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Rate Your Date - Unser Interview mit Regisseur David Dietl

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  • David Dietl konnte vor allem durch seine Werke König von Deutschland mit Olli Dietrich und Ellas Baby mit Benno Führmann auf sich aufmerksam machen. Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor liefert dieses Jahr gleich zwei neue Werke im Kino ab, die beide einen sehr unterschiedlichen Blick auf unsere Hauptstadt Berlin werfen. Mit der Dokumentation Berlin Bouncer widmete er sich drei der bekanntesten Türsteher wie der Clubszene vom Mauerfall bis zur Gegenwart und mit der romantischen Komödie Rate Your Date zelebriert er die Schönheit der Stadt und der Liebe. Im Rahmen der am 07. März 2019 startenden "Ode an den Sommer, die Liebe und Berlin" trafen wir den Regisseur und er verriet uns unter anderem, was er an seiner Arbeit liebt, wie er einen so gut harmonierenden Cast zusammengebracht hat und was seine Träume in Bezug auf die Arbeit für die Zukunft wären.

    Regisseur David Dietl (rechts) und Produzent Thomas Peter Friedl © 2019 20th Century Fox


    Movie-Infos: Eine Stärke von "Rate Your Date" ist das gut aufgelegte Darstellerensemble, gerade der Hauptcast. Wie viel Einfluss nimmst du auf die Besetzung?

    David Dietl: Das ist eigentlich meine Hauptaufgabe als Regisseur. Und ich glaube auch das Wichtigste für das Gelingen eines guten Filmes sind deine Hauptdarsteller. In dem Fall war klar, dass wir eine Gruppe brauchen, die spannend ist, die miteinander Spaß hat, die funktioniert und deshalb haben wir auch sehr lange gecastet und ausprobiert. Ich habe geschaut, dass sie sich gegenseitig inspiriert und anspornt. Und wenn man so tolle Schauspieler hat, ist die Arbeit als Regisseur nicht mehr so schwierig.


    Movie-Infos: Dann waren die vier gar nicht von Anfang an in deinem Kopf?

    David Dietl: Alicia (von Rittberg), die die Teresa spielt hing tatsächlich schon beim Schreiben an unserer Wand und das war natürlich toll, dass wir sie dann auch für die Hauptrolle bekommen haben. Edin (Hasanovic) und Marc (Benjamin) hatte ich auch im Hinterkopf. Lustiger Weise aber für jeweils die andere Rolle. Als sie zum Casting gekommen sind, habe ich sie dann jeweils noch für die andere Rolle vorsprechen lassen und das hat tatsächlich besser funktioniert. Nilam (Farooq) kam danach dazu und als ich sie und Alicia zusammengebracht habe, habe ich sofort gemerkt, dass die Chemie stimmt, dass sie Spass zusammen haben, dass man ihnen glaubt, dass sie zusammenwohnen und beste Freundinnen sind. Und das ist ganz wichtig. Deswegen ist es für mich auch immer wichtig beim Casting Konstellationen zusammenzubringen.


    Movie-Infos: Und bei den Nebendarsteller? Hast du dir da auch die Zeit genommen?

    David Dietl: Ja. Ich hatte auch eine tolle Casterin, Franziska Aigner, die mir viele Vorschläge gemacht hat. Teilweise habe ich die Nebendarsteller auch gecastet beziehungsweise auch persönlich getroffen, weil es mir darum ging eine gute Chemie zu haben, auch menschlich. Bei allen Leuten, die ich getroffen habe, wusste ich, dass sie gute Schauspieler sind, aber mir war es auch wichtig, ob sie menschlich zusammenpassen. Auch zum Team. Denn ich glaube, nur mit einer guten Stimmung und einer Kollegialität am Set kann etwas Besonderes entstehen.


    Movie-Infos: Bevor der Dreh startet, erarbeiten die Darsteller ihre Rollen. Machst du das mit ihnen zusammen oder lässt du dich bei den Dreharbeiten überraschen, was sie erarbeitet haben?

    David Dietl: Es ist meine Arbeit als Regisseur, mit den Schauspielern die Figuren zu entwickeln. Ich erwarte von den Schauspielern schon, dass sie sich dabei auch einbringen und eigene Ideen haben. Aber ich lasse erst einmal alles zu. Es gibt keine schlechten Vorschläge, kein Richtig oder Falsch. Es werden alle Ideen eingeworfen und ich muss als Regisseur dann schauen, was passt für den Film, was passt für die Figur, damit eine gewisse Stringenz herrscht.


    Movie-Infos: Also, lässt du auch viele Freiheiten bei den Dreharbeiten?

