Assassination - Unser Asia-Film des Monats

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    Nach dem japanischen Ausflug mit Geständnisse geht es nun wieder zurück nach Südkorea. Mit Assassination wird es historisch. Zwar wird eine fiktionale Geschichte erzählt, doch spielt diese vor geschichtlichem Hintergrund und so taucht die ein oder andere bekannte Figur aus der Widerstandsbewegung der Koreaner gegen die Japaner der Zeit kurz vor dem zweiten Weltkriegs auf. Da die koreanische Insel nicht nur in dieser Zeitspanne von den japanischen Nachbarn besetzt beziehungsweise angegriffen wurde, werden die Auseinandersetzungen mit diesem Land immer wieder in historischen Filmen und Serien (wie zuletzt in der Netflix-Serie Mr. Sunshine) aus Südkorea thematisiert. Gerade die Besetzung zwischen etwa 1876 und 1945 wird immer wieder thematisiert, da die Geschehnisse bis heute nicht vernünftig aufgearbeitet wurden. Selbst in der heutigen Zeit sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern teilweise angespannt, da die Japaner gerade von konservativer Seite sich in einigen Belangen von jeglicher Schuld distanzieren. Dabei sind viele Gräueltaten historisch belegt.

    Um die Hintergründe zu verstehen, warum die Südkoreaner in der Popkultur, so auch bei dem Film Assassination, diese Zeitspanne immer wieder behandeln, hilft es, wenn man zumindest grob die Hintergründe der Geschehnisse kennt.


    Der historische Hintergrund
    Nachdem das kleine von China kaum beachtete aber beherrschte Land Korea das militärische Interesse der japanischen Nachbarn erweckt hatte, dauerte es nicht lange, bis die Japaner sich Raum in Korea verschafften. Nachdem sie die Chinesen bezwangen, wurde Korea 1905 zum japanischen Protektorat und nur fünf Jahre später schließlich zur Kolonie. Die strategische Lage Koreas als Aufmarschgebiet gegen Russland und China eröffnete Japan viele Möglichkeiten. Später auch als Ressource für Nahrung und Menschen, die im Krieg gebraucht wurden, genutzt, verleibte sich Japan das militärisch unterlegene Korea mehr und mehr ein. Als großes Ziel stand die Assimilation, also die komplette Angleichung Koreas an die Hauptinsel.

    Das wurde über viele Instanzen versucht. So wurde die Wirtschaft nach und nach übernommen. Der Bergbau oder die Ginseng-Produktion wurde beispielsweise verstaatlicht, oder viele der führenden Firmen wurden von Japaner geleitet, da diese Unternehmen stets bevorzugt wurden. Die japanische Sprache wurde zur Nationalsprache erklärt und die koreanische erst aus der Schule und dann auch aus dem privaten Bereichen verbannt. Darüber hinaus durfte keine koreanische Geschichte geleert werden und selbst traditionelle Trachten wurden verboten. Ab 1940 sollten sogar koreanische Namen ins Japanische umgewandelt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Lebensmittelkarten, Arbeit oder behördliche Anträge nur an Menschen mit japanischen Namen vergeben. Selbst die Post wurde nur noch für Empfänger und Absender mit solchen Namen zugestellt.

    Der staatliche Druck aus Korea ein Teil von Japan zu machen, fasst die Ansicht, dass die Japaner führen und lehren sollen und die Koreaner zu ihnen aufschauen und mit Dankbarkeit und Gehorsam folgen zu haben, zusammen. So wurden koreanische Zeitungen eingestellt und zum größten Teil gab es nur noch welche auf japanisch, die von der Regierung kontrolliert und zensiert wurden.

    Das militärisch noch recht rückständige Korea ließ sich vieles aufzwingen beziehungsweise Koreaner, die Pro-Japan eingestellt waren, verkauften das Land, sodass kaum Widerstand von den Führungsebenen kam. Obwohl Japan stets sehr stolz auf seine Werte und Kultur war, gaben sie sich dem westlichen Einfluss hin, um mit dem technischen Fortschritt, den dieser offenbarte, mitzuhalten. So erhielt auch über Japan die westliche Kultur immer mehr Einzug in den koreanischen Alltag. Durch Japans Druck die Häfen aus wirtschaftlichen Gründen für andere Länder zu öffnen nahm die Präsenz von Ländern wie Frankreich, Deutschland oder den Vereinigten Staaten zu. Zwischen den Machtspielen der verschiedenen Nationen spielten die eigentlichen Einwohner des Landes keine große Rolle mehr. Doch Japan behielt bis zum Ende des zweiten Weltkriegs die Oberhand.

