Telekinese

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  • Einleitung


    Mit Train to Busan feierte Anime-Regisseur Yeon Sang-ho äußerst erfolgreich sein Realfilmdebüt. Für sein folgenden Film Telekinese arbeitete er wieder mit Shim Eun-kyung und Jung Yu-mi zusammen, die bereits beide in seinem Zombie-Spektakel zu sehen waren. Neue Erfahrungen sammelte er hingegen mit Hauptdarsteller Ryu Seung-ryong.

    Konnte Yeon Sang-ho mit seinem Horrorfilm durchaus neue Akzente in dem Genre setzen, bewegt er sich mit Telekinese auf neuem Terrain. Der übernatürliche und humorvolle Film handelt von einem Vater, der mit seinen plötzlich erlangten Superkräften, seiner in Schwierigkeiten geratene Tochter zu helfen versucht.

    © 2018 Netflix

    Kritik


    Beginnt der Film noch recht dramatisch wird aber sehr schnell deutlich, dass Telekinese sich nicht allzu ernst nimmt. Die Hauptfigur, ein unambitionierter Wachmann, scheint in seinem Leben nicht allzu hohe Ziele zu haben und auch sich von jeglicher Verantwortung zu drücken. Mit dem Anruf seiner Tochter, die er mit ihrer Mutter zusammen vor etlichen Jahren zurückgelassen hat, und der damit verbundenen Tragödie beginnt sich sein unspektakuläres Leben zu wenden. Doch bleiben die charakterlichen Veränderungen, die der Vater nach und nach durchlebt sehr klischeebeladen und oberflächlich. Ebenso verhält es sich mit der Sozialkritik, die dem Regisseur in all seinen Werken wichtig zu sein scheint, aber zumindest in seinen letzten Werken nur bedingt geglückt ist. Zeichnete Yeon im Anime Seoul Station eine aufdringliche Kritik an dem Umgang mit Obdachlosen, folgte mit der Realfilmfortsetzung Train To Busan eine deutlich zurückhaltendere an der Upper-Class, sodass sie eigentlich kaum relevant war. Mit Telekinese widmet er sich nun den Schattenseiten der stetigen Modernisierung der Weltmetropole Seoul, wodurch die kleinen Betriebe oft den großen Konzernen weichen müssen. Skrupellose Bauunternehmer vertreiben, wenn nötig mit Gewalt, die ehemaligen Besitzer aus ihren Häusern, Läden und Restaurants. Diese Kritik wird allerdings so plump und teils überhöht dargestellt, dass man sie kaum ernst nehmen kann. Dies ist zum größten Teil der Tatsache geschuldet, dass Yeon, der auch das Drehbuch zu Telekinese beisteuerte, dem Problem nicht die nötige Brisanz zuschreibt. Anstatt seiner humorvollen Geschichte somit ernstzunehmende Seiten hinzuzufügen, bemüht er sich durchweg den Spaßfaktor aufrechtzuerhalten, wodurch leider jeglicher Tiefgang abhanden kommt.

    Das wäre allerdings nur halb so schlimm, wenn der übernatürliche Actionfilm durchweg Spaß machen würde. Doch selbst Hauptdarsteller Ryu Seung-ryong, der im Historienfilm War of the Arrows einen beeindruckenden Bösewicht darstellte, ergibt sich übertriebenem und unglaubwürdigem Schauspiel, wodurch selbst er kaum Akzente setzen kann. Die restlichen Darsteller agieren ähnlich, wodurch kaum ein Witz wirklich zündet.
    Generell wird darstellerisch nur wenig erwähnenswertes geboten, was neben den durchschnittlichen Leistungen, aber auch den eindimensionalen Figuren zu verdanken ist. Einzig Jung Yu-mi kann mit ihrer Darstellung der bösen Konzernchefin einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Allerdings ist auch ihr zu verkörpernder Charakter der einzig wirklich interessante im ganzen Film. Leider tritt sie aber erst ziemlich spät in Erscheinung und hat somit recht wenig Screentime.

    © 2018 Netflix

    Die Handlung bleibt nicht nur in ihrer Sozialkritik oberflächlich, sondern auch in der Aufarbeitung der Beziehungen zwischen den Figuren. So bietet die Problematik zwischen der mittlerweile erwachsenen Tochter und dem nach vielen Jahren zurückkehrenden Vater viel dramatisches Potential, was für ein koreanisches Werk ungewöhnlich belanglos abgehandelt wird. Dem folgt auch die Geschichte an sich, in der die Quelle der Superkraft ebensowenig Bedeutung hat, wie die geistige Auseinandersetzung der Hauptfigur mit genau dieser. Eigentlich bringen seine neuen Fähigkeiten keinerlei Probleme mit sich und auch er scheint einfach nur Spaß daran zu haben, ohne sie in irgendeiner Form zu hinterfragen.

    Dazu kommen noch die recht sparsam eingesetzten Actionszenen, wodurch auch damit nicht über die durchschnittlichen Qualitäten des Werks hinweggetäuscht werden kann.

    Bei all der Kritik muss man Telekinese aber zu Gute halten, dass der Showdown durchaus gelungen ist. Zwar fehlt durch die uninteressanten teils unsympathischen Figuren die emotionale Bindung, doch weiß Regisseur Yeon sein Finale rasant und optisch gelungen zu inszenieren. Begleitet von recht guten Computereffekten macht der Showdown durchaus Spaß.

    Zusammenfassend kann man nur sagen, dass Telekinese sich in allen Bereichen so gerade noch im Mittelfeld bewegt. Mehr leider nicht.


    Fazit


    Yeon Sang-hos zweiter Realfilm kann an die Stärken seines Debüts leider nicht anknüpfen. Konnte dieser zum Beispiel mit überraschend vielseitigen Figuren punkten, bewegt sich Telekinese in allen Belangen bestenfalls auf durchschnittlichem Niveau. Der recht ansehnliche Showdown kann das Werk dann noch so gerade im Durchschnitt festigen.


    5/10

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    Infos
    Originaltitel:
    염력 (Yeom-lyoek) / Psychokinesis (englisch)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Next Entertainment World / Netflix
    Regie:
    Yeon Sang-ho
    Drehbuch:
    Yeon Sang-ho
    Kamera:
    Byun Bong-sun
    Musik:
    Jang Young-gyu
    Genre:
    Komödie, Action, Fantasy
    Darsteller:
    Ryu Seung-ryong, Shim Eun-kyung, Jung Yu-mi
    Inhalt:
    Mit Telekinese entfernt sich der Regisseur allerdings vom Horrorgenre und versucht sich an einer Art Superheldengeschichte, in der ein Mann plötzlich ungeahnte Kräfte bekommt. Mit diesen versucht er seiner Tochter zu helfen, die durch skrupellose Bauunternehmer in große Schwierigkeiten geraten ist.
    Start (DE):
    25.04.2018 (Netflix)
    Laufzeit:
    101 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Links
    deutsche Webseite:
    https://www.netflix.com/title/80226424

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