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Designated Survivor: 60 Days

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  • Einleitung


    Mit Designated Survivor: 60 Days hat sich Südkorea der fast gleichnamigen Thriller-Serie mit Kiefer Sutherland angenommen und die Thematik auf ihre Politik angewendet. Nach Suits, Entourage, Good Wife und Criminal Minds zeigen die Südkoreaner nun einmal mehr, dass man nicht nur Stoffe aus ihrem Land neu auflegen kann, sondern es auch hervorragend anders herum geht.

    Das Remake dreht sich um den Umweltminister von Südkorea, der nach einem Anschlag auf die Nationalversammlung das Land durch die Krise führen muss. Dabei versucht er ebenfalls die Drahtzieher hinter dem Anschlag dingfest zu machen.

    Bei Disignated Suvivor: 60 Days führte bei allen Folgen Yoo Jong-sun Regie, der mit Descendants of the Sun bereits eines der erfolgreichsten K-Dramas leitete. Die Drehbücher stammen hingegen von Kim Tae-hee (The Great King Sejong). In die Fußstapfen von Kiefer Sutherland wird der hierzulande noch recht unbekannte Ji Jin-hee (Summer Snow) treten.

    © 2019 Netflix

    Kritik


    Als Remake muss sich Designated Survivor: 60 Days natürlich dem Vergleich mit dem amerikanischen Vorbild stellen. Und da kann die koreanische Neuinterpretation vor allem mit einem deutlich stärkeren Einstieg punkten. Denn was die südkoreanische Version über die volle Laufzeit das Original überragen lässt, ist die unglaublich starke Figurenzeichnung. Und diese lässt die Anfangsfolge auch deutlich emotionaler werden, als noch die etwas unterkühlte amerikanische Inszenierung. Da man als Zuschauer überraschend schnell eine Bindung zu einigen der Hauptfiguren aufbaut, erscheint die Tragödie umso intensiver und die Verzweiflung, die sich rasch im Land und vor allem unter den Staatsdienern breitmacht, geht spürbar unter die Haut. Ein großer Anteil an der Empathie für die Situation geht auf die Kosten eines herausragenden Ji Jin-hee. Als Umweltminister, der unfreiwillig das Präsidentenamt übernehmen muss, gibt er eine durchgängig überragende Performance ab. Man fiebert in jeder Sekunde mit ihm mit, was die Laufzeit der sechszehn Folgen von je gut einer Stunde wie im Flug vergehen lässt. Jede emotionale Hürde, jede Entscheidung, die er trifft, füllt Ji mit zahlreichen Nuancen, dass es eine gefühlvolle Achterbahnfahrt ist, ihm zuzusehen. Vor allem seinen Respekt vor der Position, die er nach der Tragödie einnehmen muss, lässt ihn ebenso sympathisch wie greifbar erscheinen. Nach und nach wächst seine Figur mit den Verantwortungen und Herausforderungen, die an ihn gestellt werden und sie versucht dennoch ihr wahres Ich, trotz des Einflusses von der Politik und den manipulativen Menschen in der Regierung, zu bewahren. Dabei trifft sie natürlich auch falsche Entscheidungen, versucht aber dennoch stets die menschlich richtigen zu finden.
    So lassen sich zahlreiche Augenblicke nennen, die Ji unvergesslich dargeboten hat. Ob es seine Vereidigung als Präsident ist, bei der man als Zuschauer seine Verlorenheit ebenso nachempfindet, oder sein verunsicherter Umgang mit seiner Familie im Privatleben, der einen immer wieder berührt, bis hin zu seinen im späteren Verlauf selbstbewussten Entscheidungen als Oberbefehlshaber von Südkorea, die immer wieder für Gänsehaut sorgen.

