Take Every Wave - Das Leben des Laird Hamilton

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  • Einleitung


    Laird Hamilton zählt zu den besten Surfern der Welt, ohne jemals an einem Surfwettbewerb teilgenommen zu haben. Seinen Einfluss auf das Big Wave Surfing in den Neunzigern revolutionierte den Nischensport nachhaltig. Und auch heute noch entwickelt er mit dem Foiling neue Surfmethoden um riesige Wellen möglichst effizient zu nutzen. Doch ist Hamilton trotz seiner Errungenschaften stets eine umstrittene Persönlichkeit.

    Die Dokumentation Take Every Wave - Das Leben des Laird Hamilton beleuchtet das Leben des berühmten Surfers und zeigt unweigerlich auch die Entwicklung des Big Wave Surfing, die eng mit Hamiltons Leben verbunden ist.

    Die Regie übernahm Rory Kennedy, die bereits zahlreiche Dokumentarfilme leitete, wozu auch der oscarnominierte Last Days in Vietnam zählt.

    © 2018 Universum Film GmbH

    Kritik


    Da es sich um einen Dokumentationsfilm handelt, sollte zu Beginn klargestellt werden, dass hier natürlich nicht das Leben von Laird Hamilton bewertet wird, sondern ausschließlich der Umgang mit den Themen, die diese Grundlage bietet, ebenso wie die technische Umsetzung.

    Der Ozean übte schon immer eine unglaubliche Faszination auf uns Menschen aus. Ganz besonders eingenommen von dieser Sogkraft sind natürlich Wassersportler, insbesondere Surfer. Für Laird Hamilton schien es im Leben immer nur den Ozean und die Wellen zu geben. Alles andere hatte wenig bis keine Priorität.

    Die Dokumentation Take Every Wave - Das Leben des Laird Hamilton kann mit überraschend vielen Aufnahmen aus Hamiltons Kindheit und Jugend ein interessantes Bild der damaligen Zeit kreieren. Dabei werden unter anderem auch die Schwierigkeiten zwischen Hamiltons Stiefvater und dem späteren Profisurfer angeschnitten, ebenso wie die Probleme, mit denen ein weißer, blonder Junge auf einer hawaiianischen Insel mit all den Vorurteilen zu kämpfen hatte. Leider wird dies nur oberflächlich abgearbeitet, wodurch ein etwas eindimensionales Bild von den Einflüssen dieser Hürden auf den jungen Surfer gezeichnet wird.
    Trotzdem entsteht ein gutes Gefühl für das damalige Aufkommen des Surferdaseins - leben um zu Surfen und frei sein. Es wird erzählt, wie Hamilton durch seinen langjährigen Freund und ebenfalls passionierten Surfer Buzzy Kerbox zum Modeln kam und wie Kerbox durch seinen Erfolg in dem Showbusiness viele finanzielle Möglichkeiten eröffnete. Ihre gemeinsamen Erfahrungen werden spannend erzählt und gerade Kerbox' Ausführungen bleiben trotz der schwierigen Momente, die die beiden durchlebt haben am gehaltvollsten, ehrlichsten und respektvollsten.

