The Foreigner

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  • Einleitung


    Mit The Foreigner liefert Regisseur Martin Campbell erneut einen geradlinigen Action-Thriller ab, in dem er nach James Bond - Goldeneye zum bereits zweiten Mal mit Pierce Brosnan zusammenarbeitet. Die Hauptrolle wird allerdings von Martial Arts-Legende Jackie Chan verkörpert, der überraschend ernst und ruhig zu sehen ist. Als Vorlage für Campbells neusten Action-Ausflug diente Stephen Leathers Roman The Chinaman.

    The Foreigner dreht sich um einen chinesischen Restaurantbesitzer, der bei einem Bombenanschlag in London seine Tochter und einzige verbliebene Familie verliert. Nachdem die Behörden bei den Ermittlungen keine nennenswerten Fortschritte verzeichnen können, nimmt der Chinese das Gesetz in die eigenen Hände.


    © 2018 Universum Film

    Kritik


    Auch wenn Jackie Chan bereits in der Vergangenheit zeigte, dass er durchaus in ernsten Rollen brillieren kann, so verbindet man ihn doch stets mit akrobatischen und komödiantischen Actionfilmen. Mit The Foreigner bricht er aus diesem Schema aus und beweist spätestens jetzt, dass er auch in vielschichtigen Rollen überzeugen kann. Seine Grimassen weichen einer tiefen Traurigkeit und einer emotionalen Ermüdung vom Leben und dessen Rückschläge. Gekonnt verbindet die Stuntikone die Alterserscheinungen eines über sechzigjährigen Mannes mit den militärischen Erfahrungen eines ehemaligen Special Forces-Mitglieds. Ob es der gekrümmte und gebeutelte Gang, die resignierende Mimik oder die wortkargen Sätze sind, Chans Gesten, seine Gesichtsausdrücke und Emotionen spiegeln den lebensalten Mann durchweg wieder. Und doch bricht er in den handgreiflichen Konfrontationen mit seinen Kontrahenten aus und zeigt, dass das Leben noch nicht aus ihm gewichen ist. Aber auch hier hat er nie ausschließlich die Oberhand, sondern wird verletzt, hat Schmerzen und wählt bei einer Überzahl aus Gegnern auch Mal die Flucht. Überlegen ist er meist durch den raffinierten Einsatz von alltäglichen Gegenständen als Waffen und einer geschickt genutzten Umgebung, was ab und an Erinnerungen an den ersten Rambo-Film erweckt.

    So geht es in den Actionsequenzen gerade für einen Chan-Film ungewohnt unspektakulär zu. Anstatt aufwendige Choreografien werden geradlinige Kampfszenen gezeigt, die effektiv und weniger unterhaltend inszeniert sind. Was bei solch einer Thematik allerdings auch die bessere Wahl ist. So liefert der Casino Royale-Regisseur einen Thriller ab, der bei seiner Action ohne unnötige Schnörkel auskommt und trotzdem überzeugen kann.

    Trotz der gehäuften Action bietet die Handlung deutlich überdurchschnittliche Inhalte. So liegt zwar der Fokus auf dem von Wut, Verzweiflung und Trauer getriebenen Vater, doch wird auch seinem Widersacher überraschend viel Raum geboten. Der irische Minister, verkörpert von einem zwielichtigen Pierce Brosnan, ist nicht einfach nur der böse Drahtzieher, sondern ein weiterer Unwissender, den seine dunkle Vergangenheit aus vielerlei Hinsicht einholt. Von der britischen Regierung, den eigenen Leuten und einem nach Rache strebenden Vater unter Druck gesetzt, verliert sein Leben immer mehr an Halt. So wird ein vielschichtiger Gegenspieler gezeichnet, der auch nur eine Figur in einer politischen Verschwörung ist, dessen Gräueltaten von einem Außenstehenden gerichtet werden. Folglich bietet The Foreigner über die Rachethematik hinaus, eine gut strukturierte Polit-Thriller Handlung, die sich nebenher entfaltet.


    © 2018 Universum Film

    Trotz der hervorragenden Ausgangslage durch das gelungene Drehbuch und den starken Hauptdarsteller, kommt das Werk von Martin Campbell ab und an ins straucheln. Zwar bietet The Foreigner für einen Vertreter des Rache-Genres durch die politische Thematik ungewöhnlich gute Nebenhandlungen, doch leidet die emotionale Kraft einer solchen Geschichte darunter, da die Bindung des Zuschauers zur Hauptfigur dadurch immer wieder unterbrochen wird.
    Darüber hinaus können mit Ausnahme von Jackie Chan kaum Darsteller Akzente setzten. Selbst Pierce Brosnan bietet nur eine schwankende Leistung. Zwar hat er durchaus starke Momente, doch gerade in der Anfangsphase des Films wirkt seine Darstellung vermehrt technisch und oberflächlich. Glücklicher Weise legt sich das im weiteren Verlauf zum größten Teil, trotzdem bleibt ein durchwachsener Gesamteindruck.
    Darüber hinaus wirkt die Inszenierung teils etwas hölzern, wodurch einige Szenen und Dialoge fast amateurhaft daherkommen, was bei einem Regisseur mit derartiger Genreerfahrung etwas verwunderlich ist. Doch so bleibt leider etwas Potential auf der Strecke. Trotzdem gelingt es dem Regisseur die Spannung über die gesamten 120 Minuten konsequent zu halten, was unter anderem dem starken Soundtrack von Cliff Martinez zu verdanken ist. Auch wenn dieser an wenigen Stellen etwas aufdringlich ist, kreiert er eine durchweg spannungsgeladene Atmosphäre.


    © 2018 Universum Film

    Die etwas befremdlich schwachen Szenen, die sich über den Film verteilen wie die blassen Darsteller schmälern den Gesamteindruck zwar merklich. Trotzdem bleibt am Ende ein starker Thriller, der Dank der guten Geschichte und dem großartigen Hauptdarsteller deutlich mehr als nur ein routinierter Selbstjustiz-Film ist.


    Fazit


    Ein starker, ungewohnt emotionaler und ruhiger Jackie Chan überzeugt in einem schnörkellosen Rache-Thriller, der leider nicht ohne inszenatorische Schwächen auskommt. Trotzdem überzeugen die gelungenen Handlungsstränge und die unkomplizierten Actionszenen und kreieren einen durchweg spannenden Action-Thriller.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Foreigner
    Land:
    China, USA, Großbritannien
    Jahr:
    2017
    Studio/Verleih:
    STX Entertainment / Universum Film
    Regie:
    Martin Campbell
    Produzent(en):
    Jackie Chan, Oren Aviv, Cary Cheng, Adam Fogelson, Defu Jiang, Penny Jiang
    Drehbuch:
    David Marconi, Stephen Leather (Roman)
    Kamera:
    David Tattersall
    Musik:
    Cliff Martinez
    Genre:
    Action, Thriller
    Darsteller:
    Jackie Chan, Pierce Brosnan, Lia Williams, Rufus Jones
    Inhalt:
    The Foreigner dreht sich um einen chinesischen Restaurantbesitzer, der bei einem Bombenanschlag in London seine Tochter und einzige verbliebene Familie verliert. Nachdem die Behörden bei den Ermittlungen keine nennenswerten Fortschritte verzeichnen können, nimmt der Chinese das Gesetz in die eigenen Hände.
    Start (DE):
    23.02.2018 (DVD/Blu-ray)
    Start (USA):
    13.10.2017
    Laufzeit:
    120 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Links
    Webseite:
    http://theforeignermovie.com
    deutsche Webseite:
    https://www.universumfilm.de/filme/147973/the-foreigner.html

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