Park Chan-wook (Special)

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  • Park Chan-wook
    (Hangul: 박찬욱)


    Neben Ausnahmeregisseuren wie Kim Jee-woon (A Tale of two Sisters), Bong Joon-ho (Memories of Murder) oder Hong Sang-so (On the Beach at Night Alone) gehört der 1963 in Seoul, Südkorea geborene Regisseur und Drehbuchautor Park Chan-wook zu den einflussreichsten Filmemachern von der koreanischen Halbinsel. Mit Werken wie Oldboy, Thirst - Durst oder Die Taschendiebin nimmt er bereits seit Jahren großen Einfluss auf das international hohe Ansehen des koreanischen Films.
    Der Weg dorthin war allerdings nicht so geradlinig, wie man vielleicht vermuten könnte.

    Old Days © 2018 Capelight Pictures


    Der ehemalige Philosophiestudent begann nach seinem Studium Artikel und Rezensionen über Filme für verschiedene Zeitschriften zu schreiben. Nachdem er Alfred Hitchcocks Vertigo sah, erblühte in ihm der Wunsch des Filmemachens. Nach und nach bekam er kleinere Jobs hinter der Kamera. 1992 erschien mit The Moon... is the Sun's Dream sein erster eigener Film, bei dem er sich schon damals um die Regie und das Drehbuch kümmerte. Allerdings blieb ein Erfolg aus. Auch sein Folgefilm 삼인조 (englisch:Trio oder Threesome) konnte kommerziell nicht überzeugen. Weiterhin verdiente Park als Filmkritiker seinen Unterhalt.
    Trotz der vorausgegangenen Flopps vertraute man ihm ein relativ hohes Budget für den im Jahr 2000 erschienenen Film JSA – Joint Security Area an. Auch hier war der spätere Oldboy-Regisseur wieder am Drehbuch beteiligt. Trotz des hohen Budgets blieb es zum Start der Dreharbeiten noch fraglich, in wie weit der Film später veröffentlicht werden würde, da das Werk ein für Koreaner schwieriges Thema ansprach - die Beziehung zwischen Nord- und Südkorea in der demilitarisierten Zone. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten herrschten noch Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden, wodurch die Regierung der fortschrittlichen Südhälfte strenge Reglements bezüglich der Behandlung dieses Konfliktthemas hatte.

    Allerdings setzte der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae-jung 1999 die Sonnenscheinpolitik um, für die er auch später den Friedensnobelpreis bekommen sollte. Die Idee dieser Politikform sah in erster Linie eine Zusammenarbeit mit dem Norden vor, um das Konfliktpotential zu mildern.
    Somit traf JSA genau den Nerv der damaligen Generation.

    JSA - Joint Security Area © 2018 Rapid Eye Movies


    JSA - Joint Security Area (2000)

    Mit seinem Werk versuchte Park den politischen Konflikt aus der Sicht einzelner Personen anstatt politischer Regime und ihrer Ideologien zu erzählen.
    Was folgte war ein qualitativer wie kommerzieller Erfolg, der JSA mit zahlreichen Aufführungen auf Festivals und knapp 6 Millionen Kinobesuchern zum bis dahin erfolgreichsten Film in Südkorea machte.
    Somit markierte JSA - Joint Security Area Regisseur Park Chan-wooks großen Durchbruch in seiner südkoreanischen Heimat und ebnete den Weg zu seiner mittlerweile eindrucksvollen Filmographie, bei dessen Werken er in der Regel große kreative Freiheiten genoss.

    Die Joint Security Area (Gemeinsame Sicherheitszone) ist ein Gebiet, was sich an der Grenze zwischen dem Norden und Süden Koreas entlangzieht. Es ist ein demilitarisierter Bereich, wo sich auch die berüchtigte Brücke ohne Wiederkehr befindet, auf der viele Gefangenenaustausche stattgefunden haben. Genau diese Brücke steht auch im Zentrum von Parks Filmbeitrag, als es dort zu einem tödlichen Zwischenfall kommt. Um diesen aufzuklären wird eine Ermittlerin der Aufsichtsbehörde der neutralen Nationen (Schweden und Schweiz) in das Gebiet geschickt. Zwischen den verschiedenen Staaten, ihren Ideologien und den unterschiedlichen Aussagen der beiden Seiten, versucht sie die Wahrheit aufzuklären. Immer mehr stellt sich heraus, dass der Süden und der Norden mehr Gemeinsamkeiten aufweisen, als sie zugeben möchten.

