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The Hate U Give

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  • Einleitung


    Von Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze und Tupacs Song "Thug Life" inspiriert erschuf Autorin Audrey Wells mit The Hate U Give ein viel gefeiertes und diskutiertes Romandebüt. Nur gut ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres Buches folgte der Start der Verfilmung in den US-Kinos. George Tillman Jr. (Faster) stellte sich der Aufgabe die Geschichte auf Bild zu bannen und inszenierte den Film nach einem Drehbuch von Audrey Wells.
    Als Darsteller könnte er unter anderem Amandla Stenberg (The Darkest Minds), Russell Hornsby (Fences), Regina Hall (Scary Movie), Common (Run All Night) und Anthony Mackie (Avengers: Infinity War) gewinnen.

    Im Zentrum von The Hate U Give steht die junge Starr, die zwei Leben führt. Auf der einen Seite lebt sie mit ihrer Familie im Kriminelle und armen Schwarzenviertel Garden Heights und auf der anderen besucht sie eine Schule in einem Reichenviertel, wo sie auch Freunde hat. Als sie am Wochenende nach einer Party mit einem Kindheitsfreund von der Polizei angehalten wird, eskaliert die Situation und ihr unbewaffneter Freund wird vor ihren Augen erschossen. Nach dem Zwischenfall ringt sie mit der schweren Frage, wie sie damit umgehen soll.

    © 2019 20th Century Fox

    Kritik


    Polizeigewalt gegen Schwarze ist leider immer noch ein aktuelles Thema in den USA, was vermutlich auch ein Grund für den Erfolg der Romanvorlage zu The Hate You Give war. Die schwierige Ausseinandersetzung, ab wann ein Polizist angemessen reagiert und ab wann er Grenzen überschreitet, was wiederum rassistisch motiviert sein könnte, wird seit Jahrzehnten immer wieder aufgearbeitet. Autorin Audrey Wells tat dies mit Hilfe eines Jugendromans, der aus der Sicht einer schwarzen Teenagerin erzählt wird, die nicht nur in ihrem Viertel zuhause ist, sondern auch im Leben der reichen Weißen. Als sie Zeugin davon wird, wie ein weißer Polizist ihren unbewaffneten Kindheitsfreund erschießt, gerät ihr überraschend geregeltes Leben aus den Fugen.
    Die Romanverfilmung bebildert diese Geschichte nun - und das oftmals sehr eindrucksvoll. Die Bilder die Regisseur George Tillman Jr. und sein Kameramann Mihai Malaimare finden sind natürlich nicht frei von Klischees, gehen mit diesem aber gekonnt um, wodurch es bei all der dramatischen Tragweite auch Spaß macht zuzuschauen. Begleitet von einer gelungenen Songauswahl und einem mitreißenden Schnitt wird eine starke Atmosphäre aufgebaut, die einen ab dem Zwischenfall auch mehr und mehr erdrückt und einen gelungenen Bogen zur beklemmenden Anfangsszene schlägt.
    Denn auch wenn die erste Hälfte mit einer angenehmen Prise Humor, Selbstironie und der unterhaltsamen Inszenierung punktet, so vermittelt die erste Szene bereits ein ungutes Gefühl und deutet eine Katastrophe bereits an. Wenn der Vater von der Protagonistin Starr ihr und ihrem Halbbruder Verhaltensregeln bei unter anderem einer Polizeikontrolle näher bringt, gehen diese beim Zuschauer ebenso in Leib und Seele über, wie bei den Kindern. Das ist auf der einen Seite der unaufgeregten Inszenierung der Szene und des guten Textes zu verdanken, aber vor allem dem starken Schauspiel von Russell Hornsby. Er verkörpert über die gesamte Laufzeit erstklassig den Ex-Gangster, für den seine Familie aber über alles steht und ihr gegenüber auch unglaublich liebevoll ist. Diese Dualität der Figur verkörpert Hornsby nicht nur überwältigend, sondern befreit sie auch von einigen Klischees.

