Rückkehr nach Ithaka (Special)

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  • DIRECTOR’S NOTE

    Rückkehr nach Ithaka entstand aus meiner Leidenschaft für Homers Epos – und aus der außergewöhnlichen Tatsache, dass trotz der Allgegenwärtigkeit der Odyssee in der westlichen Kultur und ihrer zeitlosen und universellen Themen das Kino dieser Geschichte des Soldaten, der in sein Land, zu seiner Frau und seinem Sohn zurückkehrt, nie gerecht geworden ist. Und heute zwingt uns Homers Werk, uns mit der Tragödie des Krieges auseinander zu setzen, mit denen, die ihn führen, und denen, die zurückbleiben, auf eine Weise, die sich unglaublich und traurig aktuell anfühlt.

    Unsere Odyssee ist eine innere, ohne Reisen, ohne Ungeheuer, ohne Götter – nur die Reise einer Familie, die einen Weg sucht, wieder zusammen zu finden, gegen äußere Hindernisse und, vor allem, gegen sich selbst. Mythen überleben, weil sie so großartige Geschichten sind – gleichzeitig glaubwürdig und unglaublich. Ihre Figuren sind „larger than life“, aber im Grunde menschlich. In diesem Film greifen wir einen alten Mythos auf, der auf der ganzen Welt bekannt ist, und suchen die menschliche Wahrheit, die hinter dieser uralten Überlieferung steckt, und entdecken in den mythischen Figuren Menschen wie uns selbst. Wir tauchen in die Psychologie ein, werfen äußere und innere Konflikte auf und verleihen einer 3.000 Jahre alten Geschichte die kraftvolle Unmittelbarkeit eines zeitgenössischen Thrillers.

    Dieser Film ist ein herausforderndes Projekt, von dem ich glaube, dass es nur mit Schauspielern von großartigem Talent realisiert werden konnte, die bereit waren, sich voll und ganz einzubringen, um Homers Geist in die heutige Welt zu tragen. Mit Juliette Binoche und Ralph Fiennes haben wir zwei Meister gefunden, deren mitreißende Leinwandpräsenz nur noch durch ihre Furchtlosigkeit in ihrer Arbeit übertroffen wird.

    Uberto Pasolini




    SYNOPSIS

    20 Jahre, nachdem er in den Trojanischen Kriegs gezogen ist, strandet Odysseus an den Küsten von Ithaka, ausgezehrt, ein Fremder im eigenen Land, ein Bettler, unerkannt. Ithaka hat sich verändert. Das Land ist verödet, Penelope, seine geliebte Frau, ist eine Gefangene in ihrem eigenen Haus, bedrängt von skrupellosen Freiern, die darauf warten, dass sie einen neuen Ehemann, einen neuen König wählt. Ihr Sohn Telemachos, ohne Vater aufgewachsen, wird von den Freiern mit dem Tod bedroht, er ist ein Hindernis in ihrem Kampf um Penelope und die Königskrone. Auch Odysseus hat sich verändert. Gezeichnet von seinen Kriegserfahrungen ist er nicht mehr der mächtige Krieger und listige Held, an den sich sein Volk erinnert. Er ist müde von so viel Töten, Leid, Umherirren. Der Krieg ist in ihm, er wird ihn nicht mehr los. Aber er ist gezwungen, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Er muss die Kraft wiederfinden, um seine Familie zu retten und die verlorene Liebe zurückzugewinnen.



    ZUM FILM

    Rückkehr nach Ithaka ist die fazinierende Adapation des letzten Teil von Homers Odyssee, wunderbar gefilmt vom rumänischen Kameramann Marius Panduru und mit der Musik von Oscar-Preisträgerin Rachel Portman.

    Mehr als 20 Jahre brauchte es, bis Regisseur Uberto Pasolini seine Vision einer Odyssee ohne Götter und Ungeheuer verwirklichen konnte, die Geschichte der Rückkehr des von den Gräueln des Krieges und eigener Schuld gezeichneten Odysseus, der um seine Frau und seinen Sohn kämpfen muss.

