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Burning

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  • Einleitung


    Acht Jahre hat es gedauert bis Regisseur und Drehbuchautor Lee Chang-dong einen neuen Film präsentierte. Und für viele scheint sich die Wartezeit gelohnt zu haben, denn Burning wurde von zahlreichen Seiten gefeiert und schaffte es als erster südkoreanischer Film auf die Shortlist des Acadamy Awards für den besten fremdsprachigen Film.
    Dabei konnte er für seine drei Hauptfiguren abwechslungsreiche Darsteller gewinnen. Auf der einen Seite steht der in Südkorea äußerst erfolgreiche Yoo Ah-in (Veteran) und auf der anderen der und USA bekannte Steven Yuen (The Walking Dead). Ergänzt werden die populären Schauspieler von Newcomerin Jeon Jong-seo.

    Burning dreht sich um Jong-su, der sich mit Lieferjobs über Wasser hält. In Hae-mi scheint der etwas ziellose junge Mann eine interessante Freundin gefunden zu haben. Als sie eines Tages nach Afrika geht und mit einem neuen Freund zurückkehrt, weiß Jong-su die Situation nicht recht einzuschätzen. Der wohlhabende Ben ist nicht nur einschüchternd, sondern offenbart auch mit seinem Hobby Gewächshäuser niederzubrennen ein beängstigendes Geheimnis.

    Das Drehbuch wurde von Oh Jung-mi und Regisseur Lee Chang-dong nach der Kurzgeschichte Barn Burning von Haruki Murakami verfasst.

    © 2019 Capelight Pictures


    Kritik


    Mit viel Ruhe erzählt Lee Chang-dong seinen fast zweieinhalb Stunden langen Film. Dessen Rhythmus er auch stets treu bleibt. Wirkt das in der Anfangsphase eventuell noch etwas zäh, so lässt dieses Gefühl spätestens mit der Einführung des dritten Protagonisten schnell nach.
    Die kurze Beziehung zwischen den Figuren Jong-su und Hae-mi wird recht zügig etabliert, allerdings versteht man auch schnell, warum der etwas introvertierte Jong-su der lebensfrohen Hae-mi verfällt. Impulsiv wie sie ist, bringt sie den unbeholfenen Lieferanten dazu mir ihr zu schlafen. Ob dabei wahre Gefühle im Spiel sind oder sie sich nur einen Babysitter für ihre Katze während ihres Afrika-Urlaubes sichern möchte, ist beides ebenso möglich wie glaubwürdig. Denn die beiden sind bereits in ihrer Kindheit aufeinandergetroffen, in der jedoch Jong-su bei Hae-mi einen deutlich größeren Eindruck hinterlassen hat, als anders herum.
    Aus Afrika kehrt Hae-mi jedoch nicht alleine zurück. Dort lernte sie den wohlhabenden Koreaner Ben kennen. Die von Steven Yuen mit einer überwältigenden Selbstverständlichkeit verkörperte Figur bringt direkt eine unterschwellige Spannung in die Konstellation. Yoo Ah-in lässt bei seiner Figur ab diesem Zeitpunkt eine ungeheuer zurückhaltende Aggression mitschwingen, sodass trotz der ruhigen Erzählstruktur eine explosive Atmosphäre entsteht. Yuen, der seinen männlichen Kontrahenten dabei niemals als genau den betrachtet und ihm stets mit großer Höflichkeit und Liebenswürdigkeit gegenübertritt, erhöht diese Spannung zunehmend. Jong-su steht somit auf den ersten Blick einer personifizierten Übermacht gegenüber. Er, der simple Farmer, Lieferwagenfahrer und Schriftsteller, der aber immer noch nicht sein erstes Buch geschrieben hat, sieht sich in einem Konkurrenzkampf mit Ben, einem gutaussehenden, reichen, jungen Mann, der selbstbewusst und zuvorkommend ist. So werden die Figuren indirekt zum Klassenkampf von dem Traditionellen mit dem Modernen. Vom einfachen Mann mit dem Mächtigen und Reichen. Bens Lebensstil wird zum Angriff auf den kulturellen von Jong-su. Jedoch werden diese Konflikte nie offen ausgetragen oder formuliert.
    Regisseur Lee erzählt seine Geschichte mit Metaphern und Andeutungen. Ihm gelingt dadurch ein ebenso intellektuell wie emotional anspruchsvolles Werk zu kreieren.

    © 2019 Capelight Pictures


    In einer Zeit, in der Filme immer einfacher strukturiert sind und auf jede Frage eine klare Antwort liefern, wirft Lee in Burning immer mehr Fragen in den Raum, die sich um ein großen Mysterium tummeln. Denn vor allem Ben ist eine Figur die stets Geheimnisse zu umgeben scheinen. Und so streut Lee zahlreiche Hinweise und Andeutungen, wodurch sich eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten offenbart. Das geht sogar soweit, dass man bei zunehmenden Verlauf selbst das Gesehene in Frage stellen kann. Doch mit einer Antwort des Filmemachers braucht man nicht zu rechnen. Vielmehr kann sich jeder Zuschauer individuell seine Erklärung des Gezeigten zusammenstellen.

