Invasion

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  • Es gibt nur wenige Geschichten, die so oft verfilmt wurden, wie Jack Finneys Roman “Die Körperfresser kommen”, der Mitte der 50er Jahre veröffentlicht wurde. Die erste Verfilmung lies nicht lange auf sich warten, bereits 1956 kam mit “Die Dämonischen” von Don Siegel die erste Umsetzung, die bis heute als absoluter Klassiker gilt.
    Nicht weniger bekannt ist das 1978 gedrehte Remake “Die Körperfresser kommen” von Philip Kaufman mit Donald Sutherland und Jeff Goldblum in den Hauptrollen, was auch gleichzeitig die wohl populärste Umsetzung des Stoffes ist und ebenfalls Klassikerstatus erlangt hat. Mit “Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ kam 1993 kein direktes Remake, sonders eine neue Version des Stoffes, welche die alt bekannte Handlung auf eine Militärbasis verlagerte. “The Faculty” war eine weitere, auf die damals aktuelle Teen-Horror Welle zugeschnittene Abhandlung des Stoffes, die von Robert Rodriguez realisiert wurde und 1997 in die Lichtspielhäuser kam.
    Somit ist “Invasion“ die bereits fünfte Verfilmung des Stoffes, die mit Stars wie Nicole Kidman und Daniel Craig aufwartet und vom deutschen Regisseur Oliver Hirschbiegel (Der Untergang) inszeniert wurde.

    Leider hatte das vielversprechende Projekt eine äußerst problematische Produktionsphase und wurde ähnlich wie „Domion:Exorzist“ ein Opfer hollywoodscher Mainstreamkonventionen.
    Nachdem erste Testscreenings eher negativ ausgefallen sind, beschloss Produzent Joel Silver kurzerhand den Film gehörig umzubauen. Oliver Hirschbiegel wurde dabei gar nicht mehr involviert und Joel Silver engagierte die beiden Wachowski-Brüder (Matrix) das Drehbuch umzuschreiben und mit mehr Action zu versehen, die Nachdrehs wurden dann von James Mc Teige (V für Vendetta) durchgeführt. Kein Wunder, dass sich Oliver Hirschbiegel übergangen fühlte und sich vom fertigen Film distanzierte.
    Solche Geschichten sind natürlich ein gefundenes Fressen für die Kritiker, die den Film auch gnadenlos zerrissen haben, was sich aber als übertrieben herausstellen sollte, denn “Invasion“ ist letztenendes doch ein sehenswerter Film geworden, der zwar augenscheinlich unter den nachgedrehten Actionszenen leidet und in seiner ursprünglichen Form wohl besser weggekommen wäre, aber weit von dem Desaster entfernt ist, was man eigentlich erwartet hat.

    Der Film fängt vielversprechend an, überhaupt können die ersten zwei Drittel, in denen vor allem Oliver Hirschbiegels Material verwendet wurde, durchaus überzeugen. Auch wenn die Handlung mittlerweile recht berechenbar ist, schafft es der Film, durch kluge Kameraeinstellungen und seiner ruhigen, wohl überlegten Art, sorgfältig einen Spannungsbogen aufzubauen. Die Veränderung der Welt, der Verlust der Menschlichkeit und die Gleichstellung werden packend geschildert, ohne dabei in zuviel Spektakel auszubrechen, denn das hatte Hirschbiegel nie vor, seine Version kommt mit wenig Effektehascherei aus und fokussiert den Film lieber auf seine Hauptdarsteller und einer eher eindringlichen, statt aufdringlichen Darstellung der Geschehnisse.
    Der Film behandelt auch den interessanten Aspekt, dass es schließlich die Menschlichkeit und ihre Schwächen sind , welche weltweit für Kriege, Hunger und Leid sorgt. Dies steht im starken Kontrast zu einer neuen Welt, in der diese Dinge nicht mehr existieren werden, denn durch die Entmenschlichung und Gleichstellung ist die Welt zwar ihr Leid losgeworden, aber dafür auch ihre Seele. Insofern behandelt der Film den subtilen Kampf zweier Welten, beide mit ihren eigenen Stärken und Schwächen, welche die bessere ist, darf man selbst entscheiden.
    Die Darsteller können ebenfalls überzeugen. Die elegante Nicole Kidman spielt wie immer hervorragend und schafft es, den Film jederzeit zu tragen. Im Prinzip war Nicole Kidman die beste Entscheidung, die man wählen konnte, kaum eine anderer Schauspielerin hätte es geschafft, diesen Film durch ihr Mitwirken so aufzuwerten. Daniel Craig kommt zwar etwas zu kurz, aber zum Zeitpunkt des Hauptdrehs war er auch noch kein James Bond und die Nachdrehs sollen ihm zwar mehr Platz im Film eingeräumt haben, aber der Fokus liegt nach wie vor auf Nicole Kidmans Charakter.

