Alexander (Special)

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  • KURZINHALT

    Unter der Regie von Oscar®-Preisträger Oliver Stone meißelt der Film ein opulentes Gemälde über ALEXANDER DEN GROßEN (356 - 323 vor Christi) auf die große Kinoleinwand. Seine Jugend, seine Träume von Ruhm und Abenteuer, bis hin zu seinem einsamen und mysteriösen Tod als Herrscher des größten Reichs der Weltgeschichte ziehen die Zuschauer in Bann. Das in Marrakesch, London und Thailand gedrehte historische Epos ALEXANDER erzählt von der impulsiven, turbulenten Beziehung zu seinen Eltern, die entschlossen waren, ihren Sohn mit allen Mitteln der Macht auf den Thron zu bringen. Eine Chronik der stürmischen, brüderlichen Bündnisse mit seinen engsten Gefährten und seiner gewaltigen Armee, über die gemeinsamen Kämpfe auf den von der Sonne verbrannten Schlachtfeldern des Persischen Reichs bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln Indiens, wird zum Leben erweckt. Der Film zeigt in unvergesslichen Bildern und mit einem Ensemble erstklassiger Schauspieler um Colin Farrell, Anthony Hopkins und Angelina Jolie, Alexanders Reise auf dem Weg zur imposantesten Figur der Weltgeschichte.




    DIE SUCHE NACH DER IDEALEN BESETZUNG

    Alexander
    Wie besetzt man eine Rolle, die größer ist als das Leben selbst? Diese Frage bedeutete im Falle Alexanders einen Schauspieler zu finden, der ganz menschlich war, aber körperlich großen Eindruck hinterlassen und gut genug sein musste, um ein komplettes Porträt dieser komplexen Figur zeichnen zu können. Stone fand diesen Mann im irischen Schauspieler Colin Farrell, den man aus Hauptrollen in TIGERLAND („Tigerland“, 2000), MINORITY REPORT („Minority Report“, 2002), NICHT AUFLEGEN („Phone Booth“, 2002) und DER EINSATZ („The Recruit“, 2003) kennt.

    „Wie Alexander hat Colin die Seele eines Rebellen und das Selbstbewusstsein eines Kriegers und Anführers“, beschreibt Oliver Stone seinen Star. „Auf den verschiedensten Ebenen wurde er zu Alexander – er führte die Schauspieler als Gruppe an, er baute seine Muskeln auf, lernte Reiten und den Umgang mit dem Schwert, kämpfte wie ein Löwe, um sein Bestes zu geben. Ich habe ihm oft angeboten, sich von einem Stuntman ersetzen zu lassen, sowohl auf dem Boden wie auch auf dem Pferd. Aber er bestand darauf, so viele Stunts wie möglich selbst zu machen. So verrückt wie er auch manchmal sein mag, ist er doch ein echter Edelmann. Es ist eine Ehre für mich, ihm zu diesem Zeitpunkt seines Lebens begegnet zu sein.“

    „Oliver hat ein unglaubliches Drehbuch geschrieben“, gibt Farrell das große Lob zurück. „Etwas so Düsteres und gleichermaßen Erleuchtendes mit einem solchen Potenzial habe ich nie zuvor gelesen. Kurz gesagt, es war das Beste, was ich je in meinem Leben gelesen habe. Alexander war ein Mann, der nichts unversucht ließ, sich seine Träume zu erfüllen“, fährt Farrell fort. „Die Antriebskraft dafür, das glaube ich wirklich, war etwas viel Stärkeres als Gier und der Wunsch nach Eroberung. Sein ganzes Leben lang suchte Alexander nach Antworten und, meiner Ansicht nach, auch nach Liebe. Alexander tat alles mit einer fast wahnsinnigen Leidenschaft. In seinem Palast in Makedonien hätte er ein schönes Leben haben, seine Untertanen besteuern und den für einen König angemessenen Luxus genießen können. Aber in seiner Brust klaffte ein Loch, das nicht zu schließen war. Und die Suche nach Antworten trieb ihn bis ans Ende der Welt.“

    Inspirieren ließ sich Farrell bei seiner Arbeit nicht nur von dem Mann, den er verkörperte, sondern auch von dem Mann, der die kreative Kraft bei diesem Film war. „Oliver hat mehr mit Alexander gemeinsam, als ich je hoffen konnte“, bemerkt Farrell. „Er strebt nach Perfektion, setzt alles dafür ein. Er ist ein erstaunlicher Filmemacher und ein brillanter Anführer. Oliver arbeitet immer bis zur Erschöpfung. Während wir täglich nach der letzten Klappe jammerten, was für ein schwerer, langer Tag es doch gewesen war, befand er sich schon wieder auf dem Weg in den Schneideraum. Diesen Mann um sich zu haben, ist total inspirierend.“

    Wesentlich für die Entwicklung von Alexanders Persönlichkeit sind die Erwartungen und festen Überzeugungen, die seine starke Mutter Olympias auf ihn übertrug. „Ein Aspekt, dem sich der Film stellt, ist Alexanders Abmachung mit seiner Mutter“, erklärt Oliver Stone. „In unserem Drehbuch sagt Olympias zu Alexander: ’In Dir lebt das Licht dieser Welt. Deine Gefährten werden schon lange nur noch Schatten in der Unterwelt sein, wenn Du der Einzige sein wirst, der für immer jung und inspirierend bleibt. Niemals wird es einen Alexander wie dich, einen Alexander den Großen, geben.’ Olympias redete Alexander den Mythos ein, dass er ein Schicksal wie Achilles haben und wie dieser jung sterben werde. Das war das Tauschgeschäft. Großer Ruhm, aber früher Tod – im Unterschied zu einem langen Leben mit wenig Glanz.“

    Olympias
    Es war wichtig für Stone, eine talentierte Schauspielerin zu finden, die die Intensität, Präsenz und Passion dieser Frau vermitteln konnte, die Alexander dem Großen den Weg zeigte, den er zur Erfüllung seines Schicksals nehmen musste. Stone entschied sich für Oscar® -Preisträgerin Angelina Jolie. „Ich habe Angelina kurz nach Ende der Dreharbeiten zu „Gia – Preis der Schönheit“ („Gia“) erstmals getroffen. Für mich war sie eine spektakuläre junge Schauspielerin. Die meisten Schauspielerinnen von heute suchen den höflichen Mittelweg, aber Angelina steht mehr in der Tradition von Bette Davis. Sie ist sehr entschlossen und stark, was man bei jungen Schauspielern selten sieht. Sie haben nicht dieses Vertrauen zu sich selbst. Angelina aber hat eine Stärke entwickelt, die genau richtig für die Rolle der Olympias war. Das passte ideal zusammen.“

    Jolie reizte die Herausforderung, eine Frau zum Leben zu erwecken, die geschichtsinteressierte Leser seit Jahrhunderten fasziniert hatte. „Ich glaube, man muss jede Figur, die man spielt, auch lieben“, erklärt Jolie. „Man muss sie verstehen oder zumindest Sympathien für ihre Schwächen zeigen. Wenn man sie einfach für verrückt oder falsch hält, kann man sie nicht mit Überzeugung verkörpern. Weil ich jetzt Mutter bin, sah ich auch Olympias als Mutter. Viele sind der Meinung, dass sie verrückt war, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht genau das gleiche für meinen Sohn tun würde. Das mag fürchterlich klingen, aber 330 vor Christus war Mord an der Tagesordnung. Es war ein viel härteres Leben, und so war auch Olympias eine harte, manchmal angsteinflößende Frau. Aber letzten Endes wollte sie Alexander so großartig und stark sehen, wie das nur eben möglich war. Und damit kann ich mich identifizieren.“

    Wie man es von ihr kennt, stürzte sich Jolie mit voller Kraft auf ihre Rolle. Als Anbeterin von Dionysios war es die mazedonische Königin gewohnt, von Schlangen umgeben zu sein. So musste sich auch Jolie schnell daran gewöhnen, dass beim Drehen Schlangen um ihren Nacken hingen oder sich zu ihren Füßen schlängelten.

    Auf den ersten Blick mag es unverständlich wirken, Jolie als Mutter eines Schauspielers zu besetzen, der nur ein Jahr jünger als sie ist. Aber der geringe Altersunterschied zwischen Jolie und Farrell spielte letztlich keine Rolle, da die meisten ihrer Szenen mit jungen Schauspielern gedreht wurden, die Alexander in den verschiedenen Phasen seiner Kindheit verkörperten. Obwohl niemand genau weiß, wie alt Olympias zum Zeitpunkt von Alexanders Geburt wirklich war, vermutet Robin Lane Fox, dass sie wohl 16 oder 17 Jahre alt gewesen war – ein normales Alter damals, um erstmals Mutter zu werden. Deshalb wurde Jolie in ihren wenigen gemeinsamen Szenen mit Farrell mit Hilfe von Make-up und Frisur älter gemacht, während Farrell sich jünger geben musste.

    Philipp
    Großen Einfluss auf Alexanders Leben nahm auch sein Vater, König Philipp II von Makedonien, Olympias’ entfremdeter Ehemann. Ihn stellt der multitalentierte Val Kilmer dar. Vor mehr als 10 Jahren hatte Kilmer bereits in Oliver Stones THE DOORS („The Doors“, 1991) Jim Morrison porträtiert, war dafür mit Kritikerlob überschüttet worden. So freute sich Kilmer auf eine erneute Zusammenarbeit mit Stone. „Oliver hat eine sehr klare Vision und ist der perfekte Regisseur für diese Geschichte“, schwärmt Kilmer. „Schon als wir THE DOORS drehten, haben wir uns über Alexander unterhalten. Seine Sichtweise dieser Geschichte ist sehr persönlich. Das ist ungewöhnlich für Filmbiografien, ganz besonders für ein Epos. Dieser Film besitzt eine Intimität, wie wir sie in dieser Form noch nicht kannten. Das zentrale Thema dieser Geschichte ist wirklich Alexanders Persönlichkeit - erzählt vor dem Hintergrund einer Welt, in der Mythen noch sehr lebendig waren.“

    Während die meisten Schauspieler für ihre Rolle an Muskeln und Athletik zulegen mussten, führte Kilmers Weg in die entgegengesetzte Richtung, um den einst mächtigen, jetzt ausschweifend lebenden König spielen zu können. Kilmer musste zunehmen, so wie er es schon für THE DOORS getan hatte, um in bestimmten Sequenzen Jim Morrisons verschlechternden Gesamtzustand vermitteln zu können. Außerdem musste Kilmer täglich in den Make-up-Stuhl. Dort wurde das Narbengewebe aufgetragen, das das Loch bedeckte, das Philipps im Kampf verlorenes Auge hinterlassen hatte.