    Das Drehbuch schrieb Pasolini mit John Collee (Master and Commander) und dem britischen Dramatiker Edward Bond, Autor von Antonionis Blow Up. In ihrer ersten Zusammenarbeit seit Der englische Patient brillieren Ralph Fiennes als Odysseus und Juliette Binoche als eine Penelope, die um der Menschlichkeit willen versucht, die Fäden in der Hand zu behalten. In den weiteren Rollen spielen Charlie Plummer als Telemachos, Claudio Santamaria als Eumaos, Marwan Kentari als Antinoos und Ángela Molina als Euryklea.


    PRODUKTIONSNOTIZEN

    Den Anfang nahm Rückkehr nach Ithaka vor etlichen Jahren in einem Gespräch von Uberto Pasolini mit einem Freund, dem Schriftsteller und Drehbuchautor John Collee, über seine Leidenschaft für diese Geschichte. Pasolini, der in Rom geboren wurde, kannte Homers Epos seit seiner Kindheit. „Wo auch immer man im Mittelmeerraum herkommt, Homer ist der erste literarische und kulturelle Bezugspunkt. Ich bin mit den Geschichten der griechischen Mythen und den vielen Geschichten über den Trojanischen Krieg aufgewachsen. Sie waren immer und sind auch heute noch ein wesentlicher Bestandteil der mediterranen Kultur. “

    Die beiden sprachen über Pasolinis besonderes Interesse an den familiären Beziehungen in der Odyssee. „Als Kind ist man natürlich eher von den magischen Aspekten der Geschichte beeindruckt“, sagt er. Als Erwachsener richtete sich Pasolinis Interesse mehr auf die Frau und den Sohn, zu denen der vom Krieg gezeichnete Odysseus zurückkehrt. „Ein König und Soldat, der nach Hause zurückkehrt, darauf wollten wir uns konzentrieren. Als ich selbst

    Vater wurde und Verpflichtungen gegenüber meiner Frau und meinen eigenen Kindern hatte, interessierte mich die Beziehung zwischen einem abwesenden Vater und einer Familie, die auf seine Rückkehr wartet. Ich selbst habe wegen meiner Arbeit viele Jahre im Ausland verbracht, daher hat mich diese Geschichte tief im Inneren angesprochen. Ich wollte die Geschichte eines verwundeten Soldaten erzählen, der nach Hause zurückkehrt und unter der Last der Gewalt leidet, die er erlebt hat und an der er beteiligt war.“

    Pasolini arbeitete zunächst mit John Collee an ersten Fassungen des Drehbuchs, später dann mit dem Dramatiker und Drehbuchautor Edward Bond, um den Fokus auf das Drama und das Thema des Krieges zu verstärken.



    ODYSSEUS UND PENELOPE


    Bald kam Uberto Pasolini mit Ralph Fiennes über das Projekt ins Gespräch, mit dem er seit der gemeinsamen Arbeit an A Dangerous Man(1991) befreundet war. Über einige Jahre diskutierten die beiden darüber, dass Fiennes den Film inszenieren und die Hauptrolle spielen sollte. Dann schlug Fiennes vor, dass Pasolini selbst die Regie von Rückkehr nach Ithaka übernehmen sollte. Pasolini zögerte; er hatte gerade die Dreharbeiten zu Nowhere Special abgeschlossen, einem intimen Vater-Sohn-Film. „Rückkehr nach Ithaka hatte in Bezug auf Spektakel und Komplexität ein völlig anderes Ausmaß. Aber Ralph iniss‚tierte, und er war sehr überzeugend.“

    „Die Figur des Odysseus hat mich schon immer fasziniert“, sagt Fiennes, der ebenfalls seit seiner Kindheit mit Homers Epen vertraut war. Seine Verbindung damit, sagt er, sei mit den Jahren immer tiefer geworden. „Uberto konzentriert sich auf die Rückkehr des Odysseus nach Ithaka. Er lässt die Göttin Athene und andere Elemente weg, um den Hauptfiguren eine Art psychologische Realität zu verleihen. Odysseus verändert sich. Im Laufe der Geschichte durchläuft er viele verschiedene Phasen.“ Fiennes war es auch , der Juliette Binoche für die Rolle der Penelope vorschlug. „Wir haben Juliette angesprochen“, erzählt Pasolini, „und sie hat die Gelegenheit, wieder mit Ralph zusammenzuarbeiten, sofort ergriffen.“

    Neben Fiennes und Binoche besetzte Pasolini den amerikanischen Schauspieler Charlie Plummer als Telemachos, den Sohn. Der niederländisch-tunesische Schauspieler Marwan Kenzari spielt Antinoos, Penelopes liebeskranken Verehrer, und der italienische Schauspieler Claudio Santamaria Eumaios. Für die Rolle der Eurykleia, Odysseus‘ Dienerin, die ihn an seinen Narben erkennt, konnte er die legendäre spanische Schauspielerin Ángela Molina gewinnen.




