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Avengers: Endgame - Die Sache mit dem Abspann und Closure *SPOILER*

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    Seit heute läuft Avengers: Endgame endlich in den deutschen Kinos, und nachdem unsere spoilerfreie Kritik zu dem Film bereits dargelegt hat, wie wir den vierten Avengers-Film fanden, geht es heute dann doch mehr ans Eingemachte. Der folgende Text befasst sich insbesondere mit dem Ende, dem Thema "Abschluss" und den Post Credits-Szenen - es wird also außerordentlich gespoilert, denn ohne Details ist es leider nicht möglich, in die Tiefe zu gehen. Und das sind alles die Spoiler schlechthin, also von der ganz schlimmen Sorte. Letzte Warnung also: Der folgende Text sollte nur für diejenigen interessant sein, die Avengers: Endgame bereits gesehen haben. Falls ihr den Film erst in den nächsten Tagen schaut, kommt lieber später noch einmal auf diesen Artikel zurück, den werden wir schon nicht löschen.

    Wie offensichtlich ist, besitzt Avengers: Endgame entgegen der 'MCU'-Tradition keine Mid- oder Post Credits-Szenen. Einigen Fans hat dies schon sauer aufgestoßen, aber nichts kommt ohne Grund.

    Dazu gibt es erst einmal einen Exkurs zur Geschichte und Funktion der Post Credits-Szenen bei 'Marvel': Kevin Feige, seines Zeichens Chef von 'Marvel Studios' und derjenige, der die Zügel bei dem Franchise in der Hand hält, hat es immer geliebt, die Namen im Abspann eines Films zu lesen. Er hatte sich vorgestellt, selber dort aufzutauchen. Dann sah er "Ferris macht blau" und entdeckte etwas viel cooleres: Eine Post Credits-Szene, in der Matthew Brodericks Titelheld die vierte Wand durchbricht und dem Publikum rät, nach Hause zu gehen. "Das war das Größte", so Feige. "Ich dachte, es ist witzig. Es war, als ob ich dafür belohnt wurde, den ganzen Abspann durchzuhalten."

    Die erste Post Credits-Szene im 'Marvel Cinematic Universe' sollte ursprünglich nur ein Easter Egg werden, sie stand nicht einmal im Drehbuch, sondern wurde von Regisseur Jon Favreau und Kevin Feige während der Produktion beschlossen. Irgendwann kam die Idee auf, dass Samuel L. Jackson einen Cameoauftritt übernehmen könnte. Die Wahl fiel deshalb auf Jackson, weil die Zeichner des Comics "The Ultimates" Fury eine optisches Update gegeben haben, welches an Jackson orientiert war.

    Schließlich entwickelte sich daraus die Idee, dass man Superhelden des einen Films auch in einem anderen Film zeigen könnte. Fury sollte das verbindene Element der Filme werden, und irgendwie entstand hieraus das 'Cinematic Universe', welches wir heute kennen.

    Neben der Verbindung durch Fury gab es dann die bereits erwähnten Verbindungen durch Auftritte der anderen Helden. Dies waren entweder lustige Auftritte (z.B. Captain America in "Spider-Man: Homecoming"), die hauptsächlich für comic relief sorgen, oder aber der nächste Film wurde bereits angeteasert (z.B. "Thor" in "Iron Man 2"). Beides sind natürlich Fanservice, aber gleichzeitig auch schon perfektes Marketing, denn es gibt nichts besseres, als einen Kinozuschauer, der beim Abspann des einen Films schon Bock auf den nächsten Film hat. Sollte ein bereits etablierter Held wie in "Spider-Man: Homecoming" zu sehen sein, so ist dies auch eine abgeschwächte Form des Marketings, weil sich dieser dann auch wieder in die Köpfe der Zuschauer zurückruft.

    Ein weiteres, in den ersten zehn Jahren nicht unwichtiges verbindendes Element war der Bezug zum großen Handlungsstrang, der alle Filme miteinander verbunden hat, nämlich Thanos und die Infinity-Steine. Hier hat im Prinzip eine Nebenhandlung stattgefunden, die von den eigentlichen Filmen etwas losgelöster ist, für das große Ganze jedoch äußerst wichtig ist. So sehen wir zum Beispiel bei "Avengers: Age of Ultron", wie Thanos den Infinity Gauntlet anlegt.

