District 9

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  • Eigentlich ist der Anblick außerirdischer Raumschiffe über unseren Großstädten nichts Außergewöhnliches, ob in Film- oder Serienform, gehört dies fast schon zum Standartrepertoire des Sciencefiction-Genres. Viel ungewöhnlicher ist jedoch, was Newcomer Neill Blomkamp daraus macht, denn es liegt nicht in seinem Interesse, die nächste Schaudermär von außerirdischen Aggressoren zu erzählen, sondern er nutzt das Konstrukt für eine kritische Politik- und Gesellschaftsstudie, die angesichts der darin verflochtenen Subtexte *District 9* zu einem der außergewöhnlichsten Filmen der letzten Jahre macht.

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    Ursprünglich hätte auch alles ganz anders kommen sollen, denn Neill Bloomcamp wollte zuerst die seit langem angekündigte Videospiele Verfilmung "Halo" drehen, was letztenendes an der Fininzierung scheiterte. Da half es auch nicht, dann niemand geringeres als Peter Jackson hinter diesem Projekt stand, die Studios sahen angesichts der immensen Budgetvorstellungen das Risiko als zu groß an. Macht nichts, denn das Duo wich auf *District9* aus, welcher wiederum auf Bloombergs 2005 gedrehten Kurzfilm „Alive In Jo´Burg“ basierte. Für die abendfüllende Spielfilmversion wurde nicht nur die Handlung recycelt, sondern auch der dokumentarische Stil, welcher oftmals an eine TV-Reportage erinnert, allerdings nicht mit Filmen wie "Cloverfield" verwechselt werden darf, denn D9 kehrt über weite Strecken zur souverän agierenden unsichtbaren Kamera zurück, jedoch macht der Film dies so geschickt, dass selbst die typischen Spielfilmszenen einen dokumentarischen Charakter suggerieren. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass bis vor einigen Monaten kaum jemand Notiz von *District 9* genommen hat, erst nachdem der erste Teaser samt zugkräftigem "Peter Jackson presents" Werbeslogan veröffentlich wurde, konnte durch das geschickte Marketing ein kleiner Hype entfacht werden, der von einer hervorragenden Presseresonanz weiter angetrieben wurde und den Film ,trotz des geringen Budgets und seines ambitionierten Unterbaus, zu einem Kassenschlager werden lies, der am Ende noch reichlich Platz für eine Fortsetzung lässt.

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    Man mag es auch kaum glauben, dass das Budget bei schlappen 30 Millionen beanschlagt wurde, angesichts der superderben Effekte und den tollen Masken sieht der Film gut dreimal so teuer aus, als er letztendlich war. Selbst die CGI-Effekte verleiben sich auf so natürliche Weiße in die reale Kulisse ein, dass die von ihnen animierten Objekt viel realistischer und "greifbarer" wirken, als ein Transformers es jemals konnte.Die technischen Facetten stehen aber gar nicht im Vordergrund des Films, da dürfen sich die Nobrainer um die Gunst des Anspruchslosen balken. *District 9* liefert hier krasses Konterprogramm zur enttäuschenden Blockbuster Saison und kann bei aller Ambitioniertheit sogar besser unterhalten, als viele Entertainment Orgien, die in ihrer maßlosen Schwachbrünstigkeit das reifere Publikum sogar eher verärgern, als ihren Zweck zu erfüllen.

    Vielmehr verpackt der gebürtige Südafrikaner Blomkamp in seinem Leinwanddebut eine Menge Sozialkritik und verarbeitet die gesellschaftlichen und politischen Missstände des ehemaligen Apartheidslandes, selbst die ausländische Rüstungsindustrie spielt ihre Rolle als böse Triebtäter. Teilweise werden diese Missstände soweit auf die Spitze getrieben, dass selbst Analogien zu Nazideutschland sichtbar werden, nur die Opfer tauscht Blomkamp aus, anstatt ethnische Gruppen sind es außerirdische Immigranten. Wer aber denkt, er bekommt es mit einer trockenen Anklagebank zu tun, der irrt gewaltig. Denn auch die Unterhaltungsattribute kommen nicht zu kurz, hier und da eine Priese Humor und gegen Ende immer mehr, packend inszenierte Action : *District 9* ist eine ausgewogene Mischung aus Anspruch und Unterhaltung, Science-Fiction mit Hirn !