    „Philipp schuf die Grundlagen für all das, was Alexander wirklich groß werden ließ“, erklärt Kilmer. „Allen Quellen zufolge war er eine große Persönlichkeit – war laut, ein unersättlicher Liebhaber, ein Trunkenbold. Aber in der Schlacht zeichnete ihn offensichtlich eine unvorstellbare Kraft aus, wie es auch bei seinem Sohn der Fall war. Philipp verstand die menschliche Natur sehr genau. Sobald er ein Gebiet erobert hatte, sorgte er durch Eheschließungen für Frieden und Anbindung. Einige Jahre verbrachte er als Kriegsgefangener. In dieser Zeit erlernte und entwickelte er neue, fortschrittliche und sehr erfolgreiche Kriegstechniken, durch deren Einsatz sein Volk reicher und sicherer leben konnte.“

    Hephaistion
    Alexanders lebenslangen Freund Hephaistion spielt Jared Leto, ein aufstrebender Star, den man aus Filmen wie PANIC ROOM („Panic Room“, 2002), REQUIEM FOR A DREAM („Requiem for a Dream“, 2000) und DURCHGEKNALLT („Girl Interrupted“, 1999) kennt. „Für ALEXANDER musste ich zum ersten Mal seit PANIC ROOM wieder vorsprechen, und das lag ja schon einige Jahre zurück. Ich war völlig gelähmt“, gibt Leto zu. „Es waren noch 50 andere Schauspieler da, die sich Oliver vorstellen wollten. Es war unglaublich einschüchternd. Aber glücklicherweise sah Oliver während meines Vorsprechens etwas in mir, das ihm für die Rolle des Hephaistion richtig erschien. Ich werde ihm auf ewig dankbar sein, dass er an mich geglaubt und mir diese Erfahrung ermöglicht hat. Es gibt niemanden, der auf dem Set härter arbeitet als er. Er ist besessen, ein verrücktes Genie wie Van Gogh oder Beethoven. Während dieses Films hat er mir eine Menge beigebracht, und was ich gelernt habe, wird mich für den Rest meiner Karriere begleiten.“

    Große Wertschätzung empfand Leto auch für seinen Kostar: „Wenn ich diesen Film nicht mit Colin hätte drehen können, wäre es nicht eine solch unglaubliche Erfahrung für mich gewesen“, gibt Leto zu. „Zunächst einmal ist er ein Freund. Darüber hinaus ist er ein großartiger Schauspieler, ist sehr großzügig und unglaublich engagiert. Er hat für uns alle einen hohen Maßstab gesetzt. In ihm steckt viel von Alexander, deshalb war es für uns leicht, ihn auch in dieser Rolle zu sehen.“

    Prinzessin Roxane
    „Colin war einfach Alexander“, pflichtet Rosario Dawson bei, die Prinzessin Roxane spielt, Alexanders erste Ehefrau. „Colin strahlt einfach diese Präsenz aus, und man kann den Volksverführer in ihm erkennen. Es war pure Magie und für mich einfach wunderbar. Junge Schauspieler geben einem normalerweise nicht so viel – sie sind nicht so großzügig, so vorbereitet oder sich ihres Talents so sicher.“

    Die Aussicht, mit der Regielegende Oliver Stone zusammenarbeiten zu können, begeisterte Dawson sofort für das Projekt. „Ich wollte schon immer mit Oliver drehen“, gibt sie begeistert zu. „Als ich zum ersten Mal von dem Projekt hörte, fragte ich mich, welche Rollen es wohl darin für Frauen gab. Wir haben uns eine Weile unterhalten, Probeaufnahmen gemacht, und eineinhalb Stunden später nannte er mich schon Roxane.“

    Ptolemaios
    Für zwei relativ kleine, aber entscheidende Rollen wählte Stone zwei der international angesehensten Schauspieler. Anthony Hopkins spielt den älteren Pharaoh Ptolemaios, den Erzähler und die zentrale Stimme des Films. Er war mehr als erfreut, acht Jahre nach der äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit bei NIXON („Nixon“, 1995) wieder für Stone vor der Kamera zu stehen. „Oliver Stone zählt zu den außergewöhnlichsten Regisseuren überhaupt“, schwärmt Hopkins, „und ich habe mit einigen wirklich großartigen Regisseuren gearbeitet. Mit Oliver gibt es keine Sicherheit und mit seinen Filmen auch nicht. Sie sind brillant und ungeheuerlich.“

    „Wenn Anthony einmal auf dem richtigen Weg ist, lässt er nicht locker“, erklärt Stone. „Er verhält sich dann wie ein Hund mit einem Knochen. Er arbeitet ruhig, methodisch und saugt im Verlauf mehr und mehr Mark aus dem Knochen. An seinem letzten Drehtag arbeitete Anthony bis 3 oder 4 Uhr morgens und damit 18 oder 20 Stunden am Stück. Jeder außer ihm war völlig fertig, aber Anthony genoss es. Er sagte zu mir: ’Ich liebe harte Arbeit, mag es nicht, wenn ich am Set herumsitzen oder mir sinnlos die Zeit vertreiben muss. Ich wünschte mir, Du hättest mir 70 Tage Schmerzen angeboten.’“

    „Das waren ziemlich intensive Drehtage“, gibt Hopkins zu. „Aber am Ende fühlte ich mich fantastisch. Die Zusammenarbeit mit Oliver ist sehr intensiv, denn er treibt und stichelt einen auf eine sehr gute, konstruktive Art an. So befriedigend habe ich die Arbeit auf einem Set schon lange nicht mehr empfunden.“

    Aristoteles
    Für die Rolle des unsterblichen griechischen Philosophen und Naturforschers Aristoteles, der als Lehrer des jungen Alexander den späteren König ein Leben lang beeinflusste, sprach Oliver Stone Christopher Plummer an – einen Schauspieler, dessen bemerkenswert produktive Karriere mehrere Jahrzehnte und Dutzende Filme umfasst. Obwohl Plummer für nur zwei Drehtage nach Marokko reisen musste, war er von der Rolle begeistert. Er freut sich darauf Aristoteles zum Leben zu erwecken, und ließ sich auch von dieser Anstrengung in keinster Weise abschrecken. „Ihn zu spielen, ist sehr schwierig, weil wir ihn nicht wirklich kennen können“, bemerkt Plummer. „Es ist unmöglich, über eine Figur wie Aristoteles Recherchen anzustellen, denn es gibt Millionen von unterschiedlichen Gedanken und Ansichten über ihn. Deshalb habe ich es schließlich auch aufgegeben und mich völlig Oliver Stone anvertraut. Ich habe versucht, diese Figur mit so vielen Facetten wie möglich zu spielen, um Aristoteles’ Verstand, seinen Humor, seine Energie und auch seine hypnotische Ausstrahlung beim Unterricht anzudeuten.“

    Aristoteles’ Unterricht für Alexander und die Jungs, die später seine engsten Gefährten werden, darunter auch Hephaistion, umfasste viele Wissensgebiete. Dazu zählten Geographie, Politik, Götterkunde und Sexualität, wie sie in der antiken hellenistischen Welt verstanden wurde. Es war eine Zeit, auf die sich heutige Definitionen zur Sexualität nicht anwenden lassen. ALEXANDER setzt sich mit den sexuellen Moralbegriffen dieser Zeit auf sehr natürliche Art und Weise auseinander, lässt sich weder auf Rechtfertigungen noch auf Sensationsmacherei ein.

    „In dieser Ära gab es eine Lebensphilosophie, dass es etwas ganz natürliches unter Männern war, Wissen und Körper miteinander zu teilen“, erklärt Farrell. „Man nannte es Eros, reine Liebe und es ging dabei um Reifen, Teilen und Erziehen. Begriffe wie ’Homosexualität’ oder ’Bisexualität’ existierten nicht. Es gab nur Sexualität, die unabwendbar war, wann immer auch der Zeitpunkt dafür war. Hephaistion wuchs mit Alexander auf. Er war jemand, der vom Anfang bis zum Ende keine eigenen Ziele verfolgte. Er war der Einzige in Alexanders Leben, der ein wirklicher Gefährte und ein loyaler Freund war, der immer das Beste für Alexander wollte.“

    „Ich glaube, dass Alexander und Hephaistion eine unmittelbare Seelenverwandtschaft und ein Brüderlichkeitsgefühl verband. So etwas ist mit bloßer ’Freundschaft’ nicht zu beschreiben“, fügt Leto hinzu. „Am wichtigsten war die Liebe, die sie füreinander empfanden und diese basierte nicht auf etwas Körperlichem, sondern auf einer Verbindung der Seelen. Jeder spielte im Schicksal des anderen eine Rolle. Das brachte Spannungen mit sich, erst zwischen Hephaistion und Olympias, später auch zwischen ihm und Roxane.“



    DIE KOSTÜME

    Die Geschichte von Alexander dem Großen umfasst viele unglaublich unterschiedliche antike Kulturen, umspannt mehrere Jahrzehnte. Oscar®-Preisträgerin Jennie Beavan musste für dieses ambitionierte Projekt mehr als 20.000 historisch authentische Kleidungsstücke anfertigen. Dabei ließ sich Beavan von Historiker Robin Lane Fox beraten sowie von Lloyd Llewellyn-Jones, ein Doktor der Alten Geschichte, der an der Universität von Exeter lehrt und auf antike Kostüme spezialisiert ist. „Eine große Anzahl bemalter Vasen sind aus der hellenistischen Zeit erhalten“, erklärt Beavan, „darüber hinaus gibt es auch schriftliche Quellen. Deshalb hatten wir eine Vorstellung, wie sie damals Stoffe webten.“ Exquisite Materialien aus der ganzen Welt wurden so verwendet, dass sie zum sorgfältig recherchierten antiken Stil von Makedonien, Griechenland, Persien, Baktrien, Sogdien, Scythien und Indien passten.