    Nun stellt sich also die Frage, wieso man bei Avengers: Endgame darauf verzichtet hat. Verbindungen zu anderen Filmen des 'Marvel Cinematic Universe' sind durchaus äußerst präsent, wenn auch in die Vergangenheit gerichtet, und nicht in die Zukunft als Foreshadowing. Auf die Zukunft kann man sich momentan noch nicht wirklich beziehen: Phase 4 des 'MCU' soll offiziell erst nach "Spider-Man: Far From Home" angekündigt werden. Wir wissen momentan zwar schon von einem "Black Widow"-Film, "Guardians of the Galaxy Vol. 3", "The Eternals" und weiteren, aber offizielle Daten gibt es hier bislang nicht. Daher gibt es auch erst einmal absolut nichts anzuteasern, denn dies würde schon zu viel vorwegnehmen.

    Aber was ist denn mit "Spider-Man", der im Juli startet, werden nun einige sagen: Nun, auch wenn Endgame nun doch nicht mehr der Abschluss von Phase 3 ist, so ist es ein Abschluss. Ein Abschluss, wie er abschließender gar nicht sein könnte, das Ende der ersten Ära des 'MCU'. Das wird im Film durch unterschiedliche Dinge besonders deutlich: Zum einen das offensichtlichste, denn die ganze Geschichte, die nebenbei auf das große Finale mit Thanos zusteuerte, hat sein Ende gefunden. Thanos ist Geschichte, und die Story um die Infinity-Steine ebenfalls. Diese Geschichte hat die Filme der letzten zehn Jahre grob zusammengehalten. Es gab zwar hier und da mal Filme, die sich nicht mit den Infinity-Steinen beschäftigten, aber dann wurden meist neue Charaktere etabliert, die dann später eine Rolle im Gesamtgefüge gespielt haben (zum Beispiel im Kampf gegen Thanos).

    Insgesamt haben in Avengers: Endgame insbesondere für die Charaktere der ersten Riege einen Abschluss, die die vergangenen zehn Jahre vorrangig mitgeprägt haben. Zwar mag es den ein oder anderen noch geben, aber es war nach "Infinity War" fast schon klar, dass der Hauptfokus auf die ersten Avengers eine neue Zeit einläuten wird, da diejenigen, die Thanos' decimation überlebt haben, zu den Ur-Avengers gehören (Ausnahmen in Form von z.B. Ant-Man bestätigen die Regel). Jeder hat hier nochmal seine Momente bekommen. Und die Creative Credits am Ende, die den Hauptcast ans Ende mit ihren jeweiligen Unterschriften stellen, verdeutlichen dies nochmal. Es fühlte sich so an, als würden sie sich verabschieden, während der Film ihnen Tribut zollt. Auch wenn es nicht für jeden den (ultimativen) Abschluss gibt, aber es gab da einiges:

    Black Widows Geschichte ist auserzählt und sie endet mit Versöhnung. Sie wollte ihre dunkle Vergangenheit immer wieder gut machen, und nun hatte sie endlich die Chance dazu, indem sie sich selbst opferte. Black Widow war einer der ältesten Charaktere des 'Marvel Cinematic Universe' (Einführung in "Iron Man 2" von 2010) und gehört, wie alle anderen Charaktere, die wir in Endgame hauptsächlich sehen, zur ersten Riege der Avengers. Ihre persönliche Geschichte hat sich geschlossen.

    Hulks Handlungsstrang, der in "Thor: Tag der Entscheidung" seinen Anfang nahm und seine Probleme mit seinem zweiten Ich zum Gegenstand hatte, wurde in Endgame beendet. Schon im Vorfeld äußerten die Russos, dass es eine Hulk-Trilogie in Form von "Thor 3", "Infinity War" und Endgame geben wird.

    Thor hat hingegen einen ziemlich persönlichen Konflikt bewältigt und sich in der Vergangenheit mit seiner Mutter, die am gleichen Tag später stirbt, ausgesprochen. Thor fand dahingehend einen Frieden. Es gibt noch viele weitere kleine dieser Beispiele, aber machen wir mit den größeren weiter:

