Predator: Badlands

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  • Einleitung


    Abgesehen vom ersten "Predator"-Film aus dem Jahr 1987, der mehr als das Fünffache seines Budgets wieder einspielte, erwies sich das Franchise um die außerirdischen Jäger nie als großer Kassenmagnet. Zwar konnten die meisten in den grünen Bereich vordringen, doch lediglich an den Kinokassen erwiesen sich die Film bisher nicht als herausragende Erfolge. Und dennoch genießt die Figur eine große Beliebtheit. Über die Jahre entstanden neben den Filmen auch Comics, Romane und Videospiele, die einen tieferen Einblick in die Welt der Predators ermöglichten. Aufgrund dieser Popularität versuchte man auch immer wieder filmische Anläufe. Nach dem bis heute gefeierten Erstling mit Actionlegende Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle folgte drei Jahre später ein zweiter Teil, der sich kommerziell allerdings als der bisher schwächste Film des Franchises herausstellte. 14 Jahre dauerte es dann, bis 2004 das langersehnte Crossover "Alien vs. Predator" in den Kinos erschien – ein Aufeinandertreffen, auf das Fans seit "Predator 2" warteten, in dem dieses als kleines Easteregg angeteasert wurde, was daraufhin Comics wie Videospiele nach sich zog, bis dann endlich auch eine filmische Umsetzung erschien. Doch Fans wie Kritiker waren nur bedingt überzeugt von der Auseinandersetzung der Yautjas (Predatoren) und der Xenomorphs (Aliens) und attestiertem dem Werk im besten Fall einen netten Unterhaltungswert. Der erhoffte Wow-Effekt blieb jedoch aus. Nach einer qualitativ miserablen Fortsetzung probierte man 2010 dann mit einer Rückbesinnung auf die Ursprünge des Predators einen neuen filmischen Anlauf. Nach einem Drehbuch von Robert Rodriguez ("Sin City") entstand dann mit "Predators" ein durchaus moderater Erfolg – kommerziell wie qualitativ. Dennoch war man hinter den Kulissen dann am Ende nicht gänzlich überzeugt und legte 2018 erneut mit neuem Team nach. Dieses Mal sollte es Regisseur und Drehbuchautor Shane Black meistern, der als Schauspieler und Autor bereits beim Original mitwirkte. Doch Begeisterungsstürme blieben aus. Obwohl "Predator: Upgrade" mit einem weltweiten Einspielergebnis von 160 Millionen US-Dollar das bisher höchste der reinen "Predator"-Reihe erzielte (inflationsunbereinigt), blickte er auch auf das bisher höchste Budget von 88 Millionen US-Dollar. Somit war das Werk auch aus finanzieller Sicht eine Enttäuschung. Lange blieb die Zukunft um den Jäger daraufhin ungewiss, da auch die Übernahme von 20th Century Fox durch Disney kurz darauf stattfand. Doch Disney ließ still und heimlich einen weiteren Franchise-Beitrag umsetzen, der für die Auswertung direkt auf Disney+/Hulu entwickelt wurde. Und Regisseur wie Drehbuchautor Dan Trachtenberg ("10 Cloverfield Lane") lieferte. "Prey" wurde von Kritikern wie Zuschauern mit viel Lob überhäuft und mauserte sich zu einem echten Streaming-Hit. Nun scheint Trachtenberg für Disney beziehungsweise 20th Century Studios der kreative Motor hinter dem Franchise zu sein. Nicht nur legte er in diesem Jahr mit "Predator: Killer of Killers" einen ebenfalls gefeierten Animationsfilm für Disney+/Hulu nach, jetzt darf er mit Predator: Badlands auch endlich das beliebte Alien auf der großen Leinwand zelebrieren.

    Predator: Badlands spielt im Gegensatz zu "Prey" in der Zukunft, auf einem abgelegenen Planeten. Ein junger, von seinem Clan verstoßener Predator findet in Thia eine unerwartete Verbündete. Gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Reise, auf der Suche nach dem ultimativen Gegner.

    Als Thia tritt Elle Fanning ("The Neon Demon") in Erscheinung, der Predator wird von Dimitrius Schuster-Koloamatang verkörpert.