    Auch wenn der Film technisch noch nicht die Perfektion von Parks späteren Arbeiten erreicht, so überzeugt Joint Security Area vor allem durch seine stets aktuelle und überaus mitreißende Thematik. Dass sich aus den Gefühlen der Einzelnen, die eigentlich einer größeren Macht untergeordnet werden und sich allerdings trotzdem den nötigen Raum für eine berührende und vor allem menschliche Begegnung zwischen den verschiedenen politischen Lagern verschaffen, etwas Größeres entwickelt, was fernab von jeglichen Grenzen und Ideologien steht, ist das Besondere am menschlichen Dasein. Und das zeigt der Film großartig auf.

    Mit seinem ersten großen Erfolg gelang Park Chan-wook eine starke Geschichte mit inszenatorischer Raffinesse zu erzählen, indem er die Handlung geschickt in drei Teile spaltete und so die Spannung und die Dramatik mehr und mehr auf die Spitze treibt. Sympathische Figuren und der sensible Umgang mit einer wichtigen Problematik führen zu einem intensiven filmischen Erlebnis.

    Für Pulp Fiction-Regisseur Quentin Tarantino gehört JSA - Joint Security Area sogar zu den besten zwanzig Filmen, die seit 1992 veröffentlicht wurden (das Jahr, in dem er mit Reservoir Dogs ins lukrative Filmgeschäft einstieg; Stand 2009).

    JSA - Joint Security Area © 2018 Rapid Eye Movies


    Nachdem Regisseur Park Chan-wook mit JSA - Joint Security Area einen beachtlichen Erfolg feiern konnte, standen ihm alle Türen im koreanischen Filmgeschäft offen. Somit griff er auf ein Drehbuch zurück, woran er schon viele Jahre zuvor arbeitete. Lange Zeit wagte sich niemand an die kontroverse und harte Geschichte. Doch nach Parks erlangtem Ansehen, nahm er sich selbst der Verfilmung an, da ihm große künstlerische Freiheiten garantiert wurden. Somit leitete er mit Sympathy for Mr. Vengeance seine viel geachtete Rache-Trilogie ein.
    Auch wenn es sich hierbei um keine offizielle Trilogie handelt, setzte sich der Regisseur in dem Zeitraum von 2002 bis 2005 in seinen Spielfilmen mit dem Thema Rache als Hauptaugenmerk auseinander. Und kaum ein Autor oder Regisseur tat das auf so vielfältige Weise. Denn die drei unabhängigen, künstlerisch wie dramaturgisch sehr unterschiedlichen Werke differenzieren sich nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der Herangehensweise. So wird über die Rache-Thematik hinaus auch die Gewalt in vielen verschiedenen Formen dargestellt.
    Für den Regisseur selbst ist das Hauptthema in den drei Filmen übrigens die Suche nach Erlösung und nicht Rache.

    Sympathy for Mr. Vengeance (2002)

    Der erste Teil ist ein raues und äußerst intensives Werk, mit dem Regisseur Park seine Rache-Trilogie einleitet.
    Im Gegensatz zu seinen anderen Werken ist Sympathy for Mr. Vengeance in ungewohnt kühle Bilder getaucht. Auch wenn seine Bildersprache wie immer unglaublich stark ist, kann man nur sehr selten von wirklicher Schönheit sprechen. So entsteht eine schonungslose und direkte Erzählung, dessen Intensität zum Ende hin kaum noch zu ertragen ist.
    In der Handlung, in der ein taubstummer, liebenswürdiger und von guten Absichten getriebener Entführer sein Opfer unfallbedingt verliert und dessen Vater nun auf Rache sinnt, verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse zunehmend. Durch die sympathischen und nachempfindsamen Figuren kommt es am Ende zu einem höchst emotionalen Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten.
    In der fast schon bedächtigen Inszenierung agieren die starken Hauptdarsteller ebenso nuanciert wie ihr künstlerischer Leiter, wodurch ein fokussiertes und unglaublich intensives Werk entsteht.
    Auch wenn die Geschichte sich zu Beginn etwas verläuft, so wird man im zunehmenden Verlauf schnell dafür entschädigt. Ein kompromissloser und brutaler Streifen, der einen emotional noch lange nach dem Ende der Laufzeit beschäftigt.

