Bumblebee

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  • Einleitung

    Erstmalig in der Transformers Reihe überlässt Michael Bay nach fünf Filmen und dem bisherigen Tiefpunkt The Last Knight die Regie einem anderen Regisseur. Im Spin-off Bumblebee, das Storytechnisch 20 Jahre vor dem ersten Transformers im Jahr 1987 spielt, hat Travis Knight (Kubo - Der tapfere Samurai) die Regie übernommen. Für den Animationsfilmregisseur stellt der Roboter-Actionfilm Bumblebee gleichzeitig sein Realfilmdebüt dar. Ob Travis Knight das Schrottreife Franchise retten und das Altmetall Recyceln kann, erklären die folgenden Absätze.

    Die 18-jährige Charlie (Hailee Steinfeld) hat Jahre nach dem Tod ihres Vaters dessen Verlust nicht überwunden und lenkt mit der Reparatur von Autos und Musik ab. Ihr Ziel ist es das alte Auto ihres Vaters wieder in Stand zu setzen. Am Tag ihres Geburtstages, entdeckt sie im örtlichen Trödel-/Ersatzteileladens einen alten VW Käfer, den sie mit nachhause nimmt. Zu ihrer Überraschung entpuppt sich der Wagen als riesiger Alien-Roboter, der ihr Leben verändern wird.

    © 2018 Paramount Pictures

    Kritik

    Wie es sich für einen Ableger aus dem Transforners Universum gehört, beginnt Bumblebee äußerst actionreich. Zunächst führt die Eröffnungssequenz den Zuschauer auf den Planeten Cybertron, auf dem ein erbitterter Krieg zwischen Autobots und Decepticons herrscht. Nach diesem CGI und actiongeladenen 5 bis 6 Minuten verlegt Regisseur Travis Knight den Schauplatz mit Bumblebees flucht auf die Erde, wo es ebenfalls eine kurze und gelungene Actionszene gibt. Wer jetzt denkt, dass Bumblebee genau da weitermacht, wo Michael Bay mit Transformers 5 aufgehört hat, täuscht sich gewaltig. Nach den ziemlich actionreichen ersten 10 Minuten rückt Travis Knight die Action deutlich in den Hintergrund.
    Bereits die ersten Actionsequenzen beweisen, dass der neue Regisseur am Steuer der Transformers sein Handwerk versteht und aufregende Action zu inszenieren vermag.

    Bumblebee ist im Vergleich zu früheren Filmen aus dem Franchise in einem deutlich kleineren Rahmen gehalten. Dies spiegelt sich in weniger Roboter, weniger Krawall, keinen Explosionen im Sekunden Takt und weniger Militär wider. Ein Grund dafür ist zum einen das niedrigere Budget (Bumblebee kostet mit ca. 100 Mio $, um die Hälfte weniger als Transformers 5) zum anderen können die unübersichtlichen Materialschlachten von Bay ohnehin nicht mehr gesteigert werden. Den Film kleiner zu gestalten, stellt sich als richtige Entscheidung heraus und so fühlt sich ein Transformers Ableger zum ersten Mal wie ein richtiger Film an.
    Statt ein endloses CGI Gewitter abzufeuern konzentrieren sich Travis Knight und Drehbuchautorin Christina Hodson darauf eine richtige Geschichte zu erzählen. Auch wenn die Handlung in Bumblebee keinen Innovationspreis gewinnt oder etwas Neues erzählt, ist die einfache Geschichte gelungen und effektiv erzählt. Ein Film über riesige, sich in allerlei Vehikel transformierende Roboter benötigt auch keine komplexe Handlung. Mit einfachen Mitteln erzählen Knight und Hodson eine überaus sympathische und überraschend einfühlsame Geschichte über die Freundschaft zwischen einer Teenagerin und Bumblebee. Travis Knight hat schon mit seinem großartigen Animationsfilm Kubo – Der tapfere Samurai bewiesen, dass er einfühlsame Geschichten erzählen und gelungene Charaktermomente inszenieren kann.
    Zum ersten Mal besitzt ein Transfomers Film eine kohärente, nachvollziehbare Handlung mit Charakteren, die Persönlichkeit und Tiefe besitzen. Charlie (gespielt von Hailee Steinfeld) ist die bis jetzt beste Hauptfigur (grundsätzlich beste Figur) aus dem gesamten Transformers Universum. Ihre Gefühle und Handlungen sind über die gesamte Laufzeit nachvollziehbar. Selbst der sympathische Roboter Bumblebee fühlt sich wie ein richtiger Charakter an und besitzt mehr Tiefe als alle menschlichen Figuren in Transformers 1-5 zusammen. Das liegt vor allem auch an Bumblebees Charakterdesign und den sehr gelungenen Gesichtsanimationen. So wirkt die herzerwärmende Verbindung zwischen Charlie und Bumblebee absolut organisch und feinfühlig. Deshalb sind die gelungensten Szenen des Films, die die sich um Charlie und Bumblebee drehen.
    Außerdem sorgt sich Bumblebee deutlich sorgfältiger um die Kontinuität innerhalb der Reihe als Bay mit seinem völlig absurden und wirren Transformers 5.

