Illang: The Wolf Brigade

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  • Einleitung


    Jin-Roh aus der Feder von Ghost in the Shell-Schöpfer Mamoru Oshii gehört zu den am meisten gefeierten Animes aller Zeiten. Die Koreaner nahmen sich dieser Geschichte an und inszenierten eine aufwendige Realverfilmung. Für die Regie wurde mit Kim Jee-woon ein erfahrener und fähiger Regisseur verpflichtet. Mit beispielsweise I Saw The Devil und A Bittersweet Life kreierte Kim zwei der beeindruckendsten Rachefilme der Neuzeit. Allerdings konnte sein Hollywooddebüt und Schwarzenegger-Comeback The Last Stand nur bedingt überzeugen, ebenso wie seine letzte Arbeit The Age of Shadows, die zwar ein großer kommerzieller Erfolg war, aber über die Thematik und Ausstattung hinaus nur wenig begeisterte.

    Mit Illang: The Wolf Brigade betritt der Koreaner nun neues Terrain. Als Darsteller konnten unter anderem Gang Dong-won (1987: When The Day Comes), Han Hyo-joo (Masquerade), Han Ye-ri (Silent Assassin) und Jung Woo-sung gewonnen werden. Letzterer arbeitete mit Regisseur und Drehbuchautor Kim bereits bei der spaßigen Western-Hommage The Good, The Bad, The Weird zusammen.

    In Illang soll eine Wiedervereinigung vom Norden und Süden stattfinden, um Korea zwischen den militärisch aufrüstenden Ländern Japan und China zu stärken. Die Angst vor den möglichen Atomwaffen des Norden rufen einige Großmächte auf den Plan, die sich stark gegen eine Wiedervereinigung aussprechen. Aber auch beim koreanischen Volk selbst wächst die Zahl der Gegner einer überstürzten Vereinigung. Die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Demonstranten nehmen immer gewalttätigere Züge an. Um die Kontrolle über die sich formenden Rebellen zu erlangen wird eine Spezialeinheit ins Leben gerufen. Doch als ein Mitglied dieser Einheit mit ansieht, wie sich ein Mädchen vor seinen Augen in die Luft sprengt, beginnt er seine Vorgehensweise, seine Hörigkeit zu hinterfragen.

    © 2018 Netflix

    Kritik


    Illang: The Wolf Brigade beginnt mit einer überwältigen Sequenz, die sich sehr nah an dem Anime orientiert. Fans der Vorlage werden überraschend viele Momentaufnahmen wieder entdecken. Die beeindruckend in Szene gesetzte Demonstration gibt einen Vorgeschmack auf die enorme visuelle Wucht der Realverfilmung. Regisseur Kim Jee-woon beweist dabei einmal mehr, dass er Actionszenen bildgewaltig und mitreißend umsetzen kann. Mit dem Auftritt der Spezialeinheit, die optisch mit der gezeichneten Vorlage fast identisch ist, bekommt die Auseinandersetzung noch eine spürbar größere Bedrohung. Die Anzüge der Einheit wirken in Realität deutlich angsteinflößender als noch in gezeichneter Form. Kim lässt die Kämpfer geschickt immer wieder aus dem Dunkeln auftreten, sodass ihre rot leuchtenden Augen die volle Wirkung entfalten können.

    Nach der aufsehenerregenden Eingangssequenz nimmt der Regisseur und Drehbuchautor merklich das Tempo raus, um seinen Figuren und der prekären politischen Lage Raum zu schaffen. Im Fokus steht ein Mitglied der Einheit, der mitangesehen hat, wie sich ein Mädchen aus Überzeugung in die Luft gesprengt hat. Dieses Erlebnis ruft die Erinnerungen an einen fehlgeschlagenen Einsatz hervor, bei dem eine Gruppe Schülerinnen fälschlicherweise erschossen wurde. Er nimmt sich zur Aufgabe die Schwester des Selbstmordmädchens aufzusuchen.

    Die Handling konzentriert sich ab dem Punkt in großen Zügen auf die zwischenmenschliche Entwicklung dieser beiden Figuren. Nebenher laufen die politischen Verzwickungen, bei denen verschiedene Organisationen versuchen sich gegenseitig auszustechen. Dabei nehmen die beiden Hauptfiguren teils ungewollte Rollen ein.

    Die Analogie zum Märchen Rotkäppchen, die in Bezug auf das gewaltsame Vorgehen der Spezialeinheit ebenso wie der Rebellen gezogen wird, verleiht der Handlung einen wundervollen philosophischen Touch.

    © 2018 Netflix


    Doch macht es sich Kim in dieser Phase zu kompliziert. Unnötig viele Parteien treten auf den Plan, die die Geschichte ausbremsen, anstatt ihr mehr Substanz zu verleihen. Teilweise tauchen Figuren auf, die schlicht und ergreifend überflüssig sind und absolut keinen Mehrwert bieten. Ganz im Gegenteil, sie entfernen die Handlung viel zu sehr vom eigentlichen Kern. So folgt bei dem fast zweieinhalb Stunden langen Film gerade zu Beginn des letzen Drittels ein immenser Durchhänger, bei dem der Regisseur wahrscheinlich einige Zuschauer verlieren wird.