    Beavans Hochzeitskleider spiegelten die kulturelle Verschmelzung in der Welt Alexanders wider, ganz besonders Roxanes großartiges und exotisches Brautkleid. „Durch meine Recherchen fand ich heraus, dass sich in Afghanistan die Herstellungstechniken in 2.000 Jahren nicht wesentlich verändert haben“, erzählt Beavan. „Man hat Gold in die Kleidung eingenäht, was auch wir dann schließlich bei den Hochzeitsgewändern von Roxane und Alexander machten. Ich wollte Roxane sexy aussehen lassen und denke, dass es umso aufregender ist, je weniger man tatsächlich vom Körper sieht.“

    Beavan und ihre Crew waren auch verantwortlich für die riesigen Mengen an Rüstungen und Kriegsschmuck, die man für Alexanders Heer benötigte. „Mit Hilfe unseres Militärberaters Captain Dale Dye haben wir die verschiedenen Kleidungskategorien innerhalb der makedonischen Armee recherchiert“, erzählt Beavan. „Unsere Modelle für die Rüstungen haben wir in Leder und Messing angefertigt und diese dann mit leichterem und weicherem Plastik repliziert.“ Besonderes Augenmerk legte Beavan auf die verschiedenen von Alexander und seinen Generälen getragenen Rüstungen, von denen einige fast 30 Pfund wogen. Zu den symbolischsten Teilen dieses Kriegsschmucks zählte Alexanders doppelt-gefiederter Löwenkopf-Helm. Von diesem waren während der Dreharbeiten über 10 Duplikate vorrätig oder im Einsatz.

    In der Schlacht von Gaugamela bilden die weißen Baumwoll-Tuniken und die Rüstungen der Makedonier einen starken Kontrast zu den wesentlich schmuckvolleren und farbenprächtigeren Gewändern und Rüstungen ihrer persischen Feinde. „Die Perser gestalteten ihre Kleidung im Unterschied zu den Griechen, die sich nur in Stoffe hüllten“, erklärt Beavan. „Die Perser brachten Stoffe in eine Form, schneiderten Hosen, benützten Gürtel und Ösen, trugen Schuhe mit vielen Verzierungen. Sie glänzten mit ihrer Kleidung, während die Griechen ihre Körper ausstellten.“ Diese Art von Verzierung erreicht ihr Höchstmaß in den Kostümen, die Beavan für persische Edelleute wie König Dareios III oder Prinz Pharnakes entwarf. Sie strahlten in exotischen Farben und Accessoirs.

    Beavan fand sich ebenso ganz in ihrem Element, als es darum ging, die exotischen Gewänder der indischen Soldaten für die Waldschlacht zu entwerfen. „Die Kostüme für die Inder wurden aus Seide und in sehr hellen Farben hergestellt. Es sind ganz geradlinig geschnittene Stoffe, die wie Dhotis umgebunden werden. Sie trugen Halstücher mit vielen Verzierungen, viele Juwelen und manchmal auch Turbane. Fast immer gab es einen Haarknoten mit langem Haar. Wir wissen weniger über sie, weil die meisten Skulpturen im antiken Indien aus Sandstein bestanden, der über die Jahrhunderte verwitterte, während die griechischen Vasen erhalten geblieben sind.“


    DIE MUSIK VON ALEXANDER

    Während der Dreharbeiten wandte Stone eine Technik an, auf die er während seiner Karriere immer wieder zurückgegriffen hatte: Als atmosphärischen Hintergrund ließ er zwischen den einzelnen Szenen passende, oftmals tief bewegende Musik einspielen, um Schauspieler und Crew in eine gewünschte Stimmung zu versetzen, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen. Stone hat in seinen früheren Filmen oft Musik verwendet, die ursprünglich nur als Provisorium gedacht war. Diesmal ließ er bereits während des Drehs die 'finale' Filmmusik spielen, die fast gleichzeitig, aber Tausende Kilometer entfernt, vom berühmten griechischen Komponisten Vangelis in Athen komponiert wurde. Inspiriert von der Geschichte Alexanders, der zu seinen persönlichen Helden zählt, ging Vangelis zu den Wurzeln des musikalischen Erbes von Makedonien und Griechenland zurück. Dabei komponierte er nicht nur mit seinem berühmten Synthesizer, sondern bezog auch alte Instrumente wie Trommeln, Lauten, Leiern und Dudelsäcke in seinen Soundtrack ein. (Obwohl Dudelsäcke gemeinhin mit keltischer Musik assoziiert werden, finden sich erste Hinweise auf ihren Gebrauch vermutlich in Nordmakedonien, dem heutigen Bulgarien).

    „In den Melodien und Rythmen sind eine Vielzahl musikalischer Einflüsse vermischt“, erklärt Music Supervisor Budd Carr, der seit SALVADOR („Salvador“, 1986) mit Oliver Stone zusammenarbeitet. „Damit verbinden sich auch die Kulturen, auf die Alexander traf: Persien, Afghanistan, Ägypten und Indien. Weil unser Film im dritten vorchristlichen Jahrhundert spielt, kann man nicht einfach zur eigenen CD-Sammlung gehen und dort etwas Passendes heraussuchen. Oliver hat schon immer musikalische Notizen in seine Drehbücher hineingeschrieben, deshalb gab es verschiedene Szenen, in denen Musiker in Makedonien, Persien, Balkh (Afghanistan) und Indien auf ihren Instrumenten spielten. Um die Authentizität zu erreichen, die Oliver in diesen Szenen anstrebte, komponierte, produzierte und nahm Vangelis, der großes musikalisches Wissen über diese Regionen besitzt, Originalmusik für diese Musiker auf, die sie dann vortragen mussten. Sein eindrucksvoller Soundtrack lässt die Vergangenheit lebendig werden und integriert die verschiedensten ethnischen Einflüsse und Instrumente.


    DIE SPRACHE

    Nach der Besetzung seiner Hauptrollen musste sich Stone sehr sorgfältig überlegen und schließlich auch entscheiden, wie die Dialoge aus seinem Drehbuch für die Leinwand umgesetzt werden sollten. Griechenland und Makedonien waren in der Antike Schmelztiegel für unterschiedlichste Dialekte. Die Menschen reisten ständig in den Ländern der Alten Welt herum, vermischten ihre eigenen Dialekte mit den jeweiligen Muttersprachen und örtlichen Dialekten. Philipps Ausdehnung der makedonischen Grenzen führte dazu, dass Länder hinzukamen, in denen sich Menschen von unterschiedlichster Herkunft niedergelassen hatten. Das hatte zur Folge, dass in Makedonien zur Zeit Alexanders sehr unterschiedlich gesprochen wurde. Selbst die Makedonier des Hochlands hatten einen anderen Dialekt als ihre Landsleute aus dem Flachland. Für die Südgriechen mit Athen als Zentrum der griechischen Kultur sprachen die makedonischen Griechen mit einem deutlichen Akzent. Um dies widerzuspiegeln, sprachen die Schauspieler, die Griechen und Makedonier verkörperten, ein Englisch mit irischen, schottischen oder walisischen Akzenten. Auf die Gegenwart übertragen, entspricht das dem Englisch, das in verschiedenen Dialekten auf den britischen Inseln gesprochen wird. Als Königin eines Reiches am Rande von Griechenland erhielt Angelina Jolie als Olympias ihren eigenen unverwechselbaren Akzent.

    Um die Schauspieler auf diese sprachliche Herausforderung vorzubereiten, engagierte Oliver Stone die britische Sprachexpertin Catherine Charlton. Sie wiederum arbeitete mit Robin Lane Fox zusammen, um sicherzustellen, dass die Namen und Ortschaften der Antike richtig ausgesprochen wurden. Im Endergebnis bedeutet das, dass alle Griechen und Makedonier des Films zwar Englisch sprechen, ihre Akzente aber die außerhalb liegenden Königreiche reflektieren, aus denen sie stammen.




    ÜBER DEN FILM


    Für viele Menschen hatte er viele Gesichter. Er war ein verwegener König, voller Ehrgeiz, Mut und jugendlicher Arroganz, der seine zahlenmäßig weit unterlegenen Truppen gegen die riesigen Armeen Persiens führte. Er war ein Sohn, der sich verzweifelt nach Anerkennung durch seinen strengen, von zahllosen Schlachten gezeichneten Vater sehnte und durch das Vermächtnis seiner Mutter belastet und im Innersten zerrissen wurde. Er war ein unerbittlicher Eroberer, der nie eine Schlacht verlor und seine Soldaten an den Rand der bis dahin bekannten Welt trieb. Er war ein Visionär, dessen Träume, Taten und Schicksal in der Ewigkeit nachhallen, der damit die Welt, so wie sie uns heute vertraut ist, mitformte. Das alles war er ... und vieles mehr. Er war Alexander der Große.

    Oliver Stones Epos ALEXANDER basiert auf der wahren Geschichte einer der strahlendsten und einflussreichsten Leitfiguren der Geschichte. Auf dem Leben eines Mannes, der mit 25 Jahren bereits 90 Prozent der damals bekannten Welt erobert hatte. In nur acht Jahren legte Alexander (COLIN FARRELL) mit seinen nahezu unbesiegbaren Armeen eine Strecke von 35.000 Kilometern zurück. Als er mit 32 Jahren starb, hatte er durch seine Eroberungen ein Imperium geformt, das einzigartig blieb in der Weltgeschichte.

    Der Film spielt in Alexanders vorchristlicher Welt, deren Sitten und Moralbegriffe sich von der Gegenwart sehr unterscheiden. Er erforscht eine Zeit unübertroffener Schönheit aber auch unvorstellbarer Brutalität, eine Zeit von hochfliegenden Idealen und erschütterndem Verrat. Mutig und ehrlich zeigt der Film Alexanders Leben und die Beziehungen zu seiner Mutter Olympias (ANGELINA JOLIE), zu seinem Vater Philipp (VAL KILMER), zu seinem Heeresführer Hephaistion (JARED LETO), der ein Leben lang sein bester Freund blieb, zu Roxane (ROSARIO DAWSON), seiner ehrgeizigen und schönen Frau und schließlich auch zu Ptolemaios (ANTHONY HOPKINS), seinem zuverlässigen General und Vertrauten.