    HELDEN


    Pasolinis Odysseus ist ein zutiefst zerrissener Mann. Er ist erschöpft. Er sieht, wie Freier seine Insel zerstören, seine Frau bedrängen, seine Untertanen knechten, vergewaltigen oder töten, seine Schatzkammern leeren. Er ist sich nicht sicher, wer seine Frau und sein Sohn in seiner Abwesenheit geworden sind. Und er wird von den Schrecken alter Schlachten niedergedrückt. „Wir nennen ihn einen griechischen Helden“, sagt Fiennes, „aber in der Welt unseres Films war er zehn Jahre lang Soldat in einem schrecklichen Krieg. Er beging Gewalttaten. Und das Töten frisst einen auf, es erfüllt einen mit Hass. Ubertos Odysseus ist ein Mann, der eine ungeheure Last mit sich trägt.“

    „Sicherlich ist Rückkehr nach Ithaka ein Film darüber, was Krieg mit Menschen macht“, sagt Pasolini. „Es ist ein Film über die Schwierigkeit, Gewalt loszuwerden, die sich in den Menschen festgesetzt hat. Der Schrecken des Krieges durchdringt eine Gesellschaft, auch wenn sie weit entfernt von der Front ist. Leider erleben wir das derzeit überall auf der Welt wieder, auch in Europa und im Nahen Osten. Zu Beginn des Films gibt es eine Stelle, an der Eumaios und die Hirten über den Trojanischen Krieg sprechen. Und der junge Philetios sagt: ‚Man sagt, dass nun jeder Krieg so sein wird. Die Toten von Troja, ihre Geister, werden kommen und zusehen.“


    TELEMACHOS

    Homer untersucht das Drama eines vaterlosen Sohnes in erster Linie im Hinblick auf Telemachos‘ eigenes Identitätsgefühl und seine Beziehung zu seiner Mutter, sagt Pasolini. Aber für ihn war es wichtig, dass Telemachos zu Beginn von Rückkehr nach Ithaka auf der Insel war, statt im Mittelmeer nach seinem Vater zu suchen. Vater und Sohn empfinden den Schmerz des Verlustes gleichzeitig, obwohl sie auf der Insel lange getrennt bleiben.

    „Ich glaube definitiv nicht, dass Telemachos denselben Glauben an die Rückkehr seines Vaters hat wie seine Mutter“ sagt Charlie Plummer. „Aber unter all dem Schmerz, den Fragen und der Isolation, diesem erdrückenden Gefühl, steckt ein kleiner Junge, der sich auf seinen Vater freut, auf die Vorstellung, dass sein Vater nach Hause kommt, ihn umarmt und als seinen Sohn anerkennt. Aber dieser Wunsch ist unter so vielen Schichten der vergangenen Jahre begraben, in denen es keine Antwort darauf gab, wo der Vater ist oder warum er nicht da ist. Es gibt eine riesige Wut in Telemachos. Und trotzdem, glaube ich, gibt es diesen Wunsch und diese Hoffnung, dass sein Vater zurückkehren und der Mensch sein wird, von dem er immer geträumt hat.“


    EUMAIOS

    Claudio Santamaria spielt Eumaios, den Hirten und treuen Untertanen des Odysseus, der seinen König unwissentlich bei sich aufnimmt. „Eumaios ist ein treuer Charakter“, sagt Claudio Santamaria. „Seine Loyalität entspringt sowohl tiefer Hochachtung als auch einem gegebenen Versprechen. Er will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sein König aus dem Krieg zurückkehrt. Ich stellte mir ihn als einen Mann vor, der darum kämpft, seine Würde und seine Integrität zu bewahren und den letzten Rest Menschlichkeit auf der Insel am Leben zu erhalten.“