    Die Actionsequenzen sind dabei tricktechnisch und handwerklich perfekt in Szene gesetzt, und kommen relativ blutig daher, ohne damit zu stören, vielmehr kommt es der ohnehin rauen Atmosphäre zu Gute. Besonders in der zweiten Hälfte wird der Actionpegel deutlich angehoben, was den Film trotz seines subtilen Anspruchs einem relativ großen Publikum zugänglich macht, das zur Zeit auch ordentlich die Kassen klingeln lässt. {data/media/1268/District_9_03.jpg{Über die Schauspieler kann man wenig sagen, denn bis auf den Hauptdarsteller spielt sich niemand groß in den Vordergrund. Dessen Charakter ist leider etwas unsympathisch angelegt, weshalb es Probleme mit der Identifikation geben wird, mehr Sympathien wird das Publikum dafür mit dem niedlichen Alien Kind haben, das die Herzen der Zuschauer im Nu erobert. Dennoch macht Sharlto Copley einen guten Job, kommt im fertigen Film überzeugender rüber, als im Trailer, und wer in "Alive In Jo´Burg" genau hinschaut, wird sein Alterego auch im Kurzfilm ausfindig machen.


    *§Fazit:§*
    *District 9* hat das Potenzial ein moderner Klassiker zu werden. Nicht nur ein Geheimtipp, sondern ein Highlight dieser ansonsten enttäuschenden Saison, das Eindruck in der Filmlandschaft hinterlassen wird.

    8.5/10
    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :halbstern: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    District 9
    Land:
    USA
    Jahr:
    2009
    Studio/Verleih:
    Sony Pictures Releasing
    Regie:
    Neill Blomkamp
    Produzent(en):
    Peter Jackson
    Drehbuch:
    Neill Blomkamp, Teri Tatchell
    Kamera:
    Trent Opaloch
    Musik:
    Clinton Shorter
    Genre:
    Science-Fiction, Thriller, Drama
    Darsteller:
    Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt, Sylvaine Strike, Elizabeth Mkandawie, John Sumner, William Allen Young
    Inhalt:
    Vor 30 Jahren: Aliens landeten zum ersten Mal auf der Erde. Die Menschen warten seitdem auf den feindlichen Übergriff oder auf den gigantischen technologischen Fortschritt. Doch nichts davon geschah. Die Aliens kamen als letzte Überlebende ihres Heimatplaneten als Flüchtlinge auf die Erde. Während die ganze Welt darüber diskutierte, was mit ihnen passieren soll, wird ihr Raumschiff vorübergehend nach District 9, einem Armenviertel in Südafrika, versetzt.

    Um die wachsende Angst der Menschen über die andauernde Situation zu entschärfen, übernimmt die Gruppe Multi-National United (MNU) die Aufsicht über die Aliens. Diese sind allerdings nicht am Wohl der Flüchtlinge interessiert, sondern haben ihren eigenen Plan sie wollen die Waffen der Außerirdischen zu ihren Gunsten nutzen. Doch bislang scheiterte dieses Vorhaben, da die Aktivierung der Waffen nur mit Hilfe der DNA der Aliens funktioniert.

    Als sich der Agent der MNU Wikus van der Merwe (Sharlto Copley) mit einem mysteriösen Virus infiziert, der seine DNA verändert, wird er zum meist gesuchten und gleichzeitig verletzlichsten Mann der Erde denn er ist der Schlüssel, um das Geheimnis der Technologie der Aliens zu lüften.
    Laufzeit:
    112 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren

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