    © 2025 20th Century Studios

    Kritik


    Für Predator: Badlands wagt Regisseur und Drehbuchautor Dan Trachtenberg endlich mal das, was sich viele Fans des Aliens schon länger mal wünschen: Der Predator wird zum Helden der Geschichte. Und man kann gleich vorausschicken, dass das Konzept erfreulich gut aufgeht. Mit dem neusten Franchise-Beitrag entfernt man sich gleichzeitig am weitesten vom Originalmaterial weg und beschreitet für die Reihe frische Wege. Das wird ganz bestimmt dem ein oder anderen Fan der Reihe missfallen, ist aber eine gelungene Erweiterung des Kosmos, um die Welt um die Predators facettenreich und dynamisch zu halten. Mit "Prey" blieb Trachtenberg dem eigentlichen Konstrukt der "Predator"-Filme treu und platzierte die Handlung in ein spannendes neues Umfeld, hielt aber dennoch an der Bedrohlichkeit der Figur fest. Dies bleibt bei dem neuen Ansatz natürlich auf der Strecke. Zwar bekommen wir zu Beginn noch ein Gefühl für die eigentliche Wirkung dieser Geschöpfe geboten, durch den im Zentrum stehenden Yautja Dek, der aufgrund seiner vergleichsweise schmalen wie schwachen Erscheinung, zum Ausgestoßenen seines Clans wird, kommt diese einnehmende Bedrohlichkeit allerdings abhanden. Zumindest der Kerngedanke der Jagd bleibt bei der Handlung dennoch allumfassend, wenn auch die für die Reihe üblichen Horrorelemente gänzlich weichen. Allerdings garniert Trachtenberg seinen Film, der dieses Mal wie ein temporeiches SciFi-Abenteuer daherkommt, mit etlichen neuen Qualitäten, die teilweise zwar weniger an die bisherige Filme erinnern, dafür die Freude am SciFi-Fantasy zelebrieren. Mit viel Liebe zum Detail präsentiert uns der Regisseur einen spannenden Planeten, der sogar an den Detailreichtum des ersten "Avatar"-Films erinnert, nur dass hier alles darauf aus ist, zu töten. Mit überschwänglicher Kreativität tobt man sich mit den Lebewesen auf dem gefährlichsten Planeten des Universums aus.
    Trotz der Vielzahl an fremden Lebensformen, lässt dabei Trachtenberg nicht einfach nur alles aus dem Rechner kommen und die Schauspieler vor einem Greenscreen agieren, sondern profitiert von tollen Panoramen seiner Außendrehs auf Neuseeland. Ähnlich wie schon bei "Prey", den man leider nicht auf der großen Leinwand zu Gesicht bekommen konnte, werden hier somit einige wundervolle Filmaufnahmen geboten, die im Kino besonders viel Freude bereiten

    Und an dieser Stelle müssen auch die Computereffekte hervorgehoben werden, die durch die Bank erstklassig geglückt sind und besser aussehen, als viele der Blockbuster der letzten Jahre, die mit ausufernden Budgets daherkamen. Ausgeschmückt mit etlichen praktischen Effekten bekommt man hier reichlich für das Auge geboten. Und auch beim Predator steckte Trachtenberg lieber mit Dimitrus Schuster-Koloamatangi, der das übrigens hervorragend macht, einen Schauspieler/Stuntman in ein Kostüm, als vornehmlich auf CGI-Effekte zurückzugreifen – und die Predator-Kostüme können sich abermals richtig sehen lassen. Man merkt bei der visuellen Gestaltung, ob Effekte, Drehorte, Ausstattung oder Kostüme, einfach, dass man hier mit viel Liebe für die Materie vorging.
    Dementsprechend kommt auch die Action durchgängig gelungen und einfallsreich daher. Eine Jagd auf einen riesigen außerirdischen Knochenbison sowie der große Showdown im Forschungslager der Weyland Yutani Group machen besonders viel Freude. Und wer hier Sorge hatte, dass die Gewalt auf der Strecke bleibt, kann durchaus beruhigt sein: Der Predator tobt sich gehörig aus. Da lediglich außerirdische Lebensformen sowie Androiden auf der Gegenseite des Yautjas stehen, wirkt es nur nicht so brutal, obwohl Köpfe herausgerissen, Gegner zerfetzen und etliche Flüssigkeiten spritzen. Wenn Dek im Forschungslager beginnt die Androiden in ihre Einzelteile zu zerlegen, dürfte das Herz vieler Actionfans fraglos höher schlagen. Dass er nicht einfach wie ein Berserker durch die Mengen schreitet, sondern sich strategisch durch seine Gegner schlachtet, erinnert häufig an den fantastischen Videospielableger "Predator: Concrete Jungle" und macht ungemein viel Spaß beim Zuschauen, auch wenn der Showdown etwas düster geraten ist.