    Obwohl der japanische Einfluss neben wirtschaftlichen und infrastrukturellen Fortschritt auch positive gesellschaftliche Weiterentwicklung, wie beispielsweise mehr Frauenrechte, mit sich brachte, war die japanische Herrschaft stets darauf aus, über das koreanische Land den Wohlstand der japanischen Hauptinsel zu sichern.

    Und so wurde Korea im Verlauf des zweiten Weltkriegs, in dem Japan an vielen verschiedenen Fronten kämpfte, mehr und mehr zu einer Quelle für Nachschub in allen möglichen Belangen. Von Nahrungsquelle über Zwangsarbeiter und Zwangssoldaten bis hin zu der von der Regierung organisierten Verschleppung von Frauen in Bordelle in die verschiedenen Kriegsgebiete wurde das Land ausgenutzt. Gerade über die systematische Entführung von teilweise noch minderjährigen Frauen wird bis heute von japanischer Seite nur sehr spärlich geredet. Diese erschreckend verharmlost als Trostfrauen bezeichnet, warten noch heute auf eine angemessene Entschuldigung von japanischer Seite. Und viele von ihnen leben mittlerweile nicht mehr.

    Trotz der kampflosen Übergabe des Landes durch die koreanische Regierung formten sich Widerstandsgruppen, die sich der Situation nicht unterordnen wollten. Und von genau diesen Widerständen erzählen zahlreiche Filme von der südkoreanischen Halbinsel.


    Der Film
    Assassination ist einer dieser und behandelt in der Folge dieser Unterdrückung einen fiktionalen Anschlag auf einen hochrangigen japanischen Offizier und einen koreanischen Verräter aus der Oberklasse, der Teil der Personen war, die das Land für ihren eigenen Profit an die asiatischen Nachbarn verkauften.

    In dem Film wird ein deutliches Bild von dem westlichen Einfluss auf Japan gezeichnet und wie das Land diese neuen Entwicklungen versucht auch in Korea zu etablieren. Zeitlich in den frühen 30er Jahren angesiedelt, spielt Assassination in der Zeit, in der Korea bereits vollständig in japanischer Hand war. Obwohl eine fiktionale Geschichte erzählt wird, tauchen historisch einflussreiche Figuren wie Kim Koo oder Kim Won-bong auf, die wichtige Persönlichkeiten beim koreanischen Widerstand waren.

    Die aufwendige Produktion wurde in Shanghai und Seoul gedreht, wobei alleine das Set in Korea mehr als 13000 m2 umfasste. Doch die detaillierte Ausstattung sollte auch belohnt werden. So wurde Assassination 2014 mit über 12,7 Millionen Zuschauern und einem Einspielergebnis von über 88 Millionen US-Dollar zum zweiterfolgreichsten Film des Jahres in Korea und steht in seinem Heimatland zurzeit auf Platz 8 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

    Dabei war die Wahl des Regisseurs für solch ein komplexes und ernstes Thema eher ungewöhnlich. Denn Choi Dong-hoon konnte zwar mit The Thieves einen beachtlichen Kassenerfolg vorweisen, doch bewegte er sich bis dahin bei seinen Projekten stets im Comedy-Bereich.

    Allerdings konnte er für seine Großproduktion für die Hauptrollen auch namenhafte Darsteller verpflichten. Lee Jung-jae und Jun Ji-hyun standen für Choi bereits bei The Thieves gemeinsam vor der Kamera. Beide Schauspieler harmonierten darüber hinaus auch schon im romantischen Drama Il Mare - Das Haus am Meer. Ansonsten ist Jun eher für ihre Auftritte in Komödien wie Windstruck oder das koreanische Original von My Sassy Girl bekannt.

    Unterstützt werden die beiden unter anderem von Ha Jung-woo, der mit Die Taschendiebin einen enormen Kritikererfolg feierte und mit Along with the Gods einen bemerkenswerten finanziellen. Darüber hinaus ergänzt Cho Jin-woong die Besetzung, der ebenfalls in Die Taschendiebin für Park Chan-wook vor der Kamera stand, im Gegensatz zu seinem Auftritt dort in Assassination aber eine sympathische Figur verkörpern darf.

    Was uns im Detail an dem Werk gefallen hat, erfahrt ihr in unserer Assassination - Filmkritik.

    Unser Tipp: Da die deutsche Synchronisation bei Filmen aus dem asiatischen Raum oft etwas problematisch ist, empfehlen wir generell eine Sichtung im Originalton mit Untertiteln, da so die tatsächliche Wirkung der jeweiligen Filme besser zur Geltung kommt.

    Deutscher Trailer zu Assassination


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    Quelle: Splendid Film

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    Nachrichtenbild: Assassination © 2018 Splendid Film

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