    Captain America erhält ebenfalls seinen (ultimativen) Abschluss. Steve Rogers gehört seit 2011 zum 'MCU' und war immer äußerst präsent. In Endgame darf er endlich "assemble!" ausrufen, worauf Fans schon lange gewartet haben, und angesichts der Tatsache, dass er Thors Hammer Mjölnir halten und auch benutzen kann, hat er sich nun auch endlich als würdig erwiesen. Dies sind schon zwei Kriterien, die seine Reise als Held für beendet erklären könnten. Doch zog sich seine Sehnsucht nach Peggy Carter durch die ganzen Filme, so dass er die Chance nutzt und in der Vergangenheit bei der Liebe seines Lebens bleibt und mit ihr alt wird. In der Gegenwart begegnen wir ihm als alten Mann, und als letzte Tat des Abschlusses überreicht er seinen Schild Falcon. Steve Rogers als Captain America ist nun nicht mehr, sondern Steve Rogers ist nun Steve Rogers. Übrigens war Falcon in den Comics in der Tat auch mal Captain America, hier haben wir es also mit einer weiteren Referenz an die Comics zu tun. Und gleichzeitig wird eine neue Ära bereits angedeutet, indem Falcon den Schild nun trägt und vielleicht als neuer Captain America unterwegs sein wird.

    Und dann haben wir noch den dramatischsten Abschluss von allen: Tony Starks Tod. Im Prinzip wurde dieser Abschluss bereits erwartet, denn mit Tony und seinem Iron Man hat alles begonnen. Zuvor konnte Tony selbst noch Frieden hinsichtlich seines Vaters finden, aber auch der Konflikt mit Steve, der in "The First Avengers: Civil War" seinen Ursprung fand, wurde in Endgame beendet. Gleichzeitig schaffte es Pepper Potts im großen Finale des Films, auch einen ihrer verhassten Anzüge zu tragen, was zum einen erneut Fanservice ist, aber auch einen gewissen Frieden zwischen ihr und Tony darstellt, was dies anbelangt. Und ja, sie nutzt ihn sogar und kämpft mit.

    Tonys Trauerfeier nach seinem Tod verdeutlicht das Closure nochmal besonders: So sind alle relevanten Charaktere, die Tony in irgendeiner Form begleitet haben, anwesend, so zum Beispiel sogar ein jugendlicher Harley Keener, der in "Iron Man 3" keine unbedeutende Rolle spielte.

    Mit Tony Stark und seinem Iron Man hat das 'Marvel Cinematic Universe' begonnen, nun endet es mit Endgame. Daher war es dramaturgisch fast notwendig, dass Stark stirbt. Und damit dieses Ende mit all seinen Abschlüssen auch wirken kann, muss kein "Spider-Man: Far From Home" angeteasert werden. Denn dieser Film wird sich vermutlich noch ausgiebig mit Tonys Tod und seinen Nachwehen beschäftigen, wird Peter Parker unter dem Ableben seines Mentors noch genug leiden. So gesehen wird "Far From Home" eine Art Post Credits Scene für Endgame sein, denn hier werden diese Geschehnisse sicherlich noch einmal ein wenig aufgearbeitet.

    Aber damit die erste Ära von zehn Jahren 'MCU' auch in sich geschlossen wird, darf hier ruhig auf die Post Credit Scene verzichtet werden. Dafür haben wir was anderes: Nach dem Abspann ertönt ein Klirren. Es ist Metall. Und es ist derselbe Ton, der auch bei der Title Card bei "Iron Man" in Minute 4, Sekunde 12, zu hören ist. Der Ton, der "Iron Man" ankündigte, der das 'MCU' eröffnete. Dieser Ton schließt nun die ersten zehn Jahre. Der akustische Bogen wird geschlossen. Und das ist passender als ein Teaser auf noch nicht offiziell angekündigte Filme oder Gags, die angesichts der Geschehnisse am Ende von Endgame eigentlich nur unpassend sein können. Es sind zehn Jahre, die durch Tony Stark äußerst geprägt waren. Zehn Jahre, die nun beendet sind. Der Vorhang ist gefallen.

    Im übrigen trägt Tony während des Films auch mal ein Black Sabbath-T-Shirt. Black Sabbaths Song "Iron Man" ist der Titelsong von "Iron Man" aus 2008. Hier haben wir also auch einen weiteren Verweis auf die Comicverfilmung, die das 'MCU' startete.

    Und noch eine Randnotiz: Allein die Tatsache, dass die vielen Fäden der letzten zehn Jahre 'Marvel Cinematic Universe' im Film zusammengeführt und einige Geschehnisse wieder besucht wurden und damit auch vieles aufgearbeitet wurde, ist ein Abschluss ansich.

    Wie gesagt, der Vorhang ist gefallen. Und auch, wenn ein wenig Wehmut mitschwingt, so ist das 'MCU' bereit für das nächste Kapitel, wie unter anderem auch durch die Lösung des Problems mit Gamora oder die Weitergabe des Schilds an Falcon angedeutet wurde. Lasst es kommen.