    Was für Eumaios offensichtlich ist, dass sein unbekannter Gast von einem großen seelischem Schmerz gequält wird. „Letztlich geht es um einen
    Mann, der unter einem Posttraumatischen Syndrom leidet. Er kehrt aus dem Krieg zurück, aber der Krieg lässt einen nie los, wenn er einem einmal begegnet ist. Ich hatte das noch nie aus dieser Perspektive betrachtet. Dieser Mann kehrt zurück und ist gezwungen, erneut zu töten, gegen seinen Willen. Für mich ist das einer der zentralen Sätze im Films, wenn Figur Eumaios, als er Odysseus erkennt, zu ihm sagt: ‚Du musst den Krieg vergessen, er ist weit weg, er ist viele Jahre her.‘ Und Odysseus antwortet „Aber der Krieg ist überall, ich sehe ihn überall, alles spricht zu mir vom Krieg, alles ist da, damit es wieder geschieht.‘ Und in diesem Moment erkennt ihn Emaios.“


    ARBEITSBEZIEHUNGEN

    Rückkehr nach Ithaka ist der erste gemeinsame Film von Ralph Fiennes und Juliette Binoche seit Wuthering Heights und Der englische Patient. „Sie besitzt eine außergewöhnliche emotionale Intuition“, sagt Fiennes über Juliette Binoche. „Sie ist unglaublich feinfühlig, intuitiv und tiefgründig, wenn es um Situationen und Emotionen geht. Ich liebe es, mit ihr zu spielen. Ich liebe, was ich als Schauspieler von ihr bekomme.“

    „Wenn man mit so talentierten Menschen wie Juliette und Ralph arbeitet“, sagt Pasolini, „muss man ihnen Raum geben, Momente der Charakterentwicklung selbst zu entdecken. Es ist absolut faszinierend zu sehen, wie Juliette verschiedene Nuancen in einer Szene, einer Zeile oder einem Wort findet – und dasselbe gilt für Ralph. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten und ihre emotionale Tiefe sind absolut außergewöhnlich. Die meiste Zeit vergaß ich, dass ich Regie führte. Ich erlebte diese Menschen einfach bei der Arbeit. Es war ein echtes Privileg.“

    Ralph Fiennes‘ körperliche Vorbereitung auf die Rolle war ein beschwerlicher Weg. „Odysseus ist ein Kämpfer und ein Seemann“, sagt Fiennes. „Er hat Seile gezogen, Felsen erklommen, Gewichte gehoben, Bäume gefällt und gekämpft. Mein Körper musste dem entsprechen. Ich wollte aussehen wie ein altes, steifes Seil.““ Tatsächlich absolvierte Fiennes monatelang ein intensives Trainingsprogramm und hielt auch während der Dreharbeiten strenge Diät. „Fünf Monate lang ernährte er sich so eintönig wie kaum jemand sonst“, sagt Pasolini.

    „Nur Olivenöl, gedünsteter Fisch oder gedünstetes Hähnchen und Gemüse. Er wollte den Körper eines Mannes haben, der von Erfahrung, Reisen und Schmerz ausgelaugt ist. Sein Einsatz war absolut bewunderungswürdig.“

    Juliette Binoche nahm einen ganz speziellen Teil ihrer Rolle mit nach Hause. Ihre Figur Penelope versucht, sich die Freier vom Leib zu halten, indem sie ihre Entscheidung für einen neuen Ehemann an die Fertigstellung des Tuchs knüpft, an dem sie webt – und dessen Fäden sie Nacht für Nacht wieder auflöst. Dafür lernte Binoche das Weben. „Es macht wirklich unheimlich viel Spaß. Als ich es gelernt hatte, dachte ich, ich höre mit der Schauspielerei auf und mache das, weil es so beruhigend ist. Man fühlt sich als Teil von etwas Größerem.“



    KOSTÜME UND SZENENBILD

    Die Odyssee wurde vermutlich um das 8. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben, aber die genaue Zeit ihrer Entstehung lässt sich aufgrund ihrer Verwurzelung in der oralen Erzählung nur schwer bestimmen. Die Ereignisse, von der die Odyssee erzählt, sind deutlich älter, sie spielen in der späten Bronzezeit, etwa zwischen 1600 und 1200 vor Christus. Uberto Pasolini wollte also unbedingt vermeiden, was in früheren Filmadaptionen gemacht wurde, nämlich die Figuren wie aus der klassischen griechischen Antike aussehen zu lassen.

