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No Mercy

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  • Einleitung


    In der Hauptrolle von No Mercy brilliert Lee Si-young, die ihre langjährige Erfahrung als Boxerin endlich nutzen konnte. In Deutschland noch recht unbekannt ist sie in ihrem Heimatland Südkorea aber durchaus kein unbekanntes Gesicht. Neben einigen Filmen wirkte sie auch in Serien mit. Bei No Mercy inszenierte sie Spielfilmdebütant Lim Kyeong-taek.

    Im Zentrum des Werks steht die ehemalige Personenschützerin Inae, die sich auch dem Tod ihrer Eltern um ihre kleine Schwester kümmert. Als diese eines Tages nicht von der Schule nach Hause kommt und die Polizei wenig Motivation an den Tag legt, die Teenagerin zu finden, beschließt Inae sich selbst auf die Suche zu machen. Dabei gerät sie immer weiter in den Sumpf von Kriminalität und Prostitution, dessen Kreise sich bis in Hohe politische Positionen ziehen. Inae hinterlässt eine blutige Spur auf der Suche nach ihrer kleinen Schwester

    © 2019 Busch Media Group

    Kritik


    Recht schnell wird bei No Mercy deutlich, dass die Macher kein sonderlich hohes Budget zur Verfügung hatten. Das spiegelt sich ebenfalls darin wieder, dass hinter der Kamera ein recht unbekanntes Team stand. Dennoch merkt man dem Film seine Bemühungen, das Maximum aus dem, was ihnen möglich ist, herauszuholen. So bleibt das Werk von Lim Kyeong-taek dann doch häufig ansehnlich. Die Action ist zwar nicht immer atemberaubend aber stets souverän und auch ordentlich gefilmt. Die Choreografien sind dabei aber durchweg gelungen, auch wenn hier keine neuen Maßstäbe gesetzt werden.
    Dramaturgisch hat der Rache-Film immer wieder zu kämpfen. Auf der einen Seite sind die ständig fluchenden Gegenspieler teilweise nervtötend und die Dialoge streckenweise grenzwertig. Auf der anderen Seite offenbart die Handlung immer wieder Löcher. Erwartungsgemäß wird bei dem Genre keine allzu tiefgründige Geschichte präsentiert, doch sollte sie zumindest stets zweckmäßig sein. Das ist sie bei No Mercy allemal. Allerdings gelingt es Lim nicht, diese originell zu erzählen. Dabei bleibt er bemüht, aber dennoch uninspiriert. Auch wenn die Geschichte sich teils wichtigen Themen widmet, fehlt dem Regisseur meist das nötige Feingefühl, mit diesen angemessen umzugehen. In den Ansätzen bietet der Rache-Thriller immer wieder vielversprechendes Material, was leider viel zu selten adäquat umgesetzt wird.
    Ähnliches zeigen auch die technischen Aspekte. Wo der Soundtrack noch durchaus stimmungsvoll ist, bleibt alles andere im besten Fall durchschnittlich. Kameraeinstellung, Bildkompositionen, Schnitt, alles bewegt sich leider selten auf dem potentiellen Niveau.

    Jedoch kann No Mercy mit einem Aspekt durchgängig überzeugen. Und das ist Hauptdarstellerin Lee Si-young. Die Schauspielerin und ehemalige Boxerin bewegt sich lückenlos in einer völlig anderen Liga, wie der Rest des Films. Ihre Physis, ihr Gestus und ihre emotionale Wucht werten jede Szene mit ihr ungemein auf. In den Actionszenen ist sie glaubhaft, was allerdings nicht nur ihren flüssigen Bewegungen zu verdanken ist, sondern auch den gelungenen Choreografien. Denn dabei wird nie auf die Stärke von Lees Figur gesetzt, sondern auf ihre Technik und ihre Erfahrung. Und beides nimmt man der Kampfsportlerin ohne jegliche Zweifel ab. Aber auch über die Actionszenen hinaus präsentiert die Schauspielerin eine starke Leistung. Mit einer berührenden Mischung aus Wut und Trauer kämpft sie sich bis zu ihrer Schwester durch die Unterwelt. Dabei offenbart sich eines der wenigen inszenatorischen und dramaturgischen Highlights. Lees Charakter Inae wird von Gegner zu Gegner kompromissloser. Und auch die Inszenierung der Gewaltszenen werden immer expliziter und gewalttätiger. Fragt man sich in der ersten Hälfte noch, warum die FSK dem Werk keine Jugendfreigabe erteilt hat, beantwortet sich die Frage in der zweiten von selbst. Regisseur Lim schwenkte zu Beginn bei blutigen Szenen immer wieder weg, so hält er im Verlauf des Films immer mehr auf die Taten drauf, was die wachsende Entschlossenheit der Protagonistin noch einmal unterstreicht.
    Auch wenn der internationale und deutsche Titel No Mercy ist, zeigt Inae dann doch zu häufig Gnade. Da ist der Originaltitel Eonni (große Schwester) deutlich besser gewählt. Denn erst zum Ende hin hat sie für ihre Widersacher kein Verständnis mehr übrig. Lee stellt die Steigerung ihrer Gewaltbereitschaft unglaublich gut dar und ihr gelingt es dabei immer den Zuschauer emotional abzuholen. Mit einem gesunden Selbstbewusstsein strahlt sie ein unglaubliches Charisma aus, dass durch ihr Selbstverständnis im Spiel, wenn sie ihren Gegnern gegenüber steht, genährt wird. In keiner Sekunde spielt sie das kampferprobte Können ihrer Figur vor, sondern präsentiert es als vollkommene Selbstverständlichkeit. An diesem Punkt scheitern die meisten Darsteller und Darstellerinnen, was von Lee erstklassig gemeistert wird.
    So gelingt es Lee Si-young über einige Schwächen des Werks hinwegzutäuschen, da sie nicht nur durch ihre glaubhaften Bewegungsabläufe die Kampfszenen aufwertet, sondern auch ihrer Figur wie der Handlung mehr Tiefgründigkeit schenkt, als sie eigentlich haben.

    © 2019 Busch Media Group


    Folglich ist No Mercy eher ein unterdurchschnittlicher, wenn auch bemühter Actionfilm, der durch die starke und charismatische Hauptdarstellerin noch so gerade den Durchschnitt erreicht.

    Fazit


    Regisseur Lim Kyeong-taek kann zwar auf gute Kampfchoreografien zurückgreifen, scheitert aber an dem relativ niedrigen Budget, schwachen Dialogen und mangelndem inszenatorischen Einfallsreichtum. Dennoch ist das Werk bemüht. Eine beeindruckende Hauptdarstellerin, die sich deutlich von der unterdurchschnittlichen Qualität des Films abhebt, kann No Mercy noch so gerade in den Durchschnitt retten.


    5/10

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    Infos
    Originaltitel:
    언니 (Eonni) / No Mercy (Englischer Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Finecut / Busch Media Group
    Regie:
    Lim Kyeong-taek
    Drehbuch:
    Kim Min
    Kamera:
    Lee Jung-bae
    Musik:
    Jung Chae-ung
    Genre:
    Action
    Darsteller:
    Lee Si-young
    Start (DE):
    16.08.2019 (Heimkino)
    Laufzeit:
    90 Minuten
    FSK:
    keine Jugendfreigabe
    Bilder
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