5 südkoreanische Filme, die in Deutschland noch erscheinen müssen

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Dass Südkorea erstklassige Filme produziert, ist spätestens seit der Jahrtausendwende auch der breiteren Masse bekannt, als großartige Regisseure wie Bong Joon-ho mit beispielsweise Memories of Murder, Kim Jee-woon mit A Bittersweet Life oder Park Chan-wook mit Oldboy auf zahlreichen Festivals gefeiert wurden und ihre Werke so auch über die Landesgrenzen hinaus an Bekanntheit gewannen. Aber auch abseits dieser Namen tauchten immer wieder beeindruckende Filme von der südkoreanischen Halbinsel auf. Da sich in den westlichen Ländern, insbesondere in Deutschland, die Werke oftmals etwas schwer tun, haben auch viele von diesen Filmen bisher nicht ihren Weg auf den hiesigen Markt gefunden.
    Aus diesem Grund folgen nun fünf Titel aus der jüngeren Vergangenheit, die es aber mehr als verdient hätten, eine Veröffentlichung auch in Deutschland zu bekommen.


    Ode to my Father (Originaltitel: 국제시장, 2014, JK Youn)

    Der eher für plumpe Komödien bekannte Regisseur JK Youn (Sex is Zero) überrascht mit einem sehr berührenden und toll erzählten Werk über die koreanische Nachkriegszeit und seine Auswirkungen. Auch wenn ab und an zu stark auf die Tränendrüse gedrückt wird, führen starke Darstellern durch eine bewegende und bestürzende Geschichte, die einen außergewöhnlichen Blick auf die damalige Epoche und ihre Problematik gewährt. Aus der Sicht des bürgerlichen Mannes begleitet der Zuschauer die Reise eines Mannes, der im Koreakrieg von seiner Familie getrennt wird, aufgrund von Armut in den Vietnamkrieg zog und nach Deutschland auswanderte, um im Bergwerk zu arbeiten. In dieser Form wird ein erstaunliches Bild von einer Nation gezeichnet, die mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte und mittlerweile eins der fortschrittlichsten ist. Ein berechtigt vielfach ausgezeichneter Film, dessen einzige Schwächen, die etwas zu ausgeweiteten traurigen Sequenzen und die unterirdischen europäischen Schauspieler sind. Ansonsten ist Youn sein Meisterwerk gelungen.

    Englischer Trailer zu Ode to My Father



    Hope (Originaltitel: 소원, 2013, Lee Joon-ik)

    Hope behandelt ein Thema, das - wenn überhaupt - nur äußerst schwer zu ertragen ist. So steht im Mittelpunkt der Handlung eine Familie, die mit dem schweren Missbrauch an ihrer kleinen Tochter umgehen muss. Doch anstatt dass der Regisseur und Drehbuchautor den Fokus auf die Tat legt, wird sich mit den Nachwirkungen dieser beschäftigt. So entsteht ein vielleicht etwas sentimentales, aber auch überaus berührendes Werk, dass zwar harsche Kritik an Tat und Justiz äußert, aber in erster Linie Hoffnung schenkt. Denn stets konzentriert sich Lee Joon-ik (The King an The Clown) darauf zu erzählen, wie das alltägliche Leben danach weitergeht und mit welchen unvorstellbaren Hürden man emotional, gesellschaftlich und finanziell zu kämpfen hat. Doch zeigt er auch, wie man sich genau diesen Schwierigkeiten stellen kann. Hope ist ein Plädoyer für Zusammenhalt und Hoffnung. Es bestärkt den Mut nach Hilfe zu fragen und diese auch anzunehmen und erzählt auf unglaublich berührende und so absurd es in diesem Zusammenhang klingen mag, schöne Weise, wie viel der Mensch gemeinsam erreichen kann, wenn man nur das nötige Einfühlungsvermögen und die Geduld an den Tag legt. Hope ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die bei einem sämtliche Gefühle hervorholt. Man kann Lachen, vor Freude und vor Trauer weinen, man wird wütend und enttäuscht und oftmals fühlt man sich einfach hilflos. Und doch zeigt Lee trotz der grausamen Tat eine Bandbreite von berührender Menschlichkeit in kleinen wie großen Gesten.
    Regisseur Lee geht unglaublich einfühlsam mit einer der grausamsten und unverzeihlichsten Taten um, die wir Menschen einander antun können und erschafft mit einem starken, teils herzzerreißenden Darstellerensemble einen Beitrag zu dem Thema, wie man ihn so noch nicht gesehen hat.