    „Ich wollte keine historische Nachbildung einer Epoche anstreben, über die wir nur sehr wenig wissen“, sagt Pasolini. „In den Gesprächen mit dem Szenenbildner Giuliano Pannuti und dem Kostümbildner Sergio Ballo ging es darum, eine Bildsprache zu finden, die in gewisser Weise universell und zeitlos ist. Viele unserer Referenzen dabei stammen aus Äthiopien, Nordafrika und dem indischen Subkontinent. Wir wählten große Stoffstücke – nichts, was zugeschnitten oder zusammengenäht war. Diese elementare Konzept, ein Stück Stoff auf die eine oder andere Weise um sich zu wickeln, ist grundlegender Bestandteil der Menschheitsgeschichte.“

    Auch das Szenenbild folgte diesen Kriterien. „Die Architektur durfte keine Verbindung zu den Säulen oder Kapitellen der klassischen griechischen Ikonographie aufweisen“, erklärt Pasolini. „In der späten Bronzezeit waren große Festungen ein prägender Bestandteil der Architekturlandschaft, deshalb haben wir eine Burg und keinen Palast ausgewählt.“

    Die Dreharbeiten von Rückkehr nach Ithaka begannen im Mai 2023 und dauerten 52 Tage. Gedreht wurde auf der griechischen Insel Korfu, auf dem Peloponnes und – für die Szene der Grablegung von Odysseus‘ Vater Laertes – bei einer etruskischen Nekropole nördlich von Rom. Die Innenaufnahmen entstanden im Studio in Rom. „Ich wollte an Orten drehen“, sagt Pasolini, „die nah am Meer sind, die die Insellage spürbar machten, die Wälder von Ithaka, diese außergewöhnlichen dreißig Meter hohen Olivenbäume, das Gefühl, in einer abgeschiedenen, von Wasser umgebenen Welt zu sein.


    BILDGESTALTUNG

    Die Bildgestaltung, die Pasolini mit seinem Kameramann Marius Panduru entwickelte, sollte unaufdringlich ein. „Ich wollte nicht, dass eine spektakuläre Kameraarbeit vom Geschehen ablenkt, mir war es sehr wichtig, so nah wie möglich an den Gesichtern, an den Figuren zu sein“, sagt Pasolini.

    Die wichtigsten filmischen Referenzen waren Kurosawas Historienfilme wie Das Schloss im Spinnwebwald und Die sieben Samurai, vor allem im Wechsel von Bewegung zu Stille und in der immer spürbaren Präsenz von Natur und Wetter im Bild, aber auch Patrice Chéreaus La Reine Margot.

    Die spürbare Anwesenheit der Natur in Rückkehr nach Ithaka war ein weiteres wichtiges Element in der Bildgestaltung, die Körperlichkeit von Wäldern, Steinen, Wasser und Feuer – Elemente, die organisch die Welt ihrer Figuren prägen. Panduru und Pasolini wollten die physischen Elemente dabei so natürlich wie möglich filmen. Der Film verzichtet auf Drohnenaufnahmen, es gibt in den Außenaufnahmen fast durchgängig natürliches Licht, in den Innenräumen Öllampen, Fackeln und Feuer.

    „Die Bildsprache, die Kostüme, das Szenenbild mussten einfach sein, sie durfte nicht ablenken“, sagt Pasolini. Ich wollte keine spektakulären Kamerafahrten, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und von den Figuren ablenken. Ich wollte so nah wie möglich an den Gesichtern sein. Bergman hat einmal gesagt, dass das Schönste, was man filmen kann, das menschliche Gesicht ist. Und bei Gesichtern wie diesen gab es keinen Zweifel, dass dort die Geschichte erzählt wird. Marius und ich haben einen Stil gesucht, den man vielleicht klassisch nennen kann – wenn es das überhaupt gibt –, mit wenigen und unauffälligen Kamerabewegungen, einer eher statischen Kamera und vielen Nahaufnahmen.“


    DIE RÜCKKEHR

    „Viel mehr als das Fantastische hat mich die Odyssee als Geschichte von Heimkehr und Erlösung fasziniert, das schwierige Zusammenfinden der Figuren am Ende dieser Reise“, sagt Uberto Pasolini. „Wir befinden uns in einer Welt, in der es keine Ungeheuer gibt, keine Götter, die in die Schicksale der Menschen eingreifen, wie es bei Homer der Fall ist. Es geht um eine Welt der Menschen, die mit menschlichen Situationen konfrontiert sind. Uns allen war klar, worum es in dem Film ging, warum wir ihn drehten. Es ist ein Film über die Schwierigkeit, die Gewalt zu überwinden, die sich in die Menschen gefressen hat, die den Krieg erlebt haben. Krieg wird nicht nur von Soldaten geführt, Krieg betrifft alle, direkt und indirekt.“

