist es, einen umfassenden Blick auf die Mechanismen zu werfen, wie eine Gesellschaft funktioniert. Es geht bei diesem Film um die Tatsache, dass der Zweck unseres Daseins mit dem Überleben und den Bedürfnissen von anderen verknüpft ist. Alles, was ich als Filmemacher tue, ist, aus meiner Perspektive zu beobachten, wie Menschen miteinander umgehen und darauf basierend etwas zu erzählen, das wahrhaftig ist. Dann geht es mir darum, dass der Zuschauer all das wieder vergisst und sich in der Geschichte und dem Film völlig verliert. Das zu erreichen, ist meine Aufgabe.“

„Mir ist nur wichtig, jemanden sagen zu hören: ‚Du musst diesen Film unbedingt sehen.’ Ich will, dass man einen Film aus dem Regal holt, ihn ansieht, und es dabei keine Rolle spielt, ob er im Jahr 2006 oder in den 1960er Jahren entstanden ist. Ich will auch noch die Enkelgeneration erreichen, und dieses Ziel hilft mir dabei, langfristige Entscheidungen darüber, was für die Geschichte des Films am besten ist, zu treffen. Die kurzsichtigen Entscheidungen, bei denen es nur um Einspielergebnisse oder Schlagzeilen für eine Woche geht, interessieren mich nicht. Ich investiere nicht vier Jahre meines Lebens in etwas, das nur einen Moment einzufangen versucht. Stattdessen versuche ich Filme zu drehen, die man sich immer und immer wieder anschauen kann.“
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