    Alexanders außergewöhnliche Reise beginnt in Makedonien. Hier startet er seinen Feldzug, führt zunächst sein Heer an, um Westasien der persischen Kontrolle zu entreißen, um danach schließlich seine zahlenmäßig enorm unterlegenen Truppen zu einem für unmöglich gehaltenen Sieg über die mächtige persische Armee zu führen. Alexander dehnt sein Reich bis in die unbekannten Gebiete des heutigen Zentralasiens aus, bevor er sich über den Hindukusch wagt, weiter als jeder andere Abendländer vor ihm, und seine Eroberungszüge fortsetzt bis in die exotische Welt Indiens hinein. Unfassbar und möglicherweise einzigartig in der Geschichte ist dabei, dass Alexander in der Schlacht nie bezwungen wurde. Unnachgiebig zieht er mit seine Armee durch die Wüsten, Gebirge und Dschungel fremder und geheimnisvoller Länder, besiegt jeden, der sich ihm entgegenzustellen wagt, und übersteht auch Beinahe-Meutereien seiner eigenen Männer.

    Der Film zeichnet Alexanders Weg nach, wie er zur lebenden Legende wurde. Von seiner Jugend, in der ihn Träume vom Mythos, Ruhm und Abenteuer antrieben, über die starken Bindungen zu seinen engsten Vertrauten, bis hin zu seinem einsamen und mysteriösen Tod als Herrscher über ein riesiges Imperium. ALEXANDER erzählt die unglaubliche Geschichte eines Lebens, das die damals bekannte Welt vereinte.




    FASZINATION ALEXANDER


    Alexander der Große eroberte die Welt nicht allein aufgrund seines militärischen Genies, sondern, und das ist vielleicht wesentlich wichtiger, durch die Kraft seiner Ideen. Was Alexander in seinen fast 33 Jahren Jahren auf Erden erreichte, hallte durch die Jahrhunderte nach, unterrichtet uns noch immer über das Leben in den Ländern, die er vor mehr als 2000 Jahren eroberte. Obwohl er der ultimative Krieger war, hatte Alexander doch auch die Seele eines Forschers. Auf seinem 35.000 Kilometer langen Marsch in die Ferne ging es ihm nicht um die Zerstörung, sondern um die Neuerfindung jeder einzelnen Kultur. Er wollte sie nach seiner Vision für eine neue Welt formen und vielleicht das Schicksal der ganzen Menschheit verändern. Durch sein Handeln vereinte er vorübergehend Ost und West, verbreitete Gedanken und Kultur des Hellenismus mit nachhaltiger Wirkung über die östliche Hemisphäre.

    Was er erreichte, war erstaunlich - unabhängig davon, welchen Maßstab man anlegt. Überträgt man sein Imperium auf die Gegenwart, umfasst es Griechenland, Albanien, Türkei, Bulgarien, Ägypten, Libyen, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, Zypern, Irak, Iran, Afghanistan, Usbekistan, Pakistan und Indien. 323 vor Christus, im Jahr seines Todes, dehnte sich sein Reich auf über 3,2 Millionen Quadratkilometer aus.

    Eine enorme Anzahl von Büchern hat sich Alexander gewidmet. Darunter finden sich Romane sowie historische, psychologische, ja sogar praktische Ansätze. Aktueller Beweis für letztere Herangehensweise sind zwei kürzlich veröffentlichte Bücher, die Alexanders Militärstrategien für einen Ratgeber für moderne Geschäftsleute umsetzen. Abgesehen aber von einem fast 50 Jahre zurückliegenden Versuch Hollywoods, hat kein Filmemacher bisher einen Weg gefunden, Alexanders außerordentliches Leben auf die Leinwand zu übertragen. Das änderte sich erst, als Oliver Stone die Herausforderung annahm, diese Geschichte in seinem Epos ALEXANDER zu erzählen.

    Die Produktion des Films umfasste die verschiedensten Bereiche, die alle im Dienst der Aufgabe standen, Alexanders Welt originalgetreu zum Leben zu erwecken. Unter den zahlreichen Sets fanden sich detaillierte Nachbauten luxuriöser Paläste, die außergewöhnliche Bibliothek von Alexandria sowie das großartige Babylon inklusive der berühmten Hängenden Gärten, eines der Sieben Weltwunder der Antike. Darüber hinaus musste jeder Schauspieler mit einem ausgewählten Akzent sprechen, um die miteinander verwandten Sprachen und die große Vielfalt an Dialekten der damaligen Zeit widerzuspiegeln.

    Als Vorbereitung für ihre Rollen unterzogen sich alle Schauspieler, die Soldaten verkörperten, darunter auch Colin Farrell und Jared Leto, einem Intensivtraining in antiken Kampfstrategien und im Gebrauch exakter Repliken griechischer und makedonischer Waffen. Alle Schlachten sind von epischem Ausmaß. Nachgestellt für die Leinwand wurde die Schlacht von Gaugamela, in der Alexanders zahlenmäßig stark unterlegene Truppen einen überwältigenden Sieg über die gewaltige persische Armee davontrugen, aber auch eine verbissen geführte Schlacht in den Wäldern Indiens, in der Alexanders Truppen gegen mächtige Elefanten kämpften.

    „Das Schöne an Alexander ist, dass er immer gesiegt hat“, fasst Oliver Stone zusammen. Zu Stones hoch gelobten Filmen zählen: AN JEDEM VERDAMMTEN SONNTAG („Any Given Sunday“, 1999), NIXON („Nixon“, 1995), NATURAL BORN KILLERS („Natural Born Killers“, 1994), JFK – JOHN F. KENNEDY- TATORT DALLAS („JFK“, 1991), THE DOORS („The Doors“, 1991), GEBOREN AM 4. JULI („Born on the Fourth of July“, 1989), WALL STREET („Wall Street“, 1987) und PLATOON („Platoon“, 1986). „An Alexander wird man sich immer, zumindest aus zwei Gründen, erinnern“, fährt Stone fort. „Zum einen, weil er ohne eine militärische Niederlage die Welt eroberte, zum anderen, da er ein Visionär und ein Mann mit einer bemerkenswerten und großzügigen Seele war. Er war vielleicht der größte Krieger aller Zeiten, bedeutender noch als seine mythischen Helden Achilles und Herakles. Unter dem Einfluss dieser Figuren aus der griechischen Mythologie wuchs er auf, und er glaubte an sie wie kein anderes Kind. Aus diesem Glauben, aus dieser Überzeugung heraus entwickelte sich dieser monumentale Antrieb und diese Vorsehung, die er auch tatsächlich erfüllte.“

    Seit seiner Kindheit von Alexander fasziniert und inspiriert von der griechischen Mythologie, träumte Stone seit Jahren von einem Alexander-Film. „Als frustrierter Student gab ich mich in meiner Fantasie der Vorstellung hin, mit einer kleinen Dokumentarfilmcrew und Kameras in die Vergangenheit zu reisen und tatsächlich Alexanders Militärkampagnen zu filmen“, erinnert sich der Regisseur. „32 Jahre später bot sich mir endlich diese eine Gelegenheit, eine Zeitreise anzutreten und diese Ära, so gut wie ich es nur konnte, wieder zum Leben zu erwecken.“

    Moritz Borman, Produzent von ALEXANDER, war fasziniert davon, wie tief sich Stone für sein Drehbuch in Alexanders Gedankenwelt hineinversetzt hatte. „Die meisten von uns haben ein paar geschichtliche Vorkenntnisse über Alexander“, sagt Borman, „aber über den Mann selbst, über seine Seele, über das, was ihn bewegte, wissen sie wenig. Olivers Drehbuch stellte die richtigen Fragen. Wo kam dieser Mann her, was waren seine Prüfungen, was ließ ihn leiden, wie hat ihn seine kulturelle Umgebung geformt, was passierte, wenn er auf unterschiedliche Kulturen traf, wenn er sich mit offensichtlich unmöglich zu bewältigenden Situationen auseinander setzen musste? Das war nicht nur eine Geschichtslektion, sondern ein Drehbuch über einen Mann, der auch heute noch relevant für uns ist. Ein Drehbuch über viele der Themen, die uns auch heute beschäftigen. Die ganze Geschichte Alexanders wurde lebendig in diesem Skript – eine wirklich dramatische und ruhmvolle Geschichte.“

    Als historischen Berater engagierte Stone Robin Lane Fox, ein Mitglied des New College in Oxford und Autor einer 1972 erschienenen Alexander-Biographie. Sie gilt als eine der besten moderneren Arbeiten über Alexanders Leben und über eine Million Exemplare wurden von ihr verkauft. Das enzyklopädische Wissen von Fox über Alexander lieferte den Filmemachern eine Informationsbasis für das Drehbuch und sorgte gelegentlich auch für fachkompetente Unterstützung am Set.

    „Ich traf Oliver erstmals vor drei Jahren in London“, erinnert sich Fox. „Er bombardierte mich mit Fragen – und setzte das über Monate fort. Er wollte alles verstehen - von der Frage, wie sich die Griechen bei einem festlichen Abendessen verhielten, bis hin zur Bedeutung, die Aristoteles für Alexander hatte. Meiner Ansicht nach liegt Olivers Stärke als Künstler, der Historie verfilmt, darin, dass sein Verstand ein wirkliches Gefühl für die Figur entwickelt. Er hat ein Auge für das epische Bild und ein Gespür für Dimension. Oliver hat sich ein hohes Ziel gesteckt, wirkliche Größe darzustellen, und Historiker wird überraschen, wie weit er in seinem Versuch gegangen ist, das Gleichgewicht des Erreichten, Gutes wie auch Schlechtes, zu vermitteln.“

    Stones Film ist per Definition eine Interpretation, so wie jede historische Fiktion. Alexander hat vor langer, langer Zeit gelebt, und selbst die frühesten Geschichtsschreiber konnten nur Vermutungen anstellen, was wirklich damals passierte. „Es wäre völlig unmöglich, jedes Detail aus Alexanders außergewöhnlichem Leben in einen einzigen Film zu pressen“, bemerkt Lane Fox. „Außerdem gibt es Rätsel, die niemals gelöst werden können. Ich verstehe, warum Oliver sich entschied, bestimmte Vorfälle im Leben Alexanders auszulassen oder warum er in der Chronologie der Ereignisse kleine Veränderungen vornahm. Was unter anderem an Alexander so fasziniert, sind die Lücken in unserem Wissen über ihn. Sie lassen so viel Platz für unsere Fantasie.“

