I, Tonya

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  • Einleitung

    Das Sport-Biopic I, Tonya über die in Ungnade gefallene Eiskunstläuferin Tonya Harding läuft ab dem 22. März 2018 in den deutschen Kinos an. Zum Cast des satirischen Films gehören Margot Robbie, Allison Janney und Sebastian Stan an. Ob sich der Gang ins Kino lohnt, erfahrt ihr in den folgenden Absätzen.

    Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Tonya Harding (Margot Robbie) steht seit Kindesbeinen auf dem Eis. Die ambitionierte Eiskunstläuferin will es bis ganz nach oben schaffen. Jedoch wird sie nie vollständig in der Eiskunstlauf-Community akzeptiert, weil sie mit ihrer Art und Weise nicht in das Bild passt, das die Verantwortlichen in dem Sport haben wollen.Als Tonyas Ehemann Jeff Gillooly (Sebastian Stan) im Vorlauf zu den Olympischen Winterspielen in Lillehammer 1994, Tonyas größte Konkurrenten Nancy Kerrigan (Caitlin Carver) aus dem Wettbewerb drängen will, kommt es zu einem Vorfall, der Tonyas Karriere in Gefahr bringt...


    Kritik

    Craig Gillespies eigenwilliges Biopic über die umstrittene Eiskunstläuferin Tonya Harding ist alles andere als ein klassisches Biopic. Vielmehr ist I, Tonya im Stile einer Mockumentary inszeniert, in der die Charaktere ihre Geschichte direkt zum Zuschauer gewendet erzählen. In nachgestellten Interviews vermitteln die Protagonisten Tonya Harding (Margot Robbie), Jeff Gilloly (Sebastian Stan) und LaVona Golden (Allison Janney) ihre Sicht der Dinge. Wobei Tonyas Perspektive stets im Mittelpunkt steht. Das dabei die Wahrheit auf der Strecke bleibt und die Aussagen und gegenseitigen Anschuldigungen der Protagonisten widersprüchlich sind, wird bereits im Vorspann vorweggenommen. Drehbuchautor Steven Rogers vermischt reale Szenen, nachgestellte Interviews, Fiktion und eine Prise Reality-TV Charme zu einem unheimlich unterhaltsamen und gleichzeitig absurden Film.

    Mit viel schwarzem Humor üben Regisseur Gillespie und sein Autor Rogers sowohl am Milieu als auch an der Eiskunstlauf-Community Kritik, die Tonya aufgrund ihres Aussehens und ihrer ärmlichen Herkunft nicht akzeptieren wollen. Diese Kritik wird unterschwellig und teils durchaus überzogen in die Geschichte eingearbeitet, dass dies perfekt zum Ton des Films passt.

    Neben den wichtigsten Etappen aus Tonya Hardings Karriere stellt der Film den berüchtigten Anschlag auf Konkurrentin Nancy Kerrigan in den Mittelpunkt. Auch wenn dieser Krimiplot zur Mitte des Films ebenfalls sehr unterhaltsam und verrückt inszeniert ist, fällt er ein wenig zum Rest ab. Das liegt zum größten Teil daran, dass Margot Robbie hier etwas aus dem Fokus gerät.


    Margot Robbie zeigt als Tonya Harding eine großartige Performance. Sie spielt nicht nur die schillernde und umstrittene Persönlichkeit, für 2 Stunden ist sie Tonya. Margot Robbie zeigt in diesem Film die mit Abstand beste Leistung ihrer Karriere, die ihr zurecht eine Oscar-Nominierung einbrachte. Dabei schafft es Robbie Tonya Harding menschlich und gleichzeitig als vollkommen absurde Persönlichkeit zu verkörpern. Auf Knopfdruck schaltet Hauptdarstellerin Margot Robbie von der innerlich verletzten und ausgegrenzten Frau zum unsympathischen asozialen Redneck um. Dies gelingt ihr jederzeit glaubwürdig und nachvollziehbar.
    Der heimliche Star des Films ist jedoch Allison Janney als Tonyas Mutter LaVona. LaVona ist eine unheimlich unsympathische und groteske Erscheinung, die perfekt von Janney verkörpert wird. LaVona ist die perfekte Rabenmutter, die ihrer Tochter zu keinem Zeitpunkt ihre Liebe zeigt. Janney portraitiert LaVona als narzisstisches Monster und schafft es trotz der überspitzten Rolle stets glaubwürdig zu bleiben. Allison Janney hat mit dieser Darstellung den Oscar als beste Nebendarstellerin ohne Zweifel verdient.
    Der dritte Hauptdarsteller Sebastian Stan fällt im Vergleich zu seinen Kolleginnen ab und kann in seiner Rolle nur bedingt überzeugen.


    Fazit

    I, Tonya ist eine unheimlich spaßige und zynische schwarze Komödie geworden, die von Anfang an mit ihrem abgedrehten Humor und überspitzten Situationen zu unterhalten weiß. Der Film besticht mit zwei tollen Hauptdarstellerinnen, einer guten Inszenierung und sehr viel Witz. Jedoch sollte kein waschechtes Biopic erwartet werden, der den Anspruch erhebt, das wahre Leben der Tonya Harding nachzuerzählen. Aber das möchte der Film zu keinem Zeitpunkt sein.
    I, Tonya ist ein sehr guter Film geworden, der definitiv einen Blick wert ist!


    8/10

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    Infos
    Originaltitel:
    I, Tonya
    Land:
    USA
    Jahr:
    2017
    Studio/Verleih:
    DCM
    Regie:
    Craig Gillespie
    Produzent(en):
    Bryan Unkeless, Steven Rogers, Margot Robbie, Tom Ackerley
    Drehbuch:
    Steven Rogers
    Kamera:
    Nicolas Karakatsanis
    Musik:
    Peter Nashel
    Genre:
    Drama, Komödie, Biographie
    Darsteller:
    Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Paul Walter Hauser, Julianne Nicholson, Bobby Cannavale, Mckenna Grace
    Inhalt:
    Sie war die berühmteste Person der Welt – nach Bill Clinton. Als erste Amerikanerin vollzog Tonya Harding innerhalb eines Wettbewerbs gleich zwei sogenannte Dreifach-Axel – der anspruchsvollste Sprung im Eiskunstlauf. Ihr Name wird jedoch für alle Zeiten mit dem schlecht geplanten und stümperhaft durchgeführten Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan in Verbindung bleiben, das ihre Erzrivalin trainingsunfähig machen und Tonya den Sieg in den amerikanischen Meisterschaften sichern sollte – doch es kam anders…
    Start (DE):
    22. März 2018
    Start (USA):
    19. Januar 2018
    Laufzeit:
    119 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren

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