    Generell sind die Figuren, ihre Beziehungen zueinander und die teils herausragenden Darsteller die größte Stärke von The Hate You Give. Gerade mit den Figurenkonstellationen werden nicht nur dramatische Schicksale aufgezeigt, sondern viel mehr, wie Menschen aus den schwierigen Beziehungen ausbrechen. Dadurch werden oft nur nebenher unglaublich schöne Werte vermittelt. Wenn beispielsweise Starrs Mutter ihren Stiefsohn Seven, wie ihren eigenen behandelt und die Beziehung zwischen ihm und seiner leiblichen Mutter stets respektiert, zeugt das von großer Menschlichkeit, vor allem wenn man erfährt, dass Seven gezeugt wurde, als sie mit Starrs Vater bereits zusammen war. Generell wird die direkte Familie von Starr unglaublich schön gezeichnet. Wenn ab und an die Bedeutungen der Namen der Geschwister erläutert werden, berührt das ebenso wie die Geschichte der beiden Eltern, die allen Zweiflern gezeigt haben, dass sie ein glückliches und vernünftiges Leben führen können - trotz enormer Schwierigkeiten.
    Über die gesamte Laufzeit des gut zwei Stunden langen Films häufen sich berührende Situationen, Anekdoten und Augenblicke, die die Figuren menschlich, greifbar und sympathisch machen. Selbst für Starrs Kindheitsfreund bekommt man in der kurzen Zeit seines Auftritts ein Gefühl und kann Sympathien aufbauen, die die schonungslos dargestellte Sterbeszene umso emotionaler macht.

    © 2019 20th Century Fox


    Amandla Stenberg ist als Starr ein weiterer darstellerischer Höhepunkt. Als Zuschauer fällt es zu keinem Moment schwer mit ihr mitzufühlen, da die junge Darstellerin einem ihre Emotionen stets nachvollziehbar nahebringt. Nach dem Tod ihres Freundes beginnt ein Wandel von Stenbergs Figur, der eine schwierige emotionale Bandbreite der Schauspielerin abverlangt, die sie aber bemerkenswert meistert. Mit Wut, Trauer, Verzweiflung und Hilflosigkeit muss sie klarkommen und versucht sie gerade in ihrem Schulleben noch zu unterdrücken, da so gut wie niemand von ihrer Beteiligung an dem Zwischenfall erfahren soll. Das ist natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt möglich ist. Wenn eine ihrer Schulfreundinnen bei dem in den Medien breitgetretenen Fall beginnt den Polizisten in Schutz zu nehmen, eskalieren die Situationen zunehmend, bis sie in einer unter die Haut gehenden Auseinandersetzung enden.

    Über die friedlichen und gewalttätigen Demonstrationen im Viertel hinaus, wird auch die fragwürdig wechselhafte und oberflächliche Empathie der breiten Öffentlichkeit mit Hilfe der Mitschüler von Starr thematisiert. Wenn auf der einen Seite gegen Polizeigewalt an der Schule demonstriert wird und so die vermeintliche Solidarisierung mit der schwarzen Community gezeigt wird, mit dem netten Nebeneffekt des Unterrischtsausfalls, und auf der anderen dann plötzlich einige den kriminellen Hintergrund von Starrs Kindheitsfreund kritisieren und den Polizisten in Schutz nehmen, zeugt das von dem manipulativen Einfluss der Medien.
    Und auch die Anonymisierung der sozialen Netzwerke wird thematisiert. The Hate U Give befasst sich mit zahlreichen wichtigen Themen und geht mit diesen auch in der dafür relativ kurzen Laufzeit gut um. Allerdings verliert das Werk dabei die wichtigste Frage aus den Augen - was ist bei der Polizeikontrolle schief gelaufen und wie kann das vermieden werden?

