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The Quake

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  • Einleitung


    2015 bewies Regisseur Roar Uthaug mit The Wave zumindest im Schlussakt, dass er actiongeladene Szenen spannend inszenieren kann. Das dürfte mitunter ein Grund gewesen sein, warum der Norweger den Job als Regisseur bei dem Tomb Raider-Reboot mit Alicia Vikander bekommen hat.
    Drei Jahre später versucht ein neuer Regisseur mit der Fortsetzung zu The Wave einen ähnlichen Eindruck zu hinterlassen. Bei The Quake übernahm der eher für seine Arbeiten als Kameramann bekannte John Andreas Andersen (King of Devil's Island) die Inszenierung.

    Im Zentrum von The Quake steht wieder der Geologe Kristian, der durch einen Arbeitskollegen darauf stößt, dass Oslo ein ähnliches Beben wie bereits 1904 heimsuchen könnte. Wie schon bei der Katastrophe drei Jahre zuvor, möchte ihm aber niemand so recht glauben, bis die ersten Erschütterungen eintreten.

    Als Darsteller kehren unter anderem Kristoffer Joner, Ane Dahl Torp und Edith Haagenrund-Sande in ihre Rollen zurück. Neu dabei ist dieses Mal unter anderem Katherine Thorborg Johansen.

    © 2019 Universum Film GmbH

    Kritik


    The Quake steigt dramaturgisch fast unmittelbar nach den Ereignissen von The Wave ein und zeigt den Geologen Kristian als Held der Nationen, nur um ihn nach einem plötzlichen Zeitsprung von drei Jahren als von einer Tragödie zerrissenen Mann zu offenbaren. Getrennt von seiner Familie lebt er nun abseits großer Orte auf einem Hügel und versucht die Geschehnisse zu verarbeiten. Doch eine Nachricht eines alten Arbeitskollegen führt ihn direkt nach Oslo, wo seine beiden Kinder und seine Frau leben. Beängstigende Daten kündigen ein großes Erdbeben in der Hauptstadt Norwegens an.
    Auch wenn es sich wiederholt, dass wieder niemand auf Kristian hören möchte, wird es dennoch dramaturgisch gut gelöst, sodass es nicht als reine Kopie daherkommt. Aber vor allem mutiert der passionierte Geologe nicht wieder zu einem Helden eines ganzen Landes, sondern dieses Mal konzentriert sich die Rettungsaktion auf einen deutlich persönlicheren Rahmen, auch wenn die Katastrophe merklich größer ist. Doch durch Kristians fehlenden Einfluss, sind ihm schlichtweg die Hände gebunden, wodurch er versucht zu retten, was er retten kann.

    Auch wenn in Grundzügen einiges dramaturgisch richtig gemacht wird, so steht diese dem Werk von John Andreas Andersen aber auch viel zu oft im Weg. Lässt sich in der ersten Hälfte noch über einige inhaltliche Schwächen hinwegsehen, häufen sich zunehmend im weiteren Verlauf unlogische Sequenzen die noch stark durch dämlich agierende Figuren verstärkt werden. Das raubt der eigentlich toll inszenierten Katastrophe merklich die Wucht, wodurch die Spannung interessanter Weise genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie angezogen werden sollte, abfällt. Das etwas abrupte Ende hinterlässt darüber hinaus ebenfalls einen etwas unbefriedigenden Nachgeschmack.

    Nichtsdestotrotz muss man The Quake aber seine visuelle Kraft zugutehalten. Andersens Ursprung als Kameramann ist durchweg deutlich zu spüren. Zahlreiche schöne Aufnahmen und starke Kamerafahrten ermöglichen zumindest in der Hinsicht eine sehenswerte Erfahrung. Aber auch über die optischen Qualitäten hinaus gelingt es dem Regisseur zumindest in der ersten Hälfte, auch dank eines atmosphärischen Soundtracks, eine unheilvolle fast einem Horrorfilm ähnliche Atmosphäre zu kreieren. So gelingt es Andersen in dieser Phase eine angenehme Spannung aufzubauen, die nur sehr wenig Vorlauf benötigt.
    Einzig die schwankenden Darstellerleistungen sorgen hin und wieder für ein Durchbrechen der dichten Stimmung.

    © 2019 Universum Film GmbH


    Neben einem wieder einmal guten Kristoffer Joner als Protagonist agiert allerdings die merklich überforderte Jungschauspielerin Edith Haagenrud-Sande, der auch leider zu viel Wichtigkeit in der Handlung eingeräumt wird. Dadurch verlieren viele Szenen an Wirkung. Der Rest der Besetzung verhält sich vornehmlich unauffällig mit kleineren Schwankungen nach unten.

    Auch wenn die Effekte, wie schon beim Vorgänger The Wave, erst relativ spät zum Einsatz kommen, sind diese wieder sehr gelungen geworden. Sobald Oslo von dem Beben heimgesucht wird und ganze Häuser zusammenbrechen oder ineinanderstürzen braucht sich die norwegische Produktion effekttechnisch nicht vor den durchschnittlichen Hollywood-Werken zu verstecken. Wie bereits erwähnt, weiß Regisseur Andersen diese auch gekonnt einzufangen.
    Jedoch sind es in dieser Phase die dramaturgischen Entscheidungen, die dem Werk der möglichen Größe berauben. Beispielsweise nimmt eine Verlagerung der Geschehnisse in einen uninspirierten Fahrstuhlschacht nicht nur viel zu viel Raum ein, sondern wird der zugegebenermaßen limitierten Kulisse auch zu wenig abgewonnen.

    Fazit


    Regisseur John Andreas Andersen kann man visuell keine Vorwürfe machen. Seine starken Bilder kreieren oft eine einnehmende Wirkung. Jedoch steht The Quake viel zu oft die hölzerne und vor allem von schlechten charakterlichen Entscheidungen geprägte Dramaturgie im Weg.


    5/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Skjelvet
    Land:
    Norwegen
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Universum Film
    Regie:
    John Andreas Andersen
    Drehbuch:
    John Kåre Raake, Harald Rosenløw-Eeg
    Kamera:
    John Christian Rosenlund
    Musik:
    Johan Söderqvist, Johannes Ringen
    Genre:
    Action, Drama
    Darsteller:
    Kristoffer Joner, Katherine Thorborg Johansen, Ane Dahl Torp
    Start (DE):
    22.11.2019 (Heimkino)
    Start (USA):
    14.12.2018
    Laufzeit:
    104 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • The-Ouake-01.jpg

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