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Lady Vengeance

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  • Einleitung


    Regiewunder Park Chan-wook gelang nach dem realistischen und emotional fordernden Sympathy for Mr. Vengeance und mit dem etwas surrealen, teilweise schon absurden Oldboy der nachhaltige Aufstieg zu einem der am höchsten angesehenen Filmemacher der asiatischen Filmindustrie. Zwei Jahre nach seinem Sensationserfolg Oldboy vervollständigte er mit Lady Vengeance seine inoffizielle Rache-Trilogie. Nach dem rauen ersten Teil, dem philosophischen zweiten folgt mit dem dritten Teil eine poetische Auseinandersetzung mit den Leit- oder viel mehr Leidthemen wie Rache, Gewalt und Erlösung.

    Im Zentrum von Lady Vengeance steht Geum-ja, die für den Mord an einem Kind ins Gefängnis muss. Dort durch ihre hilfsbereite und liebevolle Art als Engel beschrieben, setzt sie hinter Gittern das Fundament für einen Rachefeldzug, denn sie sitzt in Wahrheit die Strafe von jemand anderem ab.

    Als Hauptdarstellerin konnte Park nach ihrer Zusammenarbeit an JSA - Joint Security Area wieder Lee Yeong-ae gewinnen. Neben ihr agiert auch Oldboy-Star Choi Min-sik.

    © 2018 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

    Kritik


    Bereits mit dem wundervoll komponierten Vorspann nimmt uns Regisseur Park Chan-wook auf eine poetische Reise, die stets den Balanceakt zwischen Schönheit und Grauen meistert. Der wieder einmal durchgängig überwältigende Soundtrack von Jo Yeong-wook (Oldboy, Die Taschendiebin) erschafft von der ersten Minute eine kunstvolle Atmosphäre, die in keiner weiteren abhanden kommt. Begleitet von Chung Chung-hoons malerischen Bildkompositionen entsteht ein audio-visuelles Erlebnis, das man nur ausgesprochen selten erlebt. Chungs erneute Arbeit mit Park unterstreicht einmal mehr ihre überwältigende Symbiose. Die absurd-genialen Einfälle des Regisseurs in Kombination mit den berauschenden Bildern des Kameramanns konnten bereits bei Oldboy faszinieren. Bei Lady Vengeance erreicht diese Zusammenarbeit ein neues Hoch, denn der dritte Teil der Rache-Trilogie ist optisch einfach nur als Kunstwerk zu bezeichnen.
    Die Schönheit der Bilder wird immer wieder durch die abgründige Handlung durchbrochen, für die Park berühmt ist. Sein Gespür für die Gegensätze sucht seines Gleichen. Diese manifestiert sich bei Lady Vengeance auch in der Hauptfigur Geum-ja. Auf der einen Seite als skrupellose Mörderin dargestellt, auf der anderen als liebevoll und großherzige Insassin wahrgenommen, wandelt sich ihr Verhalten nach ihrer Entlassung in pure Kälte.
    Regisseur und Drehbuchautor Park Chan-wook gelingt es hier seinen speziellen Sinn für Humor wieder erstklassig einzuarbeiten, sodass die düstere Geschichte immer wieder aufgehellt wird.

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    Um diese Abgründe und inszenatroisch überwältigende Kraft hangelt sich eine Geschichte von einer zutiefst verletzten Frau. Neben ihrem blutigen Rachefeldzug versucht sie ihre zur Adoption gegebene Tochter wiederzufinden. Auch wenn gerade der Part im Ausland zum schwächsten des Films gehört, so verleiht es der Figur doch eine gefühlvolle Note. Und gerade in der Endsequenz ist es die Tochter, die für einen wunderschönen und poetischen Ausklang sorgt. Doch bis dahin wandert Geum-ja auf einem moralisch fragwürdigem Pfad. Zwar möchte sie ihrem Peiniger und dem des verstorbenen Kindes, seine verdiente Strafe zuführen, doch ist ihr auf dem Weg dorthin jedes Mittel Recht, auch wenn unbeteiligte zu Schaden kommen. Parks Einfallsreichtum bei der Rache-Thematik nimmt dabei kein Ende. Ob es eine besonders konzipierte und gestaltete Schusswaffe ist, oder die erschütternde Wendung, die sich zum Finale hin offenbart, der Filmemacher überrascht den Zuschauer immer wieder visuell wie inhaltlich. Gerade das schockierende Finale lässt dann auch den letzten Funken Liebreiz erlischen, nur um ihn beim zauberhaften Ende wieder zu beschwören.

    Darstellerisch kann Lee Yeong-ae vor allem in den warmherzigen und verletzlichen Augenblicken überzeugen. Kombiniert sie diese Seiten in den Gefängnissequenzen noch mit eine wunderbaren Kaltherzigkeit gegenüber den Unterdrückern, kann sie mit ihrer ernsten teils wütenden Art nicht immer überzeugen. Ihr gegenüber steht Choi Min-sik der einen hervorragenden Antagonisten abgibt. Aber auch in Nebenrollen finden sich nicht nur fähige, sondern auch bekannte Gesichter. Kim Byeong-ok, der als brutaler Personenschützer in Oldboy noch einzuschüchtern wusste, gibt in Lady Vengeance eine herrlich abgedrehte Performance als Priester ab. Neben ihm treten die Oldboy-Stars Kang Hye-jeong und Yu Ji-tae in Gastrollen, wie Oh Dal-su und Lee Seung-shin in Nebenrollen auf. Aber auch aus älteren Werken gibt es ein kleines Wiedersehen mit zwei Darstellern. So zeigen sich die Hauptdarsteller aus Parks JSA und Sympathy for Mr. Vengeance Song Kang-ho und Shin Ha-kyun als Auftragsmörder.
    Abgesehen von den zahlreichen Auftritten bieten die Schauspieler durchgängig eine souveräne Darbietung. Zwar fehlt im Gegensatz zu den vorangegangen und nachfolgenden Werken von Park die ganz große Leistung, doch gibt es trotzdem nichts groß zu beanstanden.

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    Lady Vengeance ist inhaltlich und inszenatorisch das wahrscheinlich erwachsenste und mit Sicherheit das poetischste Werk aus der Rache-Trilogie. Vor allem die überwältigende Bildersprache hinterlässt langanhaltende Spuren.


    Fazit


    Mit verträumten Bildkompositionen ist Lady Vengeance eigentlich ein von Schönheit triefender Film, wenn nicht seine abgründige Geschichte diese Harmonie immer wieder durchbrechen würde. Ein Balanceakt zwischen Schönheit und Grauen, zwischen Poesie und klarer Brutalität. Unkonventionell, schockierend, wunderschön.


    9/10

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    Infos
    Originaltitel:
    친절한 금자씨 (Chinjeolhan geumjassi) / Lady Vengeance (englischer Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2005
    Studio/Verleih:
    3L Filmverleih
    Regie:
    Park Chan-wook
    Drehbuch:
    Park Chan-wook, Jeong Seo-kyeong
    Kamera:
    Chung Chung-hoon
    Musik:
    Jo Yeong-wook
    Genre:
    Thriller
    Darsteller:
    Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Kim Byeong-ok
    Inhalt:
    Im Zentrum von Lady Vengeance steht Geum-ja, die für den Mord an einem Kind ins Gefängnis muss. Dort durch ihre hilfsbereite und liebevolle Art als Engel beschrieben, setzt sie hinter Gittern das Fundament für einen Rachefeldzug, denn sie sitzt in Wahrheit die Strafe von jemand anderem ab.
    Start (DE):
    11.01.2007
    Laufzeit:
    115 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren

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