The Chaser

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  • Einleitung


    Na Hong-jin (The Wailing) feierte mit The Chaser ein eindrucksvolles und düsteres Spielfilmdebüt. Als Inspirationsquelle diente eine wahre Serie an Morden, die sich in Südkorea zugetragen hatte.
    The Chaser handelt von einem ehemaligen Polizisten und jetzigen Zuhälter, der sich auf die Suche nach einer seiner verschwundenen Mädchen macht und dabei auf einen brutalen Serienmörder stößt.

    Für den Thriller konnte Na unter anderem Kim Yeon-seok (The Yellow Sea), Ha Jung-woo (Die Taschendiebin) und Seo Yeong-hie (Bedevilled) gewinnen.

    © 2018 MFA+ Filmdistribution


    Kritik


    Überraschender Weise macht Regisseur und Drehbuchautor Na Hong-jin kein großes Geheimnis um den Täter. Bereits zu Beginn des Films weiß der Zuschauer, wie er aussieht und es wird auch sehr schnell klar, was er seinen Opfern antut. Na konzentriert sich viel mehr vorerst auf die Jagd nach dem Serienmörder Jee Young-min. Sein Protagonist Eom Joong-ho, der vorerst nicht die grausamen Schicksale seiner Frauen wahrhaben möchte, stößt allerdings schon recht früh auf seinen brutalen Gegenspieler und kann ihn auch nach einer eindrucksvollen Verfolgungsjagd zu Fuß durch die engen Straßen von Seoul festsetzen. Aufgrund der blutigen Auseinandersetzung werden vorerst beide festgenommen und dann folgt bereits er nächste Clou - Jee gesteht die Morde an über zwanzig Frauen. Eom fühlt sich hingegen von dem Verbrecher verhöhnt und auch die Polizei tut sich zu Beginn schwer dem ganzen Glauben zu schenken.
    Der ehemalige Polizeibeamte macht sich auf eigene Faust auf die Suche, bei der er nach und nach erkennt, dass Jee eventuell doch die Wahrheit gesagt haben könnte. Und so beginnt immer mehr ein Wettlauf mit der Zeit, da seine Prostituierte schwer verletzt, aber noch am Leben ist. Durch das Aufeinandertreffen des Zuhälters mit dem Kind der alleinerziehenden Mutter bekommt die Geschichte unerwartet amüsante Aspekte, allerdings nimmt auch die emotionale Wucht spürbar zu.
    Und gerade diese weiß der Regisseur unglaublich stark in Szene zu setzen, sodass sie einen unweigerlich mitreißt.

    © 2018 MFA+ Filmdistribution


    Mit teilweise blutigen Szenen schockiert die Inszenierung gerade zum Ende hin zunehmend, was gerade durch die vorangegangenen emotionalen Augenblicke noch zusätzlich unter die Haut geht. Stets in düsteren Bildern entsteht spätestens ab der Mitte ein unheilvoller Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann, bis die Geschehnisse in einem dramatischen Finale ein Ende finden. Auch hier beweist Regisseur Na inszenatorischen Einfallsreichtum und stellt es rau und überraschend ruhig dar, wodurch die Intensität allerdings noch mehr steigt. Gerade da Kim Yoon-seok seinen hetzenden Zuhälter emotional konzentriert und so eine einnehmende Spannung entsteht.

    Generell bieten die Darsteller eine unglaublich starke Leistung. Der emotional fordernden Rolle von Kim, die er fast klischeefrei zu füllen weiß, steht ein ruhiger, fast schon sympathischer Ha Jung-woo als Serienmörder gegenüber. Ha setzt den physischen Gewaltausbrüchen eine unaufgeregte Darstellung der Figur entgegen, wodurch stetig eine spürbare Bedrohung mitschwingt.

    Dazu kommen die auf beklemmende Weise in Szene gesetzten engen Seitenstraßen der koreanischen Hauptstadt, die der Atmosphäre mehr als dienlich sind. Gerade die fußläufigen Hetzjagden entfalten in dieser Umgebung mit ihren vielen kleinen Straßen eine intensive Wirkung.

    Allerdings muss man bei all dem Lob auch leider eingestehen, dass sich zwischen dem Geständnis von Jee und der Erkenntnis von Eom, dass der Täter tatsächlich ein grausamer Mörder ist ein Paar kleinere Längen einschleichen. Zwar bietet Na in dieser Phase mit angenehm humoristischen Augenblicken dem Zuschauer ein wenig Luft zum Durchatmen, doch geschieht dies ein wenig auf Kosten der Spannung. Nach dem ereignisreichen Start folgt somit eine etwas ruhigere Phase, nur damit Na anschließend einen an den Nerven kratzenden und emotional ergreifenden Schlussakt auffahren kann.

    © 2018 MFA+ Filmdistribution


    The Chaser gilt trotz einem kleinen Durchhänger in der Mitte berechtigt als einer der besten Thriller der südkoreanischen Halbinsel. Und die bietet einige sehr starke Genrebeiträge. Darstellerisch stark, inszenatorisch überwältigend und dramaturgisch mitreißend und berührend hebt sich das Werk deutlich von den üblichen Genrevertretern ab. Ein Muss für jeden Fan von abgründigen Thrillern.

    Fazit


    Mit The Chaser feiert Regisseur und Drehbuchautor Na Hong-jin ein beeindruckendes Spielfilmdebüt, das gerade zum Ende hin eine emotional fordernde, immense Spannung aufbauen kann, die kaum zu ertragen ist. Ein starkes Darstellerensemble, ungewöhnlicher aber überraschend harmonierender Humor und eine eindrucksvolle und einfallsreiche Inszenierung kreieren trotz einer kleinen Länge eine bemerkenswerte Thriller-Erfahrung, die noch lange nachhallt.


    8/10

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    Infos
    Originaltitel:
    추격자 (Chugyeokja) / The Chaser
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2008
    Studio/Verleih:
    Showbox / MFA+ Filmdistribution
    Regie:
    Na Hong-jin
    Produzent(en):
    Kim Su-jin, Yun In-beom
    Drehbuch:
    Na Hong-jin, Shinho Lee, Hong Won-chan
    Kamera:
    Lee Sung-jae
    Musik:
    Kim Jun-seok, Choi Yong-rak
    Genre:
    Thriller
    Darsteller:
    Kim Yeon-seok, Ha Jung-woo, Seo Yeong-hie
    Start (DE):
    06.11.2008
    Laufzeit:
    125 Minuten
    FSK:
    keine Jugendfreigabe
    Links
    deutsche Webseite:
    https://www.mfa-film.de/dvd-blu-ray/id/the-chaser-1/

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