Mary Poppins‘ Rückkehr

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  • Einleitung


    Mit dreizehn Nominierungen und fünf gewonnen Acadamy Awards gehört das Musical Mary Poppins zu den erfolgreichsten Filmen, die Walt Disney hervorbrachte. Mehr als fünfzig Jahre später erhält der Kultfilm nun eine Fortsetzung. Das schwere Erbe der bezaubernden Julie Andrews tritt Emily Blunt an, die in Mary Poppins' Rückkehr nun die Titelfigur verkörpert. Für die Regie wurde Musical-Spezialist Rob Marshall (Chicago, Into The Woods) engagiert.

    In der Fortsetzung stehen die mittlerweile erwachsenen Banks-Kinder im Vordergrund. Nach einem tragischen Verlust gleitet das Leben den Banks mehr und mehr aus den Händen. Das ruft die einnehmende Nanny Mary Poppins auf den Plan.

    © 2018 Walt Dinsey Pictures

    Kritik


    Was sich in den ersten Trailern schon abzeichnete, bewahrheitet sich im fertigen Werk. Emily Blunt ist eine würdige Nachfolgerin von Julie Andrews als Mary Poppins. Andrews, die einen Auftritt in der Fortsetzung in einer anderen Rolle ablehnte, da sie Blunt die volle Aufmerksamkeit überlassen wollte, konnte der Figur zwar etwas mehr Leichtigkeit abgewinnen, aber dennoch hält Blunt dem Vergleich mit der Oscarpreisträgerin größtenteils stand. Es macht einfach Spaß ihr zuzuschauen und man lässt sich gerne auf die magischen Reisen der Nanny mitnehmen.

    Neben Blunt überzeugen auch Ben Whishaw und Emily Mortimer als erwachsenen Banks-Kinder, wenn ihnen auch nicht allzu viel Tiefgang zugeschrieben wurde. Dazu gesellt sich einer herrlichen Auftritt von Meryl Streep.

    Der Rest der Besetzung bleibt allerdings blass. Allen voran ein etwas aufdringlicher Lin-Manuel Miranda, der das Äquivalent von Dick Van Dykes Figur aus dem Original darstellen soll. Überschritt auch Dyke damals mit seiner extrovertierten Art oft einige Grenzen, so konnte seine Körperlichkeit und sein hohes Energielevel aber einige Übertreibungen verzeihen. Miranda hingegen fehlt es zwar nicht an der Energie, allerdings bleibt sein Gestus meist aufgesetzt und Charme sucht man vergebens. Darüber hinaus wirkt er oft fehl am Platz und man fragt sich, was dieser aufdringliche Mann eigentlich bei den ganzen Abenteuern zu suchen hat. Mit ähnlichen Problemen hatte Dyke zwar auch zu kämpfen, doch machte es über weite Strecken einfach Spaß ihm zuzusehen. Diesen essentiellen Spaßfaktor vermisst man bei Miranda leider meißtens.

    Die große Stärke des Films ist neben Blunt die optische Umsetzung. Das damalige London trifft ebenso den Geist des Originals wie die Umsetzung der Cherrytreelane. Aber sind es dennoch die phantasievollen Reisen, auf die Mary Poppins die Kinder mitnimmt. Wie schon beim Erstling wird hier teils auf gezeichnete Welten gesetzt, die an die Zeichentrickklassiker Disneys erinnern. In die bunten Abenteuer lässt man sich gerne mit hineinziehen. Doch zeichnet sich in diesem Zusammenhang auch der größte Schwachpunkt gegenüber dem Vorgänger ab. Kann dieser zahlreiche Songs vorweisen, die enormen Ohrwurmcharakter innehaben, bleibt bei Mary Poppins' Rückkehr kaum ein Lied über das Ende der Laufzeit des Films hängen. Viele Lieder des Originals haben mit ihren eingängigen Melodien, starken Texten und berührenden Inhalten berechtigt mittlerweile Kultstatus erreicht, was der Fortsetzung verwehrt bleiben wird.

    Auch wenn die dazugehörigen Choreografien durchaus zu gefallen wissen, bleiben die Nummern nicht lange im Gedächtnis. Einzig Meryl Streeps Auftritt mitsamt ihrer Gesangseinlage dürfte bei den meisten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    © 2018 Walt Dinsey Pictures


    Fans des Originals können sich über die Kulissen und die wundervolle Cherrytreelane hinaus auch über zahlreiche Anspielungen auf das Original freuen. Die Spitze erreichen diese beim Auftritt des mittlerweile über neunzigjährigen Dick Van Dyke.

    Inhaltlich bietet Mary Poppins' Rückkehr nur wenig Nennenswertes und weiß leider nicht zu fesseln. Doch gerade optisch überzeugt die Fortsetzung. Ob Ausstattung, Kulissen oder die visuelle Umsetzung der Zeichtrickwelten, hier kann das Werk durchweg punkten. Leider bleiben die Songs etwas belanglos, wodurch sich der gut zwei Stunden lange Film oft genau danach anfühlt. Eine starke Emily Blunt steht einem in großen Teilen blassen Cast gegenüber, was das Sehvergnügen ebenfalls etwas schmälert, da die Konflikte dadurch nicht wirklich ans Herz gehen.

    Trotzdem macht das zweite Abenteuer der Nanny oft Spaß, auch wenn es den Nachhall des Vorgängers nicht erreichen konnte.


    Fazit


    Mary Poppins' Rückkehr ist seichte Unterhaltung, die niemandem wehtut. Visuell überzeugend verliert das Werk von Rob Marshall allerdings gerade bei der Handlung und den Songs an Kraft. Die zu lange Laufzeit kann darüber hinaus spürbare Längen nicht verhindern.


    5/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Mary Poppins Returns
    Land:
    USA
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Walt Disney Pictures
    Regie:
    Rob Marshall
    Drehbuch:
    David Magee, Rob Marshall, John DeLuca, P.L. Travers (Buch)
    Kamera:
    Dion Beebe
    Musik:
    Marc Shaiman, Scott Wittman
    Genre:
    Musical
    Darsteller:
    Emily Blunt, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Meryl Streep, Colin Firth, Dick Van Dyke
    Start (DE):
    20.12.2018
    Start (USA):
    19.12.2018
    Laufzeit:
    130 Minuten
    FSK:
    ohne Altersbeschränkung

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