    In der Einschätzung Oliver Stones überliefert Alexanders Geschichte die Antike. „Unglaublich ist an Alexander, dass er alle griechischen Mythen kannte und sie dann selbst auslebte. Er wurde von vielen Dämonen angetrieben, die man auch aus modernen Gesellschaften kennt. Eine der Hoffnungen, die ich mit diesem Film verbinde, ist, dass ALEXANDER den Menschen ein Gefühl für Geschichte zurückbringt. Dass es eine andere Zeit und andere Orte, Imperien, die die Welt regierten, und Männer gegeben hat, die große Träumer und Visionäre gewesen sind. Jedem, ganz besonders der Jugend, sollte dieses Gefühl von Geschichte, dieses Gefühl, dass Idealismus gelebt werden kann, vermittelt werden. Das darf niemals korrumpiert werden.“




    EINE ARMEE DER ANTIKE WIRD AUFGESTELLT


    Historische Genauigkeit auf höchstem Niveau versuchte Stone in jedem Detail des Films einzuhalten. Das reichte von Requisiten über die Kostüme bis hin zu den großen Schlachtsequenzen. Um diesen Anspruch auch erfüllen zu können, verpflichtete der Regisseur Dale Dye, ehemals Captain beim United States Marine Corps und Stones langjähriger Mitarbeiter. Der vielleicht führende Militärexperte der Filmindustrie sollte Colin Farrell und andere wichtige Darsteller, die Alexanders Gefährten verkörperten, trainieren. Vor fast 20 Jahren, als beide für PLATOON zusammenarbeiteten, richteten Stone und Dye das erste militärische Trainingslager ein. Heute ist dies in der Filmbranche gängige Praxis. In einem langen, harten Arbeitsmonat übte sich die Besetzung in einer Reihe altertümlicher Spezialitäten. Dazu zählten der Schwertkampf, der Umgang mit Schild, Pfeil und Bogen, mit Schleuder, Speer und den gefürchteten, etwa vier Meter langen makedonischen Lanzen, die unter dem Namen Sarissa bekannt sind. Außerdem erhielten sie Unterricht im Reiten, in militärischen Verhaltensweisen und in der Bildung militärischer Formationen.

    „Ich trainiere keine Schauspieler“, betont Dale Dye. „Ich trainiere Männer, die Soldaten werden und hoffentlich etwas Talent als Schauspieler haben. Das erste, was diese jungen Burschen lernen mussten, war, dass es etwas Wichtigeres als sie selbst gab. Sie lernten, mit anderen zusammenzuleben, die wie sie in einer militärischen Einheit waren. Und sie lernten, die Mission dieser Einheit zu unterstützen. Meine Aufgabe war es, aus ihnen glaubwürdige makedonische Soldaten zu machen, wobei die Betonung auf ’Soldat’ liegt. Das mussten sie erst einmal verstehen, bevor sie irgendetwas anderes verstehen konnten.“

    Eine der wichtigsten Herausforderungen für die Darsteller war die unterschiedliche Erfahrung, die alle im Reiten hatten. Die makedonische Kavallerie ritt ohne Sattel und Steigbügel, was selbst erfahrene Reiter nur sehr schwer erlernen können. Pferdeexperte Ricardo Cruz Moral und sein spanisches Team begannen das Training der Schauspieler erst mit gesattelten Pferden, bis schließlich ohne jedes Hilfsmittel geritten wurde. Zum Schluss wurde den Schauspielern beigebracht, wie man während des Reitens seine Waffen führte. Das war Vorbereitung für die Schlachtsequenzen, in denen die Akteure die riesigen makedonischen Lanzen handhaben und dabei ihre Position in historisch korrekten Formationen einhalten mussten. Und das alles häufig begleitet von Sandstürmen, die ihre Sicht ernsthaft beeinträchtigten.

    Cruz Moral trainierte auch den 13-jährigen Connor Paolo, der von Stone für die Rolle des jungen Alexander ausgewählt worden war. Besonders anspruchsvoll war Alexanders erste schicksalhafte Begegnung mit dem wilden Hengst Bucephalos. In diesen Szenen musst er den Hengst zähmen und sich mit ihm anfreunden. Für den jungen Alexander war diese erste Begegnung ein prägender Moment, denn indem er etwas erreichte, was anderen erfahrenen Reitern nicht gelungen war, erwarb sich Alexander die Anerkennung seines Vaters. Paolo, der in New York aufgewachsen war, war vor dem Film noch nie geritten. Cruz Moral arbeitete mit ihm, über einen Zeitraum von zwei Monaten, jeden Tag, bis er zum Drehstart wie ein wirklicher makedonischer Prinz reiten konnte.

    Ein wichtiger Punkt innerhalb des Trainings der Schauspieler, Stuntleute, Statisten und Soldaten war es, die „Phalanx“ bilden zu können - die strategische Schlachtformation, die von König Philipp entwickelt und von seinem Sohn Alexander später perfektioniert wurde. 256 Männer, jeder mit einer Sarissa bewaffnet, bilden eine Phalanx. Jeweils 16 Männer bilden eine Seite eines Rechtecks, reihen sich geschlossen auf, bis eine nahezu undurchdringliche Formation entsteht. (Die moderne Entsprechung einer Phalanx ist wahrscheinlich ein Panzer). Philipps Einsatz der unüberwindbaren Phalanx und seine Idee, eine Permanentarmee mit bezahlten Soldaten aufzubauen, sorgten dafür, dass Alexander bei seiner Machtübernahme die Mittel zur Verfügung hatte, um die Welt zu erobern.

    „Die Phalanx war taktisch so erfolgreich“, erzählt Dye, „dass sie auf dem Schlachtfeld die nächsten 150 Jahre lang die dominante Infanterieformation blieb. Erst Roms Legionen gelang es, sie zu besiegen. Ein Feldherr wie Alexander verfügte mit ihr über ein sehr starkes, unnachgiebiges, aber doch flexibles taktisches Instrument auf dem Schlachtfeld der Antike.“

    In gewisser Weise erwies sich das Trainingscamp als eine Art Geschichtslabor. Durch die Anwendung in der Praxis entdeckten Dye, sein Team und die Filmemacher die Wahrheit hinter all den Berichten über die Art und Weise, wie zu Alexanders Zeit Kriege ausgetragen wurden. Diese intensive Trainings- und Vorbereitungsperiode ermöglichte es Stone, Schlachten auf die Leinwand zu bannen, die so authentisch wie möglich historische und militärische Realitäten wiedergeben. „Im Grunde lernten wir, um dann lehren zu können“, erzählt Dye. „Oliver und ich haben mit Historikern zusammengearbeitet und ihr Wissen auf dem Schlachtfeld praktisch umgesetzt. Dadurch konnten wir überprüfen, was überhaupt realisierbar war.“

    Zusätzlich zur authentischen Abbildung des Verhaltens von Soldaten, die Tausende von Jahren vor ihnen gelebt hatten, mussten die Schauspieler darauf vorbereitet werden, zwei monumentale Schlachten nachzustellen.

    „Captain Dye nahm uns den ganzen Tag in die Mangel“, erinnert sich Farrell. (Sein Training in den Staaten und in Spanien begann übrigens sechs Wochen vor dem offiziellen Trainingscamp.) „Und dann erzählte er uns jede Nacht von Alexanders Taktiken und Strategien, vom Ablauf verschiedener Schlachten, und erklärte uns, was in einem Soldaten vorging. Im Laufe dieser Zeit wurden wir körperlich belastbarer und richtig vorbereitet auf 'die Schlacht von Gaugamela' – und das war für jeden extrem hart.“

    Ein großes Stück marokkanischer Wüste, etwa 13 Kilometer im Umfang, wurde als Schauplatz für die Schlacht von Gaugamela ausgewählt. Das Basislager der Produktion war gewaltig. Dazu gehörte auch ein echtes militärisches Feldlager der Königlichen Armee Marokkos, die mit der vollen Unterstützung von Seiner Majestät König Mohammed VI mehrere Hundert Soldaten, viele davon Kavalleristen, zur Verfügung gestellt hatte.

    Staubwolken, donnernde Hufe und das Geräusch von Männern in verzweifeltem Nahkampf – das alles durchdrang die Dreharbeiten dieser Schlacht, in der Alexander das schier Unmögliche gelang: der Sieg über die 250.000 Mann starke Armee von König Dareios III mit nur 40.000 Fußsoldaten und 7.000 Reitern. Dareios floh, und der Sieg öffnete den Makedoniern den Weg zum Osten und festigte Alexanders Status als lebende Legende.

    „Oliver ging es um Realismus“, betont Stuntkoordinator Gary Powell. „Übertriebene Kampfszenen, wie man sie etwa aus Piratenfilmen kennt, wollte er nicht. Wenn man Authentizität sucht, dauern Zweikämpfe nicht so lange, ganz besonders, wenn man Waffen benutzt, wie wir sie haben. Es geht schnell und knallhart zu. Für Gaugamela hatten wir mehr als 1000 eng zusammengedrängte Männer zur Verfügung, die zweckmäßige Waffen benutzten.“

    Als Historiker Robin Lane Fox zum ersten Mal einen Statisten zu Pferd, in der vollen Kriegsmontur eines makedonischen Kavalleristen, sah, war er nicht nur Zeuge dieser Nachstellung, sondern nahm daran auch teil. Zu seiner Vereinbarung mit Stone gehörte es, dass er bei Alexanders unsterblichem Angriff auf das Herz der persischen Armee mitmachen durfte.