    „Ein moderner Psychoanalytiker würde vielleicht sagen, die Reise nach Ithaka findet in dir selbst statt“, sagt Ralph Fiennes. „Es ist eine Reise der Selbstverwirklichung, um zu dem zu werden, der du sein musst. Es ist ein Streben nach Harmonie. Mich spricht dieses Gefühl an, nach dem Ende zu suchen, nach dem Ort, an dem eine vollkommene Balance herrscht.“

    „Die Sehnsucht nach ihrem Mann, die Angst, ihren Sohn zu verlieren, mit Begierden, Wut, Einsamkeit konfrontiert zu sein ... Diese Geschichte trägt unglaublich viel in sich, so viele Fragen und Gefühle“, sagt Juliette Binoche. „Ich habe mich einfach darauf eingelassen und darauf vertraut, dass in dem Moment, in dem wir drehen, sich die Dinge entwickeln werden. Uberto hat uns viel Zeit gelassen, er hat uns als Schauspieler respektiert, er hat uns nicht von vornherein mit Ideen zugeschüttet. Er hat uns die Situation erleben lassen. So wurde es eine gemeinsame Reise.“




    RALPH FIENNES | ODYSSEUS


    Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art, erste Engagements an der Royal Shakespeare Company und am Royal National Theatre, dem Ralph Fiennes bis heute verbunden ist. Mit dem von Uberto Pasolini koproduzierten A Dangerous Man: Lawrence After Arabia (1992, R: Christopher Menaul) gab Fiennes sein Leinwanddebüt, es folgte Wuthering Heights (1992, R: Peter Kosminsky) an der Seite von Juliette Binoche, mit der er 1996 auch in Der englische Patient (R: Anthony Mingella) zusammen spielte.

    Zu seiner weiteren, äußerst vielfältigen Filmografie zählen Das Wunder von Mâcon (1993, R: Peter Greenaway), Strange Days (1995, R: Kathryn Bigelow), Oscar und Lucinda (1997, R: Gillian Armstrong), Der ewige Gärtner (2005, R: Fernando Mereilles), Brügge sehen… und Sterben? (2008, R: Martin McDonagh), The Duchess (2012, R: Saul Dibb), Great Expactations (2012, R: Mike Newell), in Sam Mendes’ Skyfall (2012) und Spectre (2015), Grand Budapest Hotel (2014, R: Wes Anderson), A Bigger Splash (2015, R: Luca Guadagnino), Hail, Caesar! (2016, R: Ethan & Joel Coen), No Time To
    Die (2021, R: Cary Joji Fukunaga) und, in der Rolle des Lord Voldemort, alle Harry Potter-Filme.

    Als Filmschauspieler wurde Ralph Fiennes vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Europäischen Filmpreis für Sunshine (1999, R: István Szabo), der OscarNominierung als bester Nebendarsteller für Schindlers Liste (1993, R: Steven Spielberg) und den Oscar-Nominierungen als Bester Hauptdarsteller für Der englische Patient und Konklave (2024, R: Edward Berger). Als Regisseur drehte Ralph Fiennes die Spielfilme Coriolanus (2011), The Invisible Woman (2013) und Nurejew – The White Crow (2018). Über den gesamten Verlauf seiner Karriere arbeitete Ralph Fiennes weiter auf der Bühne, als Schauspieler und Regisseur. Zur Zeit inszeniert er seine erste Oper an der Opéra National de Paris, Tschaikowskys Eugen Onegin.