    Allerdings kann sich Ji auch über einen starken unterstützenden Cast erfreuen. Vor allem die Darsteller in seinem direkten politischen Umfeld liefern eine ebenso nennenswerte Leistung ab. Choi Yoon-young als engste Vertraute, Son Seok-koo als Sekretär und spannender Gegenpol des Präsidenten, Lee Moo-seang als ehemaliger Nordkoreaner und späterer Pressesprecher, der auch immer wieder für überraschend unterhaltsame Augenblicke sorgt, Park Keun-rok als emotionaler Administrator oder Kong Jung-hwan als Leiter des Secret Service, alle füllen ihre Rollen vollends aus. Jeder von ihnen profitiert jedoch auch von der starken Figurenzeichnung, die den Charakteren zahlreiche Facetten, spannende Motivationen und einfach Unmengen an sympathischen Aspekten zuschreibt. Drehbuchautorin Kim Tae-hee gelingt es, dass man in oft nur kurzen Momenten ein wunderbares Gefühl für die Figuren bekommt. Und wie so oft bei koreanischen Serien sind die Figuren auch die wahre Stärke des Werks. Denn auch wenn die Prämisse unglaublich spannend und die Handlung zweifelsohne ebenso mitreißend ist, so sind es die greifbaren und liebevollen Figuren, die Designated Survivor: 60 Days zu seiner wahren Größe verhelfen. Man begleitet sie einfach unfassbar gerne durch ihre Höhen und Tiefen.

    © 2019 Netflix


    Aber auch inhaltlich weiß die Serie zu fesseln. Bereits in der zweiten Folge zeigt Designated Survivor: 60 Days wie hoch es möglich ist die Spannungsschraube zu drehen, nur um sie in einer berührenden Auflösung wieder zu lösen. Autorin Kim gelingt es der Ausgangssituation immer wieder interessante und spannende neue Aspekte und Herausforderungen abzugewinnen, die Regisseur Yoo Jong-sun mitreißend zu inszenieren weiß. Auch wenn zum Ende hin ein Paar inhaltliche Schlenker etwas zu konstruiert wirken und auch eine Folge inhaltlich etwas schwach ausfällt, so gelingt es den kreativen Köpfen dennoch die spannende Prämisse ebenso spannend zu behandeln.
    Optisch lässt sich die Serie auch nichts ankreiden und bietet zahlreiche schöne Aufnahmen und gute Effekte. Yoos Bildersprache erzählt darüber hinaus auch mehr, als die gesagten Worte und dennoch ergänzen einige schöne Dialoge die Erzählung, wodurch ein erstklassiges Seherlebnis entsteht. Vollendet von einem überraschend gut platzierten Humor, wird der Unterhaltungswert noch zusätzlich erhöht.

    Letztendlich ist Designated Survivor: 60 Days eine unglaublich starke Serie geworden, die über ihre spannende Geschichte hinaus vor allem durch ihre starken Figuren und Darsteller punkten kann, was beides mit Hauptdarsteller Ji Jin-hee und seiner faszinierenden Darstellung des unfreiwilligen Präsidenten seinen Höhepunkt findet.

    Fazit


    Den Koreanern ist mit Designated Survivor: 60 Days etwas gelungen, was die wenigsten Remakes erreichen: sie haben eine Vorlage mit einer starken Idee genommen und sie verbessert. Ein unglaublich vielseitiger und vor allem sympathischer Hauptdarsteller hebt die dramaturgisch wie inszenatorisch starke Serie darüber hinaus noch weit über die vergleichbare Konkurrenz.


    9/10

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    Infos
    Originaltitel:
    60일, 지정생존자 (60Il, Jijungsaengjonja) / Designated Survivor: 60 Days (englischer Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    tvN / Netflix
    Regie:
    Yoo Jong-sun
    Drehbuch:
    Kim Tae-hee
    Genre:
    Thriller, Drama
    Darsteller:
    Ji Jin-hee, Choi Yoon-young, Son Seok-koo, Lee Moo-seang, Park Keun-rok, Kong Jung-hwan
    Start (DE):
    11.07.2019 (Netflix)
    Start (USA):
    01.07.2019 (Netflix)
    Laufzeit:
    ca. 70 Minuten pro Folge (16 Folgen)
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Designated-Survivor-60-Days-Serienkritik-wide.jpg

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