    „Oliver und seine Crew kümmerten sich mit großer Sorgfalt darum, dass die Bewaffnung und die Rüstung der Männer sich an den alten Quellen orientierten und man die wichtigsten Manöver auf die Leinwand bringen konnte“, erklärt Lane Fox. „Das Resultat ist eine wirklich furchterregende Schlacht, die außergewöhnlich authentisch ist. Meiner Ansicht nach könnte man die Schlachtszenen dieses Films Schulen, Historikern und Universitäten vorführen und damit fruchtbare Diskussionen anregen. Diese Szenen vermitteln einen großartigen Eindruck von den militärischen Einheiten im Kampf, vom Blut und vom Chaos. Vor allem aber verleihen sie dem Film ein erstaunliches episches Format.“

    Kameraman Rodrigo Prieto filmte die Schlacht von Gaugamela mit zwei kompletten Kamerateams, ließ mit bis zu acht Kameras gleichzeitig drehen, um die Action in ihrem vollem Umfang abbilden zu können. Prieto merkt an, „dass er und Stone nichts zeigen wollten, dass aufgesetzt wirkte, dass einen modernen Blickwinkel verriet. Oliver wollte, dass die Bilder einem das Gefühl gaben, dass man hier wirklich mit dabei war, dass man Zeit und Schauplatz spüren konnte. Deshalb legten wir bei der Kameraführung großen Wert auf eine subjektive Perspektive. Jede Entscheidung, die in Stilfragen getroffen wurde, musste an das angepasst werden, was Oliver zu diesem Zeitpunkt im Film fühlte.“

    Zu bedenken war auch das Problem der personellen Stärke: Die Schlacht von Gaugamela 331 vor Christus wurde von annähernd 297.000 Soldaten ausgefochten. Obwohl mehr als 1.000 Statisten vor den Kameras in den Kampf zogen, arbeitete Visual Effects Supervisor John Scheele nach Ende der Dreharbeiten monatelang mit zwei innovativen Effektfirmen, mit der BUF Compagnie in Paris und der Moving Picture Company in London, zusammen, um Gaugamela und einige andere Sequenzen mit digitalen Bildern zu verstärken. „Unsere Herausforderung bestand darin, eine absolut glaubwürdige Armee in greller Mittagssonne kämpfen zu lassen“, erklärt Scheele. „Mit visuellen Effekten in einer düsteren Fantasiewelt hat man mehr Spielraum, und das Publikum akzeptiert, was es auf der Leinwand sieht. Wir aber mussten uns an den Schmutz und den Staub der wirklichen Welt anpassen.“

    Die zweite große entscheidende Schlacht des Films ist ein unerbittlich ausgetragener Kampf in einem indischen Wald. Hier stellen sich Alexander und seine Soldaten drastischen Wetterbedingungen, einer Landschaft, die ungeeignet ist für die gewohnten Militärformationen und, am unglaublichsten für die Griechen, auch Elefanten. So etwas wie die riesigen aufgerüsteten Tiere, mit denen die indischen Soldaten in den Kampf zogen, hatten die Makedonier vorher noch nie gesehen.

    Für diesen Abschnitt der Dreharbeiten zog die Produktion nach Thailand. Für Stones Vorhaben erwies es sich von Vorteil, dass in Thailand beträchtliche indische Einflüsse spür- und sichtbar sind. Diese gehen auf das erste Jahrhundert zurück, in dem Kaufleute vom Subkontinent auf der Halbinsel eintrafen und Kunst, Architektur, Religion und Regierungsformen ihres Landes nach Thailand brachten.

    Gedreht wurde im Botanischen Garten von Phu Kae, in einem etwa 130 Kilometer nördlich von Bangkok gelegenen Waldstück mit vielen Laubbäumen. Dieses Areal musste für die Kampfsequenz von Produktionsdesigner Jan Roelfs und dem Ausstattungsteam vorübergehend verändert werden. „Aus praktischen Gründen konnten wir nicht im richtigen Dschungel drehen“, erklärt Roelfs. „Deshalb mussten wir innerhalb des Botanischen Gartens unseren eigenen Dschungel errichten. Das war besser für die Lichtsetzung und das Arrangement der Kampfszenen. Weil wir in der Trockenzeit drehten, mussten wir den Teil des Waldes wässern, den wir drei Monate lang für unsere Zwecke nutzen durften.“ Nach Abschluss der Dreharbeiten in Saraburi, wurde der Botanische Garten wieder in seinen Originalzustand versetzt.

    Wie bereits in Marokko geschehen, stellte auch Thailands Regierung großzügig Soldaten bereit, die die Krieger der Antike verkörperten. „Das war eine sehr interessante, kulturübergreifende Übung“, erzählt Captain Dye. „Gerade hatte ich eine komplette marokkanische Armee verlassen, um mich sofort einer kompletten thailändischen Armee zuzuwenden. Es gelang uns, sie schnell im Bilden, Auflösen und Neugruppieren der Phalanx zu unterrichten. Das war nötig, um sich im dichten Wald bewegen zu können, und unterschied sich sehr vom offenen Wüstenterrain von Gaugamela.

    Im Wald war Dye mit den gleichen Problemen konfrontiert, denen sich wohl auch Alexander hatte stellen müssen. „In Indien - und in jedem anderen natürlich eingeschränkten Terrain oder Dschungelterrain - kam auf Alexander das Problem zu, dass die Phalanx sich auflösen musste, dass sie sich aufteilen und ihren Zusammnhalt aufgeben musste, um natürlichen Hindernissen und Bäumen aus dem Weg zu gehen. Wenn Alexander die Phalanx auf flachem, leicht begehbarem Grund einsetzte, wie er das in Gaugamela und in verschiedenen anderen Schlachten tat, besaß sie alle Durchschlagskraft dieser Welt. Wenn aber das Gelände diese Einheit aufbricht, dann ist die Phalanx gefährdet, und genau das zeigen wir in dieser Waldschlacht:“

    Im Film greifen die indischen Streitkämpfe auf verblüffende Weise mit Kampfelefanten an. Nirgendwo werden Elefanten besser trainiert und auch mehr geliebt als in Thailand. (Elefanten haben großen Stellenwert in der Folklore und in der Religion des Landes. Seit Jahren unternimmt man Anstrengungen, um die Zerstörung des Waldes, ihres natürlichen Lebensraums, aufzuhalten, damit die Elefanten weiter wie bisher leben können). Für das Training der Elefanten engagierte die Produktion Sompast Meepan, den Besitzer des sehr beliebten Elephant Palace und des Royal Kraal von Ayutthaya. Meepan brachte aus Ayutthaya 30 Dickhäuter zum Botanischen Garten von Phu Kae mit.

    Für die im Drehbuch beschriebene Schlacht mussten die Elefanten ganz bestimmte Aktionen und Verhaltensweisen erlernen. Dale Dye und Stuntkoordinator Gary Powell verbrachten zwei Monate damit, diese speziellen Fähigkeiten zu entwickeln. Dazu zählte auch, sie an die Nähe von Pferden zu gewöhnen. Dye und Powell wurden unterstützt von Sompast und den „Mahouts“ der Tiere, die mit dem Training bereits bei den Jungtieren beginnen.

    „Ein Elefant macht, was ein Elefant eben macht“, merkt Dale Dye an. „Es interessiert sie nicht, Markierungen für die Kamera einzuhalten. Aber unsere Elefanten waren außergewöhnlich, intelligent und wirklich extrem gut trainiert.“ Und Stone fügt hinzu: „Der Umgang mit den Pferden war viel problematischer als eigentlich gedacht. Bucephalos, Alexanders großartigem schwarzen Hengst, war aber eigenartigerweise eine Ausnahme: Er war sehr ruhig und stellte sich in einer der denkwürdigsten Szenen des Films ohne eine Spur von Furcht auf seinen zwei Hinterbeinen vor einem Elefanten auf. Diese äußerst dramatische Einstellung ist authentisch, ohne jegliche digitale Eingriffe. Alle leisteten dabei Erstaunliches: das Pferd, der Stuntman und auch Colin.“

    Um die Sicherheit aller Tiere zu gewährleisten, waren der bekannte Naturschützer Richard Lair, Mitbegründer des Thai Elephant Conservation Centre, eines der weltweit bedeutendsten Elefantenschutzgebiete, und Dr. Preecha Puangkham, Chefveterinär der thailändischen Regierung, während des Trainings der Elefanten und der Dreharbeiten immer vor Ort.

    Wie durch ein Wunder gab es während des zweieinhalbwöchigen Drehs der Schlachtsequenz keine von Elefanten verursachten Verletzungen, erlitt auch keines der Tiere einen Schaden. „Sie waren einfach unglaublich“, schwärmt Stone von seinen dickhäutigen Darstellern. „Es sah wirklich so aus, als hätten sie ihren Spaß.“

    Es muss nicht besonders betont werden, dass das von den Elefanten und den Pferden im Verlauf der Filmschlacht angerichtete Chaos gänzlich auf das Konto der Special-Effect-Spezialisten ging. Natürlich in Zusammenarbeit mit Make-up und Maske. Sie waren dafür verantwortlich, die grausamen Verletzungen, die der Krieg bei Mensch und Tier anrichtet, außergewöhnlich realistisch nachzustellen.

    Als Vorbereitung für die großen Schlachtsequenzen des Films, in denen ganze Armeen aufeinander treffen, musste Waffenexperte Richard Hooper das ganze, vielfältige Arsenal an Waffen herstellen, das von makedonischen, persischen, indischen und baktrischen Heeren benutzt wird. Dabei mussten Hooper und seine Crew bis zu 1.500 Soldaten täglich ausrüsten und dafür über 12.000 Waffen und Ausrüstungsgegenstände herstellen. Dazu zählten etwa 1.000 Sarissa-Lanzen, 2.000 Schilde, 2.000 Schwerter, 750 Bogen und 9.000 Pfeile. Die meisten dieser Waffen ließ Hooper aus echtem Metall schmieden, während realistische Plastikversionen bei Stunt- und Reitsequenzen zum Einsatz kamen.

    Um Soldaten und Tiere für die Waldschlacht auszurüsten, ließ Hooper weitere 500 Schilde, Schwerter, Keulen und Äxte herstellen. Dazu kamen 150 Bogen, 2.000 Pfeile sowie Rüstungschmuck für die makedonische und persische Armee wie auch für die Elefanten. Ausstatter Stuart Rose fiel die Aufgabe zu, den kunstvollen Panzer der Elefanten zu kreieren und zu pflegen.



    DER NACHBAU DER ANTIKEN WELT

    In Übereinstimmung mit der Intention der Filmemacher, höchstmögliche historische Authentizität zu erreichen, wurde jede Requisite, jede Waffe und jedes Möbelstück eigens für diese Produktion kreiert und hergestellt. Bevor überhaupt gedreht wurde, wurden bereits Workshops für die Ausstatter und Kostümdesigner eingerichtet, die auch sofort ihre Arbeit aufnahmen.

