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Made in China

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  • Einleitung


    Der durch die Erfolgskomödie Monsieur Claude und seine Töchter bekannt gewordene Schauspieler Frédéric Chau arbeitete mit Drehbuchautor Kamel Guemra und Regisseur Julien Abraham am Skript für Made in China. Dabei ließ Chau zahlreiche Erfahrungen aus seinem eigenen Leben mit einfließen. Der Franzose mit chinesischen Wurzeln verarbeitet darin, mit welchen Hindernissen man als Kind zweier unterschiedlicher Kulturen zu kämpfen hat.

    Im Zentrum von Made in China steht der Fotograph Francois, der nach dem Tod seiner Mutter und einem Streit mit seinem Vater vor 10 Jahren die Verbindungen zu seiner chinesischen Familie abgebrochen hatte. Als er jedoch erfährt, dass er selbst Vater wird, beschließt der den Kontakt wiederherzustellen, um seinem Kind auch die Welt seiner Familie zu öffnen. Im chinesischen Teil von Paris wird er von seinen Familienangehörigen euphorisch empfangen. Nur sein Vater und sein jüngerer Bruder scheinen nicht sonderlich viel Interesse daran zu haben, den Kontakt mit Francois wiederbeleben zu wollen.

    © 2019 Neue Visionen Filmverleih

    Kritik


    Dass es nicht immer leicht ist, als Einwanderer oder Kind solcher in einer neuen Kultur Fuß zu fassen, ist kein Geheimnis. Made in China beleuchtet auf komisch-dramatische Weise die Kämpfe, die ein Kind zweier Kulturen ausfechten muss, wenn er zu beiden irgendwie nicht so richtig dazugehört. Vor allem die problematische Beziehung des Protagonisten Francois zu seinem störrischen Vater steht im Mittelpunkt des Werks. Mit einer französischen Freundin und seinem ersten Kind auf dem Weg, versucht er trotz aller Hürden die Beziehung zu seinen Wurzeln und seinem Vater wieder aufzubauen.

    Auch wenn die Motivationen von Francois' Vater nicht immer verständlich sind, vor allem in Hinsicht seines eigentlich innigen Wunsches seinen Sohn wiederhaben zu wollen, so ist die Beziehung zwischen ihm und Francois dennoch stets berührend - mal auf negative, mal auf positive Weise. Francois' Kampf um die Zuneigung und Aufmerksamkeit seines Vaters ist gerade durch das tolle Schauspiel von Frédéric Chau mitreißend. Zwar ist es manchmal etwas verwunderlich, dass er so ein Durchhaltevermögen an den Tag legt, da sein Vater ihn streckenweise äußerst herablassend behandelt. Umso verständlicher ist es aber wiederum, warum Francois mit ihm und seinen chinesischen Wurzeln über Jahre hinweg nichts mehr zu tun haben wollte. Dennoch hätte der Vater durchaus mehr Tiefgang verdient gehabt, um die problematische Beziehung zwischen Vater und Sohn mehr Fundament zu geben. Einzig dem in der asiatischen Kultur so verankertem Problem des Gesichtsverlusts wird hier deutlich Ausdruck verliehen, was Bing Yin als griesgrämiger Vater durchweg glaubwürdig verkörpert.

    © 2019 Neue Visionen Filmverleih


    Francois-Darsteller Chau spielt stets die Verletzungen, die der Vater und die zahlreichen Vorurteile ihm in seinem Leben angetan haben, mit, ohne dabei aber zu wütend oder depressiv zu wirken. Immer wieder lässt er die Traurigkeit durchblicken. Bei einem gemeinsamen Familienausflug zum Grab der Mutter erreicht seine emotionale Ambivalenz den Höhepunkt. Wenn seine gesamte Familie im Van ein chinesisches Lied singt und er dieses aufgrund seiner fehlenden sprachlichen Möglichkeiten nicht mitsingen kann, schwingt eine unglaubliche Traurigkeit hin zur Sehnsucht mit. Endlich scheint er bei seiner Familie angekommen zu sein und bleibt dennoch ein Außenseiter.
    Mit Blick auf die Tatsache, dass die Geschichte von Made in China stark vom Leben von Hauptdarsteller Chau beeinflusst wurde, ist es wenig verwunderlich, dass dieser seine Rolle so bravourös meistert.

    Bei all der Dramatik kommt aber auch die Komik nicht zu kurz. Vor allem Co-Star Medi Sadoun, der Francois' besten Freund Bruno verkörpert, sorgt immer wieder für Brüche in der emotionalen Geschichte. Was teilweise die Handlung angenehm auflockert, führt aber auch immer wieder für etwas anstrengende Augenblicke. Denn nicht jeder Kommentar ist angemessen oder zumindest lustig. Sadoun, der auch bereits bei den beiden Monsieur Claude und seine Töchter-Filmen an der Seite von Chau stand, schießt immer wieder über das Ziel hinaus, was dem Werk streckenweise nicht allzu gut tut. Hier wäre ab und an weniger definitiv mehr gewesen.
    Wenn sich Made in China aber über die zahlreichen Klischees und Vorurteile bezüglich der chinesischen Kultur lustig macht, so sitzen die Gags fast immer und sorgen für einige herzhafte Lacher. Das ist nicht nur dem guten Timing zu verdanken, sondern auch dem durchweg charmanten Cast. Made in China spielt so gekonnt mit den Klischees, indem der Film sie immer wieder bedient, irgendwoher müssen die Klischees ja kommen, aber auch immer wieder durchbricht. Das manifestiert sich natürlich am meisten in der Hauptfigur Francois, der eigentlich mehr Franzose als Chinese sein möchte.

    Trotz ein paar Ungereimtheiten besticht Made in China durch seine sympathischen Figuren und seine berührende Handlung. Beides kann den Zuschauer über die Schwächen gut hinwegsehen lassen.

    © 2019 Neue Visionen Filmverleih

    Fazit


    Made in China ist kein Werk ohne Fehler, aber dennoch eine äußerst unterhaltsame und streckenweise wirklich berührende dramatische Komödie, die von seinem äußerst sympathischen Hauptdarsteller gekonnt getragen wird. Darüber hinaus offenbart das Werk von Julien Abraham einen schönen Blick auf die chinesische Subkultur von Paris.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Made in China
    Land:
    Frankreich
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Montank Film / Neue Visionen Filmverleih
    Regie:
    Julien Abraham
    Drehbuch:
    Kamel Guemra, Julien Abraham, Frédéric Chau
    Kamera:
    Julien Meurice
    Musik:
    Quentin Sirjacq
    Genre:
    Drama, Komödie
    Darsteller:
    Frédéric Chau, Bing Yin, Medi Sadoun, Julie de Bona
    Start (DE):
    18.07.2019
    Laufzeit:
    87 Minuten
    FSK:
    ohne Altersbeschränkung
    Bilder
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