Verschwörung

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  • Einleitung


    Nachdem die von Stieg Larsson geschaffene Millenium-Trilogie 2009 bereits verfilmt wurde und zumindest der erste Band 2011 von David Fincher ein US-Remake bekam, setzt Verschwörung nun im Jahr 2018 die Geschichte mit dem vierten Band fort, diesmal unter der Regie von Fede Alvarez ("Don't Breathe").

    Verschwörung beleuchtet sowohl die Vergangenheit als auch Gegenwart von Lisbeth Salander, sowie ihr erneutes Zusammentreffen mit dem Journalisten Mikael Blomkvist, während sie eine internationale Bedrohung abzuwenden versucht.

    © 2018 Sony Pictures

    Kritik


    Basierend auf der Romanvorlage von 2015, versucht Regisseur Fede Alvarez hier den Spagat zwischen persönlicher Geschichte und die Bedrohung der gesamten Weltbevölkerung unter einen Hut zu bekommen und ansprechend zu inszenieren, scheitert dabei aber kläglich. So wird die Beziehung zwischen Lisbeth Salander und ihrer totgeglaubten Schwester nur oberflächlich behandelt, in immer mal wieder eingestreuten kurzen Sequenzen wird hier auf die Vergangenheit der beiden eingegangen. Leider kann hier weder zu Lisbeth noch zu ihrer Schwester Camilla eine Beziehung beziehungsweise Verständnis aufgebaut werden. Verschwörung verpasst hier die Chance eine tiefgreifende, verzwickte Beziehung der Schwestern aufzubauen, und bietet stattdessen nur Oberflächlichkeiten sowie etliche Klischees, die präsentiert werden.

    Selbes kann allerdings auch über die Haupthandlung rund um die titelgebende Verschwörung gesagt werden. Sie ist uninteressant und dank der globalen Bedrohung auch viel zu groß aufgezogen. Glänzten die ersten drei Romane – und auch Filme – mit einer kleinen privaten Geschichte, die zwar auch immer größere Kreise zogen, aber niemals derart ausarteten, dass die komplette Weltbevölkerung gerettet werden muss. Und genau dieser Umstand steht den im Grunde zwar interessanten Figuren deutlich im Weg. So wird die Handlung viel zu sehr aufgeblasen und unnötig in alle möglichen Richtungen ausgeweitet.

    Darüber könnte man eventuell noch hinwegsehen, wenn der Film denn spannend gestaltet wäre und der Zuschauer mit den Figuren mitfiebern könnte. Aber wie soll dies funktionieren, wenn Lisbeth Salander in Verschwörung zu perfekten Superheldin mutiert und alles mühelos schafft? Egal in welche Situation sie gerät, sie ist stets Herrin der Lage, kann sich in alles hacken (auch während einer Verfolgungsjagd oder Schießerei) und hat generell mit nichts Probleme und ist eine wahre Alleskönnerin. Dieser Umstand schmälert die Spannung, die hier eigentlich erzeugt werden sollte, ungemein und senkt sie fast auf null. Über die recht lange Laufzeit von 115 Minuten sieht man also konstant einer perfekten Hauptfigur zu, die zwar allerhand Probleme vor die Füße geworfen bekommt, dieser aber mit einem Fingerschnipp zur Seite räumt und schnurstracks ohne Umwege ins Finale stapft.

    Aber auch inhaltlich bietet Verschwörung so einige Löcher. Sei es nun wie bestimmte Szenen zustande kommen, welche ungeheuerlich dummen Plotentwicklungen die Geschichte vorwärtsbringen oder die Handlungen der Figuren. Hier stimmt vieles nicht und lässt viel zu oft ein Kopfschütteln oder Augenrollen aufkommen. Verschwörung wimmelt nur so vor dummen Szenen, die einzig existieren, weil die Autoren nicht wussten oder zu unmotiviert waren, das gewünschte Ergebnis auf halbwegs natürliche oder zumindest logische Art und Weise herbeizuführen. Es wird stets der einfachste Weg gegangen, den Protagonisten werden die benötigten Mittel mit leuchtenden Pfeilen direkt in den Weg geworfen, so dass sie sie einfach nur aufheben müssen und direkt zur nächsten Szene gehen könne, um dort wiederum alles direkt lösen zu können.