    „Um den Look für den Film zu bestimmen, wurden zunächst Überlegungen über mögliche Drehorte für die Außenaufnahmen angestellt“, erzählt Produktionsdesigner Jan Roelfs. „Wir brauchten Schauplätze, die glaubhaft für Makedonien, Persien, Baktrien, Sogdien, den Hindukusch und für Indien stehen konnten. Baktrien und Sogdien gibt es nicht einmal mehr. Diese Länder sind nun Teil von Afghanistan, Usbekistan, Kasachstan und der Mongolei. Es ist erstaunlich, was für ein Puzzle man zusammensetzen muss. Bei Landschaften muss man in der Auswahl sehr genau vorgehen, sonst sieht alles gleich aus.“

    Stone und Roelfs waren weltweit unterwegs, um geeignete Schauplätze für Alexanders Reise zu finden. Letztlich fiel ihre Wahl auf Marokko und Thailand, sowie auf Pinewood und die Shepperton Studios in der Nähe von London für alle Innenaufnahmen. Marokko erwies sich als perfekt für die enormen Anforderungen des Films. Mit seinen Landschaften, den Menschen und einer Atmosphäre, die alte Zeiten lebendig werden ließ, war Marokko der ideale Platz auf der Weltkarte, um große Abschnitte aus Alexanders Leben nachstellen zu können.

    „Das Wichtigste war für uns, dass wir zentralisieren mussten, um den Film überhaupt zu ermöglichen“, gibt Produzent Jon Kilik zu. „Wir konnten es uns nicht leisten, durch Dutzende von Ländern zu reisen und Tausende von Meilen zurückzulegen, wie das noch Alexander tat. Wir mussten uns auf einige Gebiete konzentrieren, in denen wir verschiedene Landschaften finden konnten. Außerhalb von Marrakesch fanden wir Wüsten, Ebenen, Berge, Hitze und Schnee vor – und das alles nicht mehr als jeweils eineinhalb Stunden entfernt. Essaouira wurde unser Makedonien – das Meer, die Vegetation und die Felsen unterschieden sich dort sehr von der Landschaft bei Marrakesch. Einen Fluss, den wir für eine wichtige Szene in Indien suchten, fanden wir nicht in Marokko, dort war nichts exotisch genug. Dafür aber entdeckten wir einen erstaunlichen Drehort in der Provinz Ubon Ratchathani am Mekong in Thailand, an der Grenze zu Laos. Thailand löste auch unser Problem, dass wir eine Schlacht mit trainierten asiatischen Elefanten vor die Kameras bringen wollten.“

    Bevor die eigentlichen Dreharbeiten begannen, machten Stone und Kameramann Rodrigo Prieto einige Aufnahmen in Malta und im Himalaja. Diese wurden später für bestimmte Effectshots benutzt, wobei Malta als optischer Hintergrund für den Hafen von Alexandria einschließlich des berühmten Leuchtturms von Pharos diente - ein weiteres der Sieben Weltwunder der Antike. Das Himalaja dagegen bot die Naturkulisse für Alexanders Reise über den schneebedeckten Hindukusch.

    Mit großer Sorgfalt erarbeiteten Stone und Prieto einen visuellen Plan für den Film, dem sie während der gesamten Drehzeit folgten. „Wir entschieden uns, jeden Abschnitt in Alexanders Leben durch einen unterschiedlichen Look, durch ein andere Atmosphäre zu kennzeichnen“, erklärt Prieto. „In den Sequenzen in Makedonien, in denen Alexander noch jünger ist, herrschen sehr reine, ’unschuldige’ Farben vor. Für die Schlacht von Gaugamela sollte das ganze Bild von der Farbe der Wüste und des Sandes durchzogen sein. Das erreichten wir mit einem Tabak-Filter, der für einen Ton zwischen Orange und Gelb sorgte. Außerdem griffen wir auf grobkörnigeres Filmmaterial zurück, um den Schlachtsequenzen noch mehr optische Struktur zu geben. Babylon dagegen sollte in Gold, durchtränkt von Farbe, erstrahlen, und wenn Alexander den Hindukusch überschreitet, sollten die Farben wieder kühler werden. Die Sequenz in Indien sollte visuell in totalem Kontrast zu den Aufnahmen in Makedonien stehen. Deshalb verwendeten wir sehr körniges Filmmaterial und behandelten das Negativ so, dass der Kontrast erhöht wurde.“

    Nur wenige Aspekte bei den Dreharbeiten zu ALEXANDER flößten solchen Respekt ein wie die Notwendigkeit, die Welt wiederauferstehen zu lassen, die den jungen König umgab. Sein Leben umfasste immerhin 30 Jahre antiker Geschichte, wozu auch ein Durchqueren weiter Teile der damals bekannten Welt gehörte. Jan Roelfs und sein Team von Ausstattern mussten sich dabei an historischen Notwendigkeiten und künstlerischer Wahrhaftigkeit orientieren. Die Frage war, wie man die Welt der Antike authentisch, aber gleichzeitig mit filmischer Fantasie wiederauferstehen lassen konnte. Roelfs war entschlossen, ein Gleichgewicht zwischen beiden Ansprüchen zu finden. Das Resultat ist eine Wiedererweckung der antiken Welt, wie man sie in diesen Details in der Filmgeschichte bisher kaum gesehen hat.

    Auf einem knapp 13 Kilometer langen Wüstenabschnitt außerhalb von Marrakesch errichteten die Ausstatter Alexanders wundervoll dekoriertes Hauptquartier in seinem Zeltlager am Rande des Schlachtfelds von Gaugamela. Weil Alexander in hohem Maße von den griechischen Heldengeschichten seiner Jugend beeinflusst war, brachten die Designer das mythische Schild von Achilles über seinem Thron an, gaben die Schriftrollen von Homers „Ilias“ und „ Odyssee“ in eine Kiste aus Elfenbein, die neben seinem Bett stand.

    Ebenfalls in Marokko gedreht wurden Szenen, die auf einem makedonischen Pferdemarkt spielen sollen. Hier begegnet und zähmt der junge Alexander erstmals Bucephalos – das Pferd, das ihn ein Leben lang begleiten wird. Die Ausstattungsabteilung fügte dem üppig bewachsenen grünen Tal Terrassen, mit Steinen gepflasterte Straßen und Zypressen hinzu. Mehr als 50 Pferde und Esel gehörten zur Marktkulisse, außerdem Herbstfrüchte und verschiedene Gemüsesorten, die in Ständen und Pavillons gegenüber dem Ring für die Pferde feilgeboten wurden. In einfaches weißes Leinen gehüllte Statisten, die Bauern verkörpern sollten, besprenkelten die Landschaft wie mobile Skulpturen, einige platzierte man, von Schafen umgeben, auf den Hügeln. So entstand eine wunderschön ländliche Vision vom antiken Makedonien.

    Auf einem Steilufer über dem glitzernden Meer an der Küste Marokkos wurde eine kleine, Pallas Athene gewidmete Tempelruine errichtet. Hier befand sich die noch unvollständige Weltkarte, die den jungen Alexander so faszinierte. Hier fand auch Aristoteles’ Unterricht für Alexander und seine Freunde in den Gärten von Mieza statt. In Boufarziza wurde ein makedonisches Amphitheater und 20 Nebengebäude aufgebaut, darunter auch ein weiterer größerer Tempel für Pallas Athene. Das Amphitheater sollte von bescheidenem Umfang sein, wie es für eine Provinzstadt angemessen war. Die Gebäude und Statuen bewiesen mit ihren lebhaften Farben, dass die Antike nicht so farblos war, wie es allgemein angenommen wird. Für eine Zeremonie, die im Amphitheater abgehalten werden sollte, schuf Roelfs’ Team vielfarbige Statuen von jeder Gottheit, fast schon grell-bunt und mit voller Absicht eher theatralisch als künstlerisch.

    Aus praktischen Gründen konnte nicht alles an natürlichen Schauplätzen gedreht werden. Deshalb errichteten Roelfs und sein Team einige gewaltige Sets in den berühmten Pinewood Studios bei London. Pinewoods Hangar-ähnliche 007-Halle ist weltweit die größte, permanent benutzbare ihrer Art. Um diese exakten Repliken der fernen Vergangenheit zu errichten, nutzte die Crew nahezu jeden Zentimeter verfügbaren Raums aus. Das erste der zwei größten und großartigsten Sets war ein exotischer Innenhof eines kunstvoll verzierten indischen Palastes. Weil die Inder in der Antike ihre Paläste gänzlich aus Holz errichteten, hat nichts aus Alexanders Zeit bis in die Gegenwart überlebt. Damit war das Design eines solchen Innenhofs völlig der Fantasie überlassen.

    Inspiriert von indischen Schreinen, die Treppen in ihr Design einarbeiten, entschied sich Roelfs für ein Open-Air-Konzept - mit abgestuften Wänden, die hinunter zum Innenhof führen, in dem wiederum Wasserteiche Akzente setzen.

    Für den Bau des indischen Palasts benötigte man vier Monate. Dabei arbeiteten täglich durchschnittlich 150 Mann vor Ort, stellten auf, gipsten, bemalten und schnitzten. Ein riesiger bestickter Baldachin bedeckte die Mitte des Innenhofs und angrenzende Teiche. Obwohl dieser indische Palast eine unbestreitbar schöne und eindrucksvolle künstlerische Leistung darstellt, erwies sich das prachtvolle Babylon als Roelfs „Pièce de résistance“. „Babylon ist ganz sicher das opulenteste Set meiner Karriere“, begeistert sich der Designer. „Alexanders Einzug in Babylon markiert den Höhepunkt seines Lebens. Noch nie hat er solche Pracht gesehen, war noch nie zuvor einer Kultur begegnet, die in vieler Hinsicht seiner eigenen überlegen war.“

    „Das Konzept für das Design habe ich schnell entwickelt“, fährt Roelfs fort. „Denn dieses Set war eines der ersten, wo ich genau wusste, was ich wollte. Aber es dann auch zu bauen, war doch etwas ganz anderes. Es musste unglaublich viel skizziert und gefertigt werden. Ich entschloss mich, die berühmten Hängenden Gärten von Babylon in mein Konzept zu integrieren, damit es ein Palast wird, der das Innere mit dem Äußeren verbindet, der den Elementen gegenüber offen ist. Außerdem wollte ich wirklich hohe Decken und einen Palast mit vielen verschiedenen Ebenen, Abschnitt auf Abschnitt. Das Set erhob sich schließlich vom Boden bis zum Bühnengerüst der 007-Halle auf fast 15 Meter.

    Der vielleicht verblüffendste Teil dieses Sets war das Schlafzimmer von Dareios III, das Alexander nach dem Sieg über den König in Besitz nimmt. Die aufwändig gearbeiteten hölzernen Wandschirme wurde alle von Hand in Marokko geschnitzt, wie auch der riesige Fächer mit dem eingewebten Bild der höchsten persischen Gottheit Ahura Mazda.

