Übersicht
Einleitung
2022 lieferten die Brüder Danny Philippou und Michael Philippou mit "Talk to Me" ihr Langfilm-Regiedebüt und landeten direkt einen Hit im Horrorgenre, für den mittlerweile auch eine Fortsetzung angedacht ist. Nun, drei Jahre später, liefern sie mit Bring Her Back ihren zweiten Film, wieder im Horrorbereich angesiedelt, und wieder ein absoluter Hit, der vieles richtig macht. Somit haben sie sich nun einen Namen gemacht, den man auch zukünftig auf der Liste haben sollte, welcher für guten Horror steht.
Ein Bruder und eine Schwester entdecken im abgelegenen Haus ihrer neuen Pflegemutter ein verstörendes Ritual.
Kritik
Wie auch schon in "Talk to Me" setzen die Philippou-Brüder in ihrem neuen Horrorfilm Bring Her Back auf eine ruhige Inszenierung, einen langsamen Spannungsaufbau und einige wirklich fiesen Gewaltspitzen. Das Werk beginnt gewohnt ruhig, es entführt einen in die angespannte Welt der beiden Waisen Piper und Andy, welche zu einer neuen Pflegemutter kommen. Dass dort vieles nicht stimmt wird nicht nur den beiden schnell klar, sondern auch dem Zuschauer. Denn dieser bekommt stets mehr Informationen als die beiden Protagonisten, so dass sich meistens ein Gefühl der Anspannung einstellt, da man es natürlich besser weiß als die beiden Geschwister. Allerdings kann dieses Wissen zuweilen auch den negativen Effekt haben, dass gewisse Spannungspunkte nicht mehr wirklich spannend sind und eine wesentlich besser entfaltende Wirkung gehabt hätten, wenn das Publikum zur gleichen Zeit zu der Erkenntnis gekommen wäre, wie Piper und Andy. Dies ist allerdings nur selten der Fall und beeinträchtigt den Film und das Sehvergnügen kaum.

In dieser ruhigen, bedrohlichen Atmosphäre verbringt Bring Her Back seine meiste Laufzeit und bricht nur selten aus diesem Schema hervor. Wenn er dies jedoch tut, dann aber richtig. Eine Szene im Film hat es in sich und hat für einen kalten Schauer auf dem Rücken gesorgt, wie sonst keine Szene in einem Horrorfilm in den letzten Jahren. Diese kam so plötzlich wie sie auch wieder gegangen ist – und wird noch auf lange Zeit für Eindruck sorgen.
Zu den wunderbaren Schauwerten und der größtenteils cleveren Inszenierung gesellt sich ein Ensemble an großartig aufgelegten Darstellerinnen und Darstellern, welche die Geschichte des Films problemlos auf ihren Schultern tragen. Vor allem Sally Hawkins ist hier positiv erwähnenswert, die mit ihrer Performance und ihrer Rolle aus ihrem eigentlichen Schema wunderbar ausbricht und eine faszinierende, wie abstoßende Figur zum Leben erweckt. Wie weit würde ein Mensch gehen um die verlorene Tochter wieder ins Leben zurückzuholen? Hawkins liefert hier auf beeindruckende Art die Antwort auf diese Frage und schreckt vor fast nichts zurück.
Neben seinen fantastischen Horrorelementen, die auch weit nach dem Abspann noch unter die Haut gehen, erzählt Bring Her Back aber auch eine schöne, berührende Geschichte über Zusammenhalt. Über Familie. Geschwisterliebe. Der Titel trifft hier stets die richtigen Töne, vermittelt den Zusammenhalt von Piper und Andy vorzüglich – und wie man als eigentlich zusammengeschweißtes Geschwisterpaar gegen bösartige Einflüsse von außen zuweilen trotzdem nicht immun ist.
Fazit
Mit Bring Her Back haben die Philippou’s die nächste Genreperle abgeliefert, die zwar natürlich nicht frei von Schwächen ist, aber insgesamt ein absolut gelungenes Erlebnis bietet. Neben blankem Psychoterror steht die Geschwisterliebe im Vordergrund, aber auch wie weit Menschen bereit sind zu gehen um ihre Geliebten wieder zurückzubekommen, koste es was es wolle. Atmosphärisch aufgeladen, brillant gespielt und immer wieder schweißtreibend liefert Bring Her Back die wohl beste Horrorerfahrung des bisherigen Jahres.
8/10
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