    Doch auch dabei bleibt es leider nicht: Die Schauspieler wissen ihren Figuren einfach kein Leben einzuhauchen. Die eigentlich talentierte Claire Foy, welche zuletzt in "The Crown" und "Aufbruch zum Mond" zu überzeugen wusste, weiß in Verschwörung einfach nicht, wie sie ihre Lisbeth Salander gestalten soll. Die Figur wirkt inkonsequent und reichlich schwammig. Außer ihrer perfekten Skills in so ziemlich allem, hat die Lisbeth Salander von 2018 fast keinerlei Charakter mehr und ist nur eine leere Hülle, die so gefüllt wird, wie es die Handlung gerade benötigt. Dazu passt ihr Äußeres Erscheinungsbild auch nicht so recht, es ist zwar durchaus klar, dass damit ihre innere Zerrissenheit dargestellt werden soll, allerdings wirkt der Look, den Claire Foy hier zum Besten gibt, doch teilweise eher unfreiwillig komisch, da zu gezwungen und ohne klare Linie. Selbes gilt umso mehr für den Rest des Casts. Motivationen der Bösen gibt es quasi nicht, Lisbeths Mitstreiter sind uninteressant und von ihren jeweiligen Schauspielern dazu hölzern und eindimensional gespielt.

    Eventuell noch positiv hervorzuheben wäre die Optik des Films. Verschwörung ist hochwertig gefilmt, sieht gut aus und bietet durch das schwedenbedingte Wintersetting ein paar hübsche Bilder. In dieser Hinsicht konnte Fede Alvarez zumindest an seinen Thriller-Meilenstein "Don't Breathe" anknüpfen, welcher ähnlich hübsch und gleichzeitig doch so dreckig daherkam, dass es einfach Spaß machte, das Geschehen zu verfolgen. In diese großen Fußstapfen kann er mit Verschwörung immerhin teilweise treten. Ein paar Effekten sieht man die CGI-Herkunft zwar deutlich an, fallen aber nicht weiter ins Gewicht, da zumindest der Rest des Films stimmig aussieht.


    © 2018 Sony Pictures

    Fazit


    Mit Verschwörung hätte theoretisch ein erstklassiger Thriller auf uns zukommen können, doch stattdessen wurde nur ein weniger als halbgarer Abklatsch eines ebensolchen abgeliefert, der weit hinter seinem Potential zurückbleibt und darüber hinaus nicht mal im Ansatz für Spannung sorgen kann. Als getarnte Schlaftablette, sollte Verschwörung keinesfalls mit dem Kauf eines Kinotickets belohnt werden.


    4/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Girl in the Spider's Web
    Land:
    USA, Schweden
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Sony Pictures
    Regie:
    Fede Alvarez
    Produzent(en):
    David Fincher, Robert J. Dohrmann, Johannes Jensen
    Drehbuch:
    Jay Basu, Fede Alvarez, Steven Knight
    Kamera:
    Pedro Luque
    Musik:
    Roque Baños
    Genre:
    Thriller
    Darsteller:
    Claire Foy, Sverrir Gudnason, Lakeith Stanfield, Sylvia Hoeks, Stephen Merchant
    Inhalt:
    Eine internationale Bedrohung kann nur von Lisbeth Salander aufgehalten werden. Dabei trifft sie auch auf ihren alten Weggefährten Mikael Blomkvist.
    Start (DE):
    22. November 2018
    Start (USA):
    9. November 2018
    Laufzeit:
    115 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.facebook.com/VerschwoerungFilm

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