    © 2025 20th Century Studios


    Bei all den Abenteuern, die der junge Yautja beschreiten muss, bleibt er allerdings nicht allein. Mit Thia wird ihm ein Android mit der Fähigkeit Emotionen zu verspüren, um ihrer Aufgabe andere Lebensformen zu verstehen, besser nachkommen zu können, an die Seite gestellt, die als menschlich wirkender Bezugspunkt sehr gut funktioniert. Elle Fanning macht als herzlicher Android mit großem Mitteilungsbedarf viel Freude und bietet einen sehr schönen Gegenpol zum grimmig verbissenen Dek, dem sein Ehrenkodex über alles steht. Da Thia keine Beine mehr hat, bietet die Tatsache, dass Dek sie die ganze Zeit wie einen Rucksack mit sich herumschleppt, ein stets amüsantes Bild. Hier dürften liebevolle Erinnerungen an "Das Imperium schlägt zurück" wachwerden, als Chewbacca den beschädigten C-3PO durch die Gegend trug.
    Thia funktioniert dabei als emotionaler Motor sehr gut, wenn auch Deks Geschichte bereits reichlich Empathie hervorruft. Sein Schicksal und seine Beziehung zu seinem Bruder funktionieren tadellos und ermöglichen es ungemein schnell mit dem Predator mitzufiebern.
    Für noch mehr Auflockerung sorgt darüber hinaus das süße Alien Bud, der durch seine herzlich tappsige Art, sogar für den ein oder andern Lacher sorgt, auch wenn er etwas zwanghaft in das Geschehen hineingequetscht wirkt.
    Zugegeben: Das alles fühlt sich in der Welt von "Predator" etwas ungewohnt an und hat auch nur noch sehr wenig mit dem Ausgangsmaterial zu tun, macht dennoch viel Spaß. Wenn man es schafft, sich etwas von den Vorstellungen der Vorbilder zu lösen, bekommt man hier ein ungemein unterhaltsames SciFi-Abenteuer geboten.

    Für "Prey" komponierte damals Sarah Schachner einen wundervollen Score, der noch lange im Gedächtnis blieb. Bei "Predator: Killer of Killers" verantwortete die musikalische Untermalung dann Benjamin Wallfisch und wählte dafür eher epochale und hämmernde Melodien, die den Puls ordentlich nach oben trieben. Für Predator: Badlands holte Trachtenberg nun einfach beide Komponisten an Bord und tatsächlich funktioniert die Aufteilung auf die beiden sehr gut. So werden die Bilder mal melodisch, mal mit brachialen Klängen unterlegt, was sich zu einer wunderbar harmonischen Mischung entwickelt. Und dabei wählen die beiden Komponisten auch immer wieder spannende Sounds. Zwar bleibt der Score dabei nicht ganz so im Gedächtnis, wie vor allem der damals von "Prey", stark und kreativ ist er aber allemal.

    Bei all dem Lob muss man allerdings auch eingestehen, dass Predator: Badlands nicht gänzlich ohne Schwachpunkte daherkommt. Die Handlung ist in großen Zügen vorhersehbar, wenn sie auch durchweg funktioniert. Und die Dialoge (ja, der Yautja spricht… allerdings stets in seiner Sprache) kommen teilweise etwas ungeschickt erklärend daher, hält sich aber für moderne Blockbusterverhältnisse noch in Grenzen. Dennoch erwischt man sich dann doch hin und wieder mit verdrehten Augen, da mal wieder etwas gesagt wurde, was im Grunde bereits durch das Gesehene klar war. Bei all der Kommunikation vermisst man die typischen Klickgeräusche des Predators allerdings schon ein wenig.
    Und die Antwort auf die Frage, warum sich der Predator ohne Maske so wunderbar visuell orientieren kann, bleibt uns Trachtenberg leider schuldig. Zwar hat Dek offensichtlich einen Defekt bei seinen Augen, dennoch bleibt die Situation mehr als schwammig. Auch der Querverweis zur "Alien"-Reihe durch die Weyland Yutani Group wird teilweise etwas zu sehr mit dem Holzhammer dargelegt. Das hätte man etwas subtiler gestalten können.

    © 2025 20th Century Studios

    Fazit


    Auch wenn Dan Trachtenberg für das Franchise mal ganz frische Wege beschreitet, so bietet Predator: Badlands ebenfalls einiges, was man woanders bereits gesehen hat. Doch verpackt der Regisseur und Drehbuchautor das alles so gekonnt und enthusiastisch, dass man mit seinem SciFi-Abenteuer gut eineinhalb Stunden lang hervorragend unterhalten wird. Visuell stark, temporeiche Action und sympathische Figuren lassen einen in keiner Minute von der Leine, sodass der "Predator"-Film zwar durchaus ungewohnt daherkommt, aber ungemein unterhaltsam ist.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Predator: Badlands
    Land:
    USA
    Jahr:
    2025
    Studio/Verleih:
    20th Century Studios
    Regie:
    Dan Trachtenberg
    Drehbuch:
    Dan Trachtenberg, Patrick Aison
    Kamera:
    Jeff Cutter
    Musik:
    Sarah Schachner, Benjamin Wallfisch
    Genre:
    SciFi, Action, Abenteuer
    Darsteller:
    Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Kolomatangi
    Start (DE):
    06.11.2025
    Start (USA):
    07.11.2025
    Laufzeit:
    107 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
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