Prison Playbook

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  • Einleitung


    In Südkorea ist Baseball der wahrscheinlich populärste Profisport. Somit verwundert es kaum, dass dieser auch in einigen Film- und Fernsehproduktionen thematisiert wird. Die Netflix-Serie Prison Playbook nimmt sich ebenfalls dem Sport an, auch wenn er hier eher eine Nebenhandlung einnimmt. Denn im Zentrum steht zwar ein Profi-Baseballspieler, der allerdings nach einem Übergriff auf seine Schwester und seiner folgenden ausgeführten Selbstjustiz am Täter im Gefängnis landet. Dort muss der prominente Star-Sportler sich behaupten. Denn neben Fans trifft er hinter Gittern auch auf einige Neider. Darüber hinaus versucht er mit den limitierten Bedingungen im Gefängnis sein Comeback im Profisport vorzubereiten.

    Kritik


    Nach einem recht dramatischen Start zeigt die Serie aber schon ziemlich bald, dass die Komik bei Prison Playbook nicht zu kurz kommt. Denn auch wenn das Drama im Fokus steht, beweist die Serie einen erstklassig pointierten Humor. Gerade da die fernöstlichen Länder wie China, Japan oder eben Korea eher für ihre überhöhte und aufgedrehte Ausgelassenheit bekannt sind, überrascht die Netflix-Serie mit großartig trockener und teilweise zurückhaltender Komik. Auch wenn in den sechzehn Folgen nicht immer jeder Gag sitzt, so ist dieser Anteil aber so gering, dass er schnell in Vergessenheit gerät.
    Neben der großartig geschriebenen und inszenierten Situationskomik sind es aber vor allem die herausragenden Darsteller, die dafür Sorge tragen, dass so gut wie jeder Witz ins Ziel trifft. An der Seite von Schauspielern wie Jung Hae-in, der neben seiner sympathischen Art, die man unter anderem bereits in den Netflix-Serien White Nights und Something in the Rain genießen konnte, auch ein harte Seite zeigen darf, wurde gerade mit Hauptdarsteller Park Hae-soo die Idealbesetzung des lieben, aber etwas dümmlichen Baseballspielers gefunden. Sein zurücknehmendes Schauspiel mit seinem teilnahmslosen Gesichtsausdruck kann für zahlreiche Lacher sorgen, doch gelingt es ihm ebenfalls seiner Figur die nötige emotionale Tiefe zu schenken. Neben ihm brillieren allerdings auch skurrile wie liebenswürdige Figuren wie ein Drogenabhängiger auf Entzug, der sich wie ein Kind benimmt und darüber hinaus immer die Wahrheit sagt, ein lispelnder Betrüger oder ein cholerischer und doch liebenswerter Wachmann.

    © 2018 Netflix

    Aber nicht nur auf die Komik bezogen, sondern auch darüber hinaus zeigt sich einmal mehr die große Qualität der Koreaner für Figurenzeichnungen. Gerade dem eben erwähnten Wachmann wurden viele schöne Facetten zugeschrieben. Großartig von Jeong Woong-in verkörpert, ist der ständig fluchende und aggressive Wachmann auch der mitfühlendste und sympathischste unter den Aufsehern. Ihm wird eine wundervolle und berührende kleine Hintergrundgeschichte geschenkt, aber auch über diese hinaus ist der Gefängniswärter Teil von den meisten der emotionalsten Szenen.
    Neben dem Wärter tauchen aber immer wieder abwechslungsreiche Charaktere auf, die trotz ihrer Fehler oder vielleicht gerade deswegen, fast durchweg sympathisch sind. Dabei wird aber immer wieder dem Zuschauer vor Augen Gehalten, dass die Insassen des Gefängnisses nicht ohne Grund dort sind. In dem Zusammenhang entsteht vielleicht einer der wenigen Schwachpunkte der Serie. Denn der Protagonist hat natürlich das Glück den größten Teil seiner Zeit seine Zelle mit Verbrechern zu teilen, die entweder unschuldig sind oder zumindest ihr Herz am rechten Fleck haben. Das kratzt ein wenig an der Glaubwürdigkeit, auch wenn es dem Sehvergnügen kaum schadet, da die Zellengenossen, wie schon erwähnt, trotzdem toll geschrieben sind.

