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Mary Shelley

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  • Einleitung


    Alleine die Umstände, die zum Schreiben des Buches Frankenstein führten, standen bereits in dem Film Gothic, wenn auch nicht historisch allzu akkurat, aus dem Jahr 1986 im Zentrum. Mary Shelley hingegen beleuchtet deutlich mehr von der Geschichte der ungewöhnlichen Autorin. Regisseurin Haifaa Al Mansour (Das Mädchen Wadjda) zeigt all die essentiellen Erlebnisse von Marys Leben auf, die großen Einfluss auf die Geschichte von Frankenstein nahmen. Bis letztendlich 1816 mit der bereits erwähnten Nacht der literarische Grundstein für das bedeutende Werk gelegt wurde.

    Als Mary Shelley ist Elle Fanning (The Neon Demon) zu sehen.

    © 2018 Prokino


    Kritik


    Elle Fanning bewies in den letzten Jahren ein gutes Gespür für spannende Werke abseits des Mainstreams. Und auch Mary Shelley fügt sich dort nahtlos ein. Denn der Film ist viel mehr als eine einfache Entstehungsgeschichte eines Buches, sondern handelt auch von einer Emanzipation einer Frau zu einer Zeit, in der das alles andere als normal war, von Liebe, die sich nicht den gängigen Konventionen unterordnen möchte und der Suche nach dem Platz im Leben. Zwar überhebt sich Mary Shelley ein wenig mit den umfangreichen Themen und so wirkt gerade die erste Hälfte etwas überhastet. Da man durch die Ortswechsel kaum Zeit zum Ankommen hat und auch die Beziehungen der Figuren eher informativ als intensiv abgehandelt werden, fällt es schwer eine emotionale Bindung zu den Charakteren und der Handlung aufzubauen. Und doch gelingt es Regisseurin Al Mansour durch beeindruckende Bilder den Zuschauer im Geschehen zu halten. Ab der Hälfte verschiebt sich auch ein wenig der Fokus auf die direkten Vorgänge, die zum späteren Erfolgsbuch Frankenstein führten. Mit der Ankunft auf Lord Byrons Anwesen spitzt sich die Handlung psychologisch und emotional zu. Der zügellose Umgang zwischen Mary Shelley, zu dem Zeitpunkt noch Mary Godwin, ihrem Lebensgefährten und Dichter Percey Shelley, Marys Halbschwester, dem Dichter Lord Byron und seinem Leibarzt John Polidori sorgt für Spannungen zwischen den einzelnen Persönlichkeiten, aber auch für Spannung beim Zuschauer. Durch das enorm schlechte Wetter beschließen die fünf passend zum anhaltenden Sturm, dass jeder eine Schauergeschichte verfassen soll. Dieser legendären Nacht entsprang nicht nur Frankenstein, sondern auch Polidoris Werk Der Vampyr, der noch vor Bram Stokers Dracula das Bild des Bultsaugers prägte.

    Blieb Elle Fanning in der ersten Hälfte noch recht blass, nimmt ihre Darstellung in der zweiten ebenfalls an Klasse zu. Durch die zahlreichen Rückschläge, Schwierigkeiten und Tragödien, die dem Teil vorausgingen, wirkt Fannings Mary unglaublich selbstbewusst. In dieser Phase versteht es die junge Schauspielerin mit minimalen Mitteln punktgenau Gesten und Blicke zu setzen, die beim Zuschauer durchgängig Reaktionen hervorrufen. Auch wenn Fanning gerade in der zweiten Hälfte zu beeindrucken weiß, bleiben ihre Kollegen und Kolleginnen größtenteils blass. Gerade die Beziehung zu Percey Shelley entbehrt vielerlei Chemie. So kann die Liebesbeziehung emotional nur wenig mitreißen. Da diese allerdings einen wichtigen Teil in der Handlung einnimmt, schmälert es den Gesamteindruck spürbar.

    © 2018 Prokino


    Mit Kameramann David Ungaro zusammen findet Regisseurin Al Mansour immer wieder symbolträchtige Bilder, die die Geschehnisse gekonnt untermalen. Die ausgezeichnete Ausstattung fügt sich nahtlos den wunderbaren Kulissen ein, wodurch eine glaubhafte Atmosphäre erzeugt wird. Die geschickten und einfallsreichen Kameraeinstellungen und -fahrten werten das Werk optisch nochmal deutlich auf.

    Mary Shelley erzählt eine wichtige und bewegende Geschichte, verzettelt sich allerdings gerade in der ersten Hälfte. Das Werk verliert dort den Fokus, wodurch sich einige Längen einschleichen. Ebenfalls hat der Film immer wieder mit etwas hölzernen und aufgesetzten Dialogen zu kämpfen.

    Fazit


    Dramaturgisch hat Mary Shelley spürbare Schwächen. Dennoch ist das Werk dank einer guten Hauptdarstellerin, bannenden Bildern und einer generell bewegenden Geschichte durchaus sehenswert. Leider muss man sich ein wenig durch die erste Hälfte durchbeißen.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Mary Shelley
    Land:
    USA
    Jahr:
    2017
    Studio/Verleih:
    Prokino
    Regie:
    Haifaa Al Mansour
    Drehbuch:
    Emma Jensen, Connor McPherson, Haifaa Al Mansour
    Kamera:
    David Ungaro
    Musik:
    Amelie Warner
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Elle Fanning, Douglas Booth
    Start (DE):
    27.12.2018
    Laufzeit:
    120 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren

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