    © 2018 Universum Film GmbH


    Die zeitlichen Sprünge in die nahe Vergangenheit wie Gegenwart, in der Hamilton sich auf seine nächste Herausforderung vorbereitet und sich der damit verbunden Entwicklung des Foilings widmet, und in die ferne Vergangenheit können zumindest ein wenig ein Bild von dem vermitteln, wer Laird Hamilton ist und wie er so geworden ist. Denn sein starker Wille Grenzen immer und immer wieder zu überschreiten, verlangte auch einige Opfer. Nicht nur seine Beziehungen zu seinen Frauen kamen dadurch ins Straucheln, auch Freunde blieben mit den Jahren auf der Strecke.
    Darüber hinaus musste er immer wieder um die Anerkennung der Surfergemeinde kämpfen, von der ein großer Teil das von Hamilton und seinen damaligen Freunden entwickelte Tow-in Surfing stark kritisierten. Dabei wird der Surfer von einem Jetski in die Riesenwelle gezogen, die er mit eigener Kraft nicht anpaddeln könnte. Das hohe Verletzungsrisiko durch die Wellen und die anwesenden Jetskis, sowie das Einhergehen der Umweltverschmutzung von letzteren lassen noch heute berechtigte Zweifel an dieser Vorgehensweise zu. Gerade die Umweltverschmutzung und der Lärm durch die Wasserfahrzeuge widersprechen vielen Philosphien, die das Surfen prägen, in der die Verbundenheit mit der Natur einen hohen, wenn nicht sogar den höchsten Stellenwert innehat.
    Take Every Wave schneidet diese Kritik zwar an, geht dabei aber nicht ins Detail, was ein etwas einseitiges Bild von diesem Stil zeichnet.
    Allerdings werden mit teilweise spektakulären Aufnahmen die ersten Schritte des Tow-in Surfings gezeigt, was überaus spannend zu sehen ist. Das hohe Verletzungsrisiko und die Gefahren für Leib, Seele und Leben mussten zwei von Hamiltons Freunde am eigenen Leib ertragen, was den umstrittenen Surfer aber nicht von seinem weiteren Weg abhielt.

    Durch den anbahnenden Erfolg des Hineinziehen in vorher nie gesurfte Wellen, spaltete sich die Gruppe nach und nach, was auch auf Hamiltons streckenweise rücksichtsloses Verhalten zurückzuführen ist. Sein ewiger Drang die selbst gesetzten Ziele mit allen Mitteln zu erreichen und über diese immer weiter hinauszugehen hinterließ nicht nur bei den Menschen in seinem nahen Umfeld Spuren, sondern auch an seinem eigenen Körper. Es ist respektabel zu sehen, welch hartes Training sich der Surfer unterzieht, um mit der jungen Generation mitzuhalten. Doch wird auch hier nur wenig auf die körperlichen Problematiken eingegangen, die der Sport, wie jeder andere auch, mit sich bringt, wenn man ihn zu exzessiv ausübt.

    Das Foiling, wobei eine weitere Tragfläche an einer Stange unterhalb des Boards befestigt ist und somit ab einer gewissen Geschwindigkeit dem Surfer ermöglicht wird mit seinem Board aus dem Wasser abzuheben, was als neues großes Ziel Hamiltons die Dokumentation umklammert, wird leider auch nur recht spärlich behandelt.

    © 2018 Universum Film GmbH


    Letztendlich ist Take Every Wave durch die großartigen Surfaufnahmen eine durchweg schön anzusehende Dokumentation geworden, die nie langweilig wird. Leider gibt sie nur einen groben Überblick über den Surfer Laird Hamilton und das Big Wave Surfing. Wer sich ein wenig mit diesen Themen beschäftigt, wird kaum neue Erkenntnisse erlangen. Für alle anderen ist es ein netter Querschnitt vom Leben einer Surflegende und dessen Errungenschaften, bei dem die berechtigten Kritiken leider viel zu wenig Raum bekommen.


    Fazit


    Take Every Wave - Das Leben des Laird Hamilton ist eine mit faszinierenden Aufnahmen ausgestattete Dokumentation, die inhaltlich allerdings zu oberflächlich bleibt und vor allem die problematischen Seiten ihrer Hauptfigur und des Big Wave Surfing zu kurz kommen lässt. Für einen netten Erstkontakt mit dessen Thematiken ist der Dokumentarfilm allerdings durchaus gut geeignet.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Take Every Wave: The Life of Laird Hamilton
    Land:
    USA
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Universum Film GmbH
    Regie:
    Rory Kennedy
    Produzent(en):
    William Cawley, Jonathan S. Marshall
    Drehbuch:
    Mark Bailey, Jack Youngelson
    Kamera:
    Alice Gu, Don King
    Musik:
    Nathan Larson
    Genre:
    Dokumentation
    Darsteller:
    Laird Hamilton, Buzzy Kerbox
    Inhalt:
    Take Every Wave beleuchtet das Leben von Surflegende Laird Hamilton und die Entwicklung des Big Wave Surfing.
    Start (DE):
    25.05.2018 (Heimkino)
    Start (USA):
    29.09.2017
    Laufzeit:
    118 Minuten
    FSK:
    ab 6 Jahren

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