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Der König der Löwen

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  • Einleitung


    Nach mal mehr mal weniger nahen Verfilmungen ihrer Zeichentrickklassiker präsentiert Disney und Regisseur Jon Favreau (The Jungle Book) mit Der König der Löwen wohl den originalgetreusten "Realfilm". Dafür konnten die Macher nicht nur Erfolgskomponist Hans Zimmer wiedergewinnen, sondern auch Mufasa-Sprecher James Earl Jones. Darüber hinaus leihen aber zahlreiche neue, allerdings sehr bekannte Schauspieler in der englischen Originalversion den Tieren ihre Stimmen. Unter anderem sind Donald Glover (Der Marsianer) als Simba, Beyoncé Knowles-Carter (Obsessed) als Nala, Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) als Scar, Seth Rogen (Das ist das Ende) als Pumbaa, Billy Eichner (Parks and Recreation) als Timon, John Oliver (Community) als Zazu, John Kani (Der Geist und die Dunkelheit) als Rafiki zu hören.

    Im Zentrum von Der König der Löwen steht das Löwenjunges Simba, das als neuer Thronfolger in die Fußstapfen von seinem Vater Mufasa treten soll. Nachdem Mufasas Bruder Scar Simba wie seinen Vater manipuliert und hintergeht, um selbst auf den Thron Anspruch zu haben, flieht Simba aus dem Königreich. Nach etlichen Jahren muss er sich die frage stellen, ob er sich seiner Bestimmung stellt oder seinem neuen unbeschwerten Leben folgt.

    © 2019 Walt Disney

    Kritik


    Bei der Neuverfilmung von Der König der Löwen stellt sich nachvollziehbar die Frage der Daseinsberechtigung. Letztendlich kann Disney es auch niemandem wirklich recht machen. Wenn sie zu viele neue Impulse setzten, bleiben sie nicht nah genug am Original und wenn sie die Vorlage nahezu eins zu eins übernehmen, fehlt der Einfallsreichtum. Der König der Löwen zählt dabei vor allem zu letzterem. Jon Favreau und sein Drehbuchautor Jeff Nathanson entschieden sich vor allem dramaturgisch sich möglichst wenig von der Vorlage zu entfernen. So folgt das Werk ziemlich genau dem Verlauf des Zeichentrickfilms und auch zahlreiche Dialoge wurden fast komplett übernommen. Aber auch musikalisch bietet der Film wenig Neues. Hans Zimmers Melodien wurden von dem Komponisten meist nur mit wenigen neuen Anekdoten versehen und auch die Songs aus dem Original finden sich fast identisch in der Neuauflage wieder. Wenn ein Werk sich so sehr an seiner Inspirationsquelle bewegt, muss es sich natürlich dem Vergleich stellen und dem kann die Realverfilmung nicht standhalten. Denn obwohl mit beispielsweise Beyoncé und Donald Glover in der englischen Version zwei begnadete Sänger den Löwen ihre Stimmen leihen, so harmonieren sie weder in der Liebesballade "Can you feel the Love tonight" so sensationell wie ihre Vorbilder, noch können sie deren emotionale Bandbreite erreichen. Da wird der Unterschied zwischen Musical-Sänger und Pop-Sänger noch einmal deutlich spürbar.

    Unumstößlich ist aber die Tatsache, dass Der König der Löwen visuell neue Maßstäbe setzt. Die Effekte sind absolut beeindruckend, sodass man kaum bemerkt, dass die Tiere und Landschaften aus dem Rechner stammen. Jedes Fellhaar und jeder Grashalm scheint sein eigenes Leben zu haben und bewegt sich so detailliert genau, dass es einen aus dem Staunen über die technischen Möglichkeiten kaum rauslässt. Allerdings haben sich die Macher dafür entschieden, Realismus der Emotionalität den Vorrang zu lassen. Denn so überwältigend die Tierwelt auch animiert ist, so schwer ist es ihr die nötige emotionale Vielfalt abzugewinnen, dessen Möglichkeiten man beim Zeichentrickfilm vollends ausschöpfen konnte. Nachvollziehbar bietet das Gesicht eines Löwen in Realität nicht die Vielfältigkeit an Reaktionen, die eine vielschichtige Geschichte mit solch starken Figuren benötigen würde. So kann die Neuverfilmung zu keinem Moment die emotionale Wucht, die der Handlung eigentlich zugrunde liegt geschweige denn der filmischen Vorlage erreichen. Und auch die Sprecher wissen diesbezüglich in der englischen Fassung dieses Manko nicht auszugleichen. Lediglich Florence Kasumba als Shenzi und Chiwetel Ejioford als Scar hinterlassen als Stimmen einen nachhaltigen Eindruck. Letzterer kann allerdings nicht nur akustisch überzeugen, sondern auch optisch. Wirkte der Bösewicht in den Trailern noch etwas befremdlich, so entfaltet sich dessen Bedrohung im endgültigen Film erstklassig. Das gräuliche Fell, die zerzauste Mähne und der ewig kalte Blick lassen den Zuschauer die Gefahr, die von dieser Figur ausgeht, in jeder Sekunde spüren. Aber auch die Hyänen stehen in ihrer Erscheinung ihrem Anführer in nichts nach. Herrlich fies ist ihr Äußeres wie ihr Verhalten.