    An diesem Punkt wird es bei dem Werk von Tillman Jr. nämlich sehr schwierig. Man entscheidet sich dafür, den Polizisten nicht als Rassisten oder pauschal schlechten Menschen darzustellen. Das ist auf der einen Seite natürlich lobenswert, dass man nicht den einfachsten Weg wählt, befasst sich dann damit aber unzureichend. Man nimmt den Polizisten sehr schnell aus dem Fokus, wodurch letztendlich nur die eine Seite beleuchtet wird. Zwar ist Starrs Onkel, zu dem sie eine enge Bindung hat, da er sich um die Familie kümmerte, als ihr Vater im Gefängnis war, selbst Polizist und bringt so die Sicht der anderen Seite ein, doch werden hier die Streitgespräche ebenfalls nicht zum Ende geführt. Als ihr Onkel ihr sagt, dass er vermutlich genauso gehandelt hätte und Starr ihm daraufhin die Frage stellt, ob das auch der Fall gewesen wäre, wenn ein reicher Weißer während der Kontrolle in den Wagen gegriffen hätte, erschüttert die Szenen einen zwar, doch lässt sie auch den wichtigen Aspekt der Wahrscheinlichkeit außen vor. Generell wird das eigentliche Problem dadurch verfälscht. Denn während der Polizeikontrolle wurden auf beiden Seiten Fehler gemacht. Wenn man nachts in einer kriminellen Gegend angehalten wird und aus dem Wagen aussteigen soll und meint, während der Polizist bei seinem Dienstwagen ist, in sein Auto greifen zu müssen und auch noch einen Kamm rausholt, bringt man den Beamten in einer schwierige Lage. Dass das Problem dann auf Rassismus und Vorurteile reduziert wird, wird der Situation folglich nicht gerecht.
    Obwohl man mit der Darstellung des Zwischenfalls und der Beteiligten sich für einen schweren Weg entschied, macht man es sich im weiteren Verlauf dann zu einfach. Dadurch verliert die finale Demonstration, die als Höhepunkt gedacht ist, deutlich an Wirkung, auch wenn der Grund für die Auflehnung nachvollziehbar wie erschütternd ist, weil spätestens dieser eine Aufarbeitung der Situation zunichte macht. Allerdings wird auch das nicht wirklich herausgearbeitet.

    © 2019 20th Century Fox


    The Hate U Give macht sehr viel richtig, scheitert allerdings zum Ende hin vor allem am zentralen Konflikt. Aber auch kleinere Situationen rauben dem Film seine mögliche Wucht. Wenn beispielsweise ein vielseitiges Bild von Starrs Vater aufgebaut wird, für den seine Familie über alles steht, er seinen Sohn in einer Situation aber völlig unnötig in große Gefahr bringt, demontiert das die Glaubwürdigkeit der Figur.
    Zahlreiche großartige und lobenswerte Augenblicke stehen einem zu einfachen Endspurt gegenüber, bei dem zu viele dramaturgische Fehler gemacht wurden.
    Dennoch bleibt am Ende ein positiver Gesamteindruck, da die tollen Darsteller und die zum größten Teil gelungene Inszenierung über zwei Stunden lang zu berühren wissen.


    Fazit


    The Hate U Give befasst sich mit bemerkenswert vielen wichtigen Themen. Leider verliert das Werk im Verlauf zunehmend das Hauptproblem aus den Augen, wodurch man es sich am Ende zu einfach gemacht hat. Dank der eindrucksvollen Darsteller, ihrer starken Figuren und der mitreißenden Inszenierung bleibt dennoch ein guter letzter Eindruck.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Hate U Give
    Land:
    USA
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    20th Century Fox
    Regie:
    George Tillman Jr.
    Produzent(en):
    Marty Bowen, Wyck Godfrey, Robert Teitel, George Tillman Jr.
    Drehbuch:
    Audrey Wells, Angie Thomas (Buch)
    Kamera:
    Mihai Malaimare
    Musik:
    Dustin O'Halloran
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Amandla Stenberg, Russell Hornsby, Regina Hall, Anthony Mackie, Common
    Start (DE):
    28.02.2019
    Start (USA):
    19.10.2018
    Laufzeit:
    133 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren

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