Übersicht
Einleitung
In der Comicwelt gehören sie zu den beliebtesten Figuren aus dem Hause Marvel. Auf der großen Leinwand wartet man jedoch weiterhin auf den großen Erfolg – kommerziell wie qualitativ. Die Fantastic Four durften bereits drei Mal groß auf der Leinwand auftreten und ein günstig produzierter B-Movie aus dem Jahr 1994 wurde ebenfalls umgesetzt, den Constantin Film damals wahrscheinlich lediglich in Produktion geschickt hatte, um nicht die Rechte an den Figuren zu verlieren. Den ersten richtigen Auftritt hatte die Konstellation aus dem elastischen und hochintelligenten Reed Richards, der unsichtbaren Susan Storm, der lebendigen Fackel Johnny Storm sowie dem Steinmenschen Ben Grimm dann erst 2005, in der Ioan Gruffudd ("King Arthur"), Jessica Alba ("Sin City"), der spätere Captain America Chris Evans sowie Michael Chiklis ("The Shield") die Hauptfiguren verkörperten. Bei einem Budget von rund 100 Millionen US-Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von etwa 300 Millionen erwies sich die Comicverfilmung als Erfolg, wenn auch nicht gerade als Überflieger. Kritiker- und Fan-Bewertungen fielen eher verhalten aus, eine direkte Fortsetzung folgte zwei Jahre später dennoch. Auch wenn eine qualitative Steigerung zu merken war, was vor allem dem Auftreten des Silver Surfers zu verdanken war, konnte die 130 Millionen US-Dollar teure Produktion dennoch das Einspielergebnis des Vorgängers lediglich in etwa wiederholen. 2015 sollte dann ein Reboot mit vielversprechenden Jungstars her. Dieses Mal schlüpften Miles Teller ("Top Gun: Maverick"), Kate Mara ("Der Marsianer"), Michael B. Jordan ("Creed") und Jamie Bell ("Snowpiercer") in die Rollen der fantastischen Vier. Doch Unstimmigkeiten zwischen Regisseur Josh Trank sowie dem damaligen Studio 20th Century Fox mündeten in einer qualitativen wie finanziellen Bruchlandung. Bei einem Budget von 120 Millionen US-Dollar kamen am Ende gerade einmal 169 Millionen an den Kinokassen zusammen. Zehn Jahre später hat Marvel selbst die Zügel in die Hand genommen und versucht mit The Fantastic Four: First Steps den ersten großen Kinohit für die Kultfiguren zu kreieren.
In einem Paralleluniversum sind die Fantastic Four bereits seit vier Jahren die Beschützer der Menschheit. Nun wird das Glück sogar noch vervollständigt, denn Sue Storm erwartet Nachwuchs. Doch als der Silver Surfer auf der Erde erscheint und das Ende für den Planeten durch den Planetenverschlinger Galactus ankündigt, hält das Glücksgefühl nur bedingt. So müssen sich die Fantastic Four nun einem übermächtigen Gegner stellen, der dazu noch ein besonderes Interesse an dem noch ungeborenen Sohn von Sue und Reed Richards hat, was die vier Superhelden in eine moralisch schwierige Lage bringt.
Dieses Mal sind Pedro Pascal ("The Last of Us") als Reed Richards, Vanessa Kirby ("Fast & Furious: Hobby and Shaw") als Susan Storm, Joseph Quinn ("Gladiator II") als Johnny Storm und Ebon Moss-Bachrach ("The Bear") als Ben Grimm zu sehen. Darüber hinaus übernahm Julia Garner ("Ozark") die Rolle als Shalla-Bal alias Silver Surfer und Ralph Ineson ("Nosferatu") als Galactus.
Die Regie verantwortete Matt Shakman ("WandaVision").

© 2025 Marvel Studios
Kritik
Regisseur Matt Shakman legt die Welt der Erde 828, auf der The Fantastic Four: First Steps angesiedelt ist, als eine futuristische 60er-Jahre Umgebung an, die er auch gelungen weiß in Szene zu setzen. So bekommt das Werk einen frischen und gleichzeitig nostalgischen Touch, was eine willkommene Abwechslung zu den sonstigen Marvel-Filmen ist. Und auch bei den Computereffekten liefert man einen meist ansehnlichen Job ab, wenn auch nicht alle Effekte, wie in letzter Zeit viel zu häufig, vollends auf der Höhe sind. Gerade der Steinmensch Ben Grimm aka The Thing bereitete den Machern wohl abermals Schwierigkeiten. War dies bereits in den bisherigen Verfilmung stets ein Problem, konnte auch Marvel dieses Problem nicht in aller Gänze lösen. Die Bewegungen der Figur, besonders beim Gehen, wirken befremdlich und nahezu nie kommt die schiere Masse, die hier bewegt wird, zur Geltung. Auch wenn Grimm in seiner Charakterzeichnung charmant angelegt ist (besonders seine Detailverliebtheit, wenn es ums Essen geht, macht ihn irgendwie ungemein liebenswert, was unter Berücksichtigung, dass Darsteller Moss-Bachrach momentan wohl am bekanntesten durch seine Rolle in der Koch-Serie "The Bear" ist, sogar noch einen kleinen zusätzlichen sympathischen Akzent bekommt), wirkt er häufig ein wenig wie ein optischer Fremdkörper. Die Actionszenen sind wiederum durchweg ordentlich in Szene gesetzt, auch wenn es davon überraschend wenig gibt. Wenn sie dann aber kommen, dann fehlt es ihnen nicht an Imposanz.