    Das koreanische Gefängnissystem ist etwas anders strukturiert. So sind die Zellen mit mehr Bewohnern bestückt und diese müssen dort ein gemeinsames Miteinander schaffen. So wird beispielsweise auch in den Zellen gemeinsam gegessen und die Insassen so zur Selbstständigkeit bewegt. Durch die Serie bekommt man einen interessanten Einblick in den Gefängnisalltag, der sich von den uns gewohnten unterscheidet.
    Prison Playbook stellt auch genau diesen Alltag in den Fokus, wodurch die Figuren und ihre Beziehungen zueinander stets im Vordergrund stehen. In diesen routinierten Alltagsabläufen wurde gekonnt das Training der Hauptfigur für sein Comeback nach der Zeit hinter Gitterns integriert, der das Glück genießt, dass der Gefängnisdirektor ein großer Fan von ihm ist und auch versucht aus dem prominenten Insassen Kapital zu schlagen.

    Neben den humorvollen Momenten und den Konflikten der Figuren im Gefängnis darf eins der wichtigsten Themen eines koreanischen Dramas natürlich nicht fehlen: die Liebe. Geschickt wird eine romantische Geschichte zwischen dem Baseballspieler und seiner Ex-Freundin nebenher erzählt, ohne dass sie zu viel Raum einnimmt. Ansonsten behandelt die Serie in erster Linie ebenso berührende wie wichtige Themen wie Freundschaft, Loyalität, Aufrichtigkeit, Achtsamkeit, Zusammenhalt und Mut - vor allem den Mut das Richtige zu tun. Dabei werden Themen wie Homosexualität oder Menschlichkeit mit einer Selbstverständlichkeit behandelt, wie es in der heutigen Zeit sein sollte.

    © 2018 Netflix

    Bei all dem Lob muss man leider aber auch einen Punkt kritisch herausnehmen. Die sechzehn Folgen haben eine lange Laufzeit von im Schnitt jeweils neunzig Minuten. Zwar gelingt es der Serie durch ihre sympathischen Figuren, ihren ebenso sympathischen Darstellern, der herausragenden Komik, den starken Dialogen und den gelungenen Figurenkonstellationen durchweg zu unterhalten. Allerdings fällt es durchaus schwer den Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit der jeweiligen Folgen aufrechtzuerhalten. Damit ist nicht unbedingt gesagt, dass Prison Playbook streckenweise zu langatmig ist, sondern nur, dass die Serie schwer in einem kurzen Zeitraum zu schauen ist. Man muss sich etwas Zeit nehmen, was sich aber definitiv lohnt.

    Ergänzend zu den erwähnten Qualitäten reiht sich die Inszenierung in das Bild ein. Mit einem gelungenen Soundtrack, einigen nachhaltigen Aufnahmen, der glaubhaften Ausstattung und Kulisse wird ein fast makelloses Gesamtwerk kreiert.

    Fazit


    Prison Playbook kann mit zahlreichen Qualitäten überzeugen, bei denen die erstklassig pointierte Komik, die außergewöhnlich gute Figurenzeichnung und die starke Besetzung noch einmal herausragen. Die Serie zeigt einmal mehr das hohe dramaturgische Niveau, auf dem sich koreanische Produktionen oft bewegen.


    8/10

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    Infos
    Originaltitel:
    슬기로운 감빵생활 (Seulgirowun Gamppangsaenghwal) / Prison Playbook (englischer Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2017
    Studio/Verleih:
    tvN / Netflix
    Regie:
    Shin Won-ho
    Produzent(en):
    Park Sung-jae, Park Soo-woo
    Drehbuch:
    Jung Bo-hoon
    Genre:
    Drama, Komödie
    Darsteller:
    Park Hae-soo, Jung Hae-in, Jeong Woong-in, Jung Kyung-ho
    Inhalt:
    Im Zentrum von Prison Playbook steht ein Profi-Baseballspieler, der, nachdem seine Schwester angegriffen wurde, den Täter verfolgt und diesen brutal zusammenschlägt, im Gefängnis landet. Zwischen Gaunern, Dieben und Schwerverbrechern versucht der prominente Neuzugang den Alltag hinter Gittern zu meistern. Neben Neidern stößt er aber auch auf unverhoffte Fans.
    Start (DE):
    03.02.2018
    Laufzeit:
    ca. 90 Minuten pro Folge (16 Folgen)
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.netflix.com/title/80214406

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