Cargo

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  • Einleitung


    Nachdem das Regie-Duo Yolanda Ramke und Ben Howling mit ihrem Kurzfilm Cargo für viel Aufsehen sorgen konnten, folgt nun der gleichnamige Langfilm und gleichzeitig ihr Spielfilmdebüt dazu. Für die Hauptrolle des australischen Zombiefilms konnten sie den talentierten Schauspieler Martin Freeman (Der Hobbit, Sherlock) gewinnen.
    Wie schon in ihrem Kurzfilm steht im Mittelpunkt der Handlung ein Vater, der nach einem Biss von einem infizierten Menschen 48 Stunden Zeit hat sein Baby in Sicherheit zu bringen. In der schier endlosen Weite des australischen Outbacks sucht er nach einer Lösung.

    Für das Drehbuch war abermals Yolanda Ramke verantwortlich.

    © 2018 Netflix


    Kritik


    In ruhigen Bildern beginnt Cargo sein Geschehen und man bekommt schnell ein Gefühl für die Welt, die die Infizierten kreiert haben. Misstrauen herrscht unter den letzten gesunden Menschen und jeder scheint mit allen Mitteln seine Familie zu beschützen. In diesem ersten Drittel lassen sich die beiden Regisseure viel Zeit um das Geschehen und die Familie rund um Martin Freemans Figur zu etablieren. Allerdings stellt sich hier auch der größte Schwachpunkt des Werkes heraus. Denn das Regieduo erzählt diesen Teil zu ausführlich, ohne dass man zu dem Zeitpunkt eine emotionale Bindung zu der Familie aufbauen kann. Folglich schleppt sich der Film zu Beginn etwas vor sich hin und der erste große Schicksalsschlag kann nicht vollends die nötige Kraft aufbauen.
    Dazu kommt ein etwas unnötiger Handlungsbogen zu einem nicht infizierten, vermeintlichen Pärchen, der die Geschichte nur bedingt vorwärts bringt. Dafür wird auch dieser Part zu ausgedehnt behandelt und unterstützt somit noch zusätzlich die Trägheit des Anfangs.
    Allerdings bietet der Film durchgängig wunderschöne Landschaftsaufnahmen, sodass auch das anfänglich unscheinbare erste Drittel durchaus Highlights bietet.

    Mit dem Zusammenschluss eines Mädchens der Aborigines baut das Werk allerdings rapide an Spannung auf. Ebenso nimmt es mehr und mehr an emotionaler Wucht zu. Durch die Berührung mit dem Mädchen bekommt Cargo zusätzlich einen neuen Ton, denn durch sie wird ein wenig auf die Kultur der australischen Ureinwohner eingegangen, was dem Film eine starke zusätzliche Qualität beschert, die zu faszinieren weiß.
    Der Soundtrack kann diese kulturelle Atmosphäre noch zusätzlich unterstützen und hinterlässt auch anhaltend einen bleibenden Eindruck.

    © 2018 Netflix


    Auf die Art der Krankheit wird recht wenig eingegangen, was aber auch nicht wichtig ist, da das Drama um den Vater und seine kleine Tochter deutlich im Vordergrund der Handlung steht. Trotzdem werden den Infizierten einige ungewohnte Eigenschaften zugeschrieben, die sie nach den unzähligen Zombie-Darstellungen in der Filmgeschichte trotzdem interessant wirken lassen.

    Darstellerisch kann Martin Freeman einmal mehr beweisen, dass er ein vielseitiger und vielschichtiger Schauspieler ist. In einem für ihn untypischen Szenario kämpft er sich glaubhaft als liebender Vater über die Hürden, die ihn in Cargos postapokalyptischer Welt gestellt werden. Gerade zu Beginn vielleicht emotional teilweise etwas zu distanziert, kann man ihm im zunehmenden Verlauf den Schmerz und die Verzweiflung ansehen und was noch viel wichtiger ist, nachempfinden. Die beiden Regisseure geben dem Schauspieler viel Raum, sodass Freeman eindrücklich zeigt, dass er einen Film fast alleine tragen kann.

    Neben Freemans Darbietung sind es allerdings die großartigen Bilder, die trotz der beängstigenden Welt die sie zeigen, einen wunderschönen Eindruck hinterlassen. Untermalt von dem bereits erwähnten teils ungewöhnlichen Soundtrack, dem immer wieder auch Aborigines-Klänge beigefügt sind, wird eine besondere Atmosphäre erschaffen, die für das Genre eher unüblich ist. Ohne große Gewaltszenarien und stetiger sichtbarer Bedrohung, wird dadurch gerade in der letzten Stunde überraschend viel Spannung aufgebaut.
    Das Setting ist gut gewählt und bietet in dem oft einfallslosen Genre erfrischende Abwechslung. Vor allem weiß das Regieduo die tollen Landschaften durchweg hervorragend in Szene zu setzen.
    Vor allem der Kampf gegen die Zeit wird beeindruckend umgesetzt, sodass jede kleine Ähnlichkeit, die Freemans Figur zu den Infizierten nach und nach zeigt, an den Nerven des Zuschauers kratzt und ihn zunehmend emotional fordert bis es in einem sehr berührenden Finale endet.

    © 2018 Netflix


    Auch wenn die letzten knapp sechzig Minuten einen das etwas träge Anfangsdrittel größtenteils vergessen lassen, so bleibt dadurch trotzdem ein kleiner etwas ernüchternder Beigeschmack. Doch bietet das Horrordrama gerade optisch große Qualitäten und kann dem Genre erfrischenden Wind einhauchen.


    Fazit


    Cargo ist ein gelungenes Spielfilmdebüt eines Regieduos, von dem man noch viel erwarten kann. Die teilweise überwältigenden Bilder, die beeindruckende Landschaft und ein starker Hauptdarsteller können einen etwas langatmigen Anfang aufwerten und führen den Zuschauer in ein spannungsgeladenes, aber vor allem emotionales Finale.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Cargo
    Jahr:
    2018
    Regie:
    Yolanda Ramke, Ben Howling
    Produzent(en):
    Zack Brilliant, Ian Dawson, Fergus Grady, Craig Deeker,
    Drehbuch:
    Yolanda Ramke
    Kamera:
    Geoffrey Simpson
    Genre:
    Drama, Horror
    Darsteller:
    Martin Freeman
    Inhalt:
    Nach dem eine Epidemie Australien in einen trostlosen Ort verwandelt hat, wandern fast ausschließlich Infizierte Menschen durch das Outback. Ein Vater versucht nach einem Kontakt mit den Erkrankten seine Tochter in Sicherheit zu bringen. Allerdings hat er nur 48 Stunden Zeit, bis die Krankheit bei ihm ausbricht.
    Start (DE):
    18.05.2018 (Netflix)
    Start (USA):
    18.05.2018 (Netflix)
    Laufzeit:
    105 Minuten
    FSK:
    noch nicht geprüft
    Links
    deutsche Webseite:
    https://www.netflix.com/title/80161216

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