Mr. Sunshine

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Mr. Sunshine ist ein aufwendig inszeniertes und mit unter anderem Lee Byung-hun (A Bittersweet Life) und Kim Tae-ri (Die Taschendiebin) erstklassig besetztes K-Drama. Drehbuchautor Kim Eun-sook und Regisseur Lee Eung-bok arbeiteten nach der beliebten Serie Descendants of the Sun erneut zusammen.

    Im Zentrum von Mr. Sunshine steht ein ehemaliger Sklave, der in die USA geflüchtet ist und nun als angesehener amerikanischer Soldat in seine einstige Heimat zurückkehrt. Dort herrscht eine angespannte politische Situation.
    Als sich die Wege von ihm und einer Widerstandskämpferin, die sich im alltäglichen Leben hinter ihrer adligen Position verbirgt, kreuzen entsteht eine ebenso komplizierte wie innige Liebe.

    © 2018 Netflix


    Kritik


    Mit einer Laufzeit von um die achtzig Minuten pro Folge könnte man meinen, dass bei vierundzwanzig Folgen der Serie irgendwann die Luft ausgeht. Doch die Länge der einzelnen Episoden bekommt man, wenn überhaupt, nur bei der ersten Folge zu spüren. Diese nimmt sich nämlich Zeit ihre Figuren einzuführen und die Hintergründe ihrer beiden wichtigsten zu beleuchten. Trotz der beeindruckenden Schlachtsequenz bleibt die erste Folge eher ruhig. Doch diese Einführung braucht man als Zuschauer auch. Denn danach hat man ein unglaublich gutes Gefühl für die beiden Charaktere und so entfaltet sich spätestens in der zweiten Folge der für K-Dramas typische Sog. Die Beziehung zwischen dem ungeliebten Sohn Koreas aus der Unterschicht und der hochangesehenen Adligen fesselt ab der ersten Minute. Geschickt wird hier eine Liebe zwischen zwei unglaublich unterschiedlichen Charakteren aufgebaut, die im Verborgenen aber mehr gemeinsam haben, als es nach außen hin den Anschein erweckt.
    Natürlich wird bei der Entwicklung der Liebesgeschichte auch nicht auf Kitsch verzichtet, wenn er aber so bemerkenswert verpackt ist wie bei Mr. Sunshine, eine Serie auch bereichern kann.

    Denn neben dieser Romanze befasst sich Regisseur Lee Eung-bok auch mit historisch wichtigen Themen. So nimmt auch der Kampf des Widerstandes in dem von Japan mehr und mehr unterdrückten Korea einen sehr großen Raum in Mr. Sunshine ein. Dabei zeigt die Serie auf teilweise emotional erschütternde Weise, wie das Land den Auswirkungen fremder Nationen ausgesetzt ist und letztendlich Japan sich Korea mehr und mehr sein Eigen macht.
    In diesem Zusammenhang wird zwar die Position von der USA streckenweise glorifiziert, doch gleichzeitig auch gezeigt, wie diese große und mächtige Nation sich einfach aus Korea zurückzieht und es der Unterdrückung der Japaner überlässt.
    Die verzwickten politischen Konstellationen werden dabei beleuchtet und so stellen sich mutigen Individuen heraus, während die Mächtigen Vereinbarungen beschließen, die sie profitieren und das Volk leiden lassen.

    Doch wird auch nicht nur das Verhalten von Japan und der USA kritisiert, sondern auch das der eigenen Führung. Mächtige Geschäftsmänner und Politiker hintergehen die eigene Spitze, um ihre eigenen Stände abzusichern. Und so wird eine ganze Nation fast kampflos übergeben und verkauft. Nur einzelne Widerstandsgruppen wehren sich. Der koreanische Herrscher agiert dazwischen wie ein hilfloser Junge, der sich seinem Untergang bewusst ist, ihn aber trotzdem nicht vollends eingestehen möchte. Mr. Sunshine zeichnet ein trauriges Bild, einer der schwierigsten Zeiten der koreanischen Geschichte.

    © 2018 Netflix


    Dabei ist es aber gerade die Liebesgeschichte, die trotz der Schwierigkeiten immer wieder für wunderschöne und lustige Momente sorgt. Denn so steht nicht nur der Stand eines amerikanischen Soldaten und einer koreanischen Adligen zwischen den Liebenden, sondern auch eine arrangierte Hochzeit und zwei weitere Verehrer. Gekonnt arbeitet die Dramaturgie dabei nicht nur die Problematiken einer arrangierten Vermählung auf, sondern auch die veralteten Ansichten einer teilweise rückständigen Gesellschaft. Ehre und gesellschaftliches Ansehen werden ebenso hinterfragt wie die Endmündigung von Frauen. Drehbuchautor Kim Eun-sook führt dies dem Zuschauer geschickt vor, indem seine beiden weiblichen Hauptfiguren zwei starke Persönlichkeiten sind. Auf der einen Seite eine Widerstandskämpferin, die sich bildet, aber mit ihrem Status und ihrer Tarnung als Adlige zu ringen hat. Und auf der anderen eine emanzipierte, verwitwete Leiterin eines Hotels, die vor allem mit Hilfe von Informationen weiß, Menschen zu kontrollieren.
    Ihnen gegenüber stehen mit den drei Verehrern eher klassische, wenn auch sehr unterschiedliche Bilder eines Mannes. Der reiche und intellektuelle Ehemann, der geflüchtete Sklave, der als angesehener amerikanischer Kommandant zurückkehrt und der brutale Samurai, der eine kriminelle Gruppe anführt. Alle drei auf ihrem Gebiet erfolgreich und doch sehr unterschiedlich.
    Zwischen diesen fünf Figuren lassen Regie und Autor eine wunderbare Dynamik von Konkurrenz, Respekt, Liebe, Verehrung und Neid entstehen. Dass jedem dabei vielseitige Hintergrundgeschichten zugeschrieben werden, ermöglicht es dem Zuschauer für jeden der Charaktere mitzufühlen und -zufiebern.