    Sympathy for Mr. Vengeance © 2018 3L Vertriebs GmbH & Co. KG


    Mit Oldboy, dem bekanntesten Werk der Trilogie, wahrscheinlich sogar des Regisseurs, ließ der Filmemacher seinem Erstling ein bildstarkes, schon fast philosophisches Werk folgen.
    Damit gelang es Regisseur Park Chan-wook als erster koreanischer Regisseur einen der drei großen Preise auf dem Cannes Filmfestival zu gewinnen. Die internationalen Filmfestspiele von Cannes gehören zu den bedeutendsten Festivals auf der Welt und das koreanische Kino musste sich bis zum Jahr 2004 gedulden, bis es das erste Mal einen der renommierten Preise sein Eigen nennen konnte. Oldboy gewann in diesem Jahr den Grand Prix, der an Werke geht, die besonders originell und experimentierfreudig sind.

    Selbst für ein europäisches Festival war Oldboy ein schwieriger Film. Doch im Jahr 2004 zählte unter anderem Kultregisseur Quentin Tarantino zu der offiziellen Jury, der selbst nicht vor skandalösen Themen und expliziter Gewaltdarstellung zurückschreckt. Er galt als ein großer Befürworter des koreanischen Films und Regisseurs.

    Doch nicht nur bei dem Kill Bill-Regisseur kam der Film gut an. So konnte der das Machwerk nach seiner Präsentation minutenlange Standing Ovations verbuchen. Oldboy wurde anschließend in zahlreiche Länder verkauft, zu einem der populärsten Filme aus Südkorea und ein Spiegelbild für dessen qualitativ hochwertige Filmindustrie.

    Nach dem eindrucksvollen, allerdings kommerziell schwachen Einstieg mit Sympathy for Mr. Vengeance, gelang es dem Regisseur mit dem Erfolg bei Kritikern und Publikum seinen Stand als angesehener Regisseur zu festigen.

    Oldboy © 2018 Capelight Pictures


    Oldboy (2003)

    Der lose auf dem gleichnamigen Manga von Garon Tsuchiya und Nobuaki Minegishi basierende Film begleitet seinen Protagonisten Oh Dae-su auf seinem Weg nach Rache und Erlösung. Nachdem er fünfzehn Jahre in einer kleinen Wohnung eingesperrt wurde, ohne zu wissen warum und für wie lange, treibt ihn die Suche nach Antworten und Vergeltung an.
    Ab der ersten Minute nimmt uns Park Chan-wook mit auf eine eindrucksvolle Reise, die durch eine sensationelle Geschichte, atemberaubende Bilder, vielschichtige Figuren, einem der bemerkenswertesten Antagonisten der Filmgeschichte, herausragende Darsteller, einen wunderschönen Soundtrack und teils absurd genialen Humor unvergesslich wird. Die Geschichte verliert sich nie in oberflächlichen Rachegelüsten, obwohl bei der Darstellung an Gewalt nicht gespart wird. Der Zuschauer wird intelligent im Ungewissen gelassen, es werden immer wieder neue Fragen aufgeworfen und Dae-sus Leid erreicht am Ende erst den schockierenden Höhepunkt. Wie so oft ist Park Chan-wooks Film erschreckend und trotzdem traumhaft schön. Zahlreiche visuelle wie dramaturgische Details und Andeutungen erhöhen das Sehvergnügen noch beim mehrmaligen Ansehen. Wahrlich eins der beeindruckendsten Werke, das jemals gedreht wurde.