    JULIETTE BINOCHE | PENELOPE

    Juliette Binoche begann ihre Leinwandkarriere mit Filme wie Jean-Luc Godards Je Vous Salue, Marie /Hail Mary (1985), Rendez-Vous (1985, R: André Techiné) oder Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1988, R: Philip Kaufman). Mit Leo Carax drehte sie Mauvais Sang (1986) und Die Liebenden vom Pont Neuf (1991), für den sie ihren ersten Europäischen Filmpreis als Beste Schauspielerin erhielt. Es folgten u.a. Wuthering Heights (1992, R: Peter Kosminsky), ihre ersten Zusammenarbeit mit Ralph Fiennes, Verhängnis (1992, R: Louis Malle) und Krzysztof Kieslowskis Drei Farben-Trilogie Blau (1993), Weiss (1994) und Rot (1994). Für der Der englische Patient (1996, R: Anthony Mingella), wiederum mit Ralph Fiennes, gewann Juliette Binoche u.a. den Oscar und den BAFTA-Award als Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle sowie ihren zweiten Europäischen Filmpreis. Den dritten erhielt sie für Lasse Hallströms Chocolat (2000), für den sie auch zum Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert wurde.

    Zu ihren weiteren Filmen zählen Michael Hanekes Code Inconnu (2000), Caché (2005) und Happy End (2015), Bruno Dumonts Camille Claudel 1915 (2013) und Ma Loute (2016), Die Witwe Von SaintPierre (2000, R: Patrice Leconte), La Verité (2019, R: Hirokazu Koreeda), Le Lycéen (2022, R: Christophe Honoré), Claire Denis‘ Meine schöne innere Sonne (2017), High Life (2018) und Avec Amour et Acharnement (2022) sowie Olivier Assayas‘ Die Wolken von Sils Maria (2014, R: Olivier Assayas), Ende eines Sommers (2008) und Double Vies (2018). Juliette Binoche wurde u.a. mit den Ehrenpreisen u.a. der Festivals von Locarno, San Sebastián, Thessaloniki, Valladolid, Lissabon und Sevilla sowie dem spanischen Goya und dem Ehrenpreis des Europäischen Filmpreises ausgezeichnet. Sie ist die einzige Schauspielerin, die den Schauspielpreis auf allen drei großen europäischen Festivals gewann: Auf der Berlinale für Der englische Patient, in Venedig für Drei Farben: Blau und in Cannes für Copie Conforme (2010, R: Abbas Kiarostami).



    UBERTO PASOLINI
    DREHBUCH UND REGIE


    Geboren 1957 in Rom. Wirtschaftsstudium und Banker in London, 1983 Beginn seiner Tätigkeit in der britischen Filmindustrie. Nach 10 Jahren als Assistant Director, Line Producer und Vizepräsident bei Columbia Pictures gründete Uberto Pasolini 1993 seine eigene Produktionsfirma Red Wave Films, mit der er zuerst Palookaville(1995, R: Alan Taylor) produzierte, für den er u.a. mit dem Preis des London Critics Circle als „British Producer of the Year“ ausgezeichnet wurde. 1997 folgte The Full Monty (R: Peter Cattaneo), der für vier Oscars nominiert und u.a. mit dem BAFTA Award und dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Zu seinen weiteren Filmen als Produzent zählen The Closer You Get (2000, Regie: Aileen Ritchie), The Emperor’s New Clothes (2001, Regie: Alan Taylor) und Bel Ami (2012, Regie: Declan Donnellan, Nick Ormerod).

    2008 drehte Uberto Pasolinis mit Machan seinen ersten Film als Regisseur, u.a. ausgezeichnet mit dem Europa Cinemas Award und dem CICAE Award in Venedig und den Hauptpreisen auf den Festivals von Palm Beach, Brüssel und Trencin. 2013 folgte Mr. May Und Das Flüstern Der Ewigkeit, ausgezeichnet u.a. mit dem Regiepreis in der Orrizonti-Sektion von Venedig sowie den Hauptpreisen der Festivals von Reykjavik, St. Louis, Transylvania, Nara, Riga und Trondheim. Pasolinos letzter Film Nowhere Special (2021) feierte Premiere in Venedigs Orrizonti-Sektion und wurde u.a. als Bester Film in Pula und den
    Publikumspreis der Festivals in Valladolid und Warschau ausgezeichnet.