    In dem Sinne:






    Quellen: EW (1)
    EW (2)






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Kommentare 3

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    vincevega73 -

    Wie immer schön geschrieben von Emily. Mir hat der Film leider nicht gefallen, mit den Personen wird relativ gut und teilweise schön umgegangen. Leider kann das nicht darüber hinweg täuschen, dass der gesamte Film ein großes Logikloch ist. Mit der Story, haben die beiden es sich verdammt meeega einfach gemacht. Schade.

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      Emily -

      Ja, Logikloch, ignoriert die selbst aufgestellten Regeln und irgendwie fehlte mir auch die Geschmeidigkeit. Ich war ja auch ziemlich enttäuscht bzw. wurde ich nicht so abgeholt. Dennoch gab es einiges, was ich positiv bewerte, so dass ich in meiner Kritik dann doch auf 7,5 Punkte kam. War aber schwierig, das alles zu bewerten. Es war mir einfach zu unrund.

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      vincevega73 -

      Es geht gar nicht darum zu haten :). Aber diese 182 Minuten sind wirklich ein Loch. Wenn du die Szenen mal durchgehst, da kommt so viel zusammen, dass kann man sich alles gar nicht merken. Wir sind ja unter einem Spoiler Text deswegen, wie mit dem Zeitreise Thema umgegangen wird, unglaublich. Ich bieg mir schön alles wie ich möchte. Hulk funktiioniert für mich auch überhaupt nicht. Holzhammer Methode ! Thor, naja wie oft sollten wir über den Bauch lachen? Hatte vorhin so viele Details im Kopf alle weg :). Auch dieses 5 Jahre später - was damit verbunden ist, vieles mehr als unrund. Für mich höchstens 4 von 10 ! Wir zwei hatten es ja damals mit der Endkonsequenz von all dem. Wo ich sagte, pass mal auf... und so kam es ja im groben. Enttäuschend. Von Endgame spricht bestimmt bald niemand mehr, höchstens negativ!

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      Emily -

      Haha, ich gebe dir vollkommen Recht. Der Film funktionierte für mich, bis Thor kam. Dann dachte ich "okay, der wird sich gleich fangen". Tat er nicht. Dann dachte ich später "jetzt aber", aber nö. Da kam keine Atmosphäre mehr auf bei mir. Es sollte alles DER Kampf sein. Aber stattdessen war es so albern, dass mir alles egal wurde. Und die Löcher sind halt auch so eine Sache. Alles muss zurück, aber Mjölnir nimmt man mit, Steve geht in die Vergangenheit und alles in der Gegenwart bleibt unberührt? Hä? Ich bin auf die Zweitsichtung gespannt.

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    Swerner1975 -

    Also wenn Black Widow stirbt, dann muss ja der neue Black Widow Film davor spielen, oder?

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      Emily -

      Ja, das ist aber schon länger bekannt. Das wird ein Prequel, das mindestens vor Avengers 1 spielt. Ggf. auch vor Iron Man 2, aber das werden wir sehen. Das passt aber, denn ihre Story, die wir kennen, wurde nun gut abgeschlossen. Das, was wir nicht kennen, sehen wir dann. Und das erklärt uns dann sicherlich auch einiges über ihren Konflikt, den sie immer mit sich rum trug.

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      Kaibear -

      Für mich ist dabei aber fraglich, wie sich das in eine Phase 4 und dem nächsten Superschurken eingliedern soll...

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      Emily -

      Da fällt mir nur Hawkeye ein. Wenn Hawkeye mit bei ist, könnten wir auch was über ihn erfahren. Ich betrachte den Black Widow-Film momentan eher als Abschluss ihres Charakters. Der wird vermutlich eher für sich stehen. Oder es gibt irgendwas, was in Phase 4 noch wichtig wird, was der Zuschauer dann schon kennenlernen darf.

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    ElMariachi90 -

    Toller Artikel. Sehr schöne Arbeit. Danke dafür.

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      Emily -

      Danke für die Blumen. Schwirrte mir den ganzen Tag im Kopf rum. Und konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren, ich wollte diesen Text schreiben. Mit Analyse war gestern ja auch nicht viel ;-).

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      Emily -

      Im übrigen habe auch ich hier bewusst auf den Standardblock zum Film am Ende verzichtet. Der Vorhang fällt mit Iron Man von Black Sabbath. Das Schlusswort sollte zudem wirklich Schlusswort sein.