    Leider schafft es der Film nicht sein Niveau im letzten Drittel zu halten, was man einzig und alleine den Nachdrehs zuschreiben muss. Die an sich gut gemachten, aber bei diesem Film doch reichlich überflüssigen Actionszenen, berauben ihm seiner klaren Linie und lassen “Invasion“ am Ende zu einer künstlich aufgepeppten Actionhatz werden, bei der vom sorgfältig aufgebauten Thriller nur noch wenig übrigbleibt. Dieses aufgesetzte Stilmittel hätte dieser Film gar nicht nötig gehabt und letztenendes hat sich Joel Silver mit dieser Entscheidung keinen Gefallen getan, denn während durch die teuren Nachdrehs das anfangs überschaubare Budget in die Höhe geschossen ist, ist der Film an den Kinokassen grandios gefloppt.
    Man kann fast sicher sagen, dass Oliver Hirschbiegels Variante besser geworden wäre und der Film finanziell so sicher auch besser weggekommen wäre, aber “Invasion“ ist wieder ein Paradebeispiel für die stumpfsinnige Vorgehensweise der Mainstreamhaie Hollywoods.
    Oliver Hirschbiegel wird es im Nachhinein sicher freuen, dass Joel Silver an seiner eigenen Entscheidung gescheitert ist und man kann nur hoffen, dass der sehr talentierte Hirschbiegel sich von seiner ersten, leider sehr negativ ausgefallen Erfahrung mit der Hollywoodmaschinerie erholt und bald weitere Projekte angehen wird.
    Aber vielleicht lässt sich Joel Silver doch noch davon überzeugen, eines Tages den “Hirschbiegel Cut“ auf DVD nachzureichen, wie man es bei “Dominion:Exorzist“ auch getan hat.

    Fazit: Spannendes und unterhaltsames Remake mit einer tollen Nicole Kidman, das im letzten Drittel unnötig auf Spektakel setzt und somit einen Stilbruch verursacht. Somit ist “Invasion“ ein Genrefilm geworden, der trotz der problematischen Produktionsphase gelungen ist, aber in seiner ursprünglich Form sicher besser ausgefallen wäre.

    7/10
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    Infos
    Originaltitel:
    Invasion, The
    Land:
    USA
    Jahr:
    2007
    Studio/Verleih:
    Warner Bros. Pictures
    Regie:
    Oliver Hirschbiegel (James McTeigue)
    Produzent(en):
    Joel Silver
    Drehbuch:
    Dave Kajganich
    Kamera:
    Rainer Klausmann
    Musik:
    John Ottman
    Genre:
    Horror / Science Fiction
    Darsteller:
    Nicole Kidman, Daniel Craig, Jeremy Northam, Jackson Bond, Jeffrey Wright, Veronica Cartwright, Malin Akerman
    Inhalt:
    Basierend auf Jack Finney´s Buch "Die Körperfresser kommen." (1954) ist "The Invasion" eine alptraumhafte Reise in eine Welt in der die einzige Möglichkeit am Leben zu bleiben wach zu bleiben ist. Der mysteriöse Crash eines Space Shuttles führt zu der grauenhaften Entdeckung das etwas außerirdisches in dem Wrack überlebt hat. Jene die mit diesem Wesen in Kontakt kommen sich unheilvoll und unerklärlich verändern.

    Schon bald entdecken die Washingtoner Psychiaterin Carol Bennell (Nicole Kidman) und ihr Kollege Ben Driscoll (Daniel Craig) die schockierende Wahrheit die hinter dieser außerirdischen Epidemie steckt: das Wesen attackiert seine Opfer während des Schlafes und hinterlässt sie physisch unverändert jedoch eigenartig gefühllos und unmenschlich. Je mehr sich die Infektion ausbreitet und je mehr Menschen umgewandelt werden, desto unmöglicher wird es herauszufinden wem man trauen kann.

    Carol´s einzige Hoffnung ist es lange genug wach zu bleiben um ihren Sohn zu finden. Denn er könnte den Schlüssel besitzen um die verheerende Invasion zu stoppen.

    Der Film wurde zwar schon 2006 abgedreht, jedoch gab es 2007 Nachdrehs. Das Studio war mit Oliver Hirschbiegel´s Version unzufrieden. Angeblich gab es zu wenig Action. Regie bei den Nachdrehs führte James McTeigue ("V wie Vendetta").
    Laufzeit:
    99 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren

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