    Nichtsdestotrotz ist Illang gerade visuell phänomenal. Auch abseits der Action präsentiert Kim den Zuschauern eine faszinierende Welt, bei der gerade das hervorragend in Szene gesetzte Noir-Seoul begeistert. So entsteht eine dichte fast schon beklemmende Atmosphäre, die leider bei der oben erwähnten Länge zu Bruch geht. Aber gerade wenn der Showdown in der Kanalisation beginnt, fängt der Filmemacher den Zuschauer mit der wuchtigen Action und den dunklen Gängen wieder ein. Dabei kommt der leider nach der Anfangsszene nicht wieder genutzte Kampfanzug endlich wieder zum Einsatz und entfaltet seine volle Wirkung.

    Zwar bietet Illang nur drei große Actionsequenzen, die allerdings herausragend umgesetzt wurden. So hinterlässt auch eine Auseinandersetzung in der Mitte des Film ohne die einnehmenden Anzüge einen bleibenden Eindruck. Wenn der Protagonist im N Seoul Tower sich bei einer Ausstellung über die Berliner Mauer gegen seine Widersacher zur Wehr setzt, hat das bei der politischen Situation in dem Film eine angenehme Doppelbödigkeit.

    Leider gelingt es den Darstellern kaum Akzente zu setzen. Obwohl die Handlung viel dramatisches Potential bietet, wird dieses von den Schauspielern kaum genutzt. Hauptdarsteller Gang Dong-won bietet eine solide Leistung, verpasst es aber seiner Figur den möglichen Tiefgang zu schenken. Und so kommt auch nur wenig Chemie zu seiner Leinwandpartnerin Han Hyo-joo auf. Diese bietet ebenfalls eine routinierte aber wenig auffallende Leistung. Selbst die sonst starke Han Ye-ri präsentiert nur eine überraschend oberflächliche und aufgesetzte Darbietung. Allerdings hat sie auch mit der wahrscheinlich überflüssigsten Figur in der Dramaturgie von Illang zu kämpfen. Einzig der verblüffend stoische Jung Woo-sung weiß als Ausbilder ein gewisses Charisma zu versprühen.

    Neben der zu komplizierten Handlung, den durchschnittlichen Darstellern hat Illang allerdings auch in den Details mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Wenn beispielsweise im Jahr 2029 die selben Fahrzeuge fahren wie 2018, dann macht das schon einen etwas merkwürdigen Eindruck. Ebenso ist es schade, dass sich Kim für ein anderes Ende entschieden hat, womit viel von dem Nachhall des Animes verloren geht.

    © 2018 Netflix


    Auch wenn Illang einige vermeidbare Schwächen aufweist, so ist die Animeverfilmung gerade visuell und akustisch überwältigend. Die Handlung bietet viel Potential, was leider nur teilweise ausgeschöpft wurde. Aber die größtenteils wunderschönen Aufnahmen, die von einem gelungenen Soundtrack untermalt wurden wie die imposanten Actionszenen sind auf jeden Fall ein Blick wert.

    Fazit


    Kim Jee-woon fährt für seine Animeverfilmung visuell Beeindruckendes auf, wovon sich selbst amerikanische Großproduktionen noch etwas abschauen können. Die Action ist überwältigend und die Dramaturgie vielversprechend. Allerdings verzettelt sich der Regisseur in zu vielen überflüssigen Nebenhandlungen, wodurch Illang: The Wolf Brigade leider durchaus Längen aufweist.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    인랑 (Inrang) / Illang: The Wolf Brigade
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Warner Bros. / Netflix
    Regie:
    Kim Jee-woon
    Produzent(en):
    Tommy Suh, Lewis Taiwan Kim
    Drehbuch:
    Kim Jee-woon, Mamoru Oshii (Vorlage)
    Kamera:
    Lee Mo-gae
    Musik:
    Mowg (Lee Sung-hyun)
    Genre:
    Action, SciFi
    Darsteller:
    Gang Dong-won, Han Hyo-joo, Han Ye-ri, Jung Woo-sung
    Inhalt:
    In Illang soll eine Wiedervereinigung vom Norden und Süden stattfinden, um Korea zwischen den militärisch aufrüstenden Ländern Japan und China zu stärken. Die Angst vor den möglichen Atomwaffen des Norden rufen einige Großmächte auf den Plan, die sich stark gegen eine Wiedervereinigung aussprechen. Aber auch beim koreanischen Volk selbst wächst die Zahl der Gegner einer überstürzten Vereinigung. Die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Demonstranten nehmen immer gewalttätigere Züge an. Um die Kontrolle über die sich formenden Rebellen zu erlangen wird eine Spezialeinheit ins Leben gerufen. Doch als ein Mitglied dieser Einheit mit ansieht, wie sich ein Mädchen vor seinen Augen in die Luft sprengt, beginnt er seine Vorgehensweise, seine Hörigkeit zu hinterfragen.
    Start (DE):
    19.10.2018 (Netflix)
    Laufzeit:
    140 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren

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