    Durch die emotional vielschichtigen Figuren, die großartig von den Darstellern zum Leben erweckt werden, verkommt das Werk aber niemals zu einem intellektuellen Experiment. Viel mehr überwältigt Lee auch immer wieder mit wunderschönen Aufnahmen und Szenen. Dabei fängt Kameramann Hong Kyung-pyo (The Wailing) die Bilder wie in einem Gemälde ein. Ergänzt von zahlreichen Szenenhighlights wächst Burning über seine dramaturgische Stärke hinaus auch zu einem visuellen Kunstwerk, das ebenfalls durch den starken Soundtrack von Mowg immer wieder zu berühren weiß. Wenn beispielsweise Hae-mi beim ersten Essen nach ihrer Ankunft in Seoul von den afrikanischen Stämmen und ihrer Unterscheidung von kleinem und großem Hunger erzählt, geht das unter die Haut. Einen weiteren Höhepunkt erreicht die Symbiose aus visueller, emotionaler und intellektueller Wucht, wenn Ben und Hae-mi bei Jong-su auf dem Land zu Besuch sind und die gefühlsbetonte junge Frau im Sonnenlicht anfängt zu tanzen. Der Ausdruck, der Lee in diesem Augenblick gelingt, ist einfach überwältigend.
    Und spätestens an dem Punkt versteht auch jeder, warum die beiden Männer Hae-mi verfallen sind. Denn wo die Beiden in ihrem Leben der Kern verborgen bleibt, scheint Hae-mi trotz ihres wankelmütigen Lebens genau diesen erkannt zu haben. Ben, der trotz seines sorglosen Lebens, mit einer anhaltenden Leere zu kämpfen hat, oder Jong-su, dessen Perspektivlosigkeit ihn vieler Freuden zu rauben scheint, finden in Hae-mi die Faszination für das, was fehlt.

    Der südkoreanische Filmemacher versteht es mit Burning eine so vielschichtiges Werk abzuliefern, dass es schwer fällt, den vollen Umfang beim ersten Schauen zu greifen. Zahlreiche Andeutungen und Symbole fallen einem noch Stunden nach Ende des Films ein, die man interpretieren und in den Kontext bringen kann. Handlungen und Blicke, die von den Darstellern so nuanciert platziert werden, dass man fast jede einzelne Szene auseinander nehmen kann. Und selbst wenn man nicht alles erfasst, was vermutlich auch nahezu unmöglich ist, bleibt am Ende eine unglaubliche Seherfahrung, die einen langen Nachhall hat. Denn neben den vielen faszinierenden Szenen, lässt Lee seine Geschichte noch zusätzlich in einem Finale enden, das durch seine feinfühlige Inszenierung einen nicht mehr loslässt.

    © 2019 Capelight Pictures


    Inspiriert durch eine Kurzgeschichte von Murakami, ergänzt durch Einflüsse von der mit dem selben Namen betitelten Geschichte von William Faulkner, ist es dem Regisseur gelungen seine Vorlagen zu einem Film mit deutlicher Überlänge auszubauen und dabei diesen neue überwältigende Facetten abzugewinnen. Mit seinen mehrdeutigen Aussagen, bei denen man die plastisch operierte Hae-mi sogar symbolisch mit einem Gewächshaus gleichsetzten kann, und den traumhaften Bildern ist Burning zu einem intellektuell wie emotional anspruchsvollen und faszinierenden Werk geworden. Durch die grundverschiedenen Protagonisten entsteht eine stets spannende Dynamik zwischen den Figuren, sodass jede noch so kleine Szene mit ihnen interessant anzuschauen ist. Die unterschwelligen Konflikte, die zwischen ihnen stattfinden, halten eine unheilvolle Stimmung über die gesamte Laufzeit aufrecht, die vor allem durch die passive Aggression von Jong-su getragen wird.
    Jedoch muss man Burning auch eingestehen, dass durch die wirklich sehr ruhige Erzählung sich hin und wieder eine kleine Länge offenbart.

    Fazit


    Mit Burning ist Lee Chang-dong ein überwältigendes Werk gelungen, das von erstklassigen Darstellern, wunderschönen Bildern und faszinierenden Metaphern getragen wird. Die emotionale wie intellektuelle Wucht kreiert auch noch weit nach dem Ende des Films einen einnehmenden Nachhall.


    9/10

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    Infos
    Originaltitel:
    버닝 (Beoning) / Burning (Englischer Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    CJ Entertainment / Capelight Pictures
    Regie:
    Lee Chang-dong
    Drehbuch:
    Oh Jung-mi, Lee Chang-dong, Haruki Murakami (Kurzgeschichte)
    Kamera:
    Hong Kyung-pyo
    Musik:
    Mowg
    Genre:
    Thriller, Drama
    Darsteller:
    Yoo Ah-in, Steven Yuen, Jeon Jong-seo
    Start (DE):
    06.06.2019
    Start (USA):
    26.10.2018
    Laufzeit:
    148 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
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Kommentare 2

  • Benutzer-Avatarbild

    Burning -

    Sehr schöne Kritik, habe mir gerade Tickets für den 15.06. gesichert und werde mir dann mal ansehen, was die mit meinem Namen angestellt haben :D Freue mich schon sehr auf den Film.

    • Benutzer-Avatarbild

      ElMariachi90 -

      Danke. Das freut mich sehr, dass du schon Karten hast. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass das auch genau ein Film für dich ist. Ich bin schon gespannt, wie er dir gefallen wird.