    Oldboy © 2018 Capelight Pictures


    Regiewunder Park gelang nach dem realistischen und emotional fordernden Sympathy for Mr. Vengeance mit dem etwas surrealen, teilweise schon absurden Oldboy der nachhaltige Aufstieg zu einem der am höchsten angesehenen Filmemacher der asiatischen Filmindustrie. Nun war er weltweit bekannt und vervollständigte bereits zwei Jahre später mit Lady Vengeance seine Rache-Trilogie. Nach dem rauen ersten Teil, dem philosophischen zweiten folgt mit dem dritten Teil eine poetische Auseinandersetzung mit den Leit- oder viel mehr Leidthemen.

    Lady Vengeance (2005)

    Parks Geschichte, wie eine Frau nach Jahren in einem Gefängnis wieder frei kommt und sich an dem Mann rächen möchte, der sie dort hin gebracht hat, ist vermutlich das unkonventionellste Werk der Trilogie. Lady Vengeance erzeugt in seiner Gesamtheit eine poetische Kraft, wie man sie, wenn überhaupt, nur selten erlebt. Der wunderschöne Soundtrack, die teils surrealen Bilder, streckenweise begleitet von der faszinierend absurden park'schen Komik und die wundervollen Dialoge wie Monologe lassen eine ganz besondere Stimmung entfalten.
    Mit verträumten Bildkompositionen entsteht eigentlich ein von Schönheit triefender Film, wenn nicht seine abgründige Geschichte diese Harmonie immer wieder durchbrechen würde. Gerade das schockierende Finale lässt auch den letzten Funken Liebreiz erlischen, nur um ihn beim zauberhaften Ende wieder zu beschwören. Ein Balanceakt zwischen Schönheit und Grauen, zwischen Poesie und klarer Brutalität. Unkonventionell, schockierend, wunderschön.

    Lady Vengeance © 2018 3L Vertriebs GmbH & Co. KG


    Nach seinen brutalen Auseinandersetzungen mit den Themen Rache, Gewalt und Erlösung widmete sich Park einer dramatischen Komödie mit dem wundervollen Titel I'm a Cyborg, But That's OK, die unter anderem auf der Berlinale mit dem Alfred-Bauer-Preis gewürdigt wurde. Die Auszeichnung steht für neue Perspektiven in der Filmkunst und fand in Park Chan-wook wahrscheinlich den idealen Empfänger. Denn auch seine Liebeskomödie strahlt vor inszenatorischem Einfallsreichtum.

    I'm a Cyborg, But That's OK (2006)

    Für seine auf den ersten Blick leichte Filmkost widmete er sich einer Frau, die nach jahrelanger stumpfer Arbeit in einer Fabrik zu der Überzeugung kommt, dass sie ein Cyborg ist. Folglich meint sie, dass Essen und Trinken für sie als Energiequelle nicht mehr von Nöten sind. Die Einweisung in eine psychiatrische Klinik ist somit fast schon unausweichlich. Dort versucht ein kleptomanischer Patient, der die Störungen der Insassen stiehlt, die jungen Frau vor dem Hungertod zu bewahren.

    Durch die gewählte Umgebung behält Parks Film stets einen ernsten Unterton. Zwar bieten die Störungen der Patienten viel humorvolles Potential, was auch in voller Pracht ausgenutzt wird, doch schleichen sich die dramatischen Untertöne immer wieder in die farbenfrohe Umsetzung. I'm a Cyborg, But That's OK ist bestimmt der ungewöhnlichste Film in der Filmographie des südkoreanischen Regisseurs und auch der am schwersten zu greifende, doch wenn man einen Zugang findet, bekommt man eine wunderschöne Verbeugung vor dem Leben geboten. Dazu bietet das Werk eine der vermutlich schönsten und gleichzeitig absurdesten romantischen Szenen der Filmgeschichte.

    I'm a Cyborg, But That's OK © 2018 Capelight Pictures


    Bereits drei Jahre später wechselte Park wieder das Genre und erschuf den Horrorfilm Thirst – Durst rund um einen blutsaugenden Priester. Mit seinem untypischen Genrevertreter setzte er seine Erfolgsgeschichte in Cannes fort, als sein Vampirfilm mit dem Jury Prize geehrt wurde.