War einer der Kerngedanken der Fantastic Four das Familiengefühl, so bekommt es Shakman mit seinen Drehbuchautoren auch merklich hin, dieses aufleben zu lassen. Die vier Hauptfiguren harmonieren gut miteinander, wenn auch die Charakterisierung der Einzelnen etwas kurz kommt. Am ehesten darf noch Joseph Quinn mit seinem Johnny Storm eine Entwicklung durchleben und so überrascht es kaum, dass seine Darbietung sowie sein Held auch am deutlichsten im Gedächtnis bleibt. Pedro Pascal und Vanessa Kirby bekommen da schon deutlich weniger Fundament, um ihre Figuren auszubauen. Ein ähnliches Problem offenbart sich dann auch bei der eigentlich sehr spannenden Figur des Silver Surfers. Zwar weiß Julia Garner mit den wenigen Momenten, die sie geschenkt bekommt, auch durchweg etwas anzufangen, das dramaturgische Potential wird hier allerdings weitestgehend liegen gelassen.
Generell hat man das Gefühl, dass etliche Konflikte, besonders wenn es um persönliche der Figuren geht, zugunsten von dem anhaltenden optimistischen Ton geopfert wurden. So bekommt man zwar immer wieder interessante Ansatz vorgesetzt, scheut sich aber diese dann weiter auszubauen beziehungsweise dabei in die Tiefe zu gehen. Auch bei dem Schicksal der Figuren geht man wenig mutig vor, sodass dann doch vieles sehr vorhersehbar ist. Dennoch muss man den Machern eingestehen, dass man es trotzdem irgendwie hinbekommt, das Gefühl zu vermitteln, dass es für die Figuren tatsächlich um etwas geht. Folglich bleibt man als Zuschauer trotz alle dem bei der Geschichte am Ball.
Der große Vorteil ist dann auch, dass The Fantastic Four: First Steps durch seinen leichtfüßigen, bunten sowie optimistischen Ton einem stets ein gutes Gefühl gibt und dabei stark an die Unbeschwertheit (und Naivität) der ursprünglichen Comics sowie der Zeichentrickserie erinnert. Das hebt die Comicverfilmung dann deutlich von Marvels direkten Vorgänger "Thunderbolts*" ab, der es mal wagte, psychologisch und emotional düstere Wege zu beschreiten.
Inhaltlich bewegt man sich auch eher auf seichten Pfaden, die leider auch immer wieder mit Logiklöchern gesäumt sind. Von Reeds ersten großen weltumspannenden Plan Galctus zu besiegen bis hin zum Worldbuilding, das zwar optisch liebevoll gestaltet ist, aber nicht so richtig Sinn ergibt, wenn auf der einen Seite fliegende Autos und Lichtgeschwindigkeit möglich sind und auf der anderen Seite man noch in Röhrenfernseher blickt. Dennoch sind das eher die kleineren Wermutströpfchen, die weniger ins Gewicht fallen. Vielmehr wiegt hier die seichte Tonalität, die besonders in der ersten Hälfte die Geschehnisse etwas daher tröpfeln lässt. Allerdings ist es auch hier, wie es zuletzt beim Konkurrenten DC mit "Superman" ähnlich war, erfrischend, dass man gleich in eine bestehende Welt geschleudert wird und nicht erst eine ausführliche Origin-Geschichte vorgesetzt bekommt. Ergänzend tut es im MCU mal wieder richtig gut, einen Film zu sehen, der ohne jegliche Vorkenntnisse und völlig für sich stehend funktioniert. Lediglich die Mid-Credit-Scene macht deutlich, dass es sich hierbei um ein Werk aus dem Marvel Cinematic Universe handelt – so wie es in den Anfängen des MCUs noch üblich war.

© 2025 Marvel Studios
Am Ende kann man The Fantastic Four: First Steps wohl am ehesten als ein leichtfüßiges Feel Good Movie bezeichnen, der auf Kosten dieses Gefühls jedoch auch viel dramatisches Material liegen lässt.
Fazit
Eine durch und durch optimistische Comicverfilmung, die durch seine positive Tonalität allerdings leider keine tiefergehenden Konflikte zulässt und so zwar eine gute Zeit bereitet, ein klares Ausrufezeichen dennoch missen lässt. Dazu visuell liebevoll ausgestattet und mit ordentlichen Schauwerten garniert ist The Fantastic Four: First Steps ein netter Film, der definitiv keinem wehtut aber eben auch keinen Mut zum Anecken aufweist.
6/10
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