    Kulissenmaler Steve Mitchell schuf mit nur einem Assistenten ein 45 Meter langes und 14 Meter hohes Panoramabild. Darauf sah man von den Terrassen des Palasts mit fotorealistischer Genauigkeit und Detailfreude auf Bagdad, zeigte sich eine prachtvolle Stadtlandschaft mit antiken Hochhäusern, Brücken, Gärten und Straßen, zeigte sich kurz gesagt eine Kultur auf ihrem Höhepunkt. Diese Hintergründe, genannt „Translights“, sind normalerweise riesig vergrößerte Fotografien, zumindest wenn sie für Filme, die in der Gegenwart spielen, verwendet werden. Im Falle Babylons gab es aus nahe liegenden Gründen solche Fotografien nicht. Deshalb verließ sich die Ausstattungs-Abteilung auf die traditionelle Kunst, um die Vergangenheit wiederzuerwecken. Dafür benötigte Mitchell insgesamt fünfeinhalb Wochen.

    Um die üppig bewachsenen Hängenden Gärten von Babylon, eines der Sieben Weltwunder der Antike, auf die Leinwand zu bringen, griff Set-Dekorateur Jim Erickson auf sein botanisches Wissen zurück, um Pflanzen zu beschaffen, die zu dieser Zeit und zu dieser Region passten.

    Der harte englische Winter und die Tatsache, dass es keine Zentralheizung in der 007-Halle gibt, versprachen allerdings nichts Gutes für diese Pflanzen. Deshalb wurden sie nach jedem Drehtag die ganze Nacht sorgfältig bedeckt und mit Speziallampen erwärmt, bis sie am nächsten Morgen für die Kameras wieder zum Vorschein gebracht wurden.

    Sobald der Palast in Babylon von Schauspielern und Statisten bevölkert war, sobald brennende Fackeln aufgestellt, Weihrauch durch die Räume zog und ein voll betriebsfähiges Pumpsystem die grün schimmernden Brunnen und Pools schuf, die zum Glanz des Gebäudes beitragen, war die Illusion von Realität praktisch perfekt. Sogar Stone überraschte es manchmal, wenn er aus dem Studio hinaus ins trübe Licht des britischen Winters trat. „Was für eine merkwürdige Welt wir doch erschaffen“, sagt er nachdenklich. „Nur ein paar Stufen zwischen den Jahrhunderten und Kulturen.“ Der umgekehrte Fall aber war deutlich angenehmer, wenn man nämlich von der armseligen Düsternis in die funkelnden babylonischen Bauten trat. „Auf den Sets legen wir offen, was wir verinnerlichen“, resümiert Stone. „Wir gingen in Fantasie-Sets hinein, und daraus wieder in die Realität zurückzukehren, war sehr hart.“

    Die prachtvollen Stadttore von Babylon, durch die Alexander und seine Truppen nach dem Sieg über Dareios in einem Triumphmarsch einziehen, wurden am Drehort in Marrakesch errichtet. „Teile des Osttors von Babylon sind im Berliner Pergamonmuseum ausgestellt“, erzählt Roelfs, „aber obwohl ich dadurch großartige Anregungen für das Design bekam, wollte ich es nicht einfach kopieren. Ich habe eine ganze Weile mit mir gerungen, bis mir die Idee kam, dass das Haupttor in die Stadt hinein mit einer Brücke über den Euphrat verbunden ist. Zu dieser Zeit war Babylon das Land, durch das Milch und Honig fließen - fruchtbares Land an einem großen Fluss. Wenn Alexander dort eintrifft, muss man erkennen können, dass es der opulenteste Ort auf Erden ist.“

    Die für den Film errichteten Tore von Babylon erreichten eine Höhe von 11 Metern, strahlten im Glanz von blau-verzierten Steinen und von Reliefs mit mythologischen Kreaturen. Mit Hilfe von visuellen Effekten vergrößerte man die Tore später auf eine Höhe von 24 Metern. Genauso erschuf man das ganze Stadtpanorama von Babylon. Die Umreifung der gewaltigen Holztore bestand aus Messing. Die riesigen Statuen geflügelter Stiere, die drohend auf der Brücke zum Stadttor standen, wurden in England geschnitzt und dann nach Marokko verschifft, wo sie bemalt und fertiggestellt wurden. Die enorme Sorgfalt bis hin zum kleinsten Detail verdeutlicht sich beispielsweise in der Sequenz, in der Alexander und seine Armee in die Stadt einreiten. Set-Dekorateur Jim Erickson stellte sicher, dass sich keine gelben Rosenblüten in dem Blumenregen befanden, der auf die Soldaten niederging. Denn wie jeder leidenschaftliche Gärtner weiß, gab es gelbe Rosen im 4. vorchristlichen Jahrhundert nur in China.

    Ebenfalls in Pinewood errichtet wurde ein feuchtes Höhlenset mit mehr als 20 primitiven, manchmal barbarischen Wandmalereien. Sie wurden entworfen und gemalt von Simon Thorpe, zeigen alte griechische Mythen, in denen Philipp den jungen Alexander auf den Schrecken und die Brutalität der Welt vorbereitet, in der beide leben.

    Alexander wuchs im Königspalast von Pella auf, der Hauptstadt Makedoniens. Die Detailliebe im Nachbau dieses Palastes war außerordentlich. In den Gemächern von Olympias, in denen der ganz junge Alexander sich aufhielt, befanden sich kraftvolle Fresken aus der Ilias von Homer. Ein Mosaik mit eingelegten Kieselsteinen bildet den Boden, handgemalte Bas-Reliefs mit menschlichen Figuren dekorieren die Wände. Der Innenhof des Palastes war Schauplatz für Philipps ausschweifende Hochzeit und für eine Sequenz, in der Alexander und seine jungen Freunde im Ringen trainiert werden.

    In den Shepperton Studios in der Nähe von London wurde einer der Schätze, die der Welt verloren gegangen sind, die Bibliothek von Alexandria, mit großem Ehrgeiz nachgebaut. Hier erinnert sich Sir Anthony Hopkins als Ptolemaios, umgeben von aufmerksamen Schreibern, an seine Tage mit Alexander. Der geometrisch angelegte Marmorboden setzt sich ab gegen Mosaikfresken, die Alexanders Heldentaten zeigen. Die Regale, die sich an den Wänden aneinander reihten, nahmen über 25.000 verschiedene Schriftrollen auf.




    DAS ENDE DER REISE


    Als die Dreharbeiten nach 94 Tagen beendet waren, hatte die Produktion von ALEXANDER auf verschiedene Weise die Ziele ihres Titelhelden reflektiert. „Der ganze Film war irgendwie eine Parallele zu seiner Geschichte“, stellt Produzent Jon Kilik fest. „Er war ein Schmelztiegel für Kulturen und Menschen, für Briten, Iren, Amerikaner, Franzosen, Marokkaner und Thailänder, die alle eine unterschiedliche Note, einen anderen Stil in den Film einbrachten.“

    Die letzten Aufnahmen waren geradezu symbolisch für den vorherrschenden Geist, für das Engagement während dieser Produktion. „Meinen letzten Eindruck von Colin werde ich nie vergessen“, erzählt Stone. „Er stand auf Krücken, künstliches Blut lief ihm über Gesicht, Körper und Rüstung, sein Knöchel war gebrochen, und er zeigte dieses wunderbare Lächeln und dabei tanzten seine verrückten irischen Augen. Wir hatten es geschafft. Wir hatten das Ende eines langen Glücksspiels, bei dem immer der Absturz drohte, erreicht. Und Colin sah ganz sicher so aus, als wäre dies für ihn die Endstation. Für uns beide war das ein ganz besonderer Moment. Es mag bedeutungsschwer klingen, aber - wie schon Ptolemaios am Ende unseres Films - möchte auch ich sagen ’In seiner Gegenwart sind wir über uns hinausgewachsen.’“

    Mit gewaltigen Anstrengungen, mit den Fähigkeiten und Talenten der großen Besetzung und den hinter der Kamera arbeitenden Visionären, gelang es Stone, endlich seinen Traum zu erfüllen und das gewaltige Schauspiel von Alexanders außergewöhnlichem Leben einzufangen und auf die Leinwand zu bannen. Angefangen von seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Es war ein Leben, das ihn durch eine Welt reisen ließ, die er erst erobert und schließlich auch vereint hat.“
    Infos
    Originaltitel:
    Alexander
    Land:
    USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich
    Jahr:
    2004
    Studio/Verleih:
    Constantin Film Verleih
    Regie:
    Oliver Stone
    Produzent(en):
    Moritz Borman, Jon Kilik, Thomas Schühly, Iain Smith
    Drehbuch:
    Oliver Stone, Christopher Kyle, Laeta Kalogridis
    Kamera:
    Rodrigo Prieto
    Musik:
    Vangelis
    Genre:
    Historienfilm, Abenteuer, Action, Drama
    Darsteller:
    Colin Farrell, Anthony Hopkins, Angelina Jolie, Val Kilmer, Christopher Plummer, Ian Beattie, Jared Leto uvm.
    Inhalt:
    Unter der Regie von Oscar®-Preisträger Oliver Stone meißelt der Film ein opulentes Gemälde über ALEXANDER DEN GROßEN (356 - 323 vor Christi) auf die große Kinoleinwand. Seine Jugend, seine Träume von Ruhm und Abenteuer, bis hin zu seinem einsamen und mysteriösen Tod als Herrscher des größten Reichs der Weltgeschichte ziehen die Zuschauer in Bann. Das in Marrakesch, London und Thailand gedrehte historische Epos ALEXANDER erzählt von der impulsiven, turbulenten Beziehung zu seinen Eltern, die entschlossen waren, ihren Sohn mit allen Mitteln der Macht auf den Thron zu bringen. Eine Chronik der stürmischen, brüderlichen Bündnisse mit seinen engsten Gefährten und seiner gewaltigen Armee, über die gemeinsamen Kämpfe auf den von der Sonne verbrannten Schlachtfeldern des Persischen Reichs bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln Indiens, wird zum Leben erweckt. Der Film zeigt in unvergesslichen Bildern und mit einem Ensemble erstklassiger Schauspieler um Colin Farrell, Anthony Hopkins und Angelina Jolie, Alexanders Reise auf dem Weg zur imposantesten Figur der Weltgeschichte.
    Start (DE):
    23.12.2004
    Laufzeit:
    176
    FSK:
    ab 12 Jahren

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