    © 2019 Walt Disney


    Selten beweist Der König der Löwen Mut zur Neuerung. Wenn dieser dennoch mal durchblitzt, so zeigt sich, dass neu auch nicht immer gut ist. Bei einigen Dialogen verschlechtert man sich, während einige neue Szenen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Vor allem bei der wundervollen Dschungelwelt von Timon und Pumbaas Zuhause zeigt sich eine wahrlich wundervolle Kreativität des Regisseurs und Effektteams. Dennoch ist noch lange nicht alles gut, was neu ist. In vielerlei Hinsicht verschlechtert man sich gegenüber der Vorlage. Auf der anderen Seite bleibt man aber auch viel zu oft uninspiriert zu nah an ihr. Gelang es Favreau mit The Jungle Book noch eine gelungene Mischung aus neu und alt, verfehlt er dies bei Der König der Löwen weitestgehend. Dazu muss gesagt werden, wer sich eine möglichst vorlagegetreue Umsetzung wünscht, wird bei dieser Neuverfilmung voll und ganz auf seine Kosten kommen. Wer sich allerdings ein wenig mehr Kreativität erhofft, wird hier in großen Zügen gelangweilt.
    Ohne Frage ist dem Effektteam und dem Regisseur visuell ein neuer Meilenstein gelungen. Darüber hinaus konnte man aber wenig bieten, dass die Daseinsberechtigung der Neuverfilmung stützt. Obwohl die Geschichte weiterhin ein großartige ist, weiß das Werk nur selten zu fesseln oder gar zu berühren. Das liegt natürlich vor allem an der immens starken Vorlage. Doch wenn man sich entscheidet, dieser kaum eine Neuinterpretation zu schenken, dann schwingt zwangsläufig der Vergleich ständig mit. Und da fragt man sich fast durchgängig, warum man sich nicht einfach das Original noch einmal anschaut, da die Neufassung diesem in keinem Augenblick das Wasser reichen geschweige denn etwas Neues abgewinnen kann.

    Fazit


    Wer sich eine möglichst originalgetreue Neuverfilmung von Der König der Löwen wünscht, wird seine große Freude haben. Alle anderen Kenner des Originals wird das Werk von Jon Favreau weitestgehend kalt lassen. Die beschränkte emotionale Wucht der realistischen Tiere, ermöglicht kaum einen Zugang. Auf technischer Ebene ist der Film aber ein neuer Meilenstein.


    5/10

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    Zweitmeinung


    BurningTechnisch beeindruckend präsentiert sich Der König der Löwen auf der Leinwand und ist eine Augenweide die vor allem mit den realistisch wirkenden Tieren zu überzeugen weiß. Zumindest solange, bis diese den Mund aufmachen und zu reden beginnen. Dies wirkt äußerst befremdlich und falsch. Auch kann der Film inhaltlich trotz eines quasi 1:1 Remakes (mit verlängerten Szenen) nicht überzeugen, da durch die fast schon fotorealistisch wirkenden Tiere keinerlei Mimik übertragen werden kann und alles einzig und allein auf die Stimmen der Sprecher ankommt. So verkommt die eigentlich sympathische Handlung zu einem kalten Aufguss des Originals, da man mit den untereinander fast alle gleich aussehenden Tierarten kaum mitfiebern kann und schnell das Gefühl von Langeweile aufsteigt.

    5/10
    Infos
    Originaltitel:
    The Lion King
    Land:
    USA
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Walt Disney Pictures
    Regie:
    Jon Favreau
    Drehbuch:
    Jeff Nathanson
    Kamera:
    Caleb Deschanel
    Musik:
    Hans Zimmer
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Donald Glover, Beyoncé Knowles-Carter, James Earl Jones, Seth Rogen, Billy Eichner, Chiwetel Ejioford, Florence Kasumba, John Kani
    Start (DE):
    17.07.2019
    Start (USA):
    19.07.2019
    Laufzeit:
    118 Minuten
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Bilder
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