    Englischer Trailer zu Hope



    The Throne (Originaltitel: 사도, 2015, Lee Joon-ik)

    Und noch einmal Lee Joon-ik - der Regisseur vom gefeierten Werk The King and the Clown konnte für seinen historischen Film Song Kang-ho (JSA - Joint Security Area) und Yoo Ah-in (Veteran) gewinnen, die unglaubliche Leistungen zeigen. Beide Darsteller bewiesen bereits in der Vergangenheit des öfteren, dass sie sich schauspielerisch auf extrem hohem Niveau bewegen. Trotzdem ist ihre Leistung in Lees Werk auf ein Neues erwähnenswert bemerkenswert. Beide durchlaufen eine Tortur. Wo Yoo seinenSchmerz und seine Trauer mit seinem ganzen Körper und seiner Seele ausleben kann, zeigt Song eine minimalistische, aber nicht minder intensive Darbietung. Beide Extreme fahren einem durch Mark und Bein und lassen einen erschütternd zurück. Dazu kommt die berührende und erschreckende Beziehung eines Herrschers zu seinem Sohn, die in gekonnt inszenierten Rückblenden über Jahrzehnte erzählt wird. Visuell stark, ohne zu pompös zu sein, erzählt Lee seine Geschichte durchdringend fokussiert auf seine beiden Protagonisten. Der gelungene Soundtrack unterstützt das Geschehen noch zusätzlich.

    Englischer Trailer zu The Throne



    The Tiger (Originaltitel: 대호 2015, Park Hoon-jung)

    Ein gewohnt starker Choi Min-sik macht sich in diesem Werk auf die Jagd nach dem letzten Tiger in Korea. Die beeindruckenden Landschaften lassen einen die Kälte, die sich in den Bergen ausbreitet, bis ins eigene Wohnzimmer spüren. Ein sehr gut animierter Tiger verbreitet zusätzlich noch Angst und Schrecken, denn wenn dieser sich zur Wehr setzt, geht es alles andere als zimperlich zu. Und trotzdem schafft Regisseur und Drehbuchautor Park Hoon-jung noch Raum, um eine berührende und teilweise angenehm spirituelle Handlung zu erzählen. Denn die Geschichte, die der alte Jäger mit sich herumträgt, ist alles andere als eine leichte. Geschickt erzählt Park die Hintergründe der Figur in über den ganzen Film verteilte Rückblenden. So werden immer wieder neue interessante Häppchen gestreut, die die guten zwei Stunden wie im Flug vergehen lassen. Emotional mitreißend, darstellerisch stark und atmosphärisch dicht ist The Tiger einfach beeindruckend.

    Englischer Trailer zu The Tiger



    A Taxi Driver (Originaltitel: 택시운전사, 2017, Hun Jang)

    Bereits mit dem Kriegsfilm The Front Line bewies Regisseur Hun Jang, dass er historischen Stoff mitreißend und emotional inszenieren kann. Mit A Taxi Driver nahm er sich nun einem wichtigen und traurigen Thema der koreanischen Geschichte an, als studentische Aufstände in Gwangju mit brutaler militärischer Gewalt niedergeschlagen wurden. Der deutsche Reporter Jürgen Hintzpeter war als erster internationaler Journalist vor Ort, um die Gewalttaten auf Video festzuhalten. Dabei bekam er Hilfe von einem einheimischen Taxifahrer. Die Geschichte von diesem ist allerdings fiktiv, da über den wahren Taxifahrer so gut wie nichts bekannt ist.
    Mit angenehmen Humor schickt uns Jang auf die Reise, bis sein Werk im zunehmenden Verlauf immer mehr an emotionaler Wucht zunimmt. Starke Bilder begleitet von einem tollen Soundtrack überzeugen ebenso, wie der hervorragende Cast. Auch wenn Thomas Kretschmann gerade in den emotionalen Szenen etwas unbeholfen wirkt, so begeistert ausnahmslos der Rest der Besetzung. Allen voran ein wieder einmal herausragender Song Kang-ho, der trotz der respektablen Unterstützung den gut zwei Stunden langen Film im Alleingang trägt.
    Die äußerst dramatische Geschichte wird mitreißend inszeniert und weist einige höchst emotionale Szenen auf. Hier und da wird zwar vielleicht etwas übertrieben, was der überwältigenden Gesamtwirkung aber kaum schädigt.
    Ganz starkes und wichtiges Kino, das zurecht 2018 als südkoreanischer Beitrag bei den Oscars eingereicht wurde.

    Englischer Trailer zu A Taxi Driver
    Infos
    Land:
    Südkorea
    Studio/Verleih:
    Well Go USA Entertaiment / Lotte Entertainment / CJ Entertainment

    628 mal gelesen