    Thirst - Durst (2009)

    Nach seiner bunten dramatischen Komödie, wählte der Regisseur für sein Horrordrama ungewohnt triste Farbtöne. Zwar kann man sich abermals auf streckenweise bemerkenswerte Bildkompositionen freuen, doch kann man ähnlich wie schon bei Sympathy vor Mr. Vengeance selten von wirklicher Schönheit sprechen.
    Doch unterstreichen die kühlen Bilder gekonnt in die Geschichte des suizidalen Priesters, der durch eine ungünstige Bluttransfusion zu einem Vampir mutiert.
    Wie so oft bei Vampir-Geschichten verbindet auch Park die Sucht seines Protagonisten nach Blut mit erotischen Elementen. Ansonsten hält sich der Regisseur fern von den meisten Klischees und bietet mit Thirst - Durst einen etwas anderen Vertreter des Genres, der zwar selten die dramaturgische Wucht von seinen anderen Werken erreicht, trotzdem einen Blick wert ist.

    Dass nach all den Erfolgen die amerikanische Filmindustrie neugierig auf den ehemaligen Philosophiestudenten wurde, war dann auch keine Überraschung mehr und so verfilmte Park 2013 das von Prison Break-Star Wentworth Miller geschriebene Drehbuch zu Stoker mit einer faszinierenden Mia Wasikowska (Alice im Wunderland), einem beängstigen Matthew Goode (Watchmen) und einer starken Nicole Kidman (Eyes Wide Shut). Dem düsteren Thriller merkt man die Einflüsse des von Park hochgeschätzten Alfred Hitchcock deutlich an. Das Drehbuch zu Stoker stand lange auf Hollywoods Black List, eine Liste mit unverfilmten Drehbüchern, die enormes Potential beinhalten. Kein Wunder also, dass eines dieser Bücher Park überzeugte, sein Debüt in den USA zu inszenieren. Gerade, dass das Skript einige Fragen offen lässt und viel Spielraum für Interpretationen beherbergt, waren laut dem Oldboy-Regisseur der besondere Reiz an dem Projekt. Um den Thriller mit seiner visuellen Vorstellungskraft zu vervollständigen, konnte er auch wieder seinen Stammkameramann Chung Chung-hoon für das Projekt überzeugen, wodurch der Film eine unglaubliche optische Wucht erhält. Leider hinterließen die vielen offenen Fragen bei einigen gemischte Gefühle und so bekam der Film eher durchschnittliche Kritiken.

    Stoker (2011)

    Stoker dreht sich um eine junge Frau und die Beziehung zu ihrem Onkel, der ein Serienmörder ist. Der Thriller lebt in erster Linie von seinen starken Darstellern und der visuellen Kraft. Da der Film das erste Werk in Parks Laufbahn ist, bei dem er nicht selbst am Drehbuch mitgeschrieben hat, fehlen folglich einige für den Filmemacher typische Elemente. Vor allem kommt dadurch der für ihn typische Humor abhanden, der trotz der abgründigen Geschichten, die Park gepflegt zu erzählen, sich ausnahmslos hervorragend in seine Erzählungen eingliedert. Trotzdem gelingt es dem Regisseur einen überaus starken Thriller zu erzählen, der sich von der üblichen Genrekost spürbar abhebt.

