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Der goldene Handschuh

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  • Einleitung


    Regisseur Fatih Akin widmet sich, nachdem er zuletzt mit "Aus dem Nichts" und "tschick" große Erfolge feierte, der Charakterisierung des deutschen Serienmörders Fritz Honka, lässt dabei die Bilder für sich sprechen und bietet ein zugleich faszinierendes wie verstörendes Porträt auf der großen Leinwand. Vor allem Hauptdarsteller Jonas Dassler kann mit einer unglaublich guten Performance begeistern.

    Fritz Honka ist nicht gerade eine Schönheit wie sie Buche steht, hat ein schweres Alkohol- und Sexualproblem, welche ihn alsbald in eine grausame Mordserie verstricken, die an Ekel und Abscheulichkeit kaum zu überbieten sein dürfte.



    Kritik


    Gleich zu Beginn startet Der goldene Handschuh mit einer Szene, welche alles andere als anschaulich ist. Nach 'getaner Arbeit' versucht Fritz Honka sein Opfer loszuwerden und gleich hier offenbart der Film auch direkt eines seiner größten Probleme. Gewalt und Schaulustigkeit gehen in Der goldene Handschuh Hand in Hand. Dass Fatih Akin in seinem neuesten Film gar nicht urteilen will ist an sich gut und verständlich, wenn dann allerdings Abscheulichkeit und Humor miteinander gepaart werden, ist das bei einem Film, der auf wahren Begebenheiten basiert, etwas problematisch. So hält die Kamera bei all den Gräueltaten immer explizit drauf, niemals wird weggeschwenkt, jede Brutalität und Obszönität wird konsequent gezeigt. Auf der anderen Seite versucht der Film das Gezeigte aber auch aufzulockern, was vor allem in der Kneipe selbst, mit all den verschiedenen Figuren des Öfteren gelingt. Wenn jedoch Honka zuweilen als trotteliger Tollpatsch daherkommt, und ihm somit so etwas wie Sympathie oder Liebenswürdigkeit entgegengebracht wird, dann stellt sich schnell die Frage, ob die Taten hier nicht glorifiziert werden, auch wenn Akin dies sicher nicht im Sinn hatte.

    Lässt man diese Tatsache mal außen vor, dann ergibt sich ein faszinierendes Bild menschlicher Abgründe. Neben Honka wimmelt es nur so vor kaputten Figuren mit fragwürdigen Taten und Eigenschaften. Die Kneipe Zum goldenen Handschuh bildet quasi ein Auffangbecken für Menschen am untersten Gesellschaftsrand, die sich dort irgendwie Freude am Leben einzuhauchen versuchen. An dieser Stelle funktioniert dann auch der Humor des Öfteren mal, wenn auch auf seine eigene verquere Art und Weise.

    Nichtsdestotrotz bietet Der goldene Handschuh allerdings auch zwei große Highlights. Zum einen die Kulissen und Bildsprache, welche das völlig verwahrloste Leben präsentieren. Alles ist zugestellt, überall liegt Müll und wenn sich über schlimmen Geruch in der Wohnung unterhalten wird, dann kann man als Zuschauer diesen förmlich riechen, da man ganz genau weiß, woher er kommt und wie die Ursache dessen zuvor inszeniert wurde. Sobald die Tür zur Kneipe, oder noch schlimmer zu Honkas Wohnung geöffnet wird, greift man sich als Zuschauer des Films fast schon an die Nase um den schlimmen Gestank nicht ertragen zu müssen.

    Das zweite Highlight ist eindeutig das Schauspiel sowie die Maske des Hauptdarstellers Jonas Dassler. Passend zum sichtbaren Gestank, wurde ihm die Maske des Fritz Honkas aufs Gesicht geschneidert. Der Anblick ist alles andere als schön, fettige Haare, kaputte Zähne, unförmiges Gesicht, doch das Schauspiel Dasslers lässt erst die komplette Symbiose dessen entstehen. Absolut überzeugend wird hier mit einer Selbstverständlichkeit vor der Kamera agiert, als würde man einem echten Serienmörder zusehen. Jonas Dassler, sowie all seine 'Gespielinnen' schrecken nicht vor Nacktheit zurück und können so die verzweifelten Versuche eines sexuellen Abenteuers inklusive Bockwürstchen und Kochlöffel glaubhaft darstellen. Von diesem Anblick versucht man zwar häufig die Augen zu wenden, doch diese Surrealität, welche tatsächlich einmal so vorgekommen sein mag, lässt es nicht ganz zu und kommt wie ein Autounfall daher, von dem man einfach nicht den Blick abwenden kann.

    Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist der Exzess etwas zu lange dargestellt, so dass manche Szenen nur noch zum Mittel zum Zweck verkommen, sowie manche Szenen zwar wirklich so geschehen sein mögen, allerdings zu gewollt und fast schön künstlich wirken.



    Fazit


    Der goldene Handschuh ist sicher kein Film für jedermann, vor allem da die Frage nach der Moral hier völlig ignoriert und teilweise sogar von der falschen Seite befeuert wird. Lässt man diesen doch recht großen Makel außer Acht, bietet sich ein erschreckend faszinierendes Bild eines in vielerlei Hinsicht kranken Menschen bestaunen, welcher an Abscheulichkeit und Ekel nur sehr schwer zu überbieten sein dürfte. Nach gut zwei Stunden verlässt man als geneigter Zuschauer den Kinosaal völlig verstört und mit einem noch schlechteren Bild auf die Menschheit und deren möglichen (sehr, sehr tiefen) Abgründe, als zuvor.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Der goldene Handschuh
    Land:
    Deutschland
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Warner Bros. Pictures
    Regie:
    Fatih Akin
    Produzent(en):
    Fatih Akin, Nurhan Sekerci-Porst
    Drehbuch:
    Fatih Akin
    Kamera:
    Rainer Klausmann
    Musik:
    Pia Hoffmann
    Genre:
    Drama, Horror, Thriller
    Darsteller:
    Jonas Dassler, Marc Hosemann, Katja Studt, Margarete Tiesel
    Inhalt:
    Auf den ersten Blick ist Fritz „Fiete“ Honka ein bemitleidenswerter Verlierertyp. Seine Nächte durchzecht der Mann mit dem kaputten Gesicht in der Kiezkaschemme „Zum Goldenen Handschuh“ und stellt einsamen Frauen nach. Keiner der Stammgäste ahnt, dass der scheinbar harmlose Fiete in Wahrheit ein Monster ist.
    Start (DE):
    21. Februar 2019
    Laufzeit:
    115 Minuten
    FSK:
    keine Jugendfreigabe
    Links
    Webseite:
    https://www.warnerbros.de/kino/der_goldene_handschuh.html

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