    MARIUS PANDURU
    KAMERA


    Studium an der Staatlichen Hochschule für Film und Theater in Bukarest. Marius Panduru ist siebenfacher Gewinner des Rumänischen Filmpreises für die beste Bildgestaltung und war Kameramann zahlreicher international ausgezeichneter Filme, u.a. Ryna (2005, R: Ruxandra Zenide), Corneliu Porumboius 12:08 – Jenseits Von Bukarest (2006) und Police, Adjective, (2009), Florin Serbans If I Want To Whistle, I Whistle (2010) und Box (2015). Mit Radu Jude drehte er u.a. Cea Mai Fericitã, Fatã Din Lume (2009), Aferim! (2015), Inimi Cicatrizate (2016), Uppercase Print (2020), Bad Luck Banging Or Loosy Porn (2021, Goldener Bär der Berlinale) und zuletzt Dracula (2025). Mit Uberto Pasolini arbeitete Panduru bereits bei Nowhere Special (2021) zusammen.


    JOHN COLLEE
    DREHBUCH


    Schriftsteller und Drehbuchautor. Nach seinem abgeschlossenen Medizinstudium veröffentlichte John Collee seine ersten Romane Kingsley’s Touch (1984) und A Paper Mask (1987), für dessen Verfilmung (1990, R: Christopher Morahan) er auch das Drehbuch schrieb. Zu seinen Arbeiten fürs Kino zählen die Oscar-nominierten Master And Commander (2003, R: Peter Weir), Happy Feet(2006, R: George Miller) und Tanna (2015, R: Bentley Dean, Martin Butler) sowie Creation (2009, R: Jon Amiel), Mahana (2016, R: Lee Tamahori), Hotel Mumbai (2018, R: Anthony Maras) und Die Fotografin (2023, R: Ellen Kuras).

    EDWARD BOND
    DREHBUCH


    Britischer Dramatiker und einer der bedeutendsten Vertreter des modernen politischen Theaters, verstorben 2024. In Deutschland wurden seine bei Suhrkamp verlegten Bühnenstücke von Regisseuren wie Peter Stein, Peter Zadek, Peter Palitzsch, Dieter Giesing, Luc Bondy oder Lander Haußmann inszeniert. Edward Bond schrieb zusammen mit mit Hans Werner Henze die Libretti für die Opern We Come To The River und Die englisch Katze, als Drehbuchautor arbeitete er u.a. mit Michelangelo Antonioni (1966, Blow Up), Tony Richardson (1968, Laughter In The Dark), Volker Schlöndorff (1969, R: Michael Kohlhaas), Nicolas Roeg (1971, Walkabout) und Arnaud Desplechon (2003, En Jouant ‚Dans La Dompagnie Des Hommes‘).


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    Infos
    Originaltitel:
    The Return
    Land:
    Italien, Griechenland, Vereinigtes Königreich, Frankreich
    Jahr:
    2024
    Studio/Verleih:
    Piffl Medien
    Regie:
    Uberto Pasolini
    Produzent(en):
    Uberto Pasolini, James Clayton, Konstantinos Kontovrakis, Roberto Sessa
    Drehbuch:
    John Collee, Edward Bond, Uberto Pasolini
    Kamera:
    Marius Panduru
    Musik:
    Rachel Portman
    Genre:
    Drama, Abenteuer, Historienfilm
    Darsteller:
    Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Charlie Plummer, Marwan Kenzari, Claudio Santamaria
    Inhalt:
    20 Jahre, nachdem er in den Trojanischen Kriegs gezogen ist, strandet Odysseus an den Küsten von Ithaka, ausgezehrt, ein Fremder im eigenen Land, ein Bettler, unerkannt. Ithaka hat sich verändert. Das Land ist verödet, Penelope, seine geliebte Frau, ist eine Gefangene in ihrem eigenen Haus, bedrängt von skrupellosen Freiern, die darauf warten, dass sie einen neuen Ehemann, einen neuen König wählt. Ihr Sohn Telemachos, ohne Vater aufgewachsen, wird von den Freiern mit dem Tod bedroht, er ist ein Hindernis in ihrem Kampf um Penelope und die Königskrone.

    Auch Odysseus hat sich verändert. Gezeichnet von seinen Kriegserfahrungen ist er nicht mehr der mächtige Krieger und listige Held, an den sich sein Volk erinnert. Er ist müde von so viel Töten, Leid, Umherirren. Der Krieg ist in ihm, er wird ihn nicht mehr los. Aber er ist gezwungen, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Er muss die Kraft wiederfinden, um seine Familie zu retten und die verlorene Liebe zurückzugewinnen.
    Start (DE):
    27.11.2025
    Laufzeit:
    116
    FSK:
    ab 16 Jahren

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