    Generell ist eine der größten Stärken die bis in die kleinen Nebenrollen herausragende Figurenzeichnung. Überall tauchen sympathische und interessante Charaktere auf, für die man schnell ein Gefühl bekommt. Streckenweise berührende kleine Nebenhandlungen sorgen dafür, dass man selbst die Figuren aus der zweiten und dritten Reihe ins Herz schließt. Dabei entstehen auch wundervolle unaufdringliche Running Gags oder einfach generell höchst amüsante Geschehen. Gerade die Sklavenfänger, die später eine Pfandleihe aufmachen, sorgen immer wieder für herrliche Augenblicke. Der Dolmetscher für Lee Byung-huns Figur steht denen aber in nichts nach. So entsteht gerade im Zusammenspiel mit Lee oftmals eine wundervolle Situationskomik.
    Die bis in die Nebenrollen greifbaren Figuren sind deutlich das Herz von Mr. Sunshine, die die Serie in jeder Minute am Leben erhalten.

    © 2018 Netflix


    Bestätigt wird die bewundernswerte Charakterzeichnung noch durch den erstklassigen Cast. Lee Byung-hun als traumatisierter Flüchtling und stolzer Wiederkehrer verleiht seiner Figur die nötige Reife und Emotionalität. Gleichzeitig lässt er seine Figur liebevoll schüchtern in den romantischen Szenen agieren. Die Chemie zwischen ihm und Leinwandpartnerin Kim Tae-ri ist herzerwärmend, da sie in ihrer Rolle ebenso brilliert wie er. Kim Min-jung, die nicht einmal als Erstbesetzung für die Hotelbesitzerin gedacht war, formt ein glaubhaftes und sympathisches Bild der abgebrühten Witwe und kann so einigen Szenen spürbar ihren Stempel aufdrücken.
    Yoo Yeon-seok als zwielichtiger Samurai überzeugt gleichermaßen wie Byun Yo-han als reicher Romantiker.
    Aber auch über den Hauptcast hinaus, bekommt man durchweg tolle Darbietungen geboten. Sogar der einzige Westler mit einer größeren Rolle hat in David McInnis einen facettenreichen und liebenswerten Schauspieler gefunden. Da man in koreanischen Produktionen spätestens an der Stelle oftmals versagt, ist es umso erfreulicher.
    Einzig auf der Seite der Bösen bleibt man meist etwas plakativ in Darstellung und Verkörperung.

    Eine weitere Qualität von Mr. Sunshine sind die über weite Strecken wunderschönen Bilder. Hier und da vielleicht etwas pathetisch so erstrahlen sie dennoch durchweg in anzuerkennender Schönheit. Das beeindruckende Set, die wunderschönen Locations und die bemerkenswerte Ausstattung verstärken den visuellen Eindruck nochmals. Begleitet werden die starken Aufnahmen von einem prägnanten Soundtrack. Wiederkehrende Songs und Melodien kreieren eine bezaubernde Atmosphäre. Gerade einige Titelmelodien brennen sich ins Gedächtnis, sodass man sich immer wieder freut, wenn diese Melodien wieder ertönen.

    Mr. Sunshine ist ein beeindruckendes Werk geworden, dass nur wenige kleine Schwächen aufweist. Die in sich abgeschlossene Handlung erzählt eine große Geschichte, die gerne noch länger hätte gehen können. Mit einigen historisch belegten Aspekten kreiert die Serie ein erstaunliches Bild der Zeit, weiß mit seinen fiktiven Handlungssträngen aber ebenso zu unterhalten. Optisch und dramaturgisch überwältigend weiß jede Episode zu fesseln und zu berühren. Einzig in den letzten beiden Episoden ist die enorme emotionale Kraft etwas abhanden gekommen, obwohl man dort große Dramen geboten bekommt.

    © 2018 Netflix

    Fazit


    Mr. Sunshine ist eine überaus emotionale aber auch unglaublich spannende Serie, die darüber hinaus einen gelungenen Eindruck von Koreas trauriger Geschichte entstehen lässt. Visuell, darstellerisch wie dramaturgisch versteht es das Drama immer wieder deutliche Akzente zu setzten. Ein in vielerlei Hinsicht beeindruckendes Gesamtwerk.


    9/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    미스터 션샤인 (Miseuteo Syeonsyain) / Mr. Sunshine
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    tvN / Netflix
    Regie:
    Lee Eung-bok
    Drehbuch:
    Kim Eun-sook
    Musik:
    Nam Hye-seung
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Lee Byung-hun, Kim Tae-ri, Byun Yo-han, Yoo Yeon-seok, Kim Min-jung,Choi Moo-sung, David McInnis, Jo Woo-jin, Kim Byung-chul, Bae Jeong-nam, Shin Jung-keun
    Inhalt:
    Im Zentrum von Mr. Sunshine steht ein ehemaliger Sklave, der in die USA geflüchtet ist und nun als angesehener amerikanischer Soldat in seine einstige Heimat zurückkehrt. Dort herrscht eine angespannte politische Situation.
    Als sich die Wege von ihm und einer Widerstandskämpferin, die sich im alltäglichen Leben hinter ihrer adligen Position verbirgt, kreuzen entsteht eine ebenso komplizierte wie innige Liebe.
    Start (DE):
    19.07.2018
    Start (USA):
    07.07.2018 (Südkorea)
    Laufzeit:
    ca. 80 Minuten pro Folge (24 Folgen)
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.netflix.com/title/80991107

    545 mal gelesen