    Die Taschendiebin © 2018 Koch Media


    Nach seinem Hollywood-Ausflug folgte eine fünfjährige Spielfilmpause. 2016 meldete sich Park Chan-wook mit der faszinierenden und unglaublich bildstarken südkoreanischen Produktion Die Taschendiebin zurück.
    Es folgte einmal mehr der offizielle Wettbewerbsbeitrag in Cannes, dessen Jury er ein Jahr später auch Teil werden sollte. Auch wenn Die Taschendiebin in den wichtigen Kategorien leer ausging, so konnte er für das beste Szenenbild als erster koreanischer Film den Prix Vulcain de l'artiste technicien für sich gewinnen, der die technischen Bereiche eines Films ehrt.
    Auch wenn der Erfolg beim prestigeträchtigsten französischen Filmfestival weitestgehend ausblieb, so konnte Die Taschendiebin allerdings bei zahlreichen anderen Award-Verleihungen überzeugen.
    So war Parks Adaption beispielsweise nicht nur als erster koreanischer Film aller Zeiten bei den BAFTAs nominiert, sondern konnte in dessen Folge auch als erstes Werk von der koreanischen Halbinsel den British Academy Film Award für den besten ausländischen Film gewinnen.
    Die BAFTAs gelten als der wichtigste britische Filmpreis und zählen zu den bedeutendsten der Welt. Trotz eindrucksvollen Filmen, die vor allem in den letzten 15 Jahren auf der südkoreanischen Halbinsel entstanden, war die Verleihung 2018 die erste, in der auch ein südkoreanischer Titel vertreten war.
    Ebenfalls noch ohne Nominierung steht die inoffizielle "Republic of Cuteness" bei den Academy Awards. Im vergangenen Jahr entschied sich der Korean Film Council gegen eine Einreichung von Park Chan-wooks Buchverfilmung (in den USA startete Die Taschendiebin im Oktober 2016, wodurch sich der Film für die Oscars 2017 qualifiziert hätte). Man beschloss den historischen Thriller The Age of Shadows von Parks Kollegen Kim Jee-woon als offiziellen südkoreanischen Beitrag einzureichen. Generell wurden Werke von Regisseur und Drehbuchautor Park bisher nicht für den offiziellen Wettbewerb der Academy Awards bereitgestellt.

    Die Taschendiebin (2016)

    Angesiedelt im von Japanern besetzten Korea der 1930er Jahre tritt die junge Sook-hee die Arbeit als Hausmädchen für die reiche japanische Erbin Hideko an - allerdings im Auftrag eines hinterlistigen Betrügers. Ihre Aufgabe ist es, die hübsche Erbin dahin zu manipulieren, dass sie den als Grafen getarnten Betrüger Fujiwara heiratet und nicht ihren Onkel. Die beiden Frauen verlieben sich ineinander, trotzdem scheint der Plan aufzugehen, bis das ganze Geschehen eine unerwartete Wendung nimmt.
    Die Taschendiebin ist eine Adaption von Sarah Waters Bestseller Fingersmith. Für das Drehbuch holte sich Park wieder Unterstützung von Jeong Seo-kyeong, mit der er bereits bei Lady Vengeance, I'm a Cyborg, But That's OK und Thirst - Durst zusammenarbeitete.

    Mit der losen Buchverfilmung hat es Park wieder geschafft eine teilweise etwas verstörende Geschichte in wunderschöne Bilder zu hüllen. Die Darsteller bieten eine großartige Leistung, Parks Bildersprache und Erzählweise lässt einen förmlich dahinschmelzen und der Soundtrack verleiht dem ganzen noch einen besonderen Zauber. Somit ist Die Taschendiebin ein perfekter Beweis für eine großartige Symbiose aus ausgezeichneter Erzählstruktur, Soundtrack, Kamera, Ausstattung und Darsteller. Parks subtiler, manchmal schon absurd genialer Humor runden das Werk noch auf angenehme Art und Weise ab.

    Regisseur Park Chan-wook ist nicht nur ein herausragend gut strukturierter und wendungsreicher Thriller gelungen, sondern vor allem auch eine wunderschöne, berührende Liebesgeschichte, die man so in der Regel nicht zu sehen bekommt.

