Übersicht
Einleitung
Kultautor Stephen King erschuf unter dem Pseudonym Richard Bachmann mit The Running Man alias "Menschenjagd" eine dystopische Zukunftsvision, die in den 80ern bereits mit Actionlegende Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle verfilmt wurde. Nun hat sich mit Edgar Wright ("Baby Driver") ein mehr als spannender Regisseur an den King-Stoff gewagt, um seine Vision der Geschichte auf die Leinwand zu zaubern.
In einer nahen Zukunft, ist The Running Man die meistgesehene Show im Fernsehen. Ein tödlicher Wettbewerb, in dem die Mitspieler, die man Runner nennt, 30 Tage lang überleben müssen, während sie von Profikillern gejagt werden. Dabei wird jede ihrer Bewegungen einem blutrünstigen Publikum live übertragen. Jeder Tag, den sie durchhalten, wird mit mehr Geld belohnt. Ben Richards stammt aus der Arbeiterklasse und versucht verzweifelt, seine kranke Tochter zu retten. Daher lässt er sich von Dan Killian, dem charmanten, aber rücksichtslosen Produzenten der Show, als letzte Hoffnung überreden, bei dem Spiel mitzumachen. Bens Trotz, Instinkte und Mut machen ihn bald unerwartet zum Fan-Favoriten – und zu einer Bedrohung für das gesamte System. Während die Einschaltquoten durch die Decke gehen, steigt auch die Gefahr und Ben muss nicht nur die Jäger überlisten, sondern auch eine ganze Nation, die süchtig danach ist, ihn scheitern zu sehen.
In der Hauptrolle ist dieses Mal "Top Gun: Maverick"-Szenendieb Glen Powell zu sehen. Neben ihm zählen unter anderem noch William H. Macy ("Jurassic Park 3"), Lee Pace ("Foundation"), Emilia Jones ("CODA"), Michael Cera ("Barbie"), Daniel Ezra ("All American"), Jayme Lawson ("Blood & Sinners"), Colman Domingo ("Sing Sing") und Josh Brolin ("Sicario") zum Cast.
Das Drehbuch schrieb Regisseur Edgar Wright mit Michael Bacall ("Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt") zusammen.

© 2025 Paramount Pictures
Kritik
Besonders bei Werken wie "Hot Fuzz!", "Baby Driver" oder "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" bewies Regisseur und Drehbuchautor Edgar Wright, dass er es bestens versteht dynamische und vor allem kreative Action zu kreieren, dabei mit spannenden Kamerafahrten zu spielen und noch seinen besonderen Humor zu streuen. Mit einem Budget, welches Berichten zur Folge gut 100 Millionen US-Dollar betrug, blickt der Filmemacher nun auf seinen bisher teuersten und somit größten Film: The Running Man. Dementsprechend war es selbstverständlich spannend, was er mit diesem Geldbetrag anstellen würde. Und das Ergebnis ist tatsächlich etwas ernüchternd - zumindest in Hinblick auf seine bisherigen Actionfilme - wenn denn auch The Running Man im Ergebnis zweifellos gut zwei Stunden lang Freude bereitet. Die Verfilmung des Stephen King-Romans „Menschenjagd“ fällt für Wrights Verhältnisse tatsächlich etwas zahm und generisch aus – wohlgemerkt für Wrights Verhältnisse. Denn das bedeutet ganz bestimmt nicht, dass es nicht dennoch einige angenehm verrückte, inszenatorich einfallsreiche Szenen zu bestaunen gibt. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass Wright hier mit angezogener Handbremse agieren musste. Was eine abgefahrene, stilvolle und hochbudgetierte Version vom anarchischen 90-Minuten-Showdown "Crank" hätte werden können, schließlich liegt der Vergleich schon aufgrund des Titels von The Running Man nahe, wirkt dann bei Weitem nicht so verspielt und mutig wie der 2006 erschienene Adrenalinkick von Mark Neveldine und Brian Tyler. Wenn Wright seinen Running Man loslaufen lässt, hält er das Tempo zwar durchaus hoch, aber kann dann für die ruhigen Sequenzen nicht mit genügend verspieltem Einfallsreichtum um die Ecke kommen, um den Adrenalinspiegel des Zuschauers hoch zu halten. Hier entsteht dann tatsächlich immer mal etwas Leerlauf.
Allerdings versucht Wright diese Momente durchaus auch mit etwas unkonventionellen Figuren aufzupeppen, so richtig zünden möchten diese jedoch nicht. Bei Weitem sind sie nicht so liebevoll gezeichnet, wie man es aus vielen anderen Werken Wrights gewöhnt ist, aber das Hauptproblem ist dabei wahrscheinlich die etwas unschlüssige Tonalität. So richtig hat sich der Regisseur nicht entscheiden können: Möchte er jetzt sozialkritisch oder satirisch sein oder aber einfach stilvolle Actionkost abliefern, die gut zwei Stunden unterhält. Denn irgendwie hat The Running Man ein wenig von allem, harmonieren möchte dies allerdings nicht so richtig. So degradieren sich die verschiedenen Elemente stets gegenseitig. Dahingehend hat die erste Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger es deutlich besser gemacht. Der Film wollte nie mehr sein als blutige Actionunterhaltung, was ihn spürbar stringenter macht.
In allen anderen Punkten hat Wrights Version aber klar die Nase vorne. Vor allem technisch bewegt sich die Neuverfilmung in allen Belangen auf einem ganz anderen Niveau und die Darsteller sind durch die Bank fraglos stärker. Besonders Colman Domingo sowie Josh Brolin schienen an ihren schmierigen Rollen viel Freude gehabt zu haben. Aber auch Hauptdarsteller Glen Powell macht eine richtig gute Figur und beweist einmal mehr seine Leading Qualitäten. Besonders sein mittlerweile typischer Charme trägt seine leider etwas zu saubere Figur über die komplette Laufzeit, sodass man ihm gerne die Daumen drückt, selbst wenn seine Figur keine wirklichen Tiefen und noch weniger Ecken und Kanten hat. Aber auch physisch überzeugt der "Top Gun: Maverick" und "Twisters"-Star und meistert seine Actioneinlagen hervorragend.
Die Action macht generell Spaß, auch wenn, wie bereits eingangs erwähnt, sie bei weitem nicht so kreativ daherkommt, wie man es von dem Regisseur erwarten würde. Dennoch bewegt sie sich qualitativ auf einen spürbar höheren Niveau, als bei vielen anderen Blockbustern. Besonders verzichtet Wright auf unnötige Schnittgewitter und lässt auch mal längere Kamerafahrten zu.
Optisch wurde zwar ein etwas gewöhnungsbedürftiger künstlicher Look gewählt, der teilweise mit einer störenden Überbelichtung arbeiten, ansonsten sieht das Werk aber durchgängig hervorragend aus.

© 2025 Paramount Pictures
Fazit
The Running Man bleibt zwar hinter seinen Möglichkeiten und bildet Edgar Wrights bisher gewöhnlichstes Werk, Spaß macht das Ganze über seine komplette Laufzeit dennoch. Gut inszenierte Actionsequenzen, ein gewohnt mit einer Überdosis Charme ausgestatteter Glen Powell und ein ordentlich hohes Erzähltempo bereiten ein tolles Sehvergnügen - auch wenn man durchgehend das Gefühl hat, das mehr drin gewesen wäre.
7/10
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