    David Dietl: Klar. Da es für viele die erste Hauptrolle in einer Komödie war, mussten sie auch erst einmal lernen, was es heißt, eine Komödie zu spielen. Dass eine Komödie auch etwas sehr Persönliches ist und es heißt sich zu trauen. Mal etwas auf eine Art zu spielen oder zu übertreiben, was vielleicht daneben liegen könnte. Aber auch das Vertrauen zu haben, dass ich das Richtige auswähle. Und so haben wir uns immer weiter getrieben, sodass ich im Schnitt viele Möglichkeiten hatte, die Figuren zu formen und facettenreich zu gestalten.


    Movie-Infos: "Rate Your Date" bietet viele schöne Bilder. Berlin wird in Filmen und Serien meist dreckig, kalt und düster dargestellt. Warum hast du dich trotzdem für Berlin als Handlungsort entschieden?

    David Dietl: Ich habe mich für Berlin entschieden, weil ich hier sehr lange gelebt habe und die Stadt sehr liebe. Mir war es wichtig Berlin anders zu zeigen, eben nicht kalt und dreckig, was natürlich auch stimmt, gerade im Winter. Aber im Sommer ist Berlin eine der schönsten Städte überhaupt. Es gibt so viele schöne Plätze am Wasser, wo man im Sommer einfach sein Leben genießen kann. Deshalb habe ich auch Motive gesucht, die mir selbst etwas bedeuten, wo ich selbst viel Zeit verbracht habe und die eben auch die Schönheit dieser Stadt zeigen.
    Darüber hinaus ist aber inhaltlich Berlin auch die richtige Stadt für diesen Film. Nirgendwo ist die Unverbindlichkeit im privaten Leben so hoch wie hier, da die Möglichkeiten so vielfältig sind. Und wenn man einen Film über Start-ups macht, ist Berlin genau die richtige Stadt, weil es hier passiert.


    Movie-Infos: Und die Vielfältigkeit der Menschen ist hier sehr groß, was du auch sehr schön in den Nebenrollen gezeigt hast mit beispielsweise dem australischen Barkeeper oder der zwielichtigen Vietnamesin.

    David Dietl: Die vietnamesische Darstellerin Trang Le Hong war mir tatsächlich auch sehr wichtig und dass sie wiederum mit einem Berliner Akzent spricht, weil ich wahnsinnig viele Vietnamesen in Berlin kennengelernt habe, die hier in zweiter Generation aufgewachsen sind, zwar noch asiatisch aussehen, aber totale Berliner sind und auch so sprechen. Das war mir auch wichtig, diese Facetten mit reinzubringen. Berlin ist extrem multikulturell und das sollte man verstärkt in Filmen zeigen.


    Movie-Infos: Darüber hinaus fällt die schöne Songauswahl auf. Suchst du die Lieder selbst aus oder hast eventuell beim Schreiben bereits welche im Kopf?

    David Dietl: Beim Schreiben höre ich oft Songs und schreibe teilweise auch Songs mit ins Drehbuch rein. In diesem Fall gab es zwei Songs, bei denen ich wusste, dass sie in diesem Film sein müssen. Das waren "Truth" von Alexander und "I Found You" von den Alabama Shakes, weil die genau das Gefühl und die Emotionen transportieren, die ich in dem Moment brauche. Dazu habe ich aber auch eine ganz tolle Music Supervisorin, Charlotte Goltermann, mit der ich schon bei all meinen Filmen zusammengearbeitet habe. Sie hat mir dabei geholfen diesen jungen, frischen Berliner Sound zu finden. Darüber hinaus gibt es natürlich noch die elektronischen Sachen, die im Club laufen. Die hat Basti Schwarz von Tiefschwarz gemacht. Dann hatte ich noch Michi (Michael) Kamm, der die Filmmusik beigesteuert hat. Deswegen ist es alles auch sehr unterschiedlich.


    Movie-Infos: Was magst du am Filmemachen besonders?

    David Dietl: Was besonders toll ist, ist nach dem Dreh in den Schneideraum zu kommen. Nach dem Druck, den man beim Drehen hat, kannst du dir dann im Schneideraum erst einmal alles in Ruhe angucken und dir Gedanken machen, wie das alles zusammenkommt. Und im Idealfall dich darüber freuen, was du in den letzten Wochen unter Hochdruck am Drehort geschafft hast. Und dann eben folgt der Prozess mit Musik und den Film zu formen. Das ist wirklich eine Zeit, die ich sehr genieße.


    Movie-Infos: Im April startet bereits deine Dokumentation "Berlin Bouncer". Standen sich die beiden Projekte mal im Weg?