    Die Taschendiebin © 2018 Koch Media


    Ungewöhnlich für den Regisseur war, dass er für Die Taschendiebin mit Ausnahme von Lee Yong-nyeo (I’m a Cyborg, But That’s OK) in einer Nebenrolle auf ein komplett neues Darstellerensemble setzte. Zwar blieben einige Crewmitglieder hinter der Kamera aus seinen vorigen Werken bestehen, so sind vor der Kamera ausschließlich Schauspieler zu sehen, mit denen der Filmemacher noch nicht zusammengearbeitet hatte.
    Mit Ausnahme von seinem Hollywood-Ausflug tauchten in Parks Filmen immer wieder bekannte Gesichter aus seinen vorigen Produktionen auf. So ließ der Regisseur beispielsweise Charakterdarsteller Song Kang-ho und den vielseitigen Shin Ha-kyun gemeinsam in JSA, Sympathy für Mr. Vengeance und Thirst - Durst vor der Kamera stehen. Darüber hinaus sind sie als Auftragskillerduo in Lady Vengeance zu sehen. Aber auch mit Choi Min-sik (Oldboy, Lady Vengeance), Lee Yeong-ae (JSA, Lady Vengeance), Kim Byeong-ok (Oldboy, Lady Vengeance, I'm a Cyborg, But That's OK) und Oh Dal-su (Thirst - Durst, I'm a Cyborg, But That's OK, Lady Vengeance, Oldboy) arbeitete er mehrmals zusammen. Auch wenn die genannten Darsteller nicht immer zum Hauptcast gehörten so traten sie in den aufgezählten Werken zumindest in Gastrollen auf, wie es beispielsweise auch bei Oldboy-Hauptdarstellerin Kang Hye-jeong der Fall war, die in Lady Vengeance kurz als Nachrichtensprecherin zu sehen ist.

    Aber nicht nur mit Schauspielern arbeitet der Ausnahmeregisseur gerne mehrfach zusammen. Auffallend in seiner Filmographie ist die beeindruckende Kombination von Parks Inszenierung und den oben bereits zahlreich erwähnten faszinierenden Bildern von Kameramann Chung Chung-hoon, der mittlerweile auch für einige Hollywoodproduktionen verpflichtet wurde. Ihre gemeinsame Arbeit startete 2003 mit Oldboy, wonach Park bei seinen Spielfilmen nicht mehr auf den kreativen Input von Chung verzichtete.

    Ebenso bemerkenswert sind die musikalischen Kompositionen, mit denen Jo Yeong-wook Parks Erzählungen untermalt. So lieferte er den Score für Thrist - Durst, JSA, I'm a Cyborg, But That's OK und die nachhaltigen Melodien zu Oldboy, Lady Vengeance und Die Taschendiebin.

    Lady Vengeance © 2018 3L Vertriebs GmbH & Co. KG


    Nachdem Park Chan-wook bereits den Manga Old Boy eindrucksvoll adaptierte und mit Die Taschendiebin eine Buchadaption folgen ließ, arbeitet er erneut an einer Verfilmung eines Buches.
    Mit der Umsetzung von John le Carrés Erfolgsroman Die Libelle (Originaltitel: The Little Drummer Girl) feiert der koreanische Regisseur sein TV-Debüt.
    Der Oldboy-Regisseur wird bei allen sechs Teilen der Miniserie für die Inszenierung verantwortlich sein. Produziert wird die Serie von BBC One und AMC network. Die Kameraarbeit übernimmt dieses Mal nicht Chung Chung-hoon, sondern Kim Woo-hyung, der bereits mit Werken wie Assassination und dem Kriegsfilm The Front Line Erfahrungen im historischen Bereich sammeln konnte und darüber hinaus auch sein herausragendes Talent unter Beweis stellte.
    Nach Stoker wird The Little Drummer Girl Parks zweite internationale Produktion.

    The Little Drummer Girl (2019)

    Das Buch handelt von einem israelischen Spion, der, um erneute Terrorangriffe zu vereiteln, auf die Hilfe von einer britischen Schauspielerin angewiesen ist. Diese willigt ein und erkennt, dass sie bald die Rolle ihres Lebens spielen muss.

    JSA - Joint Security Area © 2018 Rapid Eye Movies


    Zwischen all seinen Spielfilmen inszenierte der Koreaner auch immer wieder Kurzfilme. Zwar wurden diese meist auch bei einigen Festivals mit Preisen ausgezeichnet, wie zum Beispiel der iPhone-Film Night Fishing auf der Berlinale, doch konnten sie trotzdem nicht die Tragweite von Parks Langfilmen erreichen.
    Einige von seinen Kurzfilmprojekten finden sich in Episodenfilmen wie beispielsweise Three... Extremes.


    Unsere ausführlichen Kritiken:


    JSA - Joint Security Area
    Sympathy for Mr. Vengeance
    Oldboy
    I'm a Cyborg, But That's OK
    Die Taschendiebin
    Infos
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2018
    FSK:
    noch nicht geprüft

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