    © 2018 Paramount Pictures

    Einzig die Szenen um die Decepticons hätten interessanter sowie aufregender gestaltet werden können. Ihre Suche nach Bumblebee erweist sich leider als langweilig und reißt den Zuschauer oftmals aus den weitaus gelungeneren Passagen heraus. Auch wirken die Sequenzen um die Armeeeinheit und dem Wissenschaftler überflüssig und stören das ansonsten hohe Pacing des Films.

    Mit Bumblebee erinnert sich Paramount endlich zurück, für wen das Franchise primär gedacht ist. Für jugendliche! So ist der Film leichtfüßig inszeniert und sich jederzeit der „cheesyness“ seiner Prämisse bewusst, mit der er immer wieder selbstironisch umgeht. Vorbei sind die Zeiten von sich zu ernst nehmenden Filmen, dem Hurra-Patriotismus oder endlosen Productplacement. Regisseur Knight inszeniert Bumblebee mit warmen als auch ruhigen Bildern, fernab von Militär-Ästhetik und übersexualisierten Kameraeinstellungen. Die großen Vorbilder von Bumblebee sind kaum von der Hand zu weisen. Der Film orientiert sich offen an Filmen wie Der Gigant aus dem All, E.T., den frühen Spielberg Familienfilmen der 80er, sowie modernen Coming-of-Age Filmen. So wird der Einfluss von Spielberg als Produzent zum ersten Mal wirklich spürbar.

    Während Bay die Actionszenen als wildes Potpourri aus CGI, Explosionen im Sekundentakt sowie schnellen und wilden Schnitten inszeniert, in dem kein Mensch etwas erkennt. Schafft es Travis Knight ansehnliche Actionszenen auf die Leinwand zu bannen. Der Regisseur setzt in seinen Actionszenen auf viele Totalen und verweilt lang genug auf der Action, sodass der Zuschauer so viel wie möglich erkennen kann. Außerdem werden so gut wie keine schnellen Schnitte verwendet, um die Übersicht zu wahren. Wenn sich die Roboter bekämpfen, sind ihre Bewegungen jeder Zeit zu erkennen. Selbst größere Explosionen und Schiesserein sind angenehme kurz und verkommen nicht zur actionorgie. Die Actionszenen sind allesamt gut und unterhaltsam inszeniert, es macht auf jeden Fall spaß sich diese anzusehen. Aber das Hauptaugenmerk bleibt jedoch bei Charlie und Bumblebee samt ihrer Beziehung. So sind die guten Actionszenen als gute Beigabe zu sehen. Weil die Charaktere eine ausführliche Charakterisierung erhalten, fällt es dem Zuschauer einfacher mit ihnen während der Actionszenen mitzufiebern.

    Neben Regisseur Travis Knight erweist sich Hauptdarstellerin Hailee Steinfeld ebenfalls als Glücksgriff. Die junge Schauspielerin konnte in Filmen wie True Grit oder Edge of Seventeen ihr Talent schon mehrmals unter Beweis stellen. In Bumblebee zeigt sie eine sehr gute Performance und verleiht ihrer Rolle leben. Sie schafft es zudem ihrer Charlie Ecken und Kanten zu verleihen. Durch ihre wundervolle und charmante Art gelingt es Steinfeld, dass sich der Zuschauer gut in ihre Rolle hineinversetzen kann. Hailee Steinfeld zeigt mit Abstand die beste schauspielerische Performance in einem Transformers Film. Durch ihr nuancierte Spiel schafft sie es ihre Gefühle perfekt zu vermitteln.
    Sonst hat noch John Cena eine erwähnenswerte Screentime. Dabei überrascht er durch eine überaus witzige und selbstironische Vorstellung. Die Rolle des Soldaten ist für Cena limitiertes Schauspiel zudem ausreichend. Auch wenn er es mit seiner Arnie Imitation teilweise übertreibt.

    Positiv ist noch der Humor zu erwähnen, der in Bumblebee tatsächlich witzig ist. Durch gelungene Situationskomik und ausgearbeiteten Pointen schafft es der Film öfters dem Zuschauer ein Lachen abzugewinnen. Glücklicherweise haben sich Knight und Hodson von dem infantilen und vollkommen unwitzigen Humor der vorherigen Filme, die mit kopulierenden Hunden oder riesigen Roboterhoden gefüllt waren, verabschiedet.


    © 2018 Paramount Pictures

    Fazit

    Bumblebee ist eine große Überraschung geworden, mit der absolut niemand gerechnet hatte. Travis Knight schafft es eine gelungene und kohärente Story zu erzählen, die überraschend emotional und mitreißend daherkommt. Die herzerwärmende und zugleich Witzige Beziehung zwischen Charlie und Bumblebee kann überzeugen und macht einfach nur Spaß. Die sympathischen Charaktere, der Humor und die überzeugende Action machen aus Bumblebee, trotz seiner Fehler zu einem sehr gelungenen Film.
    Bumblebee ist ein sehr sehenswerter Blockbuster, der perfekt unterhält und seine Eintrittskarte definitiv wert ist.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Bumblebee
    Land:
    USA
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Paramount Pictures
    Regie:
    Travis Knight
    Produzent(en):
    Lorenzo di Bonaventura, Tom DeSanto, Don Murphy, Michael Bay, Mark Vahradian, Steven Spielberg, Brian Goldner, Chris Brigham
    Drehbuch:
    Christina Hodson
    Kamera:
    Enrique Chediak
    Musik:
    Dario Marianelli
    Genre:
    Action, Science-Fiction,
    Darsteller:
    Hailee Steinfeld, John Cena, Jorge Lendeborg Jr., John Ortiz, Jason Drucker, Pamela Adlon, Stephen Schneider, Justin Theroux, Angela Bassett
    Inhalt:
    Die 18-jährige Charlie (Hailee Steinfeld) hat Jahre nach dem Tod ihres Vaters dessen Verlust nicht überwunden und lenkt mit der Reparatur von Autos und Musik ab. Ihr Ziel ist es das alte Auto ihres Vaters wieder in Stand zu setzen. Am Tag ihres Geburtstages, entdeckt sie im örtlichen Trödel-/Ersatzteileladens einen alten VW Käfer, den sie mit nachhause nimmt. Zu ihrer Überraschung entpuppt sich der Wagen als riesiger Alien-Roboter, der ihr Leben verändern wird.
    Start (DE):
    20. Dezember 2018
    Start (USA):
    21. Dezember 2018
    Laufzeit:
    113 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.facebook.com/bumblebeemovie

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