    David Dietl: "Berlin Bouncer" habe ich tatsächlich vor vier Jahren schon begonnen zu drehen. Das hat sich aus verschiedenen Gründen immer wieder hingezogen, weil meine drei Protagonisten teilweise keine Zeit hatten, weil ich dazwischen eben auch "Rate Your Date" und einen anderen Film gedreht habe. Es wurde so lustiger Weise zu einem Langzeitprojekt, sodass beide Filme relativ zeitgleich erscheinen, wo ich am Anfang noch dachte "musste das sein?". Aber mittlerweile bin ich auch ganz glücklich darüber, weil beide Projekte so unterschiedlich sind und auf eine gewisse At und Weise meine Bandbreite im Filmemachen zeigen - einmal ein Dokumentarfilm über drei Berliner Türsteher und dann eine romantische Komödie für ein jüngeres und breiteres Publikum. Und trotzdem sind beides totale Berlin-Filme, aber eben auf sehr unterschiedliche Weise. "Rate Your Date" ist eine Ode an den Sommer, an die Liebe und an Berlin, und "Berlin Bouncer" eher ein wehmütiger Blick und auch ein Abschied für mich aus Berlin und der Zeit, die ich hier verbracht habe.

    © 2019 20th Century Fox


    Movie-Infos: Du hast dich bisher in den Genres Drama, Komödie und Dokumentarfilm bewegt. Gibt es ein Genre oder eine Art von Film, was du unbedingt mal umsetzten möchtest?

    David Dietl: Ja. Ich würde wahnsinnig gern mal einen Fantasy-Film machen oder zumindest einen Ritterfilm, weil das etwas ist, was ich schon als kleiner Junge immer gerne mochte. Nur bis mir jemand das Geld gibt, einen großen Fantasy-Film oder Ritterfilm zu machen, muss "Rate Your Date" erst einmal erfolgreich werden. (lacht)


    Movie-Infos: Gibt es einen Ort, ein Land oder eine Stadt, wo du gerne einmal drehen würdest?

    David Dietl: Ich würde gerne mal einen Film in Rio de Janeiro drehen. Ich finde einfach, dass es eine wahnsinnig faszinierende Stadt ist, alleine von der Topographie und von den Lichtstimmungen her und der Diversität, wie alles gedrungen auf einem Platz ist. Dazu müsste ich mir noch die richtige Geschichte überlegen.
    Und ein Land wäre, glaube ich, Myanmar, also Burma, wo ich mal eine Reise hingemacht habe und was ich für eines der spannendsten Länder momentan halte, weil es sich gerade öffnet und teilweise noch unglaublich ursprünglich ist. Es besitzt einen unglaublichen Charme, aber auch eine große kulturelle und gesellschaftliche Kluft, mit der es durchaus interessant wäre, sich filmisch auseinanderzusetzen.


    Movie-Infos: Was sind deine Lieblingsfilme und welche haben dich besonders geprägt?

    David Dietl: Das ist schwer, Filme zu nennen. Bei mir sind es oft drei Regisseure, die ich nenne. Das sind Stanley Kubrick, Federico Felini und Ang Lee. Das sind die Regisseure, von denen ich alle Filme irgendwie faszinierend finde, weil auch die Filme und Genres so unterschiedlich sind. Das finde ich einfach toll, als Filmemacher eine Bandbreite in den Genres, in den Erzählungen zu haben.
    Infos
    Originaltitel:
    Rate Your Date
    Land:
    Deutschland
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    20th Century Fox
    Regie:
    David Dietl
    Drehbuch:
    David Dietl, Katharina Eyssen
    Kamera:
    Felix Novo de Oliveira
    Musik:
    Michael Kamm
    Genre:
    Komödie
    Darsteller:
    Alicia von Rittberg, Marc Benjamin, Edin Hasanovic, Nilam Farooq, Anke Engelke
    Inhalt:
    In Rate Your Date schließen sich die Dating-erfahrene Teresa, die romantische Patricia, der in Liebesdingen unbeholfene Informatiker Anton und der prollige Start-up-Gründer Paul zusammen, um eine Dating-App zu programmieren, die ihre User in Kategorien einteilt. Denn eines haben die Vier gemeinsam - auf böse Überraschungen bei Dates hat keiner von ihnen mehr Lust. Ihre App soll genau das vorbeugen. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass Menschen sich nicht so leicht in Schubladen stecken lassen und das unerwartete Konsequenzen mit sich bringt.
    Start (DE):
